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Auto

Autogramm VW T-Roc

Es ist ein Tigulf

Mit dem T-Roc schließt VW die Lücke zwischen dem Kompaktwagen Golf und dem SUV-Modell Tiguan. Eigentlich ist der Wagen rundum überzeugend, doch ausgerechnet im Volkswagen-Konzern erntet er auch Spott.

Volkswagen
Von
Dienstag, 07.11.2017   04:42 Uhr

Der erste Eindruck: Das ist ein VW?

Das sagt der Hersteller: "Ready to Roc" - schon die offizielle Sprachregelung zum neuen SUV-Modell ist flotter als bisher bei VW üblich. "Dieser Wagen rockt das Segment, je nach Ausstattung und Farbkombination mal lauter oder leiser, doch immer selbstbewusst", sagt Chefentwickler Frank Welsch. Manche VW-Manager räumen im Hintergrundgespräch dagegen zähneknirschend ein: Wie mit der Formulierung "rocken", die schon etwas angestaubt wirkt, ist VW auch mit dem T-Roc selbst "mal wieder ein bisschen spät" dran.

Denn das Segment der kleinen Geländewagen boomt schon seit Jahren, bislang zugunsten von Modellen wie Renault Captur, Peugeot 2008 oder Opel Mokka. Doch auch für Nachzügler wie zuletzt den Hyundai Kona, den Kia Stonic oder eben nun den VW T-Roc sind die Aussichten immer noch rosig. VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann versucht die Häme über den Spätstarter deshalb mit Zahlen zu widerlegen: "Wir gehen davon aus, dass sich das jährliche Volumen dieser Kompakt-SUV weltweit in den nächsten zehn Jahren von heute rund 6,4 Millionen Einheiten auf etwa 10,6 Millionen Fahrzeuge vergrößern wird."

Das ist uns aufgefallen: Wann haben Sie sich das letzte Mal nach einem VW umgedreht? Beim T-Roc kann das durchaus vorkommen. In der Stadt folgen ihm die Blicke, an der Ampel zücken die Leute schon mal die Handykamera und kaum unterbricht man die Testfahrt, ist man von neugierigen Passanten umringt.

Foto: Tom Grünweg

Dass der T-Roc buchstäblich Köpfe verdreht, liegt an Form und Farbe gleichermaßen. Während der größere Tiguan dem Betrachter kaum mehr als ein Gähnen entlockt, geht der T-Roc beinahe als knackiges, höher gelegtes Coupé durch. Die Frontpartie wirkt frisch, die flotte Dachlinie wird von einem markanten Chromstreifen betont, und es gibt endlich wieder Ecken und Kanten im Blech. Dazu serviert VW zu den zehn Grundfarben diverse Kontrasttöne fürs Dach sowie im Innenraum verschieden bunte Kunststoffkonsolen, Lederstreifen und Ziernähte.

Während der T-Roc mit einem jugendlichen Auftritt betont modischen SUV-Modellen wie dem Nissan Juke oder dem Kia Stonic nacheifert, gibt er sich bei Antrieb und Ausstattung erwachsen. In der Top-Variante ist der Allradantrieb samt aufwendiger Fahrprofilregelung und dynamischen Dämpfern ab Werk an Bord. Es gibt Extras wie das digitale Cockpit und einen großen Touchscreen sowie Assistenzsysteme für Stau, Spurwechsel und Parkplatz plus die mittlerweile fast schon obligatorischen LED-Scheinwerfer.

Die Platzverhältnisse sind solide. Vorne sitzt man besser als im Golf und der Kofferraum ist mit 445 Litern Volumen ebenfalls größer. Nur auf der Rückbank geht es vor allem um die Knie herum etwas eng zu. Und anders als im Tiguan gibt es im T-Roc keine verschiebbare Rückbank.

Das Auto ist eher Fun-Car als Familienkutsche. Diesen Eindruck stützen die Niedersachsen nicht zuletzt mit der Motorenauswahl, die - ebenfalls anders als bei der Konkurrenz - schon jetzt bis 190 PS reicht und womöglich bald von einem R-Modell mit deutlich mehr Leistung getoppt wird. Das ist weder vernünftig noch billig, der Preis klettert dann auf mehr als 30.000 Euro - aber in höchstem Maße vergnüglich. Denn obwohl man etwas höher sitzt als im Golf, fühlt man sich im T-Roc der Straße enger verbunden. Dank breiterer Spur, dem strammen Sport-Profil und natürlich des Allradantriebs geht das Auto ohne die SUV-typischen Unarten durch die Kurven..

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des VW T-Roc - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der T-Roc basiert, wie mittlerweile die meisten VW-Modelle, auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) und ist ein enger Verwandter von Golf und Tiguan. Vom einen hat er die Abmessungen, vom anderen die Abenteuerlust. Denn mit 4,23 Meter Länge ist er dem Golf (4,26 Meter) sehr nahe, bei Höhe und Bodenfreiheit eher dem Tiguan. Auch beim Preis fährt er in der Lücke: Wenn im November der Verkauf mit zunächst je drei Benzin- und Diesel-Motorisierungen (je 115, 150 und 190 PS) beginnt, muss man mindestens 20.390 Euro anlegen. Das sind knapp 1000 Euro mehr als für einen entsprechend motorisierten Golf, aber etwa 6000 Euro weniger als für einen vergleichbaren Tiguan.

Im Vergleich mit der Konkurrenz ist die Position des T-Roc eindeutiger: Den Kia Stonic gibt es bereits ab 15.790 Euro, der Renault Captur startet bei 15.890 Euro und der Opel Crossland X steht mit 16.850 Euro in der Preisliste. Aber es geht auch teurer: Für den technisch nahezu identischen Q2 verlangt Audi etwa 4000 Euro mehr als VW für den T-Roc.

Während VW wie im Rausch einen SUV nach dem anderen vorfährt und der nächste Touareg sowie der kleine T-Cross bereits in den Startlöchern stehen, bedeutet der T-Roc zugleich den Rückzug aus einem anderen Lifestyle-Segment: Denn der kleine SUV kommt aus dem Werk im portugiesischen Setubal, wo bis vor kurzem noch das Cabrio Eos gebaut wurde.

Das werden wir nicht vergessen: Der kleine Design-Lichtblick an der Front. Zum ersten Mal haben die Wolfsburger das Tagfahrlicht aus den Scheinwerfern gelöst und als eigene Signatur unten in den Stoßfänger gepackt. Das lässt den T-Roc in jeder Hinsicht ein bisschen mehr schillern.

Hersteller: VW
Typ: T-Roc
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 7,2 s
Höchstgeschw.: 216 km/h
Verbrauch (ECE): 6,7 Liter
CO2-Ausstoß: 152 g/km
Kofferraum: 445 Liter
umgebaut: 1.290 Liter
Preis: 30.800 EUR
insgesamt 110 Beiträge
HH1960 07.11.2017
1. Testverbrauch?
Da fehlt doch etwas im Bericht. Im normalen Fahrbetrieb dürfte die getestete Version zwischen 8 und 9 l/100km verbrauchen. Für mich persönlich in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel. Aber für einen VW sieht der Wagen [...]
Da fehlt doch etwas im Bericht. Im normalen Fahrbetrieb dürfte die getestete Version zwischen 8 und 9 l/100km verbrauchen. Für mich persönlich in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel. Aber für einen VW sieht der Wagen tatsächlich gut aus.
kayser 07.11.2017
2. Beim Tiguan ...
kam VW seinerzeit auch der spät und das Ding wurde der Bestseller. Es würde mich nicht wundern, wenn es hier ebenso liefe. Nur wie sehr mag dies zu Lasten des Golf gehen? Wie viele werden nun den T-Roc statt eines Golf kaufen? [...]
kam VW seinerzeit auch der spät und das Ding wurde der Bestseller. Es würde mich nicht wundern, wenn es hier ebenso liefe. Nur wie sehr mag dies zu Lasten des Golf gehen? Wie viele werden nun den T-Roc statt eines Golf kaufen? Für die Umwelt ist das natürlich schade. Viel Leistung, schlechtere Aerodynamik als ein Golf; kein Auto mit dem man das Klimaziel erreichen kann. Aber die selbst definierte Lücke zwischen Golf und Tiguan ist gefüllt. Toller Wurf, VW.
lafari 07.11.2017
3.
Es gibt den golf, golf plus und den tiguan. Jetzt dieses marketingding, das angeblich eine lücke stopft und das nur weil es die premiumhersteller schon längst machen. X1-X7 sage ich nur. Fazit: sinnloses auto, wieder [...]
Es gibt den golf, golf plus und den tiguan. Jetzt dieses marketingding, das angeblich eine lücke stopft und das nur weil es die premiumhersteller schon längst machen. X1-X7 sage ich nur. Fazit: sinnloses auto, wieder einstampfen.
Aranea avicularia 07.11.2017
4. Fortschritt?
wo sind die E-basierten Motoren? Hybrid? Wasserstoffzelle? Das Teil ist weder zeitgemäss noch zukunftsweisend und wurde auf die Schnelle aus dem vorhandenen VW Baukasten zusammengeschustert. Wer sich diesen Oldtimer-Schrott [...]
wo sind die E-basierten Motoren? Hybrid? Wasserstoffzelle? Das Teil ist weder zeitgemäss noch zukunftsweisend und wurde auf die Schnelle aus dem vorhandenen VW Baukasten zusammengeschustert. Wer sich diesen Oldtimer-Schrott kauft, dem ist nicht mehr zu helfen.
thomarc 07.11.2017
5. Preis-Differenz zum Golf
Der gelungene T-Roc wird sicher seinen Weg machen, aber in Ihrem Artikel sind mir 2 Dinge aufgefallen: 1. Ein vergleichbarer Golf 1.0 TSI mit 110 PS und 4 Türen kostet 20.525 ?, ist also sogar etwas teurer als der T-Roc 2. Bei [...]
Der gelungene T-Roc wird sicher seinen Weg machen, aber in Ihrem Artikel sind mir 2 Dinge aufgefallen: 1. Ein vergleichbarer Golf 1.0 TSI mit 110 PS und 4 Türen kostet 20.525 ?, ist also sogar etwas teurer als der T-Roc 2. Bei dem von Ihnen in den Daten beschriebenen T-Roc 2.0 TSI 4motion mit Allradantrieb beträgt das Gepäckraumvolumen 392 statt 445 Liter. Noch eine Bemerkung zur Ausstattung: es wird imho höchste Zeit dass von der EU bei allen Neufahrzeugen eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung serienmäßig vorgeschrieben wird damit zumindest aus technischer Sicht dem Unfallproblem Handy am Steuer entgegen gewirkt wird.
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