25.03.2008
Subaru Boxer Diesel
Premiere im Motorraum
Von Roman Büttner"Wenn einer unserer Mitarbeiter sagt, Subaru baue nun auch Diesel-Motoren, muss er eine Runde ausgeben. Denn wir bauen jetzt Diesel-Boxer-Motoren und sind die Ersten, denen das in Serie gelungen ist", sagt Subaru-Deutschland Geschäftsführer Jens Becker. Zwar gab es in den fünfziger Jahren von Volkswagen einen Käfer, der von einem Boxer-Diesel angetrieben wurde, doch dieses Projekt ging nie in Serie. Jetzt feiert der Diesel-Boxer seine Premiere in den Mittelklasse-Modellen Legacy und Outback von Subaru. "Damit wollen wir den Kundenkreis erweitern", sagt Europa-Marketing-Leiter Naoki Fujimaki. Bislang nämlich herrschte Diesel-Ebbe bei der Marke.
Prinzipiell sind bei einem Boxermotor die Zylinder in einem Winkel von 180 Grad einander gegenüberliegend angeordnet, die Kurbelwelle ist in der Mitte platziert. Die Kolbenpaare links und rechts der Welle arbeiten gegenläufig, vergleichbar mit zwei Boxern, deren Fäuste im Wechsel fliegen. Schlägt der eine Boxer, zieht der andere die gegenüberliegende Faust zurück. Bei Subaru sind die Motoren so angeordnet, dass die Kurbelwelle in Längsrichtung des Fahrzeuges verläuft und so das Drehmoment ohne Umlenkungen ins Getriebe und von dort zu den Vorder- und Hinterrädern geleitet wird.
Durch diese Bauform läuft der Motor besonders ruhig und gleichmäßig, weil deutlich weniger Vibrationen und Schwingungen auftreten. Und tatsächlich ist der neue Subaru-Diesel recht leise, wenn man ihn startet. Allerdings sind moderne Selbstzünder herkömmlicher Bauart auch nicht mehr mit den Aggregaten zu vergleichen, die noch vor 15 Jahren wie ein Trecker nagelten. Auf der Testfahrt über die kurvigen Straßen im Taunus überzeugt der Outback-Diesel auch bei höheren Geschwindigkeiten durch Laufruhe und eine sehr stabile Straßenlage. Allerdings dürften sich die Vorzüge des symmetrischen Allradantriebs erst in Extremsituationen wirklich bemerkbar machen, die man im normalen Straßenverkehr selten erlebt.
Ein angenehm unaufgeregtes Auto
Darüber hinaus überzeugt der Outback durch Übersichtlichkeit und ein angenehm dezentes Design. Der Rundum-Blick des Fahrers wird nicht durch extravagant gestaltete Holme oder Säulen versperrt, so dass sich der 4,7 Meter lange Wagen gut rangieren lässt. Im Innenraum finden sich die Insassen schnell zurecht. Alle Funktionen sind leicht zu bedienen und keine nervenden Warntöne verunsichern den Outback-Neuling. Das Fahrlicht geht automatisch aus, wenn man den Zündschlüssel aus dem Schloss zieht und der Wagen warnt mit einer Leuchte in der Instrumentenanzeige, falls man nicht angeschnallt ist. Während das Design des Subaru Impreza, mit dem der japanische Hersteller bereits sechs Rallye-Weltmeisterschaften gewonnen hat, recht markant ist, fällt der schlichte Outback im Alltag kaum auf.
Einzig die Hutze auf der Motorhaube widerspricht der an sich unaufdringlichen Optik. Der Belüftungsschlitz ist allerdings notwendig, weil darunter der Ladeluftkühler des Turbomotors verbaut ist. Die vier per Commonrail-Einspritzung befüllten Zylinder entwickeln einen Motorleistung von 150 PS und beschleunigen das Auto bei Bedarf in 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei 200 km/h ist die maximale Geschwindigkeit erreicht. Kein radikaler Wert, aber allemal genug, um auch längere Strecken auf der Autobahn flott zurückzulegen.
Sparsamer Verbrauch und eine merkwürdige Anzeige
Im Schnitt verbraucht der Outback 5,8 Liter Diesel-Kraftstoff und stößt dem entsprechend 153 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus; serienmäßig werden die Abgase durch einen offenen Rußpartikelfilter gereinigt. Auch diese Werte sind unauffällig. Um den Fahrer zum Spritsparen zu animieren, hat Subaru eine Verbrauchsanzeige im Cockpit installiert. Die ist jedoch unbrauchbar, weil die Anzeigenadel ständig aufgeregt zwischen einem grünen und gelben Bereich hin und her pendelt – der aktuelle Verbrauch lässt sich so nicht ablesen, sondern nur eine Tendenz.
Weil es die Japaner mit ihrer Diesel-Offensive offensichtlich ernst meinen, sollen im Herbst auch die Modelle Impreza und Forester mit Diesel-Boxer-Motor angeboten werden. Mit der Einführung des Forester-Diesel ist auch ein Sechsgang-Getriebe avisiert. Bislang liefert Subaru die Dieselmodelle in Verbindung mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe aus. Ob künftig auch größere Diesel-Boxer gebaut werden, hängt von der Entwicklung in Asien und den USA ab. Wenn sich der Selbstzünder dort durchsetzt, wollen die Subaru-Entwickler reagieren. Deutschland-Chef Becker: "Wenn es möglich ist, einen Boxer-Diesel mit vier Zylindern zu entwickeln, warum sollte es dann nicht möglich sein, einen Sechszylinder zu bauen?"