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03.07.2009
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Chevrolet Camaro

Kult statt Krise

Von Tom Grünweg

GM-Manager haben derzeit kaum Grund zur Freude. Dennoch gibt es inmitten der Insolvenz zumindest einen kleinen Lichtblick. Der neue Chevrolet Camaro sprengt alle Erwartungen. Wer ihn sieht, kann das nachvollziehen. Sobald man den Wagen fährt, fragt man sich: Warum?

Wenn es doch nur häufiger so gewesen wäre: Die Menschen stehen Schlange im Autohaus, und anstatt über Rabatte wird über Lieferfristen verhandelt. So etwas hat es bei General Motors schon lange nicht mehr gegeben, doch seit der gestürzte Riese vor ein paar Wochen den neuen Chevrolet Camaro zurück in die Verkaufsräume brachte, geht es hoch her bei den Händlern. Zwar kann der Klassiker den GM-Karren nicht allein aus dem Dreck ziehen, doch 10.000 Vorbestellungen, mehr als 25.000 Händleraufträge, knapp 6000 Zulassungen im Mai und fast doppelt so viele im Juni sind zwischen all den Hiobsbotschaften endlich einmal ein paar gute Nachrichten.

Die hätte General Motors schon viel früher haben können. Denn während Ford den Mustang nie eingestellt und Chrysler schon vor Jahresfrist den Dodge Challenger wieder belebt hat, erlaubte sich Chevrolet eine sechs Jahre lange Lücke in der Modellhistorie der Autolegende. Von 1966 bis 2002 wurden vier Generationen des Sportwagens gebaut, dann war nach 35 Jahren plötzlich Schluss, weil angeblich keiner mehr den Zweitürer kaufen wollte. Kein Wunder, schließlich sah das letzte Modell aus wie ein Stück Seife nach dem Duschen.

Das ist vorbei. Grimmig und gewaltig steht das neue Coupé auf der Straße, blickt stechend aus den im dunklen Kühlerschlitz versteckten Xenon-Scheinwerfern und platzt förmlich vor Kraft. Die Motorhaube ist aufgeworfen als müssten gleich vier Ladeluftkühler darunter passen, die Hüften hoch und breit, damit die 275er Reifen auf den optionalen 20-Zoll-Felgen überhaupt Platz haben, das Dach sportlich flach und das Heck kurz und knackig - so muss ein Showstar aussehen. Wo man mit dem Camaro auftaucht, steht das Auto im Mittelpunkt. Und egal ob beim Drive-In, an der Tankstelle oder auf dem Parkplatz der Mall; kein Zwischenstopp vergeht ohne ein Benzingespräch mit alten und neuen Fans.

Die erste Euphorie über den Klassiker verfliegt im Nu

Die Begeisterung jedoch reicht kaum länger als für den flüchtigen Erstkontakt. Schon die Karosserie lässt mit üppigen Spaltmaßen und Kunststoffblenden, die kaum stabiler sind als Pappteller, ernsthafte Zweifel an der seriösen Wiederbelebung aufkommen. Und beim Blick in den Innenraum ist es vollends vorbei. Zwar ist der Camaro mit einem Basispreis von rund 23.000 Dollar ein billiges Auto, doch derart schlechte Kunststoffoberflächen hat der Klassiker einfach nicht verdient.

Und auch die lediglich angedeuteten Schaltwippen am Lenkrad, unter denen dann doch ganz normale Drucktaster liegen, zeugen nicht unbedingt von der Liebe zum Detail. Da können die eckigen Instrumente hinter dem Lenkrad und auf dem Mitteltunnel noch so schön aussehen - wenn jedes Spielzeugauto mehr Wertigkeit ausstrahlt, ist die Freude über das Remake schnell verpufft. Über den mangelnden Platz auf der Rückbank, die geringe Kopffreiheit oder die unbequemen Kopfstützen muss man da gar nicht mehr streiten.

Das Fahrverhalten passt nicht zu einem Sportwagen

Die Kritik lässt sich auch nicht - wie sonst meist bei US-Sportwagen - mit einem Griff zum Zündschlüssel nivellieren. Denn so brachial und böse der Camaro auch aussieht, er fährt nicht so. Dafür arbeitet die Automatik mit immerhin sechs Stufen zu behäbig, die Lenkung hat zu viel Spiel, und die Straßenlage ist nicht stramm genug. Dabei haben die GM-Ingenieure, anders als etwa die Entwickler bei Ford, sogar die Starrachse aus dem Heck geworfen und ein modernes Fahrwerk eingebaut.

Der Motor immerhin ist ok. Selbst wer nicht das Achtzylinder-Triebwerk mit 6,2 Liter Hubraum und 400 oder 426 PS bestellt, bekommt mehr als genügend Leistung. Selbst das Basismodell fährt mit einem 3,6 Liter großen V6-Motor vor, der es auf 304 PS und 370 Nm bringt. Wenn die Straße geradeaus geht und man die Traktionskontrolle ausschaltet, reicht das allemal für einen Kavalierstart und einen Sprintwert von kaum mehr als sechs Sekunden. Und gäbe es kein Tempolimit, sollten locker 210 km/h möglich sein. Zum Verbrauch: Der Motor verfügt über Direkteinspritzung und die Automatik über einen langen sechsten Gang, was den Durchschnittswert laut US-Datenblatt unter elf Litern hält.

Importeure bieten den Camaro auch schon in Europa an

Kaum war das Auto in den USA auf der Straße, standen die ersten Exemplare auch schon auf dem Schiff nach Europa. Hiesige Importeure leben gut von der Legende und können für die Sechszylinder-Variante deutlich über 30.000 Euro verlangen. Sobald der Hype in den USA nachlässt und die Fabrik im kanadischen Oshawa wieder Kapazitäten frei hat, soll der Klassiker auch offiziell in Europa angeboten werden.

"Der Camaro wird mit Sicherheit nach Deutschland kommen", sagt Chevrolet-Statthalter Jürgen Keller, und hofft auf einen Imageschub für die Marke, die sonst vor allem von niedrigen Preisen lebt. Das Sportcoupé sei eine Ikone, die Begeisterung hervorrufe und das Produktportfolio bereichern werde, gibt sich Keller überzeugt. Vielleicht sollten die Amerikaner die Wartezeit für ein paar Nachbesserungen nutzen. Sonst nämlich geht die vermeintliche Imagerakete nach hinten los.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Chevrolet
Typ: Camaro
Karosserie: Coupé
Motor: V6-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.564 ccm
Leistung: 304 PS (224 kW)
Drehmoment: 370 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 10,9 Liter
CO2-Ausstoß: 260 g/km
Kofferraum: 320 Liter
Preis: 24.035 EUR

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