06.10.2009
Kia Forte LPI Hybrid
Kurioser Knauser aus Korea
Von Tom GrünwegKorea und Hightech? Das verbindet man bislang eher mit der Elektronikbranche. Doch auf dem Weg unter die Top-Fünf der Autohersteller setzen die Schwestermarken Kia und Hyundai längst nicht mehr nur auf billiges Blech. Bereits mit den Europa-Modellen Kia Cee'd und Hyundai i30, neuen Dieselmotoren und Start-Stopp-Systemen bewies der koreanische Konzern, dass er mehr drauf hat als Massenware. Jetzt folgt der nächste Schritt, und zwar in der Umwelttechnik.
Während Mercedes und BMW in der Oberklasse gerade die ersten Hybridmodelle auf den Weg bringen und alle anderen europäischen Marken noch gar nichts vorweisen können, zeigt Kia jetzt ein Hybridmodell, das überraschend konzipiert ist. Denn erstens ist das Modell namens Forte kein exklusiver Oberklasse-Sparer, den sich ohnehin nur eine Minderheit leisten kann, sondern ein in Korea ausgesprochen populäres Kompaktauto. Und zweitens liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß deutlich unter dem der meisten Vergleichsmodelle.
Möglich macht das ein technischer Kunstgriff, der den koreanischen Knauser vollends zum Exoten stempelt. Denn der Verbrennungsmotor des Autos läuft nicht mit Benzin, sondern mit Flüssiggas. Wie hierzulande ist der alternative Treibstoff auch in Korea deutlich billiger als Benzin und setzt obendrein weniger CO2 frei. So kommt der Kia auf 94 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer und ist dem technisch ähnlich zugeschnittenen, aber mit normalem Sprit befeuerten Honda Insight (101 g/km) ebenso voraus wie dem konventionell angetriebenen VW Golf Blue Motion (99 g/km).
Selbst der europäische Kompakt-Kia Cee'd wirkt gegen das Flüssiggas-Hybridmodell aus Korea mit 125 Gramm CO2 pro Kilometer als Klimaschädling. Darüber hinaus fährt das Modell Forte nicht nur sauber, sondern auch billig: Weil Autogas hierzulande dank eine Steuerbonus etwa 60 Cent kostet und der Forte mit 5,3 Litern zufrieden ist, zahlt man für 100 Kilometer lediglich rund drei Euro und fährt damit jedem konventionellen Auto locker davon.
Die Antriebstechnik des aerodynamisch optimierten Autos setzt sich zusammen aus einem 1,6 Liter großer Vierzylinder-Verbrenner, der, sofern er mit Benzin betrieben wird, 126 PS leistet. Mit Flüssiggas aus dem 53 Liter-Tank unter der Rückbank sinkt die Leistung zwar auf 114 PS, doch steckt dafür im Gehäuse des stufenlosen Automatikgetriebes ein 20 PS starker Elektromotor, der beim Anfahren wie ein Turbo wirkt: Tritt man aufs Gas, liefern beide Motoren zusammen rund 250 Nm und schieben den immerhin fast 1,7 Tonnen schweren Wagen flott voran. Auf den ersten Metern beschleunigt der Kia Forte fast wie ein Sportwagen, beim Spurt von 0 auf Tempo 100 vergehen dann aber doch zwölf Sekunden. Und obwohl in Korea ein Tempolimit von 110 km/h gilt, schafft das Auto mehr als 180 km/h.
Bremsenergie wird zurückgewonnen, im Stand wird der Motor abgestellt
Wie immer bei einem Hybrid-Modell dient der Elektromotor nicht nur dem Vortrieb. Sondern beim Bremsen fungiert er als Generator und lädt den Akku, und am Ende des Ampelstopps wirft er den im Stand automatisch abgeschalteten Verbrenner schnell und leise wieder an. Nur zum rein elektrischen Fahren fehlt dem Elektromotor - ähnlich wie den Aggregaten im Honda Insight oder der Mercedes S-Klasse - die Kraft.
Die Kombination aus Strom und Flüssiggas ist allerdings nicht die einzige Eigenheit des Kia. Auch bei der Batterie gehen die Koreaner neue Wege. Wo aktuelle Hybrid-Modelle auf Nickel-Metallhydrid-Akkus setzen und auf Lithium-Ionen-Zellen warten, hat Kia bereits einen Lithium-Polymer-Akku entwickelt, der leichter und weniger empfindlich ist und obendrein mehr Strom speichern kann. Deshalb reicht dem Kia auch ein Akku-Block von 24 Kilogramm, der zwischen Rückbank und Kofferraum platziert ist.
Bei sparsamer Fahrt gedeiht im Cockpit die Digitalpflanze
Sieht man von den bunten Aufklebern und dem "eco-dynamics"-Logo im Kühlergrill ab, ist der Forte äußerlich kaum als Saubermann zu erkennen. Der Blick ins Cockpit jedoch verrät den anderen Ansatz, weil es dort neben der Lade- und Schubanzeige des E-Motors auch noch ein Spardiagramm gibt, das einen effizienten Fahrstil mit sprießenden Digitalblumen belohnt.
Anders als viele der zuletzt gezeigten Hybrid-Typen ist der Kia Forte kein Einzelstück der Forschungsabteilung, sondern ein Serienfahrzeug, das in Korea bereits verkauft wird. Zwar verlangen Kia für das Auto einen Aufschlag, doch mit umgerechnet rund 13.000 Euro ist der Wagen dennoch ein Schnäppchen - zumal der Staat einen Steuerbonus spendiert. Von solchen Preisen können Europäer nur träumen - der Honda Insight als mit Abstand günstigstes Hybrid-Auto kostet in Deutschland derzeit 19.550 Euro.
Einige Kia-Fahrer in Deutschland, Holland und Italien werden den Forte allerdings sogar umsonst bekommen - im Rahmen eines Flottentests. Mehr als 36 Fahrzeuge wird es in Europa jedoch vorerst nicht geben.

