10.11.2009
BMW Active Hybrid X6
Elektrisierter Elefant
Aus Miami berichtet Tom GrünwegAuch schon wach? Mehr als eine Generation nach Autos wie dem Lexus RX und fast ein Jahr nach Kooperationspartner Mercedes bringt jetzt auch BMW einen Geländewagen mit Hybrid-Antrieb an den Start. Und weil die Bayern glauben, es sich und ihren Kunden schuldig zu sein, ist die elektrisierte Variante des X6 der stärkste Teilzeitstromer der Welt. Die Idee vom Sparen bleibt so weit gehend auf der Strecke, doch dort, wo der Wagen vor allem verkauft werden soll, nimmt man es mit solchen Details angeblich nicht so genau. "Die Amerikaner werden dieses Auto lieben", sagt BMW-Sprecher Dirk Arnold.
Bei der ersten Testfahrt machte der von außen an turbinenartig gestylten Felgen und einem Hügel auf der Motorhaube zu erkennende Hybrid-SUV seine Sache zunächst einmal ganz gut. Wer verhalten anfährt und das Gaspedal sachte bedient, rollt flüsterleise vom Hotelparkplatz auf den Ocean Drive von Miami Beach: Das einzige, was man hört, ist das Rauschen der Wellen. Denn bis Tempo 60 haben die beiden im Gehäuse der siebenstufigen Automatik integrierten Elektromotoren genügend Saft und Kraft, um den X6 alleine zu bewegen - geräuschlos und immerhin zweieinhalb Kilometer weit ohne jeden Schadstoffausstoß.
Erst wenn das 100 Kilogramm schwere Akkupaket, das gerade so unter den Ladeboden im Heck passt, leer ist oder der Fahrer etwas beherzter zutritt, schaltet sich der Benzinmotor zu. Während Mercedes die gemeinsam mit BMW entwickelte Elektrotechnik in der M-Klasse mit einem V6-Motor kombiniert, haben die Münchner den 4,4 Liter großen Achtzylinder aus dem Top-Modell gewählt, der allein schon 407 PS und 600 Nm auf die Straße wuchtet.
Mit elektrischer Unterstützung steigt die Systemleistung auf 485 PS, das maximale Drehmoment klettert auf 780 Nm, und hinter dem grünen Feigenblatt zeigt der X6 seine rabenschwarze Seele: Obwohl mit mehr als 2,5 Tonnen Leergewicht schwer wie ein Kleinlaster, gibt er den Sprinter und fährt beim Ampelspurt nach einer kurzen Gedenksekunde den aufgemotzten Coupés der örtlichen Tuning-Fans lässig davon: Nur 5,6 Sekunden braucht der elektrisierte Elefant zum Beschleunigen auf Tempo 100 und würde bis auf 236 km/h beschleunigen, gäbe es keine Geschwindigkeitsbegrenzung.
Doch spätestens beim Blick auf den Bordcomputer ist der Spaß vorbei. Zwar rechnet das System noch ein wenig fehlerhaft, weil es die elektrisch gefahrenen Abschnitte nicht einkalkuliert, sagen die BMW-Leute und versprechen, dies bis zur Markteinführung im April 2010 zu korrigieren. Doch selbst wenn man dem Wagen ein oder gar zwei Liter gut schreibt, ist der theoretische Normverbrauch von 9,9 Liter für Normalsterbliche praktisch unerreichbar. Schon um auf einen Schnitt von 13 Liter zu kommen, muss man sehr verhalten und vorausschauend fahren, das Hybrid-Display im Blick behalten und stets sachte bremsen, so dass möglichst viel Energie zurückgewonnen wird.
Der hohe Verbrauch ist jedoch nicht das einzige Manko des X6 Active-Hybrid. Auch die Technik ist schon vor dem Start überholt. Während die ebenfalls für April angekündigte Hybridvariante des BMW 7ers bereits die leichteren und vor allem effizienteren Lithium-Ionen-Akkus nutzt, muss der X6 noch Nickel-Metall-Hydrid-Batterien schleppen. Die gelten aber als Auslaufmodell und werden bei der angekündigten Hybridisierung der BMW-Baureihen 5er und 3er wohl keine Rolle mehr spielen.
Der Hybrid-SUV von BMW kommt nur mit der zweitbesten Technik
So kommt der X6-Hybrid spät und obendrein nur mit der zweitbesten Technik, doch im innerdeutschen Wettbewerb steht das Auto gar nicht so schlecht da. Denn Mercedes verkauft den ML 400 Hybrid nur in den USA, und bis die Hybrid-Varianten der kommenden VW-Touareg- oder Porsche-Cayenne-Generation durch die Gegend stromern, vergeht noch mindestens ein Jahr.
Dennoch wirkt das Vorgehen von BMW so, als solle der Wagen zumindest hierzulande gar nicht verkauft werden. Während beim 7er etwa 5000 Euro für den E-Motor aufgeschlagen werden, ist der Hybrid-Zuschlag beim X6 mit rund 26.000 Euro prohibitiv. Das führt das vermeintliche Spritsparen ad absurdum. Doch registrieren die Bayern nach eigenen Angaben zumindest in den USA reichlich Interesse; die Verantwortlichen sorgen sich bereits, ob im US-Werk in Spartanburg genügend Hybridmodelle produzieren werden können. Warum dieser Run auf den Wagen in den USA? Einerseits wird der X6 dort nicht mit Dieselmotor angeboten - und vor allem wird das Auto dort mehr als ein Drittel weniger kosten als in Deutschland.

