06.05.2010
Mitsubishi ASX
Zurück auf die Straße
Von Tom GrünwegSicher, die Hintergründe unterscheiden sich, doch insgesamt passt der Vergleich: Mitsubishi ist so etwas wie der japanische Opel. Diverse missglückte Kooperationen (zum Beispiel mit Daimler) haben die Marke aufgerieben, das Unternehmen ausgeblutet. Die Modellpalette ist unübersichtlich bis krautig - Mitsubishi ist zweifellos das Sorgenkind der japanischen Autoindustrie.
Und noch eine Parallele mit Opel gibt es: Während in Rüsselsheim vor allem das Elektroauto Ampera als Symbol für eine bessere Zukunft gilt, so speist sich bei Mitsubishi die Hoffnung vor allem aus dem Debüt des batteriebetriebenen Kleinwagens i-Miev. Die konventionellen Modelle hingegen sind weit hinten in der Zulassungsstatistik unterwegs.
Jetzt soll Mitsubishi neu ausgerichtet werden. Das erste Modell, dass den Wechsel einläuten soll, ist der Mitsubishi ASX. Das Auto ist positioniert an der Nahstelle zwischen familientauglichem Kombi, konventionellem Kompaktwagen und kleinem SUV. Es tritt an gegen Autos wie den Nissan Qashqai oder den Skoda Yeti an. Letzterer hat mit 17.990 Euro exakt den selben Einstiegspreis, aber "nur zufällig", wie Mitsubishis Deutschlandchef Martin van Vugt versichert.
Zu diesem Preis gibt es den 4,30 Meter langen Mitsubishi ASX allerdings erst ab Herbst, wenn das Modell auch mit einem 117 PS starken Benzinmotor verfügbar ist. Vorher kostet das Auto mindestens 20.990 Euro und ist mit einem neuen Common-Rail-Dieselaggregat motorisiert. Die Maschine soll die lästig lauten Pumpe-Düse-Motoren ersetzen, die Mitsubishi bislang von VW zukaufte.
Nur für das Dieselmodell gibt es auf Wunsch Allradantrieb
Der 1,8-Liter-Motor klingt zwar ebenfalls rauh, hat aber ordentlich Kraft: 150 PS und 300 Nm stehen im Datenblatt. Von 0 auf Tempo 100 geht es in glatt zehn Sekunden und als Höchstgeschwindigkeit sind 198 km/h möglich. Es geht also flott voran, zumal die Gänge ordentlich durch das Sechsgang-Schaltgetriebe flutschen, die Lenkung zuverlässig Rückmeldung gibt und der zuschaltbare Allradantrieb den Wagen sicher in der Spur hält. Die Allradoption bietet übrigens nur die Dieselvariante, und zwar für 1800 Euro Aufpreis.
Im Gegensatz zur Konkurrenz rüstet Mitsubishi das Auto mit moderner Spritspartechnik aus: Serienmäßig für alle Modelle gibt es neben Leichtlaufreifen und einem Display mit Schaltempfehlungen auch eine Start-Stopp-Automatik und ein regeneratives Bremssystem. Das Ergebnis ist ein offizieller Verbrauch von 5,5 (Diesel) und 5,9 Liter (Benziner). Selbst wenn man in der Praxis noch eineinhalb Liter aufschlagen muss, ergeben sich noch respektable Werte.
Das Ambiente im ASX wirkt nicht auf der Höhe der Zeit
Während der ASX unter der Haube also durchaus mit der Konkurrenz mithalten kann, klappt das im Innenraum nicht so recht. Auch wenn die Serienausstattung mit sieben Airgabs, ESP und Klimaanlage gut ist und Optionen wie dynamisches Xenonlicht, Festplattennavigationsgerät oder Panoramadach keinen Grund zur Klage geben, wirkt die Materialauswahl lieblos. Und das Platzangebot ist knauserig. Man sitzt zwar in der ersten Reihe bequem und in der zweiten ganz leidlich, doch der Kofferraum fasst lediglich 416 Liter. Erst wer mit ein paar Handgriffen die Rückbank umlegt, kann mehr einladen: Bis zu 1216 Liter Ladevolumen stehen dann zur Verfügung.
Ob die deutschen Kunden den ASX mögen, ist noch offen - aber eine ganz gute Absatzbasis hat das Auto bereits: Der französische PSA-Konzern wird Mitsubishi ab 2012 pro Jahr 50.000 ASX abkaufen - und das Fahrzeug als Grundlage für eigene Pkw-Variationen der Marken Peugeot und Citroën verwenden.

