21.11.2011
BMW 3er
Der rasende Computer
Von Jürgen PanderSeit gut 15 Minuten sitzen wir jetzt schon im nagelneuen BMW 328i, doch das Auto hat sich noch keinen Millimeter bewegt. Das liegt an dem freundlichen BMW-Ingenieur auf dem Beifahrersitz, der uns durch den elektronischen Dschungel des Wagens lotst; er tut dies durch virtuoses Drücken und Drehen des iDrive genannten Schalters auf der Mittelkonsole. Der Flachbildschirm auf der Mitte des Armaturenbretts zeigt eine Grafik nach der anderen - Navigationsmenüs, virtuelle Vogelperspektiven auf den Wagen, die Verstellmöglichkeiten des Sportmodus und so weiter.
Das ließe sich wohl noch lange fortsetzen, doch merken kann man sich ohnehin nur das Nötigste. Und zum Losfahren reicht es auch jetzt schon. Denn ein Lenkrad, ein Gas- und Bremspedal sowie ein Knüppelchen für die Achtgang-Automatik hat auch dieses Auto noch. Also den Startknopf gedrückt und die Fahrstufe D eingelegt, schon rollt der neue BMW 3er vom Hof. Den Motor hört man praktisch nicht, die elektronische Servolenkung ist bei Richtungswechseln behilflich und das Navigationssystem hat längst den Kurs zum Zielort berechnet und gibt die entsprechenden Richtungsempfehlungen.
Autofahren 2.0 könnte man das nennen. Man sitzt im neuen 3er nahezu perfekt gekapselt und gepuffert. Der Vierzylinder-Turbomotor mit 245 PS tut, als sei er permanent unterfordert und so fährt man mit einer Leichtigkeit und Souveränität dahin, als säße man eigentlich vor einer Playstation. Zum Glück ist in den Kurven die Fliehkraft zu spüren, und dann kann man auch noch am sogenannten Fahrerlebnisschalter herumspielen und dadurch vom Comfort- in den Sport- oder den Eco-Pro-Modus wechseln. Das Auto zieht dann sozusagen entweder die Turnschuhe an oder die Ökosandalen. Denn in Eco-Pro-Stellung werden zahlreiche Variablen - etwa die Gaspedal-Kennlinie, die Schaltpunkte des Automatikgetriebes oder die Intensität der elektrischen Nebenaggregate - auf maximale Effizienz getrimmt.
Gebaut wird das Auto in Bayern, Südafrika und China
"Wir glauben, dass der neue 3er erneut die Messlatte in der sportlichen Mittelklasse ist", erklärt Udo Haenle selbstbewusst. Er ist der verantwortliche Projektleiter für jene Baureihe, auf die im vergangenen Jahr rund ein Drittel der insgesamt gut 1,4 Millionen verkauften BMW-Modelle entfiel. Seit ihrem Debüt im Jahr 1975 haben inzwischen weltweit mehr als 12,5 Millionen 3er einen Käufer gefunden. In 132 Ländern der Welt wird die neue Generation demnächst angeboten, die in München und Regensburg, in Südafrika und China vom Band läuft. Am 11. Februar 2012 fällt der globale Startschuss. "Die zeitgleiche Einführung eines neuen Autos auf fast allen Märkten ist ein Novum für BMW", sagt Haenle.
Ebenfalls neu ist, dass BMW den Wagen in drei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten anbietet. Die heißen Luxury-, Sport- und Modern-Line, kosten je 1900 Euro Aufpreis und fassen jeweils eine Reihe von Ausstattungsextras zusammen. "Die Kundenansprüche an den BMW 3er sind so vielfältig, dass wir uns ein großes Interesse an diesen Paketen versprechen", sagt Haenle. Logisch, dass sich das Auto auch darüber hinaus noch massiv aufrüsten lässt. Etwa durch die schon erwähnte Achtgangautomatik (Aufpreis 2260 Euro), durch einen Spurhalteassistenten (520 Euro), eine Überwachung des toten Winkels (560 Euro), ein Parkassistenzpaket (1490 Euro) oder ein Head-Up-Display (980 Euro).
Letzteres projiziert nun erstmals in dieser Fahrzeugklasse farbige Informationen und Grafiken direkt in das Blickfeld des Fahrers. Man muss den Blick also nicht mehr von der Fahrbahn abwenden, um etwa Navigations- oder Streckenhinweise zu erhalten. In einer unlängst zu diesem neuen System verbreiteten Pressemeldung schwärmten die BMW-Poeten martialisch von einer "Präzision wie im Kampfjet" und ließen sogar einen Eurofighter-Testpiloten zu Wort kommen, der die "brillante Anzeigequalität" pries. Obwohl die Technik ursprünglich aus der Flugzeugbranche stammt und das Autofahren durchaus erleichtern kann, wirkt die Kampfjet-Analogie deplatziert.
Im nächsten Herbst tritt erstmals ein 3er mit Hybridantrieb an
Das Auto ist übrigens, was niemanden wundert, mal wieder länger und breiter geworden als das Vorgängermodell. Die Karosserie wuchs um gut neun Zentimeter auf nun 4,62 Meter Länge und ist nun 1,81 Meter breit (ohne Außenspiegel). In Kombination mit dem gewachsenen Radstand wurden daher der Fond und der Kofferraum etwas geräumiger. Schwerer geworden ist der 3er jedoch nicht, die Autos wurden stattdessen je nach Ausstattung sogar um bis zu 45 Kilogramm leichter.
Wie schon in der Vergangenheit, wird es auch bei der neuen Baureihe natürlich nicht bei der Limousine bleiben. Als erste Karosserievariante soll im Herbst 2012 der Kombi namens Touring folgen, später werden Coupé und Cabrio die 3er-Familie ergänzen. Zusätzlich ist ein ganz neuer Typ vorgesehen: Ebenfalls im Herbst nächsten Jahres debütiert der erste 3er mit Hybridantrieb. Die Limousine wird kein bescheidenes Effizienzmodell, sondern ein Auto mit 340 PS. Zum Verkaufsstart bietet BMW den Wagen jedoch zunächst mit vier herkömmlichen Motorisierungen an. Die beiden Dieselvarianten leisten 163 und 184 PS, die Benziner treten mit 245 PS und mit 306 PS Leistung an.

