19.02.2012
Jaguar XKR-S Cabrio
Die flotte Mieze
Von Tom GrünwegGentleman, fix your Frisur! So stürmisch wie der ab März lieferbare XKR-S war bislang noch kein Cabrio von Jaguar. Sobald das Verdeck hinter den winzigen Rücksitzen verschwunden ist, das Windschott eingeklappt ist und die Seitenscheiben versenkt sind, wird es böeig im Boliden. Binnen 4,4 Sekunden schießt der Wagen auf Tempo 100 - und der Sturm wird immer stärker. Erst bei 300 km/h endet, elektronisch abgeriegelt, der Vorwärtsdrang.
"Es wäre sogar noch mehr drin", sagt Andy Lowis, Motorenentwickler bei Jaguar. "Bei unseren Testfahrten erreichten wir mehr als 320 km/h." Aussagekräftiger als der Topspeed ist eh ein anderer Wert. "Unter acht Minuten", strahlt Lewis. Er meint die Rundenzeit auf der Nürburgring-Nordschleife. Dort gilt die Acht-Minuten-Marke als Demarkationslinie, die aufgemotzte Kraftmeier von den wirklichen Sportwagen trennt. Der neue Jaguar also gehört zu den echten Stürmern.
Die Rasanz resultiert aus einem durch Kompressor und Steuerelektronik geschärften V8-Motor, dessen Leistung von 510 auf 550 PS stieg. Parallel dazu wurden auch die Lenkung straffer, das Fahrwerk um zehn Millimeter tiefer gelegt, das Fahrwerk strammer abgestimmt und die Bremsen verstärkt. Auch die Aerodynamik des XKR-S Cabrio wurde getunt, was an der weit aufgerissenen Frontpartie, den Finnen an den Radläufen und dem fetten Spoiler auf dem Heckdeckel erkennbar ist. So rauscht mehr Kühlluft in Motorraum und Radhäuser, und am Heck entsteht ein größerer Abtrieb.
Das Fahrgefühl? Der Wagen scheint auf dem Asphalt zu kleben und lässt sich - immerhin knapp zwei Tonnen schwer - überraschend leichtfüßig durch Kurven treiben. Aber der Wagen beherrscht nicht nur die radikale Gangart, sondern auch das ruhige Dahingleiten.
Diesen Spagat schafft zwar seit einem Jahr auch schon das XKR-S Coupé, doch die Eindrücke sind im offenen Auto einfach noch heftiger. Ausgelöst werden die nicht nur durch den Fahrtwind, sondern durch die intensive Geräuschkulisse. Bei kaum einem Auto gibt es so viel auf die Ohren, wie im offenen Top-Jaguar. Ins Wummern und Grollen streut die Elektronik bisweilen sozusagen virtuelle Fehlzündungen ein. Das freut den audiophilen Autofahrer - und lässt die Passanten neugierig aufblicken. Wozu sonst fährt man schließlich ein Cabrio?


