17.04.2012
Fahrbericht Fiat Panda
Klein, aber froh
Von Jürgen PanderKennen Sie das Gefühl, dass man sich so richtig auf eine Autofahrt freut? Bei Großstadtbewohnern ist es selten geworden. Warum sollte man sich auch freuen auf nervenzehrendes Gezuckel von Rotlicht zu Rotlicht oder offenbar kurzsichtige Parkplatzsucher, die im Kriechtempo nach einer Lücke fahnden? Neulich aber war ich trotz alledem mal wieder glücklich, hinters Lenkrad zu kommen. Der Grund war das Auto.
Von außen sieht der Fiat Panda gar nicht besonders aus. Ein Kleinwagen eben, aufrecht designt, ohne überflüssige Schnörkel aber auch nicht gähnend langweilig oder überdreht. Innen wird die Optik dann schon munterer. Das liegt am "Squircle" - so nennt Fiat die Mischung aus Quadrat (square) und Kreis (circle).
Günstiges, aber cleveres Intereur-Design
Wohin man schaut, überall erblickt man diese Form: Lautsprecher, Schaltknauf, Handbremshebel, Sitzbezüge, Ablagefächer, Klimaregler, Türöffner, Cockpitinstrumente, ja sogar das Lenkrad folgt der Quadratur des Kreises.
Das Einsteigen und Drinnensitzen macht also schon mal Spaß. Und zwar nicht, weil hier mit Karbon- oder Chromfakes auf Upper Class gemacht wird, sondern weil man spürt, dass die Designer und Entwickler ernsthaft über ein günstiges, praktisches und dennoch hübsches Interieur nachgedacht und es dann auch umgesetzt haben.
Dazu kommen die vier Türen, die würdevolles Einsteigen auf alle fünf Plätze erlauben und vor allem hilfreich sind, wenn Kinder auf ihre Sitze im Fond bugsiert werden müssen. Platzprobleme gibt es dabei übrigens nicht - es wird einfach nur etwas eng im Auto, doch das kennt man auch aus scheinbar sehr viel größeren Modellen.
Warum 69 PS keine Mangelerscheinung sein müssen
Das Fahren? Funktioniert im neuen Panda so, wie man es erwartet. Unter der Haube unseres Testautos steckte der sogenannte Einstiegsbenziner, also der 1,2-Liter-Vierzylindermotor klassischer Bauart mit 69 PS. Niemand wird in Schwärmerei über dieses Aggregat ausbrechen, es sei denn die Controller bei Fiat, denn die Italiener haben schon mehr als zehn Millionen Exemplare dieser Motorenbaureihe hergestellt.
Moderne Techniken wie Direkteinspritzung oder Aufladung gibt es nicht. Das Maschinchen in der aktuellen Variante (Evo II) arbeitet angenehm leise und dreht freudig hoch. Tempo 150 mit vier Insassen auf einer ebenen Autobahn ist gar kein Problem; bergauf beschleunigen sollte man jedoch nur, wenn es gar nicht anders geht - und dann geduldig sein.
Denn im Falle des Panda passt der in Extremsituationen schwachbrüstige Antrieb zum Auto. Der Fiat will praktische Alltagsmobilität liefern, und dafür braucht kein Mensch 100 PS in einem 3,65-Meter-Wägelchen. Sinnvoll wäre vielmehr ein sechster Gang, doch Fiat bietet den Wagen ausschließlich mit Fünfgang-Schaltgetriebe an.
Tanzend in die Parklücke
Serviert wird es, das ein kleiner Beitrag zur Sprit-Ökonomie, samt Schaltanzeige im Cockpit. Und man schaltet wirklich gerne - weil der knubbelige Knauf der Hand schmeichelt und weil er so hoch positioniert ist, dass die Rechte, sobald man sie vom Lenkrad nimmt, fast automatisch auf den Schalthebel fällt.
Eine gute Idee ist auch die serienmäßig eingebaute, zweistufige Servolenkung. Im Normalfall lenkt der Panda ganz normal. Wird jedoch die "City"-Taste gedrückt, arbeitet die elektromechanische Lenkunterstützung so, dass der kleine Finger zum Rangieren ausreicht. Ergebnis: Der Panda tänzelt geradezu in die Parklücke oder aus der engen Torausfahrt.
Fiat-Tradition: Kleine Autos für die kleinen Leute
Es sind solche kleinen, aber sinnvollen, weil brauchbaren Innovationen, die - neben der stets etwas originelleren Optik - Kleinwagen von Fiat oft ein bisschen erfolgreicher machen als kleine Autos anderer Hersteller. "Es geht um Kundennutzen, nicht um Raketentechnologie", sagt Fiat-Sprecher Claus Witzeck.
Und es geht natürlich um den Preis. Seit die Turiner Autobauer 1936 das Modell 500 Topolino auf den Markt brachten, das damals 8900 Lire kostete und damit vergleichsweise erschwinglich war, beackerten sie nahezu ununterbrochen dieses Segment, das wenig Ruhm verspricht und wenig Gewinn, das Auto aber überhaupt erst zum Massenprodukt gemacht hat.
Der neue Panda kostet in der billigsten Variante 9990 Euro. Das sichert der Baureihe einen Stammplatz in den beliebten Listen "Neuwagen unter 10.000 Euro". Unser Testauto jedoch, identische motorisiert wie das Einsteigermodell, kostet 1500 Euro mehr, denn es war mit der besten der drei verfügbaren Ausstattungsvarianten ("Lounge") ausgestattet.
Dazu kamen dann noch 470 Euro für den Metalliclack "Mediterraneo Blau" sowie 500 Euro für die Leichtmetallfelgen samt der Nebelscheinwerfer. Man kann inzwischen auch für einen Fiat-Kleinwagen viel Geld ausgeben. Muss man aber nicht. Sich mal wieder aufs Autofahren zu freuen, das würde einem auch mit dem billigsten Modell passieren.

