06.07.2012
Autogramm BMW 328i Touring
Dreier mit Happy End
Von Tom GrünwegDer erste Eindruck: Ein Auto wie aus einem Guss: Sehnig steht er da, der neue 3er Touring. Und auf der Straße ruht er so satt und stabil, als könne ihn nichts und niemand erschüttern. Allerdings bietet die Skulptur aus Glas und Stahl auch nichts, woran sich das Auge heften könnte. Glatt und schnörkellos gezeichnet, perlt der Blick förmlich am 3er ab. Vielleicht sieht man ihm auch deshalb kaum an, dass er deutlich größer geworden ist.
Dass der Touring nicht nur Golfbags und Einkaufstaschen, sondern auch mal Koffer, Kisten und Kübel schleppen soll, mag man sich bei der Erstbegegnung kaum vorstellen. Dabei ist das Innenleben nicht nur feiner und vornehmer geworden, sondern der Kombi bietet tatsächlich mehr Platz als früher - und mehr als die meisten seiner Konkurrenten.
Das sagt der Hersteller: BMW feiert den 3er als ersten sportlichen Kombi in der gehobenen Mittelklasse. "Bis wir vor 25 Jahren mit dem Touring gestartet sind, ging es in der Fahrzeuggattung allein um die praktischen Qualitäten", erläutert Baureihenchef Anton Ruf den Wandel vom Lastesel zum Lifestyle-Laster. Für BMW ist diese Entwicklung aufgegangen. Zwar sei der Kombi nach wie vor ein weitgehend europäisches Phänomen. "Aber hier hat sich jede Generation besser verkauft als der Vorgänger", sagt Ruf. So soll es auch beim neuen Modell sein. Speziell in Deutschland hat der Touring in der Verkaufsstatistik die Limousine mittlerweile fast abgehängt. Das erklärt auch, weshalb BMW die zweite Karosserievariante so schnell auf den Markt bringt.
Das ist uns aufgefallen: Die Liebe zum Detail, mit der BMW vor allem an der Kehrseite des Kombis gearbeitet hat. Zusätzlich zur separat aufklappbaren Heckscheibe öffnet sich die Luke nun serienmäßig elektrisch. Die Ladekante wurde tiefergelegt, der Kofferraum ist größer geworden, die Rückbank kann man dreigeteilt umklappen, und für das Gepäckrollo gibt es jetzt ein spezielles Staufach unter dem Ladeboden. Außerdem gibt es gegen Aufpreis eine kleine Pointe: Dank eines Sensors genügt ein angedeuteter Fußtritt, und die Heckklappe öffnet sich.
Was dagegen kaum einen Unterschied macht, sind die paar Millimeter mehr Knie- und Kopffreiheit im Fond. Natürlich können dort auch Erwachsene halbwegs ordentlich sitzen. Aber wirklich bequem wird's erst ab dem Fünfer - oder vielleicht im neuen 3er GT, der im nächsten Jahr erwartet wird.
Der 3er Touring sieht nicht nur sportlich aus, er lässt sich auch so fahren. Vor allem, wenn man das Auto mit dem sogenannten Fahrerlebnisschalter in den Dynamic-Modus klickt. Dann werden Federn und Lenkung straffer, man hat den Wagen buchstäblich gut in der Hand und gibt mit kleinen Bewegungen präzise den Kurs vor.
Unser Testwagen war ein 328i - der vorerst einzige Benziner. Aus zwei Litern Hubraum holt er 245 PS und bringt die Fuhre entsprechend flott in Fahrt. Mit einem sonoren Sound schnellt der Touring so in 6,0 Sekunden auf 100 km/h und kommt locker ans Limit von 250 km/h.
Das muss man wissen: Der Touring kommt Mitte September in den Handel und kostet zunächst mindestens 37.100 Euro. Damit ist er knapp 2000 Euro teurer als die entsprechende Limousine. Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz schneidet der BMW an der Laderampe gut ab: Mit 495 bis 1500 Litern Fassungsvermögen bietet er mehr Platz als der Audi A4 Avant (490-1430 Liter) und das T-Modell der Mercedes C-Klasse (485-1500 Liter).
Neben dem von uns getesteten 328i gibt es zunächst noch zwei Diesel: Den 320d mit 184 PS als Basis- und den 258 PS starken 330d als Top-Modell. Aber dabei soll es nicht bleiben. Noch in diesem Jahr folgen 320i mit 184 PS, der 143 PS starke 318d und der 316d (116 PS). Mit diesem Modell sinkt der Einstiegspreis auf 32.350 Euro.
Außerdem sind Varianten mit dem Allradantrieb xDrive angekündigt. Und selbst der parallel zum Kombi in der Limousine eingeführte Hybridantrieb mit 340 PS und einem Normverbrauch von 5,9 Litern würde in den Touring passen, sagt ein Entwickler. "Wenn die Resonanz entsprechend ist, können wir diese Variante schnell realisieren."
Das werden wir nicht vergessen: Die mühsame Suche nach einem ernsthaften Kritikpunkt: Klar ist der Touring teurer und trotzdem kleiner als ein Passat Variant. Doch das ist nun wirklich keine Überraschung. Und dass man sich stundenlang durch das neue iDrive-Menü drehen, drücken und scrollen und dabei auch noch das letzte Detail des Wagens selbst einstellen kann, ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber man kann ja auch einfach die Finger davon lassen und sich mit dem erwähnten Fahrerlebnisschalter begnügen, der den Wagen sportlicher macht.
Ein Makel ist uns am Ende der Testfahrt dann doch noch aufgefallen: Drei Stunden waren wir da zügig - aber keineswegs rasant - durch die Stadt, übers Land und auf der Autobahn gefahren. Statt der 6,5 Liter vom Prüfstand meldete die Verbrauchsanzeige dann beinahe einen doppelt so hohen Verbrauch.

