13.07.2012
Autogramm Govecs Go S3.4
Nicht ganz sauber
Der erste Eindruck: Klein, leicht und sauber verarbeitet. So präsentiert sich der Govecs Go S3.4. Auf den ersten Blick ist er ein normaler Roller für die Stadt mit einem modernen und sportlichen Design. Erst der Schriftzug an den Flanken offenbart die Besonderheit: Electric steht dort. Das Zweirad ist ein Elektroroller.
Das sagt der Hersteller: Das 2009 gegründete Unternehmen vergleicht den Go S3.4 mit einem Roller der 125-Kubik-Klasse und verspricht neue "Standards in puncto Performance" in Verbindung mit einer CO2-freien Fahrt, ein erklärtes Ziel der Münchener Firma.
Verantwortlich dafür sollen unter anderem ein bürstenloser Elektromotor sein, der überraschenderweise nicht direkt, sondern über einen Riemenantrieb auf das Hinterrad wirkt. Andererseits wird so eine Übersetzung von 1:3,5 möglich, die für eine höhere Beschleunigung sorgt.
Die Bauweise der E-Maschine kommt ohne Schleifkontakte im Inneren aus, mit dem der Strom sonst übertragen werden müsste. Allerding setzt der bürstelose E-Motor den Einsatz von Permanentmagneten voraus. Und für deren Produktion sind Metalle aus der Gruppe der Seltenen Erden nötig, deren Förderung zum Teil einen hohen Aufwand erfordert. Besonders nachhaltig ist das nicht.
Das ist uns aufgefallen: Insgesamt ist der Govecs Go S3.4 ein flinkes Gefährt für die Stadt, und das Beladen an der Haushaltsteckdose ist fix erledigt. Doch der Roller neigt zum Kabelfraß, denn die Stromleitung ist unter der Sitzbank installiert. Nach dem Ladevorgang lässt sich die Strippe jedoch nur schwer in das kleine Fach zwängen. Wer nicht aufpasst, beschädigt beim Herunterklappen der Sitzbank schnell die Isolation des Kabels.
Das muss man wissen: Für leichte Zweiräder ist der Elektroantrieb optimal. Wegen des geringen Gewichts - der Govecs wiegt insgesamt 120 Kilogramm - ist im Gegensatz zum Auto nur ein leichter Akku nötig. Der Lithium-Polymer-Speicher mit einer Kapazität von rund drei kWh wiegt in diesem Elektroroller nur 32 Kilogramm. Außerdem ist das Zweirad mit einem Rekuperationssystem ausgerüstet. Damit lässt sich die Batterie bei einem Bremsvorgang zum Teil wieder aufladen.
Während die eingeschränkte Reichweite und die Ladezeit von rund acht Stunden bei Elektroautos abschreckend wirkt, ist dies bei einem E-Roller kein großes Problem. Große Touren macht eh kaum jemand mit einem solchen Fahrzeug. Außerdem soll nach Angaben des deutschen Herstellers das Befüllen des Akkus in vier bis fünf Stunden erledigt sein. Bereits nach zwei Stunden verfügt die Batterie schon über eine Kapazität von 85 Prozent. Voll aufgeladen soll der Stromvorrat für 50 bis 70 Kilometer reichen.
Im SPIEGEL-ONLINE-Test zeigt das Display allerdings bereits nach rund 35 Kilometern einen schwächelnden Akku an. Sicherlich wären mit der Strom-Reserve noch einige Kilometer drin gewesen, doch Vertrauen erweckt dies nicht. Mit einem Preis von 6789 Euro ist der Go S3.4 zudem kein Schnäppchen. Zum Vergleich: Den in Bezug auf die Leistung vergleichbaren Roller Vespa PX 125 gibt es schon für 3690 Euro.
Das werden wir nicht vergessen: Wie leicht und wendig der Go S3.4 ist. Selbst im Stopp and Go im Straßenverkehr kann der Fahrer mit dem Roller flink durch den Verkehr wieseln. Dafür ist die Leistung von 6,6 PS und 32,5 Nm vollkommen ausreichend.
Trotzdem waren wir nach unserer Testfahrt von der Performance insgesamt doch etwas enttäuscht. Vor allem hatten wir von einem Elektroroller mehr Drehmoment erwartet. Stattdessen möchte man beim Anfahren an der Ampel die Fuhre noch ein wenig anschieben, damit sie flotter davonzieht. Andererseits: Wer braucht in der Stadt schon einen Roller mit dem Anzug einer Rennmaschine?

