25.07.2012
Fiat Punto Twinair
Der hat Töne
Von Christoph M. SchwarzerEr gurgelt und schnattert, knurrt bei Bedarf zornig und beherrscht zugleich die leise, kultivierte Gangart. Das Klangspektrum des Zweizylindermotors im Fiat Punto Twinair ist breit und ändert sich je nach Drehzahl und Gaspedalstellung. Hier arbeitet ein Charakterkopf im Motorraum, bei dem sich die italienischen Konstrukteure gar nicht erst die Mühe gemacht haben, den Auspuff zum Stillschweigen zu bringen. Es ist, als wollte der Motor mit jedem seiner 875 Kubikzentimeter Hubraum ein Statement abgeben: Hört her, ich bin eine Kolbenmaschine, und ich habe mehr Kraft, als alle denken!
Dabei geht es eigentlich ums Sparen. Wenig Hubraum plus Turbolader, dazu ein vollvariabler Ventiltrieb anstelle einer Nockenwelle - das Ziel bei der Entwicklung des sogenannten Twinair-Triebwerks war es, mit dem Sprit zu geizen. Downsizing in Reinkultur. Die Ergebnisse sind eine Leistung von 85 PS sowie ein Normverbrauch von 4,2 Litern Benzin je 100 Kilometer, was 98 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer entspricht.
Dieser Motor kommt bereits im kleinen Fiat 500 zum Einsatz. Dort gilt er als die beste Wahl, weil er ordentlich nach vorne zergelt und das Laufgeräusch an den alten Cinquecento ("Nuova 500") erinnert. Seinen Ruf hat er allerdings auch schon weg: Turbo läuft, Turbo säuft. Wer den Fiat 500 tritt, kann sich Knauserrekorde beim Verbrauch abschminken.
Im erheblich größeren Fiat Punto verhält sich der Twinair-Motor zurückhaltender. Zum einen kann er mit seinen Fahrleistungen sowieso keine Bäume ausreißen. Dafür ist dieses Auto, das so groß ist wie ein VW Golf III, einfach zu schwer. Handgestoppt dauert die Beschleunigung von null auf hundert gut 13 Sekunden. Subjektiv wirkt er wegen des Sounds allerdings bissiger. Enttäuschend ist nur, dass bei ungefähr 6000 Touren die Elektronik das Maschinchen abriegelt, obwohl spürbar ist, wie der Zweizylinder dann - wie bei einem Motorrad - richtig loslegen will. Er könnte also mehr.
Und der Verbrauch? Der zeigt, was Downsizing kann und was nicht. Spritsparwunder sind vom Fiat Punto nicht zu erwarten. Der Normwert von 4,2 Litern scheint dabei selbst bei einem sehr zurückhaltenden Fahrstil unerreichbar. Weniger als 5,1 Liter waren nicht drin. Bei zügigem Mitschwimmen im Verkehr nahm er im Testmittel allerdings genau sechs Liter aus dem Tank. Mehr ist zwar auch möglich - aber ein hemmungsloser Trinker ist er nicht.
Auf den Spuren des Greenpeace-Mobils
Der Kleinwagen mit Zweizylinderaggregat widerlegt damit das Klischee, Downsizing würde allein auf dem Laborprüfstand etwas nützen. Es hilft auch im Alltag, nur eben nicht so viel wie der Normverbrauch hoffen lässt. Vorgedacht hat das Prinzip Greenpeace mit dem 1996 vorgestellten Prototypen Smile. Das Kürzel stand für Small, Intelligent, Light, Efficient. Das Auto basierte auf einem Renault Twingo. Unter der Haube saß ein 355 Kubikzentimeter kleiner Boxermotor mit Hochaufladung, den die Schweizer Firma Wenko entwickelt hatte. Jetzt, mehr als 15 Jahre später, schrumpfen die Hubräume bei vielen Großserienherstellern.
Renault etwa baut in den jüngst vorgestellten Clio einen Dreizylindermotor mit 899 Kubikzentimetern ein, der 4,3 Liter verbrauchen soll. Bei Volkswagen dagegen spricht man nicht von Down-, sondern von Rightsizing. Nicht jeder Motor, so die Wolfsburger These, passe zu jedem Auto. Im Passat zum Beispiel können sich die Verantwortlichen einen Dreizylindermotor nicht vorstellen. Und im Polo weisen die aktuellen TSI-Motoren noch keine radikale Schrumpfung auf: 1,2- und 1,4-Liter-Maschinen hat es in den etwa gleich großen Golf II und III ebenfalls gegeben. Allein der Turbolader und die Direkteinspritzung sind neu.
Es gibt immer noch einen, der sparsamer ist
Was in Norddeutschland passiert, kümmert die Italiener in Turin aber ohnehin wenig. Sie setzen mit dem Punto Twinair ein Statement: Durch dem Zweizylinder fällt der Wagen mit einer ungehobelten Motorsprache auf. Wo andere surren, gibt er noch mal kräftig Laut. Der giftgrüne Lack des Testwagens war da ganz passend. Der kleine Rebell könnte damit vor allem für Nachwuchsfahrer attraktiv sein: Er ist sparsam genug, um den Geldbeutel einigermaßen zu schonen. Vor allem aber hat er einen eigenwilligen Charakter und hebt sich von Konkurrenzmodellen ab.
Eine Hürde könnte dabei allerdings der Preis sein. 15.200 Euro kostet der Punto Twinair in der Basisversion. Ordert man vier Türen, eine Klimaautomatik und Seitenairbags dazu, kommen 16.600 Euro zusammen. Zum Vergleich: Für 350 Euro mehr gibt es bereits einen ähnlich ausgestatteten Toyota Yaris Hybrid. Und der schlägt zurzeit auch im Realverbrauch alle Downsizing-Konzepte deutlich.

