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08.08.2012
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Fahrbericht Mini Roadster

Der Geschlechterkrampf

Von Christoph Stockburger
Mini Roadster: Verwandlung im Handumdrehen
Fotos
BMW

Die Herzen der Damen hat der Mini längst erobert. Mit einem Roadster-Modell wollte Hersteller BMW explizit auch auf Männerfang gehen. Eine gewagte Ankündigung: Denn um an dem Zweisitzer Gefallen zu finden, muss man sich von einigen Dingen frei machen.

Wann ist ein Mann ein Mann? Eine Antwort lautet: Dann, wenn er Mini Roadster fährt. Denn für Männer, jedenfalls die "jungen und modernen" unter ihnen, sei dieses Auto gebaut worden, verkündete das Mini-Marketing bei der Markteinführung im Februar 2012. Zwei Sitze, ein Verdeck, im Vergleich zum Cabrio eine steifere Karosserie und weniger Gewicht - es ist vor allem die Sportlichkeit, die das sechste Modell der Mini-Palette männlich markant machen soll.

Das Versprechen der Sportlichkeit löst der Wagen aber nur stark eingeschränkt ein. Das mag daran liegen, dass die Motorisierung unseres Testmodells mit 122 PS noch steigerungsfähig ist - den Roadster gibt es auch mit 184 und 211 PS als Benziner und mit 148 PS als Diesel. Das Kribbeln in den Fingern, die Vorfreude auf das Gokart-Erlebnis, das dieser Mini verheißt, verliert sich nach einigen Kurven in der Stadt jedenfalls schnell wieder. Zu lustlos bewegt er sich aus dem Stand los, zu träge biegt er um die Ecke.

Schwülstig statt schlicht

Auf der Landstraße oder der Autobahn macht er einen besseren Eindruck. Zwischen 100 und 120 km/h entfaltet der Roadster jene Quirligkeit, die man bei niedrigeren Geschwindigkeiten vermisst. Seine Bereitschaft zu mehr Einsatz ist ihm sogar anzusehen: ab Tempo 80 fährt automatisch ein Spoiler aus dem Heck. Trotzdem bleibt die 122-PS-Variante mit dem stolzen Preis von 22.600 Euro insgesamt ein halbstarker Sportsfreund.

Im Design wirkt der Mini Roadster dagegen durchaus maskulin. Allerdings eher unfreiwillig. Es kann nicht gewollt sein, dass man sich an einen ausgeprägten Kehlkopf erinnert fühlt, wenn man das Profil dieses Wagens betrachtet. Zwischen den kurzen Heck- und Frontpartien wölbt sich das Dach so unvorteilhaft aus, dass der Roadster zwar markant aussieht - aber eben markant im Sinne einer dicken Beule.

Wenn der Roadster wirklich ein Männerauto hätte werden sollen, wäre Mini gut beraten gewesen, den Innenraum noch mal zu überarbeiten. Denn, so zumindest das Klischee, Männer mögens ja eher schlicht. Und die vielen verspielten Hebelchen im Innern des Mini sind vor allem schwülstig, aber nicht schlicht.

Verwandlung im Handumdrehen

Und so kommt es, dass sich eine Männerfreundschaft zwischen dem Fahrer und diesem Mini einfach nicht so recht entwickeln will. Allerdings ist fraglich, ob auch die weibliche Kundschaft Begeisterung für eine zu zahme Motorisierung, ein seltsames Design und die fummelige Bedienung entwickeln kann.

Um sich mit dem Mini Roadster trotzdem zu versöhnen, sollte man sich also von drei Dingen frei machen: Erstens von der Annahme, dass dieser Wagen als 122-PS-Variante richtig sportlich ist. Zweitens von dem Marketing-Missverständnis, dieses Auto sei besonders männlich. Und drittens vom Verdeck.

Das geschieht sprichwörtlich im Handumdrehen. Mit einem Ruck am großen Hebel am Dachhimmel ist die Haube gelockert. Wer das Verdeck nun vom Sitz aus zurückziehen und im Kasten verstauen möchte, muss eine kleine Turnübung vollbringen. Einfacher geht es, wenn man zur Erledigung dieser Handgriffe kurz aussteigt. Bei der Gelegenheit lässt sich auch gleich die Verwandlung des Kehlkopfs in ein schickes Cabriolet bewundern. Offen sieht dieser Roadster plötzlich knackig aus - und um zu dieser Erkenntnis zu kommen, spielt das Geschlecht keine Rolle.

Ein Zähler für die schönen Stunden

Ist die Hülle erst einmal weg, leuchtet auch das Display auf der seltsamen Plastikblase, die sich links vom Tacho aufbläht. "Always Open Timer" heißt das Teil: es zeigt die Stunden an, die man mit offenem Verdeck unterwegs ist. Diese Sonnenuhr mag ein weiterer Beweis für die übermütige Verspieltheit des Mini sein - aber hier macht sie Sinn.

Denn die Zeit, die man mit offenem Verdeck fährt, ist in diesem Auto kostbar. Sitzt man nämlich unter freiem Himmel am Steuer des 122-PS-Roadsters, schaut man gelassen über dessen Schwächen hinweg. Wenn der Fahrtwind über die schräge Frontscheibe pfeift und dazu noch die Sonne auf den Zweisitzer knallt, macht der Roadster auch in der Schmalspur-Motorisierung Spaß.

Und nun, Hand aufs Herz: Ist der Roadster ein Männerauto? Also ehrlich, was für eine Frage, so einen Quatsch kann sich nur das Marketing ausdenken. Und bei Mini ist man mittlerweile auch zu der Einsicht gelangt, dass sich der Roadster nicht als pure Testosteronspritze vermarkten lässt.

Von der Fixierung auf die männliche Zielgruppe will ein Unternehmenssprecher jedenfalls nichts mehr wissen. Das sei auch gar nicht nötig, denn "die Kundschaft der Marke Mini ist gut gemischt". Genaue Zahlen darüber, wie sich die Käuferschicht in Damen und Herren unterteilt, werden dann aber "aus Prinzip" doch nicht rausgegeben.

Forum

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insgesamt 25 Beiträge
1. Gewagtes Modell!
Litajao 08.08.2012
Jetzt stelle man sich mal vor, dass ein japanischer Hersteller so ein Auto vorstellen würde. Dann würde der Kommentar wohl lauten: "Japan hat die Schuhschachtel neu erfunden und für das Coupé würde es wohl Häme [...]
Zitat von sysopDie Herzen der Damen hat der Mini längst erobert. Mit einem Roadster-Modell wollte Hersteller BMW explizit auch auf Männerfang gehen. Eine gewagte Ankündigung: Denn um an dem Zweisitzer Gefallen zu finden, muss man sich von einigen Dingen frei machen. Fahrbericht Mini Roadster - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,847939,00.html)
Jetzt stelle man sich mal vor, dass ein japanischer Hersteller so ein Auto vorstellen würde. Dann würde der Kommentar wohl lauten: "Japan hat die Schuhschachtel neu erfunden und für das Coupé würde es wohl Häme ohne Ende geben, so auf die Art: Die hässlichste, unproportionalste Schuhschachtel der Welt". usw. usw. Sorry, der ursprüngliche Mini war Klasse, der neue Mini von BMW war gut, aber die ganzen Erweiterungen, so Mini- Maxi (genau so ein dummer Begriff, wie ein viertüriges Coupé, oder ein SUV Coupé), sind wohl den Gehirnen von Marketing-Profis entsprungen, für die nur gilt: "Egal welchen Mist wir anbieten, irgendeine Käuferschicht honoriert dies." Aber über Geschmack lässt sich ja (nicht) streiten.
2.
doyle78 08.08.2012
Der Mini ein Männerauto ... das ist wohl nur reines Wunschdenken des Marketings. Ein Mini (nicht der Ur-Mini) ist wohl eines DER Frauenautos schlechthin nach dem "New Beetle". Da hilft auch dieser halbgare [...]
Zitat von sysopDie Herzen der Damen hat der Mini längst erobert. Mit einem Roadster-Modell wollte Hersteller BMW explizit auch auf Männerfang gehen. Eine gewagte Ankündigung: Denn um an dem Zweisitzer Gefallen zu finden, muss man sich von einigen Dingen frei machen. Fahrbericht Mini Roadster - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,847939,00.html)
Der Mini ein Männerauto ... das ist wohl nur reines Wunschdenken des Marketings. Ein Mini (nicht der Ur-Mini) ist wohl eines DER Frauenautos schlechthin nach dem "New Beetle". Da hilft auch dieser halbgare Roadster-Verschnitt nicht.
3. aha. so einfach geht das verdeck auf..
whifferdill 08.08.2012
noch keinen Mazda MX-5 gesehen? ,, und auch sonst: eine reine Behelfskonstruktion aber mit Sicherheit kein Roadster
noch keinen Mazda MX-5 gesehen? ,, und auch sonst: eine reine Behelfskonstruktion aber mit Sicherheit kein Roadster
4. optional
plue123 08.08.2012
Wer selber mal nen Mini gefahren hat der nicht nur 122 PS hat, der weiss, dass es einfach ein geiles Auto ist. Dass ein Mini One ein Frauenauto ist will ich nicht bestreiten. Aber wer mir erzaehlen will, dass ein Mini Cooper [...]
Wer selber mal nen Mini gefahren hat der nicht nur 122 PS hat, der weiss, dass es einfach ein geiles Auto ist. Dass ein Mini One ein Frauenauto ist will ich nicht bestreiten. Aber wer mir erzaehlen will, dass ein Mini Cooper Worksman nicht einfach nur geil ist, der ist noch nie damit gefahren. Und dass man hier einen 122 PS Roadster nimmt, um zu gucken, ob es sich um ein Maennerauto handelt ist doch laecherlich. Wenn man schon den Maennertest machen will dann doch bitte auch mit der maennlichsten Ausgabe dieses Autos. Dennoch stimme ich zu, dass nach der ersten Serie von BMW bisher alle Modifikationen mehr oder weniger schlecht waren.
5. optional
altchemnitzer 08.08.2012
Die ganze Formensprache dieser Autos Mini und Cooper ist leider ein einziges Plagiat des IFA P 70 und fand diese Autos jemand schön? Das wäre auch das Schicksal dieses Autos wenn in Indien oder Afrika entwickelt.
Die ganze Formensprache dieser Autos Mini und Cooper ist leider ein einziges Plagiat des IFA P 70 und fand diese Autos jemand schön? Das wäre auch das Schicksal dieses Autos wenn in Indien oder Afrika entwickelt.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Mini
Typ: Cooper Roadster
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder Reihenmotor
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 122 PS (90 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 9,2 s
Höchstgeschw.: 199 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 133 g/km
Kraftstoff: Benzin
Kofferraum: 240 Liter
Preis: 22.600 EUR

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