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12.12.2012
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Volvo XC 60 D3 Edition R-Design

Der Blaumann

Von Jürgen Pander
Jürgen Pander

Das SUV-Modell XC 60 ist der Bestseller der schwedischen Marke Volvo. Wir fuhren das Auto mit der kleinsten Motorisierung, dafür aber trug es den vollen Tuning-Federschmuck der Edition R-Design - damit hat der Wagen eine Auffall-Garantie.

Für einen Moment glaubt man nicht mehr an Zufälle. Ausgerechnet der Popsong "Ausflug ins Blaue" perlt auf den ersten Kilometern mit diesem Wagen aus dem Radio. Noch besser passen würde es, hieße das Stück "Ausflug IM Blauen" - im blauen Auto nämlich. Denn der Volvo, in dem wir sitzen, trägt einen neuen Lack, den die Schweden erst seit wenigen Wochen im Angebot haben. "Rebel Blue" heißt der Farbton, man könnte auch Schlumpfblau sagen. Auf das "Lied der Schlümpfe" allerdings warteten wir während der Testfahrten mit dem farblich hervorstechenden Modell vergebens.

Wer ein so lackiertes Auto fährt, ruft mitunter Anteilnahme hervor ("Wie wollen Sie den denn jemals wieder verkaufen?"); der Wagen fällt auf. Unter den Mittelklasse-SUVs ist der XC 60 eines der optisch gelungenen Modelle. Die Karosserie strahlt Solidität und Schwung aus - und der Mix aus Schwedenstahl und skandinavischer Coolness ist ja genau das, was Volvo in der Autowelt erkennbar und nach dem Ende von Saab auch einzigartig macht.

Eine Ausnahmerolle nehmen auch die Dieselmotoren von Volvo ein, denn es handelt sich bei den drei verfügbaren Selbstzündern - darüber hinaus gibt noch zwei deutlich stärkere Benziner mit vier oder sechs Zylindern - ausnahmslos um Fünfzylindermaschinen mit 136, 163 oder 215 PS. Wir waren mit dem schwächsten Aggregat unterwegs, dem 2-Liter-Fünfzylinder mit 136 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe sowie Start-Stopp-Automatik. Dieses Modell ist, anders als es die Offroad-Optik vortäuscht, ausschließlich mit Frontantrieb verfügbar.

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Volvo: Die Geschichte der Schweden im Überblick
Was den Verbrauch anlangt, ist das von Vorteil. Offiziell liegt der Durchschnittswert bei 5,3 Liter je 100 Kilometer, tatsächlich genehmigte sich der Wagen zwischen sechseinhalb und sieben Liter während unseres Tests. Das ist nicht besonders sparsam, aber eigentlich erwartbar bei einem hoch aufragenden SUV mit einem Leergewicht von 1847 Kilogramm. Und selbstverständlich gurgelt noch mehr Sprit durchs Commonrail-System, sobald man den Wagen bewegt, als dürfe man keine Zeit verlieren.

Das Auto ist geschmückt wie für ein Tuner-Treffen

Überraschend wäre das nicht, denn genau so sind die Volvo-Typen mit dem Namenszusatz Edition R-Design positioniert. Das R steht für Racing, die Edition R-Design ist die jeweils sportlichste Ausstattungslinie im Angebot. In diesem Fall bedeutet das zum Beispiel: blau hinterlegte Cockpitinstrumente, Multifunktionslederlenkrad, speziell gestaltete Ledersitze, Schwellerleisten in Chrom-Optik, diverse R-Design-Embleme am und im Auto sowie zwei polierte Auspuffendrohre. Technisch beschränkt sich das Werkstuning auf ein um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegtes Sportfahrwerk sowie ein etwas direkter übersetztes Lenkgetriebe. Letzteres überrascht, denn auf uns machte die Lenkung einen eher weichen Eindruck.

Überhaupt ist das Auto kein Typ aus der "Ich brauche viel Platz, hätte aber eigentlich viel lieber einen Sportwagen"-Ecke. Sondern: ein komfortabel und wattig abgestimmter SUV, der offenkundig darauf getrimmt wurde, die Insassen so gut wie möglich von den Unwirtlichkeiten des Straßenverkehrs abzuschirmen. Insofern steht die leicht aggressive Optik in deutlichem Gegensatz zur besänftigenden Realität des Fahrzeugs. Aber Volvo bietet nunmal für jede Variante das R-Design-Paket an, die Kunden wollen das so. Schließlich treiben auch Turnschuhträger nur in Ausnahmefällen Sport, sondern wollen nur sportlich auftreten.

Das ist erfreulich für den Hersteller, denn im Vergleich zum Basismodell werden für die Edition R-Design 4350 Euro Aufpreis fällig, das billigste R-Design-Modell mit dem 136-PS-Dieselmotor kostet damit 38.100 Euro. Unser Testwagen war jedoch erheblich teurer: Der rebellisch blaue Lack beispielsweise kostet 350 Euro extra, für die wuchtigen 20-Zoll-Räder werden 1420 Euro fällig, für die abschließbaren Radmuttern nochmal 60 Euro, für die abgedunkelten Fondscheiben 500 Euro, für das Panoramaschiebedach 1350 Euro und so weiter und so fort. So, wie wir es gefahren sind, kostet das Auto 57.835 Euro - das muss man sich mal vorstellen.

Volvos Bestseller erhält im neuen Jahr eine Modellpflege

Eine abschreckende Wirkung hat der Preis nicht. Der Mittelklasse-SUV ist die meistverkaufte Baureihe der schwedischen Marke, im vergangenen Jahr wurden mehr als 100.000 Exemplare gebaut, die meisten im belgischen Gent, ein paar wenige in Malaysia. Das waren so viele wie noch nie seit der Markteinführung im Jahr 2008. Damit das Hoch noch ein wenig anhält, erhält die Baureihe 2013 eine Generalüberholung, ehe voraussichtlich 2015 ein komplett neues Modell auf den Markt kommen wird.

Dieses Auto wird dann auf der neuen SPA-Plattform stehen, das Kürzel steht für Scalable Product Architekture. Auch Volvo setzt wie inzwischen viele Hersteller auf ein modulares Baukastensystem, mit dem sich aus möglichst vielen Gleichteilen möglichst unterschiedliche Autovarianten fertigen lassen. Das Beste daran: Mit der neuen technischen Basis wird wohl auch erstmals ein Hybridantrieb für den XC 60 verfügbar sein.

Für einen "Ausflug ins Blaue" mit der Familie übrigens ist das aktuelle Modell ein famoses Auto - geräumig, komfortabel und trotz der vergleichsweise bescheidenen Leistung ausreichend motorisiert. Im Video zum Song allerdings ist der Volvo nicht zu sehen, nicht einmal ein blaues Auto. Sondern ein Jeep Wrangler in Rot.

Forum

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insgesamt 23 Beiträge
1. wie...
truereader 12.12.2012
wie geschrieben, der XC60 ist einer der optisch schöneren SUVs, die so herumfahren. Auch innen. Die Mittelkonsole ist freischwebend und optisch nach Jahren immer noch ein Hingucker. Natürlich muss der Preis erwähnt werden - einen [...]
wie geschrieben, der XC60 ist einer der optisch schöneren SUVs, die so herumfahren. Auch innen. Die Mittelkonsole ist freischwebend und optisch nach Jahren immer noch ein Hingucker. Natürlich muss der Preis erwähnt werden - einen anderne Geschmack zu haben, abseits des Mainstreams, war schon immer teuer und anstrengend. Schaut man sich aber andere Autos von A**i an, so enthält die Eistiegsvariante nicht einmal die Sicherheitsmerkmale, die der Volvo von jeher mitbringt - und auch bei der Konkurrenz ist bei der Aufpreisliste nach oben nie Schluss.
2. PR-Ecke?
Emil Peisker 12.12.2012
Das Autoforum ist zur PR-Ecke geworden. Für einen 1,8 Tonner der fast 40.000 € kostet, und das wegen der Geländetauglichkeit, die zwar nur 2% der Nutzer benötigen, die aber als "must have gadget" gepriesen wird, ist [...]
Zitat von sysopDas SUV-Modell XC 60 ist der Bestseller der schwedischen Marke Volvo. Wir fuhren das Auto mit der kleinsten Motorisierung, dafür aber trug es den vollen Tuning-Federschmuck der Edition R-Design - damit hat der Wagen eine Auffall-Garantie. Volvo XC 60: Mittelklasse-SUV mit ungewöhnlichem Fünfzylinder-Diesel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/volvo-xc-60-mittelklasse-suv-mit-ungewoehnlichem-fuenfzylinder-diesel-a-872187.html)
Das Autoforum ist zur PR-Ecke geworden. Für einen 1,8 Tonner der fast 40.000 € kostet, und das wegen der Geländetauglichkeit, die zwar nur 2% der Nutzer benötigen, die aber als "must have gadget" gepriesen wird, ist diese Verkaufsförderung schon grenzwertig. Für 10.000 € weniger erhalten sie einen superausgestattenen C5 Diesel mit ähnlicher Motorleistung als Tourermodell. Und dabei ist der Verbrauchswert nochmals um 0,5l/100km niedriger und der CO² Wert nur zwischen 117g/km und 130g/km je nach Motorwahl. Von der Marke habe ich noch keinen so begeisternden Bericht gelesen.
3. Ausgewachsene Mogelpackung !
Na Sigoreng 12.12.2012
R-Modell klingt nach mächtig Bums unter der Haube .... hat aber nur 136 Pferdchen. Ausgestellte Radhäuser und 20-Zöller machen Eindruck - die Fuhre wird dadurch aber auch nicht kräftiger. Für 58 K kann man sich was erheblich [...]
R-Modell klingt nach mächtig Bums unter der Haube .... hat aber nur 136 Pferdchen. Ausgestellte Radhäuser und 20-Zöller machen Eindruck - die Fuhre wird dadurch aber auch nicht kräftiger. Für 58 K kann man sich was erheblich Besseres kaufen, womit auch Deutsche Arbeitsplätze unterstützt werden !
4. 20.000€ Zubehör
oxy 12.12.2012
... und dann mit fast 60T€ noch nicht mal akzeptabel motorisiert. Das ist schon ein starkes Stück! Ich erinnere mich dass die Volvo-Pakete eigentlich mal sehr kundenfreundlich gepackt waren.
... und dann mit fast 60T€ noch nicht mal akzeptabel motorisiert. Das ist schon ein starkes Stück! Ich erinnere mich dass die Volvo-Pakete eigentlich mal sehr kundenfreundlich gepackt waren.
5. Klasse Auto
wolkenfee2222 12.12.2012
Ich fahre den xc60 jetzt seit einem halben Jahr.mit 40000 km bin ichsehr viel beruflich auf der Straße und bin begeistert.Toller Fahrkomfort und Design.Nur das Navigation hat leider so eine Schwächen .
Ich fahre den xc60 jetzt seit einem halben Jahr.mit 40000 km bin ichsehr viel beruflich auf der Straße und bin begeistert.Toller Fahrkomfort und Design.Nur das Navigation hat leider so eine Schwächen .

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Fahrzeugschein

Hersteller: Volvo
Typ: XC 60 D3 Edition R-Design
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Fünfzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 10,3 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 5,3 Liter
CO2-Ausstoß: 139 g/km
Kofferraum: 495 Liter
umgebaut: 1.455 Liter
Versicherung: 20 (HP) / 23 (TK) / 19 (VK)
Preis: 38.100 EUR

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