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Mobilität

Autogramm Aston Martin DBS Superleggera

Die Retourkutsche

Die Farbe? Rot! Der Beiname? Italienisch! Der neue Aston Martin DBS Superleggera scheut keinen Vergleich mit der Konkurrenz aus Maranello. Muss er auch nicht - denn der Sportwagen ist der stilvollere Ferrari.

Aston Martin
Von
Mittwoch, 01.08.2018   06:29 Uhr

Der erste Eindruck: Futuristischer Fighter - oder wie der Designer des Wagens, Marek Reichmann, sagen würde: "Brute in a Suit" - eine Bestie im Anzug.

Das sagt der Hersteller: "Mit dem DBS Superleggera kehren wir an die Spitze des Gran Turismo-Segmentes zurück", erklärt Aston-Martin-Chef Andy Palmer und stichelt gegen "einen roten Wagen aus dem Süden", ohne das aktuelle Ferrari-Topmodell Superfast beim Namen zu nennen. Selbst die Bezeichnung des Aston Martin sei eine Art Retourkutsche, sagte Designer Reichmann einer Nachrichtenagentur bei der Premiere des Fahrzeugs. Zwar tauchten sowohl DBS als auch Superleggera seit über 50 Jahren immer mal wieder in der Nomenklatur der Briten auf. Aber der italienische Begriff "Superleggera" (Superleichtgewicht) sei auch eine Reaktion auf das englische "Superfast" (Super schnell) im Beinamen des Ferrari 812.

Fotostrecke

Aston Martin DBS Superleggera: Very Ferrari

Das ist uns aufgefallen: Auch dieser Aston Martin hält sich an die ungeschriebenen Gesetze des automobilen Adels. Wo andere Autos seines Kalibers gerne betont dick auftragen, gibt der DBS Superleggera den Supersportwagen mit Stil. Keineswegs haben die Ingenieure bei der Aerodynamik gepatzt. Im Gegenteil: Die dezent kaschierten Luftleitwerke erzeugen bei Vollgas bis zu 180 Kilo Abtrieb und pressen das Auto damit fester auf die Straße als bei jedem anderen Aston-Martin-Serienmodell zuvor.

Auch innen fühlt man sich im DBS eher wie in einer Suite, solange man nicht versucht, auf die Rücksitze zu klettern, die allenfalls als erweiterte Ablage taugen. Ja, die Sessel bieten spürbaren Seitenhalt - aber sie sind eben auch mit dickerem und weicherem Leder bezogen, als in manch einer Luxuslimousine. Dahinter steckt hohe Sattlerkunst - die der Fahrer in Form des Lenkrads sogar in den Händen halten kann. Wo man hinschaut - überall edle Materialien wie in einem Bentley oder Rolls-Royce, nur dass Aston auch da nicht ganz so dick aufträgt.

Foto: Aston Martin

Fahrerisch ist der DBS über alle Zweifel erhaben - was kein Wunder ist bei einem V12-Motor mit 725 PS und 900 Nm. Der Sprintwert von Null auf 100 beträgt nur 3,4 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei 340 km/h. Das Flaggschiff der Briten hält es wie ihr berühmtester Markenbotschafter James Bond: Der DBS bewegt sich stilvoll und mit perfekten Manieren, er federt weich und komfortabel und durch die Kurven schwingt er mehr als dass er kratzt. Doch der Aston besitzt noch einen zweiten Charakter, der sich mit einem festen Tritt aufs Gaspedal zeigt. Die eben noch so seidige Schaltung wechselt die Gänge plötzlich mit Vehemenz, der Kraftschluss zwischen Asphalt und Gummi ist dem elektronisch geregelten Fahrwerk wichtiger als ein sänftengleicher Komfort.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Aston Martin DBS Superleggera - mit unserem 360-Grad-Foto:

Doch bei aller Begeisterung für das Auto stellt sich eine Frage, die der DBS auch nach einem Tag Testfahrt nicht beantworten kann: Warum sollte jemand, der das Geld hat, nicht einfach einen DB11 kaufen? Denn das neue Flaggschiff setzt sich nur wenig vom nächst kleineren Modell ab. Im Vergleich zum DB11 AMR hat der DBS nur 85 PS mehr, und die noch luxuriösere Ausstattung des Superleggera rechtfertigt keinen Aufpreis von 60.000 Euro.

Das muss man wissen: Der DBS Superleggera nutzt die gleiche Architektur wie der DB11 und der Vantage und damit auch die Elektronik, die Aston Martin beim Kooperationspartner Mercedes-AMG einkauft. Dazu gehören die digitalen Instrumente, verschiedene Assistenten, eine automatische Abstandsregelung und die Infotainment-Ausstattung. Damit ist der DBS dem Vanquish zwar um Längen voraus. Aber weil AMG nur die zweitneueste Mercedes-Technik weitergibt, fehlt ausgerechnet dem vielleicht feinsinnigsten Supersportwagen zum Beispiel ein Touchscreen.

Der Motor dagegen kommt aus Köln: Auf dem Werksgelände von Ford bauen Mitarbeiter von Aston Martin den 5,2 Liter großen Zwölfzylinder mit zwei Turbos. Kombiniert wird der Motor mit einer Achtgang-Automatik von ZF, die zugunsten der ausgeglichenen Gewichtsverteilung in der sogenannten Transaxle-Bauweise im Heck montiert ist.

Anders als der DB11 besitzt der DBS immerhin ein paar mehr Karosserieteile aus Karbon, das wirkt sich auch aufs Gewicht aus. Doch bei knapp 1700 Kilo Leergewicht ist es mit "Superleggera" nicht ganz so weit her.

Das werden wir nicht vergessen: Den vergoldeten Öldeckel, den außer dem Mechaniker nie jemand zu Gesicht bekommen wird. Das zeugt von einem Stil, den man bei Ferrari vergeblich sucht. Im Zweifel ist dort ein Billigteil aus dem Fiat-Regal verbaut.

Hersteller: Aston Martin
Typ: DBS Superleggera
Karosserie: Coupé
Motor: V12-Zylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: 8-Gang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 5.204 ccm
Leistung: 725 PS
Drehmoment: 900 Nm
Von 0 auf 100: 3,4 s
Höchstgeschw.: 340 km/h
Verbrauch (ECE): 12,3 Liter
CO2-Ausstoß: 285 g/km
Kraftstoff: Super
Preis: 274.995 EUR
insgesamt 62 Beiträge
Ogim 01.08.2018
1. Gähn...
...ich kann mich für diese Technik (und Preise) nicht mehr begeistern. Schon jetzt werden diese „Supersportwagen“ in Quartermile-Rennen von TESLAS versägt die nur einen Bruchteil kosten und nebenbei noch Altagstauglich sind. [...]
...ich kann mich für diese Technik (und Preise) nicht mehr begeistern. Schon jetzt werden diese „Supersportwagen“ in Quartermile-Rennen von TESLAS versägt die nur einen Bruchteil kosten und nebenbei noch Altagstauglich sind. 2020 kommt der TESLA Roadster auf den Markt mit Fahrleistungen die wohl von keinem Verbrenner-„Sport“-Wagen mehr getopt werden können. Wie gesagt: „Gähn“...
Bin_der_Neue 01.08.2018
2. Öldeckel aus dem Fiat-Regal
Stil konnte man bei Ferrari früher auch deutlich besser, so dürfte beispielsweise der Billigheimer-Öldeckel aus dem Fiat Regal (siehe letzter Absatz des Artikels) vor allem Sergio Marchionne und seiner manchmal schon [...]
Stil konnte man bei Ferrari früher auch deutlich besser, so dürfte beispielsweise der Billigheimer-Öldeckel aus dem Fiat Regal (siehe letzter Absatz des Artikels) vor allem Sergio Marchionne und seiner manchmal schon übertriebenen Sparpolitik geschuldet sein. Aber über Tote soll man nicht schlecht sprechen, also möge er in Frieden ruhen.
noalk 01.08.2018
3. Bildschirm ohne Tatschfunktion
Prima! AM hat offensichtlich gelernt und erlaubt dem Fahrer, sich auf die Straße zu konzentrieren. Bei 340 Sachen sind in 1 sec ja auch nur 95 m zurückgelegt.
Prima! AM hat offensichtlich gelernt und erlaubt dem Fahrer, sich auf die Straße zu konzentrieren. Bei 340 Sachen sind in 1 sec ja auch nur 95 m zurückgelegt.
f_eu 01.08.2018
4.
Warum überhaupt einen Aston mit einem Ferrari vergleichen. Vom Stil her geht das schon nicht. Leider ist dieses Maulauto kein Aston-Martin mehr. Die Klasse ist einfach weg.
Warum überhaupt einen Aston mit einem Ferrari vergleichen. Vom Stil her geht das schon nicht. Leider ist dieses Maulauto kein Aston-Martin mehr. Die Klasse ist einfach weg.
turiman 01.08.2018
5. ...stilvoller??
...wie kann eine Kopie stilvoller sein als das Original, sorry dann könnte man auch sagen ein kopierter Van Gogh sieht besser aus!
...wie kann eine Kopie stilvoller sein als das Original, sorry dann könnte man auch sagen ein kopierter Van Gogh sieht besser aus!

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