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Mobilität

BMW 125i

Die erste Steuererklärung, die Spaß macht

Der aktuelle 1er-BMW ist wohl der letzte mit Hinterradantrieb. Eine technische Lappalie? Im Gegenteil: Zusammen mit einer variablen Sportlenkung ergibt sich ein fast beglückendes Fahrgefühl.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Dienstag, 09.01.2018   04:33 Uhr

Leichtgängig, direkt, präzise, das sind so die Adjektive, mit denen in Autotexten häufig das Lenkgefühl beschrieben wird. Sie würden auch beim BMW 125i passen, doch da ist noch mehr. Etwas Zupackendes, Griffiges, Vertrauenerweckendes. Man spürt es am besten auf einer kurvigen Landstraße und mit beiden Händen am dicken "M Sport"-Lenkrad. Es kribbelt regelrecht in den Handflächen, obwohl der Lenkradkranz völlig ruhig ist. Dann wieder ein leichter Dreh, die unmittelbare Reaktion des Autos - und ein Empfinden, als würde man mit dem Wagen die eleganten Schwünge der Straße gerade erst in die Landschaft malen.

"Variable Sportlenkung" heißt das bei BMW, das klingt besser als elektromechanische Servolenkung mit variablem Lenkgetriebe. Wobei variabel bedeutet, dass mit zunehmendem Radeinschlag die dazu nötige Lenkradbewegung immer geringer wird. In BMW-1er-Foren, in denen elektronische Hilfsmittel meist der dunklen Seite der Macht zugeordnet werden, wird die Lenkung oft als "um die Mittellage verwaschen" geschmäht. Das mag mancher so empfinden, für einen ganz normalen Autofahrer aber - und vor allem im Vergleich zu anderen Kompaktwagen - lenkt sich der BMW 1er geradezu großartig.

Es gibt dafür eine einleuchtende Erklärung: Das Auto ist das einzige in dieser Klasse (von Allradtypen abgesehen), bei dem die Hinterräder angetrieben werden. Die vorderen Räder sind für die Richtung verantwortlich, die hinteren für die Traktion - eine plausible Arbeitsteilung. Bei den Konkurrenzmodellen hingegen übernehmen die Vorderräder beide Funktionen, und das kann man, zumindest unter bestimmten Bedingungen, in der Lenkung auch spüren.

Foto: Pander

Dieses Alleinstellungsmerkmal wird der BMW 1er künftig verlieren. Wenn 2019 die dritte Generation der Baureihe auf den Markt kommt, wird sie auf der Frontantriebsplattform basieren, die jetzt bereits bei den Mini-Modellen und den Familienwagen 2er Active Tourer und Grand Tourer zum Einsatz kommt. Für BMW ergeben sich daraus Skaleneffekte, die den Profit erhöhen dürften. Und künftige 1er-Kunden erhalten einen größeren Kofferraum (jetzt: 360 bis 1200 Liter), denn die Hinterachse muss nicht mehr so aufwendig und damit raumgreifend konstruiert werden wie jetzt.

Den allermeisten dürfte es ohnehin gleichgültig sein, ob die Motorkraft nun von den Vorder- oder den Hinterrädern auf die Straße gebracht wird. Bei BMW heißt es, dass in dieser Baureihe die meisten Kunden eine kleinere Motorisierung wählen, und die Frage nach dem Antrieb daher nicht der zentrale Punkt bei der Kaufentscheidung sei.

In unserem Testwagen steckte zwar nicht der stärkste für den 1er verfügbare Motor (der leistet 340 PS), aber ein dennoch sehr potentes Triebwerk, nämlich der 2-Liter-Vierzylinder-Twinturbo-Benzindirekteinspritzer mit 224 PS. Leistungsmäßig also ungefähr das Pendant zum VW Golf GTI. Als Durchschnittsverbrauch für das Aggregat gibt BMW 5,9 Liter je 100 Kilometer an (5,7 Liter mit 16-Zoll-Standardbereifung). Bei unseren Testfahrten lag das Mittel eher bei gut 7 Litern. Der BMW 125i, so die offizielle Typbezeichnung, ist ein richtig knackiges Auto. Neben der Lenkung tragen das zackige Automatikgetriebe und der stets aufmerksame, bereitwillig rackernde Motor dazu bei.

Dazu kommt noch die Sitzposition im Auto, wobei "im" Auto schon das Wesentliche aussagt. Man wird von diesem Wagen regelrecht eingefasst. Dazu kommt in der Ausstattung "M Sport" noch ein schwarzer Dachhimmel, der dadurch optisch sehr tief hängt und den Eindruck einer Fahrhöhle noch verstärkt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW 125i - mit unserem 360-Grad-Foto:

Auch bei der Innenraumbeleuchtung setzt das Auto einen eigenen Akzent: Während viele andere Modelle mit Lichtleisten und indirekten Ambienteleuchten suggerieren, man befinde sich in einem hippen Nachtklub, sieht es im BMW bei Dunkelheit aus wie in einem Cockpit: Beleuchtet sind die vielen Anzeigen, Regler und Tasten. Botschaft: Du betrittst eine Maschine, ein Fahrgerät, keine wohltemperierte Mi-Ma-Mobilitätslounge.

Den letzten LCI, das Kürzel steht bei BMW für "Life-Cycle Impuls" und meint eine Modellüberarbeitung, erhielt der 1er im vergangenen Sommer. Renoviert wurde dabei die Armaturentafel, erkennbar unter anderem an neu geformten Lüftungsausströmern, einem Schiebedeckel über den Getränkehaltern, ein mehr dem Fahrer zugeneigtes Bedienfeld und neuen Oberflächen. Damit einher ging eine elektronische Aufrüstung, denn auch im 1er gibt es seither eine induktive Ladeschale fürs Smartphone und eine Apple-Car-Play-Anbindung.

Geblieben ist die mechanische Handbremse in der Mittelkonsole, ein Gruß aus der alten Autowelt. Die verschwindet allmählich, ob einem das nun gefällt oder nicht. Deshalb gehen wir nun noch einmal eine Runde drehen. Mit einem BMW-Kompaktwagen mit Hinterradantrieb. Und zwar aus Freude am Lenkgefühl.

Hersteller: BMW
Typ: 125i
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 224 PS (165 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 243 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 134 g/km
Kofferraum: 360 Liter
umgebaut: 1.200 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 23 (TK) / 25 (VK)
Preis: 40.000 EUR
insgesamt 181 Beiträge
jkbremen 09.01.2018
1. Verstehe ich nicht
Ich fahre alle 2 Jahre einen neuen Dienstwagen jew. über 120.000 km und habe dabei alle Marken durchprobiert. Für mich ist Frontantrieb der ideale Antrieb. Frontantrieb erzeugt einen viel stabileren Geradeauslauf, weniger [...]
Ich fahre alle 2 Jahre einen neuen Dienstwagen jew. über 120.000 km und habe dabei alle Marken durchprobiert. Für mich ist Frontantrieb der ideale Antrieb. Frontantrieb erzeugt einen viel stabileren Geradeauslauf, weniger Seitenwindempfindlichkeit und ist damit der ideale Vielfahrerantrieb, vor allem bei Wind, Regen und im Winter.
Michael 1234567 09.01.2018
2. Der 1er wird zum Golf
Schade BMW macht aus einen kleinen Sportwagen ein Brot und Butterauto! Bisher 50:50 Gewichtverteilung und Hinterradantrieb in Verbindung mit einer absolut direkten Lenkung, das ist dann mit der dritten Generation vorbei. Dann [...]
Schade BMW macht aus einen kleinen Sportwagen ein Brot und Butterauto! Bisher 50:50 Gewichtverteilung und Hinterradantrieb in Verbindung mit einer absolut direkten Lenkung, das ist dann mit der dritten Generation vorbei. Dann kann ich gleich zum billigeren Golf greifen, ja BMW so vergrault man jahzente lang treue Kunden!
demwz 09.01.2018
3. Hört Euch mal zu
Sportauto, Seitenwindempfindlichkeit ? Hallo. Das ist ein Auto um zur Arbeit zu fahren. Sportwagen gehören auf die Rennstrecke, und wenn ich mich so bewege, dass ich die Unterschiede im Geradeauslauf zwischen Front und [...]
Sportauto, Seitenwindempfindlichkeit ? Hallo. Das ist ein Auto um zur Arbeit zu fahren. Sportwagen gehören auf die Rennstrecke, und wenn ich mich so bewege, dass ich die Unterschiede im Geradeauslauf zwischen Front und Heckantrieb merke, dann sollte ich mich fragen, ob ich den Sinn eines Autos verstanden habe. Mein Auto rollte einfach nur, und wenn ich den Allrad zuschalte frage ich mich immer: "Wo ist der Unterschied?"
brotherandrew 09.01.2018
4. Ab ...
... 100 PS sind Fronttriebler beim Beschleunigen sehr unangenehm und unsouverän. Nur bei sehr aufwändigen Konstruktionen ist das einigermaßen beherrschbar; bleibt aber unschön Der einzige Vorteil liegt im Winterbetrieb bei [...]
Zitat von jkbremenIch fahre alle 2 Jahre einen neuen Dienstwagen jew. über 120.000 km und habe dabei alle Marken durchprobiert. Für mich ist Frontantrieb der ideale Antrieb. Frontantrieb erzeugt einen viel stabileren Geradeauslauf, weniger Seitenwindempfindlichkeit und ist damit der ideale Vielfahrerantrieb, vor allem bei Wind, Regen und im Winter.
... 100 PS sind Fronttriebler beim Beschleunigen sehr unangenehm und unsouverän. Nur bei sehr aufwändigen Konstruktionen ist das einigermaßen beherrschbar; bleibt aber unschön Der einzige Vorteil liegt im Winterbetrieb bei Eis und Schnee. Ein Hecktriebler mit idealer Gewichtsverteilung bleibt vom Fahrkomfort her das Maß aller Dinge.
DerBlicker 09.01.2018
5. Fahrkomfort?
Hinterradantrieb hat nichts mit Komfort zu tun. Im Gegenteil, der 1-er BMW ist innen eng wie ein VW Polo, das ist unkomfortabel. Deshalb stellt BMW auch auf Frontantrieb um. Mit Sportwagen hat ein BMW 1-er eh nichts zu tun, er [...]
Zitat von brotherandrew... 100 PS sind Fronttriebler beim Beschleunigen sehr unangenehm und unsouverän. Nur bei sehr aufwändigen Konstruktionen ist das einigermaßen beherrschbar; bleibt aber unschön Der einzige Vorteil liegt im Winterbetrieb bei Eis und Schnee. Ein Hecktriebler mit idealer Gewichtsverteilung bleibt vom Fahrkomfort her das Maß aller Dinge.
Hinterradantrieb hat nichts mit Komfort zu tun. Im Gegenteil, der 1-er BMW ist innen eng wie ein VW Polo, das ist unkomfortabel. Deshalb stellt BMW auch auf Frontantrieb um. Mit Sportwagen hat ein BMW 1-er eh nichts zu tun, er wird zu 90 % als 114i oder 116i oder 116d verkauft. Entweder Frontantrieb oder Allrad, alles andere macht keinen Sinn. Der 1-er ist auch durch die unnötige Kardanwelle nach hinten bockschwer, siehe Leergewicht 1475 kg für einen kompakten 4 Zylinder Wagen. Der einzige Grund für Hinterradantrieb war bei BMW der R6 Motor, den kann man nicht quer einbauen, da zu lang. Da es heute aber keine sinnlosen kleinen und schwachen R6 Motoren mehr gibt, braucht BMW den Hinterradantrieb im 1-er auch nicht mehr. Der bisher einzige verbliebene 3 Liter R6 wird eben durch einen 4 Zylinder Turbo ersetzt. Mercedes zeigt im A45 AMG schon lange wie das geht.
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