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Mobilität

Autogramm BMW i8 Roadster

Luft nach oben

Hightech und Fahrgenuss soll der neue BMW i8 Roadster bieten. Öffnet man das Verdeck des Plug-in-Sportwagens, steigert das die Fahreindrücke - leider nicht nur die guten.

BMW
Von
Montag, 30.04.2018   04:08 Uhr

Der erste Eindruck: Auch vier Jahre nach dem Debüt des Coupés wirkt der BMW i8 noch so, als hätte sich ein Showcar auf die Straße verirrt. Jetzt lässt sich sogar das Dach öffnen und es gibt im Bug eine neue Luftklappensteuerung namens "Air-Shutter", die entweder die Aerodynamik verbessert oder den Motor kühlt. Die Optik profitiert jedenfalls davon.

Das sagt der Hersteller: BMW nennt den i8 einen Trendsetter. Das 2014 vorgestellte Coupé sei der meistverkaufte Hybridsportwagen der Welt. Was kein Kunststück ist, denn bis zum Debüt des Honda NSX vor einem Jahr waren der Porsche 918, der McLaren P1 und der La Ferrari die einzigen Konkurrenten. Der i8 sei außerdem Wegbereiter gewesen für eine Reihe von Plug-in-Modellen, die BMW und die Tochtermarke Mini mittlerweile anbieten. Jetzt legen die Bayern noch einmal nach: Mit dem Roadster solle die Faszination für die nachhaltige Fahrfreude eine neue Dimension erreichen, heißt es aus dem Marketing. Mit dem neuen Auto werde "die Kombination aus lokal emissionsfreier Mobilität und hochkarätiger Performance um das Erlebnis des Offenfahrens erweitert".

Das ist uns aufgefallen: Die ersten Kilometer im i8 Roadster fühlen sich an wie ein Segelflug ohne Glaskanzel. Denn solange man langsam fährt und der Akku voller Energie steckt, genießt man eine ziemlich ungewohnte Form des sportlichen Cabriofahrens. Während sonst ein Motor brummt oder brüllt, herrscht im i8 eine fast gespenstische Stille und man bekommt von draußen noch mehr mit. Das ist faszinierend, hat aber auch Schattenseiten. Denn sobald man etwas stärker beschleunigt (oder irgendwann der Akku leer ist), meldet sich der Dreizylinder-Benziner im Heck zum Dienst. Dieser Motor hat zwar genügend Power, um das 1595 Kilogramm schwere Auto sportwagentypisch zu bewegen, doch er klingt wie ein Sängerknabe im Stimmbruch. Das fällt umso mehr auf, wenn man zwischendurch die Gelegenheit hat, konventionellen Konkurrenten wie dem offenen Porsche 911, dem Aston Martin Vantage oder dem Mercedes-AMG GT zu lauschen.

Foto: BMW

Auch beim Fahren hinterlässt der i8 einen zwiespältigen Eindruck. Natürlich ist er ungeheuer flott und sticht aus dem Feld von Elektroautos wie dem Nissan Leaf, dem Smart ED deutlich heraus. Aber weder ist der i8 so spritzig und schnell wie die Konkurrenz von Tesla, noch kann er bei der Fahrdynamik mit normalen Sportwagen mithalten. Vor allem auf kurvigen Straßen stößt das Konzept trotz der separat angetriebenen Achsen offenbar an Grenzen. Der i8 bietet andere Vorzüge, etwa das lautlose Segeln unter Strom - eigentlich ist das schon Kaufgrund genug. Nur sollte BMW den Wagen dann nicht als Ikone einer neuen Sportwagen-Generation inszenieren.

Was sonst noch auffällt bei der Jungfernfahrt mit dem i8 Roadster, ist die geringe Halbwertzeit diverser Designdetails. Während der Sportler von außen noch abgefahren aussieht, hat das Auto innen trotz dezenter Retuschen etwas Staub angesetzt und wirkt längst nicht mehr so frisch wie etwa ein neuer BMW 5er oder ein Mini. Dafür sind die Displays zu klein, die Grafikprozessoren zu langsam, die Schalter zu altbacken.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW i8 Roadster - mit unserem 360-Grad-Foto:

Darüber hinaus ist es schade, dass BMW das Öffnen des Verdecks nicht etwas spektakulärer inszeniert. Ja, es gibt Roadster-Schriftzüge auf den Flanken und am Heck, und man kann das Dach in einer Kontrastfarbe bestellen. Aber den Schalter für die Verdeckbetätigung zum Beispiel hat BMW unter einer Klappe auf dem Mitteltunnel versteckt.

Das muss man wissen: Der BMW i8 Roadster kommt ab Mai in den Handel und kostet mindestens 155.000 Euro. Das sind 17.000 Euro mehr als der Preis des Coupés, das weiterhin angeboten wird. Während das geschlossene Auto ein 2+2-Sitzer ist, fällt beim Roadster die Rückbank weg und wird zur Ablage für etwa 100 Liter Gepäck. Der eigentliche Kofferraum bietet Platz für 88 Liter Ladevolumen - und für die Stoffhaube, die sich bis Tempo 50 auch während der Fahrt binnen 15 Sekunden auf Knopfdruck nach hinten faltet.

Beim Antrieb sind i8 und i8 Roadster identisch. Im Heck knurrt ein 1,5 Liter großer Dreizylinder-Benziner mit 231 PS Leistung, und im Bug surrt eine E-Maschine, die nun auf 143 PS kommt. Sie wird gespeist aus einem Lithium-Ionen-Akku von 11,6 kWh, der bis zu 53 Kilometer Reichweite ermöglicht. Im normalen Betrieb fährt der i8 bis Tempo 105 elektrisch, auf Knopfdruck sind auch bis 120 km/h strombetrieben drin. Arbeiten beide Motoren im Team, dauert der Sprint von 0 auf 100 km/h 4,6 Sekunden und erst bei Tempo 250 ist Schluss. Dann ist es im offenen Auto so stürmisch, dass man den Motor ohnehin nicht mehr hört.

Das werden wir nicht vergessen: Den Blindflug beim Rangieren, weil das hohe Heck und die spektakulären Finnen den Blick nach hinten blockieren. Offenbar haben die i8-Entwickler so unbeirrt nach vorne in die Zukunft geschaut, dass sie dabei den Blick nach hinten ganz aus den Augen verloren haben.

Hersteller: BMW
Typ: i8 Roadster
Karosserie: Roadster
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner mit E-Motor
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.499 ccm
Leistung: 231 PS (170 kW)
Leistung (E-Motor): 143 PS (105 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Drehmoment (E-Motor): 250 Nm
Von 0 auf 100: 4,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 2,0 Liter
CO2-Ausstoß: 46 g/km
Kofferraum: 88 Liter
Preis: 155.000 EUR
insgesamt 51 Beiträge
eunegin 30.04.2018
1. Volks-wagen?
Immer wenn ich die Preisschilder der vielgepriesenen E-Autos lese und dann daran denke, dass sie in meiner persönlichen Situation gerade ma zum Zweitwagen taugen, frage ich mich schon, was das soll. Wie wäre es mit dem [...]
Immer wenn ich die Preisschilder der vielgepriesenen E-Autos lese und dann daran denke, dass sie in meiner persönlichen Situation gerade ma zum Zweitwagen taugen, frage ich mich schon, was das soll. Wie wäre es mit dem strategischen Ausbau der E-Infrastruktur und bezahlbaren Autos? Einen E-Käfer oder eine E-Tin-Lizzy sozusagen. Die netten teuren Spielzeuge kann man ja trotzdem bauen.
was-zum-teufel... 30.04.2018
2. Wirklich absurd lächerlich.
155.000 Euro für einen Roadster OHNE Motor. Beim Beschleunigen mit geöffnetem Verdeck höre ich dann die Kreissäge lärmen. Schönen Dank auch. Ein Dreizylinder Laubgebläse als Antrieb ist auch kombiniert mit einem [...]
155.000 Euro für einen Roadster OHNE Motor. Beim Beschleunigen mit geöffnetem Verdeck höre ich dann die Kreissäge lärmen. Schönen Dank auch. Ein Dreizylinder Laubgebläse als Antrieb ist auch kombiniert mit einem Elektromotor völlig gaga. Dann lieber etwas mit V8 oder rein elektrisch angetrieben. Aber diese Kombi ist Müll, sorry BMW!
dirk1962 30.04.2018
3. Verbrauch 2 Liter?
Nun das Auto ist sicher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber eine Verbrausangabe von 2 Litern halte ich für einen Witz. Den Trend zu immer kleineren Verbrennen kann ich nicht mehr nachvollziehen, zumal bei diesem [...]
Nun das Auto ist sicher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber eine Verbrausangabe von 2 Litern halte ich für einen Witz. Den Trend zu immer kleineren Verbrennen kann ich nicht mehr nachvollziehen, zumal bei diesem Kaufpreis mehr als drei Zylinder schon erwartet werden dürfen.
paula_f 30.04.2018
4. Käufer ausgesperrt
die Käufer für ein solches Auto sind meist älter -- nicht richtig schnell nicht richtig laut und teuer - genau deshalb können sie gar nicht mehr einsteigen. Personen über 185 cm kommen da auch nicht rein, jedenfalls nicht [...]
die Käufer für ein solches Auto sind meist älter -- nicht richtig schnell nicht richtig laut und teuer - genau deshalb können sie gar nicht mehr einsteigen. Personen über 185 cm kommen da auch nicht rein, jedenfalls nicht ohne sich stark zu verbiegen.
Bin_der_Neue 30.04.2018
5. Ja wie jetzt?
Bei einem Plug-in-Hybrid (Sport)wagen mit Verbrennungsmotörchen den nicht vorhandenen Motorsound zu kritisieren ist doch ähnlich sinnbefreit wie bei einem Mazda MX-5 o.ä. die Ladekapazität zu bemängeln! Entweder [...]
Bei einem Plug-in-Hybrid (Sport)wagen mit Verbrennungsmotörchen den nicht vorhandenen Motorsound zu kritisieren ist doch ähnlich sinnbefreit wie bei einem Mazda MX-5 o.ä. die Ladekapazität zu bemängeln! Entweder Elektro/Hybrid oder kraftvoller Klang eines hubraumstarken Motors, beides zusammen passt nunmal nicht. Peinlicher wäre es, nun mit Soundgenerator o.ä. synthetische Auspufforgien herzuzaubern.
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