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Mobilität

Autogramm BMW Z4

Frühsportgerät

BMW hat den Z4 in einen echten Sportwagen zurückverwandelt, der es mit einem Porsche aufnehmen soll. Und mit dem sich manche Grenzen der Fahrphysik neu ausloten lassen.

BMW
Von
Donnerstag, 08.11.2018   04:59 Uhr

Der erste Eindruck: Mit der Abkehr vom versenkbaren, harten Dach und dem Comeback des Textilverdecks sieht der Z4 sofort wieder nach rassigem Roadster aus. Und die neuen, etwas knackigeren Proportionen stehen ihm auch nicht schlecht.

Das sagt der Hersteller: Für Jos van As, der bei BMW die Fahrdynamik-Entwicklung leitet, ist der neue Z4 ein Auto für Frühaufsteher. War die letzte Generation des Roadsters so brav und gemütlich abgestimmt, dass man ihn eher für die Kaffeefahrt am Sonntagnachmittag benutzt habe, sollte man sich jetzt den Wecker stellen und früh am Morgen starten, wenn die Straßen noch leer sind. Die neue Ausrichtung des Autos ändert auch die Positionierung im Wettbewerbsumfeld. Statt auf Mercedes SLC oder Audi TT zielt der Z4 jetzt eher auf den Porsche 718 Boxster.

Foto: DER SPIEGEL

Das ist uns aufgefallen: Der neue Z4 ist ein Auto, das auf Anhieb anmacht. Man sitzt nur knapp über der Straße, und das Cockpit wirkt dem Fahrer nah und zugeneigt. Während man im bisherigen Modell unwillkürlich eine lässige Haltung einnahm, rückt man im neuen Auto fast automatisch in Habachtstellung, greift mit beiden Händen ans Lenkrad und blickt konzentriert voraus.

Erst recht, wenn man im M40i sitzt, mit dem die BMW-Verantwortlichen gleich zum Start klarmachen wollen, wohin die Reise geht. Schließlich ist diese Topvariante des Z4 die einzige mit einem Reihensechszylindermotor. Sie lockt mit 340 PS Leistung und mehr noch mit 500 Nm Drehmoment. Natürlich kann man den Wagen auch gelassen bewegen und mit ihm an einem Sonntagnachmittag entspannt über den Boulevard blubbern - dafür gibt es die "Komfort"-Stellung am Fahrerlebnisschalter. Der Fahrer kann aber auch im "Sport"-Modus über die Landstraße fegen.

Fotostrecke

Autogramm BMW Z4: Einfach fitter

Der Z4 kratzt leidenschaftlich die Kurven, dank eines neuen Fahrwerks mit breiterer Spur und kürzerem Radstand, dank weniger Gewicht und weil das Getriebe die Hinterräder intelligent anspricht. So lassen sich die Grenzen der Fahrphysik beherzt ausloten. Die Lenkung arbeitet präzise, das Gaspedal animiert. So schneidet der Fahrer über die Straße und nähert sich dem Fahrtziel Euphorie. Das weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen Roadster noch radikale Autos waren und nicht - wie zuletzt auch der Z4 - vom Marketing getriebene Lifestyle-Luschen, geeignet eher zum Flanieren denn zum Flitzen.

Kein Unterschied zum Vorgänger ist dagegen beim Dach zu spüren - trotz der anderen Technik. Es sieht wegen des Stoffbezugs zwar tatsächlich wieder nach klassischer Roadstermütze aus, faltet sich entsprechend schnell zusammen und benötigt deutlich weniger Platz als ein Hardtop, weshalb der Kofferraum jetzt halbwegs alltagstaugliche 281 Liter fasst. Außerdem trägt das neue Verdeck einen großen Teil dazu bei, dass der Z4 trotz des neuen Formats um 50 Kilo leichter wurde. Trotz Textilüberzug bläht es sich nicht auf, flattert und rauscht nicht und schützt genauso gut vor Schall und Wind wie ein Hardtop - weil es im Grunde dann doch ein massives Dach mit Überzieher ist, so breit sind die Spriegel der Konstruktion.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW Z4 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der in Länge und Breite gewachsene Z4 startet pünktlich zum Beginn der neuen Open-Air-Saison im kommenden März - und natürlich gibt es nicht nur den M40i, der 60.950 Euro kostet. Die Modellpalette beginnt bei 40.950 Euro für den Z4 20i, den ein 197 PS starker 2,0-Liter-Motor antreibt. Dazwischen rangiert ab 48.950 Euro der 30i, in dem der baugleiche Vierzylindermotor auf 258 PS Leistung kommt.

Der Z4 geht übrigens nicht allein an den Start. Um den Roadster in einem schrumpfenden Markt überhaupt wirtschaftlich rentabel vermarkten zu können, hat sich BMW aber die japanische Marke Toyota mit ins Boot geholt. Nach den Vorgaben aus Tokio wurde in München deshalb auch ein Coupé entwickelt, das zusammen mit dem Z4 bei Magna in Graz vom Band läuft und im nächsten Jahr als Toyota-Supra-Nachfolger antreten soll.

Das werden wir nicht vergessen: Wie unterschiedlich lange einem die zehn Sekunden vorkommen können, die das Dach zum Öffnen oder Schließen braucht. Auf der einen Seite kommt einem das ziemlich flott vor, vor allem im Vergleich mit dem Vorgängermodell und dessen massivem Klappdach. Doch je mehr die Landstraße lockt, desto länger ziehen sich die zehn Sekunden, in denen man Tempo 50 nicht überschreiten darf - weil die Dachautomatik nur bei weniger Geschwindigkeit funktioniert. Da wird dann jeder Augenblick zur Qual - wofür ist man schließlich so früh aufgestanden?

Hersteller: BMW
Typ: Z4 M40i
Karosserie: Roadster
Motor: Reihensechszylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.998 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 500 Nm
Von 0 auf 100: 4,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,1 Liter
CO2-Ausstoß: 162 g/km
Kofferraum: 281 Liter
Preis: 60.950 EUR
insgesamt 56 Beiträge
arnedererste 08.11.2018
1. M-Version
Das die M-Version deutlich sportlicher ist als die Vorgänger ist wohl kein Wunder, es wäre interessant wie sportlich die nicht-M-Versionen sind. Die zehn Sekunden um das Dach zu öffnen sind wiederum keine Kunst. Das schafft [...]
Das die M-Version deutlich sportlicher ist als die Vorgänger ist wohl kein Wunder, es wäre interessant wie sportlich die nicht-M-Versionen sind. Die zehn Sekunden um das Dach zu öffnen sind wiederum keine Kunst. Das schafft mein E85 von 2008 in 9 Sekunden. Wann kann man die neue Version beim Händler probefahren.?
observerlbg 08.11.2018
2. Schön und bezahlbar...
Das Gerät ist sicher viel mehr nach dem Geschmack von Tom Grünweg, als der popelige Fiat zuletzt hier? Immerhin hat der Z4 ähnliche Außenmaße wie ein aktueller Golf und die Fahrer möchten eher gemächlich entspannen beim [...]
Das Gerät ist sicher viel mehr nach dem Geschmack von Tom Grünweg, als der popelige Fiat zuletzt hier? Immerhin hat der Z4 ähnliche Außenmaße wie ein aktueller Golf und die Fahrer möchten eher gemächlich entspannen beim Fahren. Bei vielen anderen "Krawallspielzeugen" stellen sich dem Rest der Autofahrer nur die Nackenhaare auf. Will sagen, eher sympathisch der kleine BMW. Gebaut in Österreich zusammen mit Toyota. Gibts den demnächst auch als Hybrid? ;-)
alternativlos 08.11.2018
3. Revolution war vorher!
Dieses Downsizing-Konzept weckt schon vor dem Frühstück den Biedermann in Dir und ohne Hypridtechnologie sogar ein wenig mit schlechtem Gewissen. Schade. Weiterhin Gute Fahrt.
Dieses Downsizing-Konzept weckt schon vor dem Frühstück den Biedermann in Dir und ohne Hypridtechnologie sogar ein wenig mit schlechtem Gewissen. Schade. Weiterhin Gute Fahrt.
Leser161 08.11.2018
4. Optisch besser, aber fetter chinesischer
Den vorherigen Z4 mit seinem irgendwie künstlerischen Design mochte ich nicht so. Davon ist man weg, finde ich gut. Was ich nicht so mag ist die optische Wuchtigkeit, das macht den Wagen für mich zu einem Gran Tourismo vom [...]
Den vorherigen Z4 mit seinem irgendwie künstlerischen Design mochte ich nicht so. Davon ist man weg, finde ich gut. Was ich nicht so mag ist die optische Wuchtigkeit, das macht den Wagen für mich zu einem Gran Tourismo vom Schlage eines A5 aber nicht zu einem Sportwagen (Optisch wie gesagt). Auch das übertriebene Spiel mit Kanten mag ich nicht so. Kanten können prächtig Akzente setzen an ausgestellten Kotflügeln oder auf der Motorhaube, wenn das Auto aber nur aus Kanten besteht wird es zu optischem Brei. Der auch lecker sein kann, aber hinter einem wohlabgeschmeckten Gericht zurückstehen muss.
iore 08.11.2018
5. #1
Christian Gebhardt ist das Auto als M40i mit Standardreifen in 07:55 min um die Nordschleife gefahren. Scheint gut gelungen zu sein, wenn er knapp die Zeit eines 400 PS starken TT RS mit Sportreifen schafft.
Christian Gebhardt ist das Auto als M40i mit Standardreifen in 07:55 min um die Nordschleife gefahren. Scheint gut gelungen zu sein, wenn er knapp die Zeit eines 400 PS starken TT RS mit Sportreifen schafft.
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