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Autogramm Nissan Leaf

Fortschrittlicher Bremser

Während deutsche Hersteller noch an der Sinnhaftigkeit der E-Mobilität zweifeln, geht der Nissan Leaf bereits in die zweite Runde. Das Spektakulärste am meistverkauften Akku-Auto der Welt: Es funktioniert einfach.

Nissan
Von
Montag, 04.12.2017   10:05 Uhr

Der erste Eindruck: Kommando klare Kante. Die Zeiten des rundlichen Designs sind für das E-Auto von Nissan vorbei.

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Autogramm Nissan Leaf: Kein Feigenblatt mehr

Das sagt der Hersteller: Nissan-Chef Hiroko Saikawa feiert den Leaf als Botschafter einer neuen Zeit. "Er stärkt unsere Führungsrolle im Bereich der Akku-Autos und wird die weltweite Verbreitung der Elektromobilität fördern", sagt Saikawa. Weltweit gehöre Nissan zu den wenigen Herstellern, die ihr Elektroauto bereits in der zweiten Generation auflegen - E-Smart oder E-Golf zählen ebenfalls dazu. Entscheidend für ein Elektroauto sei, was ein Kilometer Reichweite koste. In dieser Hinsicht geht der Leaf in Vorlage. Weil der Preis des Wagens kaum anstieg, die Reichweite aber beinahe verdoppelt wurde, sticht er in dieser Relation alle Konkurrenten dieser Klasse tatsächlich aus.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen und losfahren - ganz so einfach geht es nicht. Das liegt allerdings nicht am Elektroantrieb, sondern am einzigen Design-Gag, den sich die Kreativen in dem ansonsten nüchternen Innenraum erlaubt haben. Wo andere Pkw einen Getriebewählhebel haben oder ein paar Tasten für die Bedienung des Automatikgetriebes, gibt es im Nissan Leaf eine Art Halbkugel mit einem Plastiknippel oben drauf. Den muss man zuerst in die richtige Gasse schieben.

Hat man das geschafft, fährt der Leaf wie jeder andere Kompaktwagen auch. Allerdings fühlt sich die zweite Generation mehr nach sportlichem GTI als nach bodenständigem TDI an - zumindest im Stadtverkehr. Denn die Leistung der E-Maschine wurde um 38 Prozent auf 150 PS gesteigert und das maximale Drehmoment um 26 Prozent auf 320 Nm angehoben. Beinahe entwickelt der Leaf mehr Power, als die schmalen 17-Zoll-Reifen auf die Straße bringen können. Und weil die Lenkung - wie so oft bei Nissan - nicht wirklich direkt ist, macht man den rechten Fuß in Kurven besser leicht.

Foto: Nissan

Der Elan reicht allerdings nur bis zum Ortsschild. Jenseits der Stadtgrenzen wird die Beschleunigung ungeheuer zäh, bei 144 km/h ist dann komplett Schluss.

Dabei ist der Leaf in der zweiten Generation dem urbanen Umfeld eigentlich entwachsen. Zum einen, weil die Entwickler den Akku mit einer neuen Struktur der Lithium-Ionen-Zellen so optimiert haben, dass jetzt im gleichen Bauraum 40 kWh (plus 67 Prozent) Speicherkapazität möglich sind. Dadurch erhöht sich die Norm-Reichweite auf 368 Kilometer. Der für später vorgesehene Nachschlag mit einem XXL-Akku ist da noch gar nicht mitgerechnet. Außerdem ist der Leaf der erste Nissan mit dem neuen ProPilot-System, das speziell für die Autobahn entwickelt wurde. Wie bislang eigentlich nur Mittel- und Oberklassewagen von Premiummarken, hält jetzt auch der Leaf auf Knopfdruck mithilfe von Kameras und Radarsensoren automatisch die Spur und den Abstand - und fährt so beinahe autonom. Vom neuen Assistenzsystem profitiert man allerdings auch in der Stadt. Denn die gleiche Technik nutzt Nissan zum autonomen Rangieren. Dann zirkelt der Leaf mithilfe des "ProPilot Park" ganz ohne Zutun des Fahrers in die Lücke.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Nissan Leaf - mit unserem 360-Grad-Foto:

Weil Nissan den Leaf als Alltagsauto preist, muss man ihn auch an alltäglichen Maßstäben messen. Dabei stößt das Konzept an Grenzen. Die Sitzposition ist zu hoch und weil im Wagenboden die Akkus stecken, weiß man nicht, wohin mit den Füßen. Mit 435 Liter Fassungsvermögen ist der Kofferraum zwar ausreichend groß, hat aber eine viel zu hohe Ladekante.

Das muss man wissen: Bestellen kann man den neuen Leaf schon seit ein paar Wochen - ausgeliefert wird er ab Januar. Es gibt die zweite Generation des mit bislang rund 300.000 verkauften Exemplaren erfolgreichsten Elektroautos der Welt in einer besonders gut ausgestatteten ZERO Edition samt ProPilot für 34.950 Euro oder für eine monatliche Leasingrate von 295 Euro samt Wallbox. Ganz konventionell wird das Basismodell ab 31.950 Euro angeboten.

Die teuerste Komponente ist die Batterie im Wagenboden, die man über eine Ladebuchse im Bug des Leaf ans Netz koppelt. Es dauert an einem Schnelllader 40 Minuten, bis der Akku zu 80 Prozent geladen ist, an einer normalen Steckdose bis zu 16 Stunden. Später soll eine zweite Version mit XXL-Akku folgen, für die Nissan eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern avisiert.

Das werden wir nicht vergessen: Das sogenannte E-Pedal. Drückt man den entsprechenden Knopf, aktiviert das die Rekuperation. Dann reicht es, den Fuß vom Gas zu nehmen, schon wird der Motor zum Generator. Der Nissan bremst, ohne dass die Bremse getreten wird. Das funktioniert so leicht und zuverlässig, dass man diese Errungenschaft nicht mehr missen will.

Hersteller: Nissan
Typ: Leaf (2017)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: Einganggetriebe
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 150 PS (110 kW)
Drehmoment (E-Motor): 320 Nm
Höchstgeschw.: 144 km/h
Kofferraum: 435 Liter
Versicherung: 31950 (TK)
insgesamt 148 Beiträge
was-zum-teufel... 04.12.2017
1. Geht doch!
Vernünftiger Preis. Vernünftige Reichweite. Es muss nicht immer Tesla sein.
Vernünftiger Preis. Vernünftige Reichweite. Es muss nicht immer Tesla sein.
dirk1962 04.12.2017
2. Hut ab
wie schon der erste Leaf ist auch das Nachfolgemodell unspektakulär und alltagstauglich. Das Preis/ Leistungs Verhältnis stehen derzeit wohl unschlagbar. Bleibt abzuwarten, wann die Deutschen Autobauer etwas Gleichwertiges auf [...]
wie schon der erste Leaf ist auch das Nachfolgemodell unspektakulär und alltagstauglich. Das Preis/ Leistungs Verhältnis stehen derzeit wohl unschlagbar. Bleibt abzuwarten, wann die Deutschen Autobauer etwas Gleichwertiges auf den Markt bringen.
ExigeCup260 04.12.2017
3.
Man könnte aus der Renault-Nissan Allianz noch den Renault ZoE erwähnen, der ebenfalls in der 2. Generation mit ebendiesem Akku mit 40kWh Speicherkapazität angeboten wird. Der ist mir 7kW-Wallbox und Elektroautoprämie nochmal [...]
Man könnte aus der Renault-Nissan Allianz noch den Renault ZoE erwähnen, der ebenfalls in der 2. Generation mit ebendiesem Akku mit 40kWh Speicherkapazität angeboten wird. Der ist mir 7kW-Wallbox und Elektroautoprämie nochmal deutlich günstiger als der Leaf.
Barças Superstar 04.12.2017
4. Medaille mit zwei Seiten
Über die (Elektroautos) zu diskutieren ist das eine. Das dreistellige Milliardengrab auf der Netzseite sollte hier intensiver diskutiert werden!
Über die (Elektroautos) zu diskutieren ist das eine. Das dreistellige Milliardengrab auf der Netzseite sollte hier intensiver diskutiert werden!
alex_kolli 04.12.2017
5. Wer sagt denn ...?
... dass "deutsche Hersteller noch an der Sinnhaftigkeit der E-Mobilität zweifeln"?? Keiner zweifelt an der E-Mobilität, die Überschrift sorgt schon mal nicht für Neutralität. Ausserdem gibt es das Rekuperieren bei [...]
... dass "deutsche Hersteller noch an der Sinnhaftigkeit der E-Mobilität zweifeln"?? Keiner zweifelt an der E-Mobilität, die Überschrift sorgt schon mal nicht für Neutralität. Ausserdem gibt es das Rekuperieren bei BMW seit einigen Jahren. Und der Satz: "Entscheidend für ein Elektroauto sei was ein Kilometer Reichweite kostet" ist vollkommen biegsam und liegt im Sinne des Betrachters. Für manche mag entscheidend sein, dass das Fahren komfortabel ist. Für andere, dass das Fzg. eine hohe Reichweite besitzt. Für wieder andere sind es die Fahrwerte. Für den Hersteller könnte entscheidend sein, DASS ER GELD MIT SEINEM PRODUKT VERDIENT und der Wiederverkaufswert, die Qualität und Haltbarkeit könnte ein anderes Kriterium sein. Auch für E-Autos. Es ist doch seit langem bekannt, dass ein Hersteller eine scheibar eigene Klasse für sich besetzt um irgendwo Klassenprimus zu sein (..."günstigster Kompaktvan seiner Klasse", blabla).
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