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Auto

Mercedes GLA 200

Wie die A-Klasse, nur teurer

In der Frühzeit des SUV, 1997, war Mercedes mit der M-Klasse ein Vorreiter. Für ihren ersten Kompakt-SUV ließen sich die Schwaben dagegen sehr viel Zeit. Nun hechelt der GLA der Konkurrenz hinterher.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Dienstag, 03.03.2015   08:46 Uhr

Mit einem cW-Wert von 0,29 ist der Mercedes GLA das windschlüpfigste und wohl auch der flachste aller aktuellen Kompakt-SUV-Modelle. Auch wenn das niemanden vom Hocker reißt, so ein Bestwert macht sich immer gut - wobei er in diesem Fall auch das Problem des Autos sein könnte. Der GLA nämlich ist so geduckt, geschmeidig und gedrungen geraten, dass er kaum als SUV wahrgenommen wird. Im Vergleich zur A-Klasse, auf deren Technik-Plattform der GLA ruht, ist er lediglich zwei Finger breit höher. Wer nur flüchtig hinsieht, erkennt kaum einen Unterschied.

Mercedes sagt natürlich, das sei gewollt, denn dadurch fülle das Auto im Segment der kompakten SUVs eine bis dahin noch unbesetzte Nische. Andererseits: Die SUVs boomen ja gerade wegen der bulligeren Optik und der höher aufragenden Karosserie. Da muss es nicht unbedingt von Vorteil sein, gerade auf diese Merkmale zu verzichten. Ein Blick in die Neuzulassungsstatistik bestätigt das offenbar: Während von den direkten Konkurrenten BMW X1 und Audi Q3 im vergangenen Jahr jeweils knapp 25.000 beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert wurden, kam der Mercedes GLA auf nicht ganz 15.000. Der Einwand, dass der Wagen erst ab März 2014 auf die Straßen kam ist zwar richtig, ändert aber nichts an der Aussagekraft der Zahlen, denn zu bestellen war der GLA bereits seit November 2013.

Für die Insassen des Mercedes Kompakt-SUVs bedeutet das eng geschnittene Karosseriekleid zwar ordentliche Platzverhältnisse auf den vorderen Sitzen, im Fond jedoch eher Kleinwagenatmosphäre. Die hinteren Türausschnitte, die Kopf- und Schulterfreiheit, das alles wirkt angesichts des Formats des Autos um mindestens eine Nummer zu klein geraten. Dabei erwarten SUV-Kunden ja gerade etwas mehr Platz, ein paar Zentimeter mehr Bewegungsfreiheit, ein etwas großzügigeres Raumgefühl.

Allradantrieb gibt's erst ab 37.000 Euro

Was das Gros der Käufer in dieser Klasse nicht erwartet, ist Allradantrieb. Und die Variante GLA 200 mit dem 156-PS-Benzinmotor, mit der wir unterwegs waren, ist dieser Antrieb auch gar nicht verfügbar. Was kein Schaden ist, denn das spart Gewicht und Sprit. Konsequent ist es obendrein, denn wenn ein Auto standardmäßig mit einer Bodenfreiheit von 14 Zentimetern ausgeliefert wird, ist es nun mal kein Geländewagen.

Was der Fronttriebler jedoch bietet, ist ein bemerkenswert ruhiges und souveränes Fahrgefühl. Die Straßenlage ist tadellos, das Lenkgefühl angenehm und die Geräusch- und Vibrationsdämmung besser, als man es in dieser Klasse erwartet. Wobei: Der GLA bietet nicht nur den Fahrkomfort eines Mittelklassemodells, er kostet auch so viel. 27.667 Euro das Basismodell mit dem 122-PS-Einstiegsbenziner; 29.601 Euro das von uns gefahrene Modell mit Sechsgang-Schaltgetriebe und im aufpreisfreien Uni-Farbton "Jupiterrot" lackiert. Die schwarze Alu-Dachreling (267 Euro) oder die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen (1273 Euro) jedoch müssen extra bezahlt werden, etliche andere Details ebenso.

Der GLA vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit

Der 1,6-Liter-Benziner passt prima zum Auto. Ein unaufdringlicher Motor, der sich bei eher gemächlicher Gangart wohl fühlt und während unseres Testzeitraums mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 Liter zufrieden war. Das ist kein großartiger Wert, aber für einen 1,4-Tonner dieses Formats akzeptabel.

Auch wenn der GLA die von SUV-Käufern angeblich so geschätzte erhöhte Sitzposition nicht recht bieten kann: ein Gefühl der Geborgenheit stellt sich durchaus ein. Das liegt neben dem vertrauenerweckenden Fahrgefühl an einem geschickten Innenraumdesign, zumindest im vorderen Bereich des Autos. Die elegant geformte Armaturentafel scheint die vorderen Passagiere wie mit offenen Armen zu umgreifen, das Interieur schmiegt sich um die Insassen wie ein Eierkarton ums Ei. Dennoch fühlt man sich auf den Vordersitzen nicht eingeengt.

Ein Nachteil der Höhlenatmosphäre ist die mäßige Sicht nach hinten. In der Rundumsichtmessung des ADAC wurde der GLA mit "mangelhaft" benotet. Auf engen Parkplätzen oder in Parkhäusern jedenfalls ist man für die Signale der Einparkhilfe und das Bild der Rückfahrkamera dankbar.

Ein wuchtig modelliertes Heck - mit eher kleinem Kofferraum

Das bullig geratene Heck des Autos sieht durchaus ansprechend aus, doch wenn man die hintere Klappe öffnet, verflüchtigt sich die Begeisterung. Das liegt an einer vergleichsweise hohen Ladekante und am bestenfalls durchschnittlichen Ladevolumen. 421 bis 1234 Liter fasst der Kofferraum, je nach Stellung der Rücksitzlehnen. Vom üppigen Platzangebot, das klassische Kompakt-SUVs wie der VW Tiguan (470 bis 1510 Liter) bieten, ist beim Mercedes GLA nicht mehr viel übrig. Auch der Audi Q3 (460 bis 1365 Liter) verfügt über mehr Ladevolumen, und der BMW X1 ist zumindest mit flach gelegten Rücksitzlehnen ladefreundlicher (420 bis 1350 Liter).

Angesichts des kleinen Unterschieds zwischen A-Klasse und GLA stellt sich vor allem die Frage, warum Mercedes zwei derartig ähnliche Autos baut. Möglich, dass es die Antwort nur das Marketing weiß - oder dass es für manche Kunden doch auf ein paar Zentimeter ankommt.

insgesamt 161 Beiträge
vogel0815 03.03.2015
1. Für das Geld kriegt man einen Passat
Der in allen Disziplinen besser ist. Sogar konzernintern kostet eine mäßig ausgestattete C-Klasse gleich be mehr Nutzwert.
Der in allen Disziplinen besser ist. Sogar konzernintern kostet eine mäßig ausgestattete C-Klasse gleich be mehr Nutzwert.
pille! 03.03.2015
2. Ein SUV
Ohne Allradantrieb ist doch eine noch größere Lachnummer, als ein SUV eh schon ist.
Ohne Allradantrieb ist doch eine noch größere Lachnummer, als ein SUV eh schon ist.
masterofconfusion 03.03.2015
3. Hauptsache
Der sportliche Rentner kann leichter ein und aussteigen und hat den besseren Überblick
Der sportliche Rentner kann leichter ein und aussteigen und hat den besseren Überblick
gernot.flick 03.03.2015
4. Der GLA ist die schlauere A-Klasse!
Wenn man die A-Klasse und den GLA ähnlich ausstattet, stellt man schnell fest, dass der GLA kaum teurer ist als die A-Klasse. Und er bietet einfach mehr Platz und Alltagsnutzen. Ich würde sogar noch weitergehen: Der GLA ist ein [...]
Wenn man die A-Klasse und den GLA ähnlich ausstattet, stellt man schnell fest, dass der GLA kaum teurer ist als die A-Klasse. Und er bietet einfach mehr Platz und Alltagsnutzen. Ich würde sogar noch weitergehen: Der GLA ist ein Meilenstein. Denn der SUV Trend ist nicht zu stoppen. Eigentlich erstaunlich, denn wirkliche Vorteile bietet ein SUV nicht. Also kann es neben der erhöhten Sitzposition nur um die Optik gegen. Der GLA bietet die robuste Hülle und die erhöhte Sitzposition eines SUVs. Er ist aber nicht so hoch wie der Eiffelturm und hat somit nicht die Stirnfläche eines Containerfrachters. Somit ist der GLA kein Schluckspecht und wurde dafür bereits ausgezeichnet. Der GLA kombiniert die vom Kunden gewünschte Optik mit dem zeitgemäßen Anspruch an die Umweltverträglichkeit. Zu diesem Spagat kann man Mercedes-Benz nur gratulieren. Ob man den GLA nun schön findet, muss jeder für sich entscheiden. Schlau ist er in jedem Fall!
spon-facebook-10000015195 03.03.2015
5. Das ist kein SUV
Korrektere Bezeichnung wäre wohl eher Crossover oder Softroader. Mercedes hätte ihn mal lieber als A-Klasse Cross vermarkten sollen. Als eigenes Modell sehe ich das Fahrzeug nicht.
Korrektere Bezeichnung wäre wohl eher Crossover oder Softroader. Mercedes hätte ihn mal lieber als A-Klasse Cross vermarkten sollen. Als eigenes Modell sehe ich das Fahrzeug nicht.
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Fahrzeugschein

Hersteller: Mercedes
Typ: GLA 200
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.595 ccm
Leistung: 156 PS (115 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 5,8 Liter
CO2-Ausstoß: 135 g/km
Kofferraum: 421 Liter
umgebaut: 1.235 Liter
Preis: 29.601 EUR

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