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Mobilität

Autogramm Honda Jazz 1.5

Außen Sardinenbüchse - innen S-Klasse

Honda macht Schluss mit Mini-Motoren im Kleinwagen. Der Jazz erhält erstmals einen 1,5-Liter-Motor. Nicht der einzige Punkt, in dem das kompakte Auto Größe beweist.

Honda
Von
Mittwoch, 07.02.2018   05:07 Uhr

Der erste Eindruck: Nach dem Facelift riskiert der Kleinwagen eine ziemlich dicke Lippe. Die Frontpartie erinnert an einen Schmollmund.

Das sagt der Hersteller: Für Honda sei der kleine Jazz eine große Nummer, sagt Honda-Sprecher Peter Hofmann. Er zähle zu den geräumigsten Autos in der Vier-Meter-Klasse und biete mehr Platz als konventionelle Kleinwagen wie beispielsweise ein VW Polo oder der Opel Corsa. In Japan, in den USA und in Europa verkauft sich der Wagen extrem gut, so Hofmann. Seit 2001 fand er weltweit rund sieben Millionen Käufer. Trotzdem blieb - ein Manko der meisten Kleinwagen - eher wenig in der Kasse hängen. Mit dem neuen Jazz will Honda das ändern und künftig höhere Preise erzielen. Dafür erhielt der Minivan nach dem Facelift unter anderem einen stärkeren Motor.

Fotostrecke

Autogramm Honda Jazz 1.5: Improvisieren im Fond

Das ist uns aufgefallen: Außen mini, innen Mercedes: Weil Honda bei der Anordnung wichtiger Komponenten wie Motor, Tank, Achsen und Sitzen, dem sogenannten Packaging, anders vorging als die Konkurrenz, bietet der Jazz tatsächlich mehr Platz als üblich in einem vier Meter langen Auto. Der Tank sitzt dafür unter den Vordersitzen anstelle - wie sonst üblich - unter den Rücksitzen, das Dach ragt höher auf und der Bug wurde extrem kurz gestaltet. "Unsere Kabine bietet den Passagieren mehr Platz als eine Mercedes S-Klasse", sagt Projektleiter Makoto Konishi mit sichtlichem Stolz. Und sie bietet außerdem viel mehr Variabilität: Weil unter den Rücksitzen Platz ist, kann man die Sitzpolster wie bei Kinosesseln nach oben klappen und so ungewöhnlich viel Stauraum im Fond gewinnen. Nicht dass man ständig große Topfpflanzen oder halb auseinandergebaute Fahrräder transportieren müsste. Aber es ist gut zu wissen, dass man es könnte.

Foto: Honda

Aber es sind nicht nur die grundsätzlichen Dinge, die der Jazz besser macht als viele Konkurrenten. Er schindet auch mit Kleinigkeiten großen Eindruck. Zum Beispiel mit der Ablage links neben dem Lenkrad, die auch als Becherhalter taugt. Weil sich direkt dahinter der Ausströmer der Klimaanlage befindet, kann man Getränke dort via Luftstrom kühlen oder warmhalten - eine weitere Parallele zur S-Klasse und anderen Oberklassemodellen. Bei sogenannten Premiummarken wird der Kunde allerdings für klimatisierte Becherhalter extra zur Kasse gebeten.

Diese Dinge sind bekannt beim Jazz, die Baureihe gibt es schließlich seit 2001, und das aktuelle Modell wurde vor knapp drei Jahren eingeführt. Nach dem Facelift neu ist vor allem der Motor mit 1,5 statt bislang 1,3 Liter Hubraum und 130 statt bisher 102 PS (sowie 155 anstatt 123 Nm Drehmoment). Die Maschine ist spritzig, hängt gut am Gas und giert - wie jedes Triebwerk von Honda - nach Drehzahl. Wer sich darauf einlässt und etwas später schaltet, der tut sich mit dem Jazz beim Ampelspurt und beim Überholen nun deutlich leichter als früher. Komisch nur, dass man trotzdem nicht schneller fahren kann. Die Höchstgeschwindigkeit liegt ebenso wie beim weiterhin verfügbaren 1,3-Liter-Basismotor bei 190 km/h. Immerhin sprintet der 1,5-Liter-Motor knapp drei Sekunden schneller auf Tempo 100.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Honda Jazz - mit unserem 360-Grad-Foto:

So richtig flott möchte man mit dem Jazz ohnehin lieber nicht um die Ecken flitzen. In diesem Fall rächt sich das Raumkonzept. Wegen des hohen Dachs und der erhöhten Sitzposition steigt auch der Schwerpunkt, und man fühlt sich der Straße weniger eng verbunden als in vielen anderen Kleinwagen. Dazu kommt eine eher softe Federung und eine relativ leichtgängige Lenkung - so konstruiert man einen familienfreundlichen Stadtflitzer, aber keine Asphaltfräse.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Jazz steht bereits seit einigen Tagen bei den Händlern. Während das 1,3-Liter-Basismodell mit 102 PS schon ab 16.640 Euro zu haben ist, muss man für die neue 130-PS-Version mindestens 19.990 Euro berappen. Dann gibt es allerdings - Honda spricht schließlich von einer "Aufwertung" - serienmäßig einen Tempomat, beheizte Sitze, eine Lichtautomatik sowie einen City-Notbremsassistenten an Bord.

Weitere Motorvarianten neben den beiden Vierzylinder-Benzinern wird es nicht geben. Für einen Diesel wären die Kosten zu hoch und die Verkaufschancen zu gering. Den beim Vorgängermodell noch verfügbaren Hybridantrieb hat Honda mangels Nachfrage gestrichen.

Das werden wir nicht vergessen: Die erschreckend grobe Grafik des Bordcomputers, die an die erste Generation von Spielekonsolen erinnert. Ein paar Pixel mehr hätten dem Bildschirm gut gestanden. Denn sonst ist das Auto ziemlich pfiffig und zeitgemäß geraten.

Hersteller: Honda
Typ: Jazz 1.5
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.498 ccm
Leistung: 130 PS (96 kW)
Drehmoment: 155 Nm
Von 0 auf 100: 8,7 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 133 g/km
Kofferraum: 354 Liter
umgebaut: 1.314 Liter
Preis: 19.990 EUR
insgesamt 56 Beiträge
mazzmazz 07.02.2018
1. Kein Hybrid mehr
Hybrid soll doch DIE Löung zur Rettung der Welt sein. Stattdessen streicht Honda ihn einfach so. Unglaublich... EInmal mehr zeigt sich, dass der normale Autokunde sich nicht um 1 L Spritverbrauch hin oder her schert, sondern [...]
Hybrid soll doch DIE Löung zur Rettung der Welt sein. Stattdessen streicht Honda ihn einfach so. Unglaublich... EInmal mehr zeigt sich, dass der normale Autokunde sich nicht um 1 L Spritverbrauch hin oder her schert, sondern bei den Mittelklassemarken für einen angemessenen Preis ein schickes Auto haben möchte. Bin gespannt, wie lange es noch dauert bis die ökologische Umerziehung des Mittel- und Nordeuropäers vollzogen sein wird.
Fragende_Leere 07.02.2018
2. Gernegroß:
Gut gemacht Honda: der Jazz ist das Auto, was der BMW X1 so gern gewesen wäre.
Gut gemacht Honda: der Jazz ist das Auto, was der BMW X1 so gern gewesen wäre.
Speedwing 07.02.2018
3. Honda war und ist schon...
...immer etwas anders innovativ als doe anderen. Selbst der 87er Civic hatte schon serienmäßig eine in Längsrichtung verschiebbare (geteilt sowieso) Rückbank, was heute teilweise noch als Merkmal herausgestellt wird. Schön, [...]
...immer etwas anders innovativ als doe anderen. Selbst der 87er Civic hatte schon serienmäßig eine in Längsrichtung verschiebbare (geteilt sowieso) Rückbank, was heute teilweise noch als Merkmal herausgestellt wird. Schön, mal wieder etwas über praktische, wirklich nützliche Dinge für den täglichen Stadtverkehr zu lesen und nichts über Vernetzung und Mega-Digitalisierung zu lesen. Da kann man locker mit einem Pixel-Tablet leben, weil es heute wohl so sein muß. Hondas Motoren machten schon immer Spaß, schließlich haben sie die VTEC Technik erschwinglich gemacht. und endlich wieder ein 1.5er, da machts in der Stadt und Land mit dem Fahrrad hinter den Vordersitzen wieder Laune, Endgeschwidigkeit egal. Klasse Honda.
tommi.grabner 07.02.2018
4. Honda jazz
Eigentlich ein Trauerspiel, was Hersteller heute an pfiffigen Lösungen im Kleinwagensektor anbieten. Da bieten sich Lösungen wie klappbare, verschiebbare und herausnehmbare Sitzlandschaften geradezu an. Und wo geht der Trend [...]
Eigentlich ein Trauerspiel, was Hersteller heute an pfiffigen Lösungen im Kleinwagensektor anbieten. Da bieten sich Lösungen wie klappbare, verschiebbare und herausnehmbare Sitzlandschaften geradezu an. Und wo geht der Trend hin? Opel bietet den klappbaren Beifahrersitz gar nicht mehr an, Mercedes A spart sich die Fenster und die Qualität und Honda lässt Design nicht mehr zu. Wo sind die Zeiten des ersten und zweiten CRX als man sich vor Kunden kaum noch retten konnte. Es ist einfach nur ein praktisches Mauerblümchen.
dliblegeips 07.02.2018
5. Unverständlich
Zumindest in der Schweiz hat sich die Hybridversion gut verkauft. Ich möchte auf den. Hybridabtrieb nicht mehr verzichten vor allem im Stadt erlebt ist er sehr angenehm. Ansonsten ist der Jazz ein sehr durchdachtes Auto. Super [...]
Zumindest in der Schweiz hat sich die Hybridversion gut verkauft. Ich möchte auf den. Hybridabtrieb nicht mehr verzichten vor allem im Stadt erlebt ist er sehr angenehm. Ansonsten ist der Jazz ein sehr durchdachtes Auto. Super praktisch und hält ewig.
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