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Autogramm Jaguar F-Pace

Sportwagen auf Stelzen

Mit dem Modell F-Pace drängt nun auch Jaguar ins SUV-Segment. Seinen vielen Konkurrenten von Audi bis Mercedes hat er vor allem eines voraus - er besitzt einen guten Draht zu Smartphone-Nutzern.

Jaguar
Von
Samstag, 30.04.2016   11:28 Uhr

Der erste Eindruck: Es geht doch - auch SUVs können offenbar schick und sportlich aussehen.

Das sagt der Hersteller: Jaguar kommt deutlich später als die Konkurrenz mit einem SUV-Modell auf den Markt. Trotzdem hofft der deutsche Jaguar-Chef Peter Modelhart, dass der neue F-Pace mindestens genauso große Erfolge feiern kann wie die Modelle BMW X4, Audi Q5 oder Mercedes GLC. Die Chancen stehen gut: Mit weltweit mehr als zehntausend und in Deutschland schon gut tausend Bestellungen läuft der Vorverkauf besser als bei jedem Jaguar zuvor.

Modelhart prognostiziert, dass der SUV bereits in diesem Jahr das meistverkaufte Modell der Marke hierzulande wird. Das freut den Manager auch deshalb, weil mit dem F-Pace neue Kunden zu Jaguar finden. 90 Prozent der F-Pace-Käufer sollen zuvor mit Autos anderer Marken unterwegs gewesen sein; zudem seien sie im Mittel zehn Jahre jünger als der bislang durchschnittlich 50 Jahre alte Jaguar-Kunde. Auch der Frauenanteil sei größer, ein Drittel der F-Pace-Kunden seien weiblich.

Das ist uns aufgefallen: Der F-Pace erinnert nicht nur mit seinem Namen an den erfolgreichen Sportwagen F-Type, sondern auch durch Designdetails, zum Beispiel die Form der Heckleuchten. Selbst das Fahrgefühl ist vergleichbar. Anders als bei den meisten anderen SUVs ist das Lenkrad griffiger und die Sitzposition deutlich sportlicher und erinnert weniger an einen Thron, wie es bei Land Rover der Fall ist. Dazu passt auch der Ausblick, der an einen Sportwagen erinnert: Nach vorn sieht man erst einmal eine lange, stark konturierte Motorhaube und nach hinten fast nichts.

Der F-Pace im Kurz-Video

Die sportliche Anmache funktioniert natürlich besonders gut im vorläufigen Top-Modell mit dem 380 PS starken V6-Benziner. Während der Basisdiesel mit 180 PS den soliden Arbeiter gibt und der Sechszylinder-Selbstzünder den lässigen Langstreckenläufer, gierte das Kompressor-Triebwerk in unserem Testauto geradezu nach Gas und unterlegte das mit einem markanten Posaunenton.

Die sportlichen Ambitionen des F-Pace sind durchaus ernsthaft. Dank konkurrenzloser Aluminium-Karosserie wiegt das Basismodell weniger als 1,7 Tonnen, die adaptiven Dämpfer werden 500 Mal pro Sekunde elektronisch justiert, die Kraftverteilung ist hecklastig ausgelegt und in Kurven wird mehr Drehmoment ans kurvenäußere Rad geleitet. Außer dem Porsche Macan und dem BMW X4 fährt in dieser Klasse kein anderer SUV so schnittig.

Darüber hinaus überrascht der F-Pace noch mit ein paar ganz anderen Tugenden. Dass ein Geländewagen mehr Platz für Kind und Kegel bietet als eine Limousine, liegt noch auf der Hand. Aber dass ausgerechnet die kleinste der Nobelmarken bei der Technik-Ausstattung in Führung geht, ist ungewöhnlich. Ein Beispiel dafür ist das 12,3-Zoll große Digital-Display hinter dem Lenkrad, das dem "Virtual Cockpit" im Audi Q7 mindestens ebenbürtig ist. Und was Jaguar in der Mittelkonsole auf dem 10,2 Zoll großen Touchscreen des In-Control-Pro-Systems inszeniert, lässt BMW Connect oder Mercedes Command ziemlich alt aussehen. Die Navigation funktioniert so einfach wie auf dem iPad, die Grafiken sind so brillant wie auf einem Laptop und die Inhalte dank eines eigenen App-Stores fast so vielfältig wie bei Google.

So dürfte der F-Pace zum Liebling der Generation Smartphone werden. Selbst den Zündschlüssel kann man digitalisieren und den Code dann - etwa beim Sport - auf einem wasserdichten und stoßfesten Computer-Armband ablegen.

Das muss man wissen: Wenn der F-Pace in diesen Wochen in den Handel kommt, deckt er mit wenigen Varianten eine breite Spanne ab. Das gilt für die Leistung (180 bis 380 PS) genauso wie für den Preis, der bei 42.390 für das heckgetriebene Einstiegsmodell beginnt und mit 84.350 Euro für das Einführungsmodell "First Edition" noch längst nicht am oberen Ende angelangt ist.

Die Jaguar-Ingenieure legen Wert darauf, dass der F-Pace eine eigene Entwicklung ist und sich die Architektur mit den Modellen XE und XF teilt anstelle mit Fahrzeugen der Schwestermarke Range Rover. Bei Applikation und Abstimmung jedoch halfen die in puncto Allrad-Fahrverhalten ungleich erfahreneren Mitarbeiter von Land- und Range Rover aus. Und so verfügt der F-Pace im Infotainment-System über mehr Offroad-Grafiken als die meisten anderen Geländewagen sowie über eine "All Surface Progress Control", mit der die Elektronik alle Fahrzeugsysteme für Ausflüge ins Gelände wappnet. Möglich sind sogar Wasserdurchfahrten bis 60 Zentimeter Tiefe.

Das werden wir nicht vergessen: Der empfindliche Abstandswarner, der viel zu früh Alarm schlägt. Für ein so ambitioniertes Auto ist das System extrem defensiv. Vor allem, wenn man die Konkurrenz herausfordern will.

insgesamt 83 Beiträge
lorn order 30.04.2016
1. langweiliges Design
Wer zum Teufel findet so ein Auto attraktiv? Zum Verwechseln ähnlich mit den anderen SUVs. Und immer diese megapeinlichen Werbebilder. Als ob irgendein Käufer mit seinem teuren Jaguar jemals ins Gelände führe. Die Karre [...]
Wer zum Teufel findet so ein Auto attraktiv? Zum Verwechseln ähnlich mit den anderen SUVs. Und immer diese megapeinlichen Werbebilder. Als ob irgendein Käufer mit seinem teuren Jaguar jemals ins Gelände führe. Die Karre wird man nur in den Großstädten sehen, im Einsatz als Hausfrauenpanzer!
patrick6 30.04.2016
2. Naja...
"...die Frontpartie des Jaguar F-Pace sieht nicht gerade filigran aus, aber dennoch wirkt der Wagen nicht aufdringlich oder übertrieben..." Doch, eben genau das: Übertrieben. Diese riesigen Lufteinlässe links und [...]
"...die Frontpartie des Jaguar F-Pace sieht nicht gerade filigran aus, aber dennoch wirkt der Wagen nicht aufdringlich oder übertrieben..." Doch, eben genau das: Übertrieben. Diese riesigen Lufteinlässe links und rechts sind es definitiv (so wie bei Mercedes derzeit). Und das Heck ist alles andere als elegant, weil zu klotzig und die Heckscheibe viel zu klein. Ob so ein Kita-Bomber nun unbedingt 'sportlich' sein muss, sei mal dahingestellt. Die meisten Muttis sind ja schon beim Rangieren völlig überfordert...
nick_neuer 30.04.2016
3. Sehr gut
Dies ist so ziemlich das erste SUV, das mich reizen könnte. Nicht so schwer wie der Macan mit seiner Q5-Steinzeit-Basis. Die Fahrberichte selbst der einschlägigen deutschen Magazine sind ja sehr vielversprechend. Einzig die [...]
Dies ist so ziemlich das erste SUV, das mich reizen könnte. Nicht so schwer wie der Macan mit seiner Q5-Steinzeit-Basis. Die Fahrberichte selbst der einschlägigen deutschen Magazine sind ja sehr vielversprechend. Einzig die angesichts von Motorisierung und Gewicht eher durchschnittlichen Fahrleistungen des 300-PS-Diesels sind etwas enttäuschend. Auch ist mir noch nicht klar, ob die Fahrassistenzsysteme mit der jetzt kommenden nächsten Generation der deutschen Premiumfahrzeuge mithalten können.
mansiehtnurmitdemherzengu 30.04.2016
4. Der grosse Wurf ist das nicht
Antrieb und Fahrwerk mögen ja die Jaguar-Gene haben, aber das Äussere enttäuscht doch sehr. Viel zu klobig, und, wenn man sich die Kühlermaske wegdenkt, einfach ein x-beliebiger SUV.
Antrieb und Fahrwerk mögen ja die Jaguar-Gene haben, aber das Äussere enttäuscht doch sehr. Viel zu klobig, und, wenn man sich die Kühlermaske wegdenkt, einfach ein x-beliebiger SUV.
romeov 30.04.2016
5. Bin ich froh,
dass ich meinen 38 Jahre alten Alfa Spider noch habe. Der macht genau so viel Spaß und ich brauche nicht mal ein Autoradio dafür.
dass ich meinen 38 Jahre alten Alfa Spider noch habe. Der macht genau so viel Spaß und ich brauche nicht mal ein Autoradio dafür.
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Fahrzeugschein

Hersteller: Jaguar
Typ: F-Pace 3.0 V6
Karosserie: SUV
Motor: V6-Kompressor-Benzier mit Direkteinspritzung
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 380 PS (279 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 5,5 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 8,9 Liter
CO2-Ausstoß: 209 g/km
Kofferraum: 650 Liter
umgebaut: 1.740 Liter
Preis: 75.260 EUR

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