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Mobilität

Mercedes GLE

Völlig losgelöst

Ein Geländewagen stand früher für Abenteuer und eine gewisse Ruppigkeit. Heute können die modernen SUV auch anders - wer auf supersoft steht, sitzt im kommenden Mercedes GLE genau richtig.

Daimler
Von
Freitag, 03.08.2018   06:39 Uhr

Andreas Zygan kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Der Leiter der SUV-Baureihen bei Mercedes sitzt am Steuer des neuen GLE und streicht mit den Fingern über einen großen Touchscreen. Dann gibt sein Prototyp den Lowrider, so werden Autos genannt, die mit Hilfe elektrisch betriebener Pneumatik- oder Hydraulikpumpen für Shows und Wettbewerbe springen können: Mal knickt der GLE ein, mal bäumt er sich auf, die Karosserie hebt und senkt sich an den einzelnen Ecken um bis zu 20 Zentimeter und nach wenigen Sekunden scheint der Wagen förmlich zu tanzen.

Was aussieht wie eine Funktionsstörung der aufpreispflichtigen Luftfederung, ist die große Innovation des Wagens. Mit dieser erhofft sich Mercedes einen entscheidenden Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie dem BMW X5 oder dem Audi Q7, wenn der neue GLE Anfang 2019 in den Handel kommt. Denn während die Wackelei im Stand reichlich albern aussieht, soll sie in Bewegung für ein völlig neues Fahrgefühl sorgen. Die Erkennung läuft über eine Kamera und diverse Sensoren, die vernetzt sind mit dem Fahrstabilitätsprogramm ESP und dem Allradantrieb. So kann sich der Wagen in engen Kehren wie ein Skifahrer beim Carven in Kurven legen - und trotzdem spürt man drinnen kaum mehr eine Seitenneigung. Für Menschen mit Reisekrankheit ein Segen.

Fotostrecke

Mercedes GLE: Schwebender Schwabe

Beim Bremsen verhindert das System das Eintauchen des Bugs und beim Beschleunigen das Anheben. Erkennt die Kamera eine Bodenwelle im Asphalt oder einen Baumstamm im Gelände, stellt sie die Luftfederung im vorauseilenden Gehorsam bereits so dafür ein, dass man kleinere Hindernisse nahezu unbemerkt überfährt und sich auf der Straße fühlt wie auf einem fliegenden Teppich.

Der Einbau des eABC fällt den Ingenieuren vergleichsweise leicht

Mercedes nennt das innovative System eABC und feiert es als Weiterentwicklung des S-Klasse-Fahrwerks. Das e steht für vier jeweils 3,6 kW starke Elektromotoren mit denen sich der Federweg in wenigen Sekundenbruchteilen elektronisch beeinflussen lässt. So kann der GLE schneller, feinfühliger und mit einem größeren Ausschlag in beide Richtungen auf Fahrbahneigenheiten und Fahrstil reagieren. Aktiv geregelte Dämpfer kennt man zwar schon von Audi SQ7 und Bentley Bentayga. Doch werden dort nur Quer- und nicht auch die Längsbewegungen ausgeglichen.

Tatsächlich ist das eABC eindrucksvoll: Bei der Entwicklungsfahrt in der Nähe des Mercedes US-Werks Tuscaloosa staksen die Prototypen nicht mehr unbeholfen durchs Gelände, sondern bewegen sich mit einer katzenartigen Geschmeidigkeit, wie sie Erprobungsleiter Rüdiger Rutz bislang neidvoll nur dem Range Rover attestiert. Auf der Landstraße wähnt man sich eher in einer Luxuslimousine als einem rollenden Hochsitz. Wer es etwas sportlicher angehen lässt, erlebt den GLE als straff und verbindlich. "Endlich wechseln wir nicht nur die Anzeige, sondern man kann die Unterschiede tatsächlich spüren, wenn man die verschiedenen Fahrmodi durchschaltet", sagt Rutz und freut sich über den möglichen Spagat: Selbst wenn mit dem Auto die wenigsten ins schwere Gelände gehen oder auf einen Handling-Parcours, gibt es keine andere Fahrzeuggattung, die so vielfältig genutzt wird wie ein Geländewagen, ist Rutz überzeugt.

Der Einbau des eABC fällt den Ingenieuren vergleichsweise leicht. Das dafür nötige 48-Volt-Bordnetz brauchen sie für die Motoren des SUV ohnehin. Zumindest für den neuen Reihensechszylinder, den man bereits aus der S-Klasse kennt und mit dem der Verkauf im neuen Jahr beginnen soll. Der elektrische Verdichter gegen das Turboloch bleibt ihm zwar vorenthalten. Doch den Startergenerator für lange Start-Stopp-Phasen und mehr Segeln auf der Autobahn wird er bekommen. Neben diesem Mildhybrid-Motor, der den Verbrenner lediglich unterstützt und nicht alleine für elektrischen Vortrieb sorgen kann, soll es ab etwa 2020 auch wieder einen Plug-in geben. Außerdem folgen mit etwas Verzug zum Start mindestens zwei Leistungsstufen des 3,0-Liter-Diesels mit bis zu 340 PS und V8-Benziner mit und ohne AMG-Logo.

Im nächsten Jahr kommt der GLS

Die braucht Mercedes spätestens für den bereits fest eingeplanten Ableger des GLE. Denn obwohl der Wagen im Radstand um zehn Zentimeter zugelegt hat und nun erstmals auch mit einer dritten Sitzreihe angeboten wird, soll es auf der gleichen Basis noch im nächsten Jahr einen Nachfolger für den größeren GLS geben - quasi die S-Klasse unter den Geländewagen. Aber beim Tanzen muss Größe nicht immer von Vorteil sein.

insgesamt 94 Beiträge
ganzsubjektiv 03.08.2018
1. Sollte verboten werden
Erst entwickelt man massenweise Autos mit einem hohen Schwerpunkt und dann die aufwändige Technik um diesen Nachteil auszugleichen. Der verbraucht zu viel, nimmt zu viel Raum ein beim parken und auf der Fahrbahn und seinen [...]
Erst entwickelt man massenweise Autos mit einem hohen Schwerpunkt und dann die aufwändige Technik um diesen Nachteil auszugleichen. Der verbraucht zu viel, nimmt zu viel Raum ein beim parken und auf der Fahrbahn und seinen Fahrern, die meist mit so einem Auto ein anders Defizit ausgleichen, ein Machtgefühl über andere. Wann kapieren wir endlich, dass unser Leben alles andere als so ein Auto braucht? :-(
egoneiermann 03.08.2018
2.
Nun Einige brauchen den schon. Leider wurde nicht geschrieben, ob schon der AMG-Brüllmotor mit "Sport"-Auspuff zu haben ist. Die G-Klasse mag mal was Besonderes gewesen sein, heute ist sie nur noch besonders [...]
Zitat von ganzsubjektivErst entwickelt man massenweise Autos mit einem hohen Schwerpunkt und dann die aufwändige Technik um diesen Nachteil auszugleichen. Der verbraucht zu viel, nimmt zu viel Raum ein beim parken und auf der Fahrbahn und seinen Fahrern, die meist mit so einem Auto ein anders Defizit ausgleichen, ein Machtgefühl über andere. Wann kapieren wir endlich, dass unser Leben alles andere als so ein Auto braucht? :-(
Nun Einige brauchen den schon. Leider wurde nicht geschrieben, ob schon der AMG-Brüllmotor mit "Sport"-Auspuff zu haben ist. Die G-Klasse mag mal was Besonderes gewesen sein, heute ist sie nur noch besonders proletenhaft.
neue_mitte 03.08.2018
3.
Ist ein zweischneidiges Schwert, dieses Teil. Mann könnte meinen, der nimmt mehr Platz/Raum ein, als einem durchschnittlichen Mitglied der Gesellschaft zusteht. Aber wer legt das fest? Ich schweife mal etwas ab. Rennradfahrer [...]
Ist ein zweischneidiges Schwert, dieses Teil. Mann könnte meinen, der nimmt mehr Platz/Raum ein, als einem durchschnittlichen Mitglied der Gesellschaft zusteht. Aber wer legt das fest? Ich schweife mal etwas ab. Rennradfahrer auf der Landstraße. Super ausgebauter Radweg daneben. Wurscht. Der möchtegerne Jan Ullrich fährt auf der Straße. Und zwingt somit auf seiner XX km Tour hunderte Autofahrer zum Abbremsen, Überholen, Stress... evtl. hanebüchenes Überholen. Die Bilanz des Abbremsens und wieder Beschleunigens ist vom Spritverbrauch her sicher sehr ungünstig. Diese Radfahrt könnte man auch als großen Egotrip auslegen. Ist aber eben erlaubt, wo es keine Benutzungspflicht gibt. Soll man also: "Verbietet sowas wie den GLE!!!" schimpfen? Um sich dann aufs Rad zu setzen und Hunderte andere Menschen zu ärgern? Man wird es nicht verbieten können und wird mit SUV's halt leben müssen. Persönliche Freiheut.
gsa 03.08.2018
4. Gähn, Mercedes!
Diese Schwebefunktionen gabs schon vor Jahrzehnten bei Citroen. die Fahrwerke stellten sich auf verschiedene Unebenheitsprofile ein (Hydraktive 3+), senkten sich bei höherer Geschwindigkeit ab, hatten geschwindigkeitsabhängige [...]
Diese Schwebefunktionen gabs schon vor Jahrzehnten bei Citroen. die Fahrwerke stellten sich auf verschiedene Unebenheitsprofile ein (Hydraktive 3+), senkten sich bei höherer Geschwindigkeit ab, hatten geschwindigkeitsabhängige Lenkservounterstützung. Brauchten aber keine schweren E-Motoren in den Ecken dafür. Nur die Kamera, die Schlaglöcher weiter vorne entdeckt, gabs noch nicht, aber da weiss man ja heutzutage, dass da welche sind.
super-m 03.08.2018
5. Foto 4
Aus welchem Baujahr ist der Imperial auf Foto 4?
Aus welchem Baujahr ist der Imperial auf Foto 4?

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