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Auto

Autogramm Mitsubishi Eclipse Cross

Zurück ins Licht

In den vergangenen Jahren ist Mitsubishi zur grauen Maus geworden. Doch mit dem neuen Eclipse Cross traut sich die Marke mal wieder was. Das Risiko ist allerdings gering, denn der neue ist - na klar: ein SUV.

Mitsubishi
Von
Donnerstag, 23.11.2017   04:42 Uhr

Der erste Eindruck: nicht schön, aber schräg.

Das sagt der Hersteller: Die Marke Mitsubishi feiert den Eclipse Cross als großen Neuanfang in ihrem zuletzt eher gesichtslosen Modellangebot. Zum einen ist das SUV-Coupé das erste Serienauto des neuen Chefdesigners Tsunehiro Kunimoto, zum anderen steht es am Anfang einer großen Modelloffensive, die durch den Einstieg von Renault-Nissan noch beschleunigt wird. Fünf Milliarden Dollar sollen in den nächsten Jahren in die Produktentwicklung fließen, hat Mitsubishi kürzlich auf der Motorshow in Tokio verkündet.

Leider passt der Name Eclipse so gar nicht zu dieser Mission. Zwar hieß in den Neunzigerjahren ein Sportcoupé schon mal so, doch das englische Wort Eclipse bedeutet Verdunkelung oder Sonnenfinsternis. Dabei braucht Mitsubishi jetzt vor allem Licht und neuen Glanz.

Das ist uns aufgefallen: Mitsubishi hatte geländegängige Alltagsautos schon im Angebot, als man in Wolfsburg oder München noch gar nicht wusste, wie man Sport Utility Vehicle schreibt. Umso verwunderlicher ist es, dass Mitsubishi erst jetzt ins Boomsegment der aufgebockten Kompaktwagen einsteigt, um die Lücke zwischen den Modellen ASX und Outlander zu schließen. Um den zeitlichen Rückstand auszugleichen, wurde zumindest das Design etwas auffälliger gestaltet; so wird der Eclipse Cross zu einem buchstäblich schrägen Blickfang.

Foto: Mitsubishi

Das beschränkt sich allerdings allein auf Äußerlichkeiten. Immerhin muss man zugunsten der unkonventionellen Form keine Einbußen hinnehmen. Der Wagen ist übersichtlich, die geteilte Heckscheibe eröffnet bessere Ausblicke als manche Schießscharte bei der Konkurrenz. Zudem sind die Platzverhältnisse - trotz der Coupé-Linie - ordentlich. Wer sich erst einmal durch die flache Tür gefädelt hat, findet auch im Fond genügend Kopfraum, und die Kniefreiheit kann man individuell justieren. Die Rückbank lässt sich nämlich um bis zu 20 Zentimeter verschieben, sodass der Kofferraum schrittweise von 359 auf 485 Liter wächst, bevor man die Lehne umlegen muss, um auf die maximalen 1159 Liter Ladevolumen zu kommen.

Der Esprit des Karosseriedesigns verpufft zudem auf dem Weg nach drinnen. Nicht, dass das Interieur hässlich wäre, die Materialien lieblos oder die Ausstattung mickrig. Im Gegenteil wirkt das Cockpit sogar relativ frisch, es gibt ein Head-up-Display, und an manchen Stellen funkeln Chromleisten. Aber mit analogen Instrumenten und bisweilen grobschlächtigen Schaltern wirkt das nagelneue Auto einfach ziemlich altbacken und angestaubt. Und weder ein großer Touchscreen noch ein Sensorfeld auf dem Mitteltunnel machen einen SUV schon gleich zum Smart-Car für die Generation iPhone.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mitsubishi Eclipse Cross - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Wenn der Eclipse Cross zu Preisen ab 21.990 Euro im Januar zu den Händlern kommt, gibt es den 4,41 Meter langen Viertürer zunächst nur mit einem Motor. Bei dem handelt es sich um einen neu entwickelten 1,5-Liter-Benziner, der wahlweise die Vorderräder oder beide Achsen antreibt und der mit einem Schaltgetriebe oder einer stufenlosen Automatik gekoppelt werden kann.

Zwar leistet der Vierzylinder beachtliche 163 PS und geht mit 250 Nm Drehmoment zu Werke, doch zugleich ist der Eclipse Cross groß und schwer; und obwohl das CVT-Getriebe zu den besseren dieser Sorte gehört, schluckt es offenbar jede Menge Leistung. So richtig spritzig jedenfalls wirkt der Eclipse Cross nicht.

Auch sparsam ist der Motor nicht unbedingt. Schließlich braucht er schon auf dem Prüfstand je nach Konfiguration zwischen 6,6 und 7,0 Liter. Es ist jedoch eine Alternative in Sicht: Im Laufe des kommenden Jahres soll ein 2,2-Liter-Diesel samt konventioneller Achtgang-Automatik das Antriebsangebot erweitern.

Das werden wir nicht vergessen: Der Kofferraum ist so zerklüftet, und die Laderaumabdeckung wirkt so billig, dass es vielleicht ganz gut ist, wenn sich mit diesem Auto zumindest sprachlich die Sonne verdunkelt. Manchmal hat Dunkelheit ja auch etwas Gnädiges.

Hersteller: Mitsubishi
Typ: Eclipse Cross
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.500 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 9,8 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 359 Liter
umgebaut: 1.159 Liter
Preis: 29.190 EUR
insgesamt 13 Beiträge
akkzent 23.11.2017
1. Schöne neue Autowelt
" Huch, hatte der Wagen einen Auffahrunfall? Nein, der sieht immer so aus. - Oder - "Der erste Eindruck: Nicht schön, aber schräg." Da hat der Autor Mitsubishis Problem sehr anschaulich zuammengefasst. Wie der [...]
" Huch, hatte der Wagen einen Auffahrunfall? Nein, der sieht immer so aus. - Oder - "Der erste Eindruck: Nicht schön, aber schräg." Da hat der Autor Mitsubishis Problem sehr anschaulich zuammengefasst. Wie der Autobauer aus seinem drögen Schneewittchenschlaf aufwachen möchte ist mir unklar. Der Eclipse Cross ist aus meiner Sicht jedenfalls kein Wachmacher.
Überfünfzig 23.11.2017
2. Gähn…..
…..schaut her liebes Publikum, das ist der X-te lauwarme New Edge Aufguss aus den Klonfabriken einfallsloser Designer und ihren dahinterstehenden, ebenfalls fantasiebefreiten Marketing-Fuzzis. Aber was erwarten wir von einer [...]
…..schaut her liebes Publikum, das ist der X-te lauwarme New Edge Aufguss aus den Klonfabriken einfallsloser Designer und ihren dahinterstehenden, ebenfalls fantasiebefreiten Marketing-Fuzzis. Aber was erwarten wir von einer Generation Designer, die heute in einem überwiegend urbanen Umfeld mit gesichtsloser Architektur aufgewachsen sind und Design an der Uni nach gewissen Schablonen und Versatzstücke lernen, ähnlich wie andere eine Maschine aus vorgefertigten Teilen zusammenbauen. Gutes Design ist mehr Kunsthandwerk, als das und uninspirierte zusammenschnippeln aus Versatzstücken am Computer. Aber dieselbe Trotzlosigkeit erleben wir ja zurzeit auch in der Architektur. Hauptsache rational und wiederverkaufbar an ebenso für gutes Design nicht begeisterungsfähige Kunden.
go2dive 23.11.2017
3.
Sieht ein wenig so aus wie der kleine Bruder von meinem Pajero Sport, den ich hier in Thailand fahre. In Europa gibt´s das Modell nicht. https://www.mitsubishi-motors.co.th/en/car/all-new-pajero-sport
Sieht ein wenig so aus wie der kleine Bruder von meinem Pajero Sport, den ich hier in Thailand fahre. In Europa gibt´s das Modell nicht. https://www.mitsubishi-motors.co.th/en/car/all-new-pajero-sport
mazzmazz 23.11.2017
4. Warum?
Was man sich als Kunde bei solchen Autos heute fragen und was der Anbieter beantworten muss: „warum den und keinen Mazda CX 5 mit Saugbenziner?“ Der Spritverbrauch liegt ohnehin bei ca. 8-9 L und das passt auch, denn Vielfahrer [...]
Was man sich als Kunde bei solchen Autos heute fragen und was der Anbieter beantworten muss: „warum den und keinen Mazda CX 5 mit Saugbenziner?“ Der Spritverbrauch liegt ohnehin bei ca. 8-9 L und das passt auch, denn Vielfahrer brauchen sowieso etwas anderes als einen Klein-SUV. Wichtig sind Kaufpreis, Wertverlust und Servicekosten.
kenterziege 23.11.2017
5. In einem vergangenen Leben hatte ich mal für über 10 Jahre
...einen Mitsubishi-Pajero, der meinen Wohnwagen samt Surfbrettern zu den besten Spots in ganz West-und Mitteleuropa gezogen hat. Locker 220.000 km auf dem Tacho und gut für weitere 200.000 km. Ich habe ihn nur verkauft - war [...]
...einen Mitsubishi-Pajero, der meinen Wohnwagen samt Surfbrettern zu den besten Spots in ganz West-und Mitteleuropa gezogen hat. Locker 220.000 km auf dem Tacho und gut für weitere 200.000 km. Ich habe ihn nur verkauft - war ganz leicht - weil die Plaketten mich an der Einfahrt in manche deutsche Stadt hinderten. Das war ein Design, wie aus einem Block Eis gefräst. Ohne Schnick-Schnack - aber alles auch alles hat immer funktioniert. Für mich ein "schier-endlos-Auto" uns somit auch ohne Euro 6 nachhaltig. Jetzt kommen diese "Möchte-gern-SUV'chen" in einem Design daher, als ob Pubertierende mal zeichnen durften. Der Eclipse mach gut sein - aber er entspricht dem oberflächlichen Zeitgeist. Verschnörkelt und verschwurbelt! Das einzig gute ist der private Importeur, der den Händlern noch Luft zum atmen gibt und kleine Familienbetriebe auf dem Land erhält - ohne diese zeitgeistig ins Foyer platzierte Service-Assistentinnen, die man bei den Permium-Marken auch noch bezahlen muss.
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