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Mobilität

Autogramm Nissan GT-R Nismo

Im roten Bereich

Der Nissan GT-R ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Supersportwagen, erst recht in der Nismo-Version. Das liegt nicht nur an den 600 PS, sondern auch am Preis, für den Menschen eher eine Wohnung als ein Auto kaufen.

Nissan
Von
Mittwoch, 13.06.2018   04:20 Uhr

Der erste Eindruck: Mannomann, ist der breit! Auf der Rennstrecke muss der Fahrer die Ideallinie eher erahnen, als dass er sie sehen kann.

Das sagt der Hersteller: Der GT-R Nismo sei der bislang stärkste und schärfste Sportwagen, den Nissan auf die Straße gebracht hat, sagt Unternehmenssprecher Alexander Sellei. Die Performance-Marke "Nissan Motorsports", kurz Nismo, habe die Erfahrung aus etlichen Renneinsätzen, etwa in der japanischen GT-Serie, ins Auto gesteckt.

Foto: Nissan

Das ist uns aufgefallen: Während sich der Standard-GT-R mit dem letzten großen Update vor vier Jahren weiter vom Rennwagen entfernt und dem Ideal des beifahrertauglichen Gran Tourismo angenähert hat, findet das Auto nun in der Nismo-Variante zurück zum ursprünglichen Charakter des mittlerweile mehr als zehn Jahre alten Konzepts.

Ganz gleich in welchem Modus der elektronischen Fahrwerksabstimmung man unterwegs ist, das Coupé mit den beiden überflüssigen Notsitzen verhält sich lauter und ungestümer als die meisten anderen Sportwagen. Mit seinem V6-Biturbo-Motor, 600 PS Leistung und 652 Nm Drehmoment versucht sich der Wagen jeglicher Kontrolle von Allradantrieb und Fahrdynamikregelung zu entwinden.

Für den Piloten bedeutet das ein dauerhafter Kampf, entspanntes Fahren sieht anders aus. Zwar lockt die Leistung, doch der GT-R verhält sich beim Schnellfahren eher sperrig. Bisweilen verspannt sich der Allradantrieb und es knirscht im Fahrwerk. Anders als ein Porsche oder ein Audi lässt sich der Nissan nicht mit Zehenspitzen und kleinem Finger dirigieren. Um den Wagen mit dem Spitznamen Godzilla sicher zu bewegen, bedarf es beider Hände am Lenkrad und auch die Füße müssen Gas und Bremse eher fester treten.

Im Vergleich zu deutschen Sportwagen dieser Klasse, die mittlerweile eher handzahme Spielzeuge für saturierte Anwälte und Zahnärzte sind, verweigert sich der GT-R Nismo tapfer dem Luxus. Edlere Materialien wie Lack für die Armaturen oder Leder für Sitze und Wandbekleidung, sind im Nissan nebensächlich. Im Cockpit dominiert billiger Kunststoff, ein altbackenes Navigationssystem kommt zum Einsatz, die Mittelkonsole ist eher lustlos gestaltet und im Fond herrschen lächerliche Platzverhältnisse. Im Nismo geht es allein ums Rasen, um Power und Provokation.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Nissan GT-R Nismo - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der frisch geliftete und im Cockpit ein wenig entrümpelte GT-R Nismo steht bereits bei ausgewählten Nissan-Händlern und ist eine Rarität. Zwar gibt es keine offizielle Limitierung, doch von den ohnehin nur rund 200 GT-R pro Jahr in Deutschland (2017 waren es 207) werden lediglich zehn Prozent als Nismo verkauft, sagt Nissan-Sprecher Sellei. Das könnte auch am Preis liegen. Während der normale GT-R mit 570 PS für 99.900 Euro eine Art Schnäppchen unter den Supersportwagen ist, kostet der GT-R Nismo 184.950 Euro. Dafür wird der 3,8-Liter-Motor von Hand eingebaut und signiert. Die Leistung ist im Vergleich zum GT-R um 30 PS angestiegen, das Drehmoment wuchs um 25 Nm, außerdem drücken Stoßfänger, Schweller und Flügel aus Karbon sowie einige andere Leichtbauteile das Gewicht um knapp 30 Kilo. Doch die Fahrleistungen sind mit einem Sprintwert von 2,8 Sekunden auf Tempo 100 und einem Spitzentempo von 315 km/h mit dem Grundmodell identisch.

Das werden wir nicht vergessen: Der dominante Drehzahlmesser, in den die Designer ein stilisiertes, rotes Zahnrad integriert haben. Während dieses Instrument bei anderen Sportwagen erst ab einer gewissen Drehzahl ins Rote wechselt, ist man im GT-R Nismo permanent im roten Bereich unterwegs.

Hersteller: Nissan
Typ: GT-R Nismo (2018)
Karosserie: Sportwagen
Motor: V6-Benziner mit Biturbo
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 600 PS (441 kW)
Drehmoment: 652 Nm
Von 0 auf 100: 2,8 s
Höchstgeschw.: 315 km/h
Verbrauch (ECE): 11,8 Liter
CO2-Ausstoß: 275 g/km
Kofferraum: 315 Liter
Preis: 184.950 EUR
insgesamt 31 Beiträge
blubbblubber 13.06.2018
1.
das gerät wirkt nicht altbacken, sondern klassisch. der r34 sieht in den grundzügen ähnlich aus. der r35 ist also die optische evolution. auf jeden fall exklusiver und hübscher als r8 und co. die dinger sieht man an jeder [...]
das gerät wirkt nicht altbacken, sondern klassisch. der r34 sieht in den grundzügen ähnlich aus. der r35 ist also die optische evolution. auf jeden fall exklusiver und hübscher als r8 und co. die dinger sieht man an jeder ecke.
Alfa1989 13.06.2018
2. V6
Der GTR ist noch ein richtiges Fahr-Zeug in dem der Fahrer im Mittelpunkt steht. Die Japaner verfolgen halt ein ganz anderes Konzept als die Deutschen und das ist auch nach einer solch langen Produktionszeit noch erfrischend. Wer [...]
Der GTR ist noch ein richtiges Fahr-Zeug in dem der Fahrer im Mittelpunkt steht. Die Japaner verfolgen halt ein ganz anderes Konzept als die Deutschen und das ist auch nach einer solch langen Produktionszeit noch erfrischend. Wer lieber Luxus als Sportlichkeit haben will soll sich halt eine S Klasse kaufen.
letitbe 13.06.2018
3. Gran Idiotismo
Wer braucht so einen Quatsch?
Wer braucht so einen Quatsch?
etlamu 13.06.2018
4. Das Grundmodell für 100000 Euro reicht doch,
denn dieses hat die gleichen Fahrleistungen, auf die es doch ankommt. Außerdem scheint das Grundmodell schmaler zu sein, was ich als Vorteil erachte. Gibt es das Auto auch mit Schaltgetriebe?
denn dieses hat die gleichen Fahrleistungen, auf die es doch ankommt. Außerdem scheint das Grundmodell schmaler zu sein, was ich als Vorteil erachte. Gibt es das Auto auch mit Schaltgetriebe?
hps 13.06.2018
5. Kein Licht
Alles soweit vom Feinsten. Bis auf ... ... das cockpit. Schlimmeres Gelsenkirchener Barock geht kaum. In der Gruselkammer des Dr. Victor F........... Wann wirds es denn endlich mal Licht? Wann fängt denn mal das 21. [...]
Alles soweit vom Feinsten. Bis auf ... ... das cockpit. Schlimmeres Gelsenkirchener Barock geht kaum. In der Gruselkammer des Dr. Victor F........... Wann wirds es denn endlich mal Licht? Wann fängt denn mal das 21. Jahrhundert an?
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