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Mobilität

Autogramm Peugeot 508 SW

Bonjour Raffinesse

Wer Platz im Wagen braucht, kauft oft ein SUV - fährt dann aber einen Klops. Peugeot kontert den Trend mit dem eleganten Kombi 508 SW. Die Franzosen setzen auf Holz und Metall statt auf Plastik.

Foto: Peugeot
Von
Montag, 04.02.2019   04:36 Uhr

Der erste Eindruck: Oh, là, là! Der 508 als Kombi ist hübsch. Mit dem flachen Dach, den Türen ohne Fensterrahmen und der fein gegliederten Kehrseite macht er deutlich, wie plump und austauschbar die meisten SUV sind.

Das sagt der Hersteller: Steffen Raschig, der Chef von Peugeot in Deutschland, will von einem Niedergang des Kombi-Segments nicht wissen. Dabei gibt es Signale: So kriselt der VW Passat Variant. Bei BMW oder Mercedes sind leise Zweifel am Fortbestand von Touring- oder T-Modellen zu hören. Doch für Peugeot-Manager Raschig bleibt das Segment attraktiv. "Kombi-Modelle sind in Deutschland nach wie vor sehr beliebt", sagt er. Deshalb wolle Peugeot mit dem 508 SW Akzente setzen und Zielgruppen zurückerobern, die zuletzt öfter SUV kauften: Familien und Dienstwagenfahrer.

Das ist uns aufgefallen: Der 508 SW ist nicht nur von außen schön. In den gehobenen Ausstattungen macht der Wagen auch innen was her. Das liegt am Material und an der Architektur des Armaturenbretts, in dem der Mittelteil heraussticht. Die wenigen Schalter, die es zusätzlich zum Touchscreen braucht, sind wie eine Klaviatur arrangiert. Sie sind aus Metall statt aus Plastik - und fühlen sich deshalb gut an.

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Autogramm Peugeot 508 SW: Holz im Heck

Unpraktisch ist allerdings das Ablagekonzept in dem geräumigen Auto. Zwar passen zwei Wasserflaschen in das Handschuhfach, zudem sind die Türtaschen ausreichend groß und in der Mittelkonsole ist Stauraum vorhanden. Doch die Ladeschale fürs Mobiltelefon ist weit unten in der Mittelkonsole zwischen den Sitzen untergebracht. Wer zwischendurch aufs abgelegte Smartphone schaut, ist sekundenlang abgelenkt.

Zwar rühmen die Peugeot-Leute ihr Flaggschiff als sportliches Auto, und auf dem Papier lesen sich 225 PS Leistung, ein Sprintwert von 8,2 Sekunden und 245 km/h Spitze für das Topmodell verheißungsvoll.

Doch so recht zünden will die Flamme der Fahrfreude beim Kombi nicht. Dafür ist das adaptive Fahrwerk selbst im Sportmodus zu weich und zu unbestimmt, und die Lenkung ist zu indirekt. Spätestens auf einer kurvigen Landstraße stört man sich am sogenannten i-Cockpit. Vor allem das kleine Lenkrad irritiert. So handlich es in der Stadt sein mag, so lax hat man das Auto bei einer Landpartie im Griff. Mit einem größeren Exemplar hätten die Entwickler viele Zusatzpunkte gegenüber den SUV sammeln können, die am hohen Schwerpunkt und stattlichem Gewicht kranken. Gut hingegen sind im Cockpit die hochgesetzten, digitalen Instrumente. Sie liegen immer im Blick und bieten beim Anlassen und Ausschalten eine Grafikshow.

Auch sonst hält der 508 SW innen mit jedem Geländewagen gut mit. In der zweiten Sitzreihe geht es zwar etwas eng zu, weil der Radstand nicht riesig ist und die Dachlinie eher flach verläuft, damit der Wagen schnittiger wirkt. Doch der Kofferraum ist im Vergleich mit anderen Kombis mehr als konkurrenzfähig. Die Heckklappe öffnet elektrisch. Die Ladekante ist niedrig, und das Volumen reicht von 530 bis 1780 Liter. Allerdings hat die resche Optik einen Nachteil - man sieht nach hinten kaum etwas, weil das Heck so schlank und flach geraten ist.

Das muss man wissen: Der 508 SW kommt in diesen Tagen in den Handel und kostet mindestens 32.850 Euro. Damit ist er 1200 Euro teurer als die Limousine. Antrieb und Ausstattung sind weitgehend identisch, es gibt deshalb den SW mit allerlei Assistenzsystemen bis hin zum Nachtsichtgerät sowie mit drei Dieselmotorisierungen von 130 bis 180 PS und zwei Benziner-Aggregaten mit 180 oder - wie im Testwagen - mit 225 PS. Im zweiten Halbjahr soll ein Plug-in-Hybridantrieb das Angebot ergänzen.

Das werden wir nicht vergessen: Das schicke Furnier, mit dem der Kofferraumboden ausgelegt ist. Das kannte man bislang nur vom Mercedes CLA Shooting Brake oder noch teureren Autos. Dieser piekfeine Belag ist nicht wirklich praktisch, weil er empfindlicher ist als Teppich. Aber edel sieht er aus und erinnert daran, dass der Nutzwert bei Autos eben doch nicht alles ist.

Hersteller: Peugeot
Typ: 508 SW (2019)
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 225 PS (165 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 8,2 s
Höchstgeschw.: 245 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 132 g/km
Kofferraum: 530 Liter
umgebaut: 1.780 Liter
Preis: 46.700 EUR
insgesamt 157 Beiträge
Muttimörkel 04.02.2019
1. Nischenfahrzeug
Dieses Auto wird in Deutschland wohl ein Nischendasein fristen! Die Dienstwagenfahrer bevorzugen eher deutsche Fabrikate, was auch vollkommen gerechtfertigt ist. Wer als Familie mal was anderes als einen Kombi hatte, steigt da [...]
Dieses Auto wird in Deutschland wohl ein Nischendasein fristen! Die Dienstwagenfahrer bevorzugen eher deutsche Fabrikate, was auch vollkommen gerechtfertigt ist. Wer als Familie mal was anderes als einen Kombi hatte, steigt da auch nicht mehr freiwillig ein. Viel zu niedrige Sitze, niedrige Ladekante, etc. machen das Ein-/Ausladen zur Qual. Die Rentner lieben ja ihr Dacia SUV, da bleiben nur noch ein paar Architekten, Lehrer und sonstige Exoten als Käufer...
dr. kaos 04.02.2019
2. Die wichtigen Sachen....
... sind also Grafikshows beim Anlassen, viel zu tief montierte Handy-Ladeschalen (und? hat das Auto kein AirPlay oder Goggledingensbumsens?), Tasten die man immer wieder drücken will.... Wie wärs mal mit einem Kombi mit [...]
... sind also Grafikshows beim Anlassen, viel zu tief montierte Handy-Ladeschalen (und? hat das Auto kein AirPlay oder Goggledingensbumsens?), Tasten die man immer wieder drücken will.... Wie wärs mal mit einem Kombi mit senkrechter Heckscheibe, in den der Handwerker seinen ganzen Kram reinbekommt, mit auswaschbarem Kofferraum (ergo richtig guter strapazierfähige Kunststoffinnenverkleidung) und Gummimatten statt Hochflorteppich, damit man auch mal mit was anderem an den Füßen als hochglanzpolierten Italolatschen fahren kann? UN der mal Grundpreis 20 T€uro kostet mit sagen wir 130PS Benziner? DA liegt m.E. eine Marktnische, die kein Hersteller mehr abdeckt. Nicht jeder möchte Sprinter oder Caddy fahren müssen, und manche Handwerker nutzen so ein Teil dann am WE als Familienkutsche....
alex.max.hannemann 04.02.2019
3. Details
Wer schön, wenn demnächst auch das Gewicht mitangegeben werden könnte...Danke.
Wer schön, wenn demnächst auch das Gewicht mitangegeben werden könnte...Danke.
krypton8310 04.02.2019
4. Antriebskonzept fragwürdig
Für einen Kombi sieht das Auto sehr gut aus. Leider kann das Antriebskonzept, wie immer bei Franzosen, nicht überzeugen. Im Gegensatz zu Herrn Grünweg finde ich nämlich, dass die Beschleunigung schon auf dem Papier deutlich [...]
Für einen Kombi sieht das Auto sehr gut aus. Leider kann das Antriebskonzept, wie immer bei Franzosen, nicht überzeugen. Im Gegensatz zu Herrn Grünweg finde ich nämlich, dass die Beschleunigung schon auf dem Papier deutlich schlechter ist als sie sein könnte. Der Wagen müsste mit dieser Motorisierung mindestens eine Sekunde schneller sein. Klingt vielleicht wenig, ist aber sehr viel! Vorderradantrieb und Micky-Maus-Vierzylinder mit nur 225 PS als Topmotorisierung ist ebenfalls nicht konkurrenzfähig.
jacpro 04.02.2019
5. Korrektur
Den CLA Shooting Brake gab es nie mit Holzboden. Das war der inzwischen eingestellte CLS Shooting Brake.
Den CLA Shooting Brake gab es nie mit Holzboden. Das war der inzwischen eingestellte CLS Shooting Brake.
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