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Mobilität

Autogramm Porsche Cayenne E-Hybrid

Grün hinter den Ohren

Der Porsche Cayenne war auch von Abgasmanipulationen betroffen. Bis es einen wirklich sauberen Dieselantrieb für den SUV gibt, soll ein neuer Plug-in-Hybrid die verbrauchsbewusste Kundschaft ködern.

Foto: Porsche
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Dienstag, 15.05.2018   04:09 Uhr

Der erste Eindruck: Ein Hauch von Grün. Die Schriftzüge und Bremssättel leuchten im Farbton "Acidgreen" und sind, neben der zweiten Klappe für den Stromanschluss, das einzige Erkennungsmerkmal des Cayenne Hybrid.

Das sagt der Hersteller: Für Porsche entwickelt sich der Plug-in-Hybrid - nicht ganz freiwillig - zur besseren Diesel-Alternative. Nachdem die Schwaben im Zuge des Abgasskandals die alten Selbstzünder vom Markt genommen und die neuen noch nicht homologiert haben, kommt der Hybridantrieb im Modell Panamera in Europa mittlerweile auf einen Verkaufsanteil von 60 Prozent. Nun solle der Plug-in auch im Geländewagen dafür sorgen, dass der Flottenverbrauch nicht ausufert, sagt Baureihenleiter Stefan Fegg. Anders als bei den Plug-in-Hybridmodellen der beiden Vorgänger-Generationen, zuletzt lag der Verkaufsanteil bei zwölf Prozent, setzt Porsche diesmal nicht nur auf Sparsamkeit, sondern auch auf Sportlichkeit. Torben Jacobsen aus dem Entwicklungsteam sagt: "Wir haben uns den Supersportwagen 918 zum Vorbild für die Kombination von Benzin- und E-Motoren genommen." Bei Porsche heißt das nun "E-Performance."

Das ist uns aufgefallen: Elektrisch, nur mit dem Benziner oder mit vereinten Kräften - in welchem Modus der Cayenne unterwegs ist, davon bekommt man im neuen Modell nichts mit. Dank der neuen Regelstrategie arbeiten der V6-Benziner unter der Haube und die in der achtstufigen Automatik integrierte E-Maschine nicht nur harmonischer, sondern vor allem eifriger zusammen. Die E-Maschine kommt jetzt nicht nur beim Kickdown zum Einsatz, oder wenn man im reinen E-Betrieb fährt, sondern so wie beim Panamera und beim 918 Spyder schiebt der Stromer schon vom ersten Meter mit an. Anders als beim Vorgänger darf man das Pedal auch nicht nur streicheln, wenn man rein elektrisch fahren möchte. Denn mittlerweile hat die E-Maschine so viel Kraft, dass sie auch über längere Zeit und bei einem alltäglichen Fahrprofil allein werkelt.

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Autogramm Porsche Cayenne E-Hybrid: Strom statt Diesel

Arbeiten beide Motoren im Team, verhilft der elektrische Booster dem Auto zu einem Punch, wie man ihn sonst nur von einem V8-Diesel kennt. Allerdings passen in diesem Fall die höheren Drehzahlen besser zu Porsche. Dass der Wagen 300 Kilo mehr wiegt als der normale Cayenne mit V6-Benziner, spürt man ebenfalls nicht. Nicht auf der Geraden, weil das Motoren-Tandem so viel Kraft hat, dass die paar Zentner mehr nicht ins Gewicht fallen. Auch nicht in Kurven, weil die neue Allradlenkung den Cayenne virtuell auf das Format des kleineren SUV Macan schrumpfen lässt und sich der Koloss plötzlich überraschend handlich anfühlt.

Wer sich nicht auf die Regie des Bordrechners verlassen will und den Akku während der Fahrt aufladen oder die Akkuladung - etwa für die letzten Kilometer im Wohngebiet - speichern will, der kann selbst eingreifen. Dazu lässt sich das Zusammenspiel von E-Maschine und Benzinmotor entweder auf dem großen Touchscreen regeln, oder per Einstellung am Rändelrad, das Porsche im Lenkrad integriert hat. Oft macht man das vermutlich nicht, denn die automatische Abstimmung funktioniert ganz gut. Zudem lädt das Plastikrädchen auch nicht ein, zuzugreifen. Es fühlt sich ziemlich billig an für so einen wichtigen Schalter.

Foto: Porsche

Das muss man wissen: Der Cayenne E-Hybrid kommt Ende Mai in den Handel und kostet mindestens 89.822 Euro. Dafür gibt es den SUV mit einem 340 PS starken 3-Liter-V6-Benziner und einer E-Maschine mit 136 PS Leistung sowie einem Pufferspeicher mit 14,1 kWh Speicherkapazität. Wenn der Akku vollgeladen ist, reicht sein Strom für bis zu 44 elektrische Kilometer und drückt den Normverbrauch (der wirklichkeitsfremden Berechnungsformel) auf 3,2 Liter. Im Alltag dürfte der Wert doppelt oder gar dreimal so hoch liegen, doch auch damit wäre das Plug-in-Hybridmodell der sparsamste Porsche aller Zeiten. Der ähnlich starke Cayenne S ohne Hybrid-Modul jedenfalls schluckt gut neun Liter.

Und Sparsamkeit heißt in diesem Falle nicht Bescheidenheit. Doppelt motorisiert schafft der SUV den Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,0 Sekunden und erreicht ein Spitzentempo von 253 km/h. Werkelt nur der Elektromotor, sind immerhin 135 km/h drin.

Zwar plant Porsche noch ein Cayenne-Spitzenmodell mit V8-Benziner und E-Maschine, und vielleicht wird es auch bei uns noch den für China bereits avisierten Plug-in-Hybrid mit Vierzylinder-Benziner geben, doch so ganz wollen die Schwaben auf den Diesel wohl doch nicht verzichten. "Wir wissen noch nicht genau wann und in welcher Konfiguration, aber es wird auch den neuen Cayenne wieder mit einem Selbstzünder geben", sagt Baureihenchef Fegg.

Das werden wir nicht vergessen: Den analogen Kompass, der über dem Cockpit thront wie auf der Brücke eines Schiffes. Der passt gleich mehrfach zu dem SUV, selbst wenn sich kaum ein Cayenne-Fahrer dorthin wagen wird, wo man wirklich auf einen Kompass angewiesen wäre. Denn die Nadel in diesem verdammt dicken Schiff zeigt, dass bei diesem Auto in Sachen alternativen Antrieben zumindest die Richtung stimmt.

Hersteller: Porsche
Typ: Cayenne E-Hybrid
Karosserie: SUV
Motor: V6-Benziner plus E-Maschine
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Leistung (E-Motor): 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Drehmoment (E-Motor): 400 Nm
Von 0 auf 100: 5,0 s
Höchstgeschw.: 253 km/h
Verbrauch (ECE): 3,2 Liter
CO2-Ausstoß: 72 g/km
Kofferraum: 645 Liter
umgebaut: 1.610 Liter
Preis: 89.822 EUR
insgesamt 60 Beiträge
strubinsky 15.05.2018
1. Irrsinn
An dem Auto ist sowas von gar nichts umweltfreundlich. Was soll so ein Artikel? Von Porsche bezahlt?
An dem Auto ist sowas von gar nichts umweltfreundlich. Was soll so ein Artikel? Von Porsche bezahlt?
eunegin 15.05.2018
2. grüne Bremssättel = superöko
Endlich baut Porsche einen richtig umweltfreundlichen Ökopanzer für die Fahrt der Kinder in die Schule, zum Biobauernhof und ins innerstädtische Café. Ich bin ja Autofan, aber die SUVs mit ihren selbstverursachten Problemen [...]
Endlich baut Porsche einen richtig umweltfreundlichen Ökopanzer für die Fahrt der Kinder in die Schule, zum Biobauernhof und ins innerstädtische Café. Ich bin ja Autofan, aber die SUVs mit ihren selbstverursachten Problemen sind affig und was für Leute mit gestörtem Selbstwertgefühl. Man soll jetzt bitte nicht mit "ist aber so sicher" oder dem (von 99,9% nie genutzten) gefühlten Off-Road-Potential kommen.
go2dive 15.05.2018
3. 44 Kilometer
44 Kilometer elektrische Reichweite müssen mit 300 Kg mehr Gewicht bezahlt werden?! Beachtlich! Wie viel niedriger würde wohl der Benzinverbrauch bei Langstrecken ausfallen, wenn die 300 kg fehlen würden - vom [...]
44 Kilometer elektrische Reichweite müssen mit 300 Kg mehr Gewicht bezahlt werden?! Beachtlich! Wie viel niedriger würde wohl der Benzinverbrauch bei Langstrecken ausfallen, wenn die 300 kg fehlen würden - vom Ressourcenverbrauch der Akkus und des zweiten Antriebes mal abgesehen.
lupo62 15.05.2018
4. Rätselhaftes Parallelwelt-Auto
Ein Fahrbericht aus einer automobilistischen Parallelwelt, voll mit Denglizismen. Das fängt schon beim Farbton an. Acidgreen. Hätte man auch "giftgrün" nennen können. Der geneigte Leser erfährt, dass man mit dem [...]
Ein Fahrbericht aus einer automobilistischen Parallelwelt, voll mit Denglizismen. Das fängt schon beim Farbton an. Acidgreen. Hätte man auch "giftgrün" nennen können. Der geneigte Leser erfährt, dass man mit dem Wagen einen Kickdown machen kann und das der Booster ihm zu einem Punch verhilft, der dem Tester offenbar gefallen har. Ich verstehe nur Bahnhof und habe "Punch" mal gegoogelt. Scheint ein Schlag oder eine ruckartige Bewegung zu sein. Nichts, was ich gerne erlebe, wenn ich mit einem Auto unterwegs bin. Nun ja, muß man vielleicht hinnehmen, wenn man fast 500 PS unterm Hintern hat. Nicht das ich neidisch bin. Dazu hat dieses Trum mit meinem Kleinwagen einfach zu wenig Berührungspunkte. Dahinter steckt eine völlig andere Philosophie der Fortbewegung. Schlaghaft, ruckartig eben. Nicht mit 120 auf der rechten Autobahnspur, sondern mit der doppelten Geschwindigkeit auf der linken. Ständig bremsend und beschleunigend, weil da doch einer in die Quere kommt. Ein Auto für Menschen auf der Überholspur.
frechsprech 15.05.2018
5. Sportauspuff
Der ähnlich starke Cayenne S ohne Hybrid-Modul mit Sportauspuff jedenfalls schluckt gut neun Liter. Auf Spritmonitor.de schreiben die Benutzer aber was von 17 Litern Cayenne S 340PS mit Sportauspuff. Die fahren wahrscheinlich [...]
Der ähnlich starke Cayenne S ohne Hybrid-Modul mit Sportauspuff jedenfalls schluckt gut neun Liter. Auf Spritmonitor.de schreiben die Benutzer aber was von 17 Litern Cayenne S 340PS mit Sportauspuff. Die fahren wahrscheinlich auch nur in der Stadt wegen der neidischen Blicke und dem Sportauspuff.
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