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Mobilität

Skoda Octavia Combi

Ein Fall für zwei

Der Octavia Kombi stürmt die europäischen Verkaufsrankings mit dem Skoda-typischen Mix: viel Platz, geringer Preis, praktische Details. Und die neue Generation fährt mit einem cleveren Motorkonzept vor.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Donnerstag, 03.05.2018   04:20 Uhr

Was haben Tschechien, Estland, Finnland, Polen und die Schweiz gemeinsam? In diesen fünf Ländern Europas stand im vergangenen Jahr der Skoda Octavia auf Platz eins der Zulassungsstatistik. Und in Kroatien, Ungarn und der Slowakei schaffte es das Modell auf Rang zwei. Es scheint also, als habe Skoda mit dem Auto ziemlich genau in den Mainstream getroffen - schließlich liegt der Octavia europaweit auf Platz neun. Das ist verwunderlich, weil das Auto eigentlich nichts Besonderes bietet. Es ist andererseits ziemlich einleuchtend, denn ein gutes Durchschnittsmodell mit viel Platz und zu einem akzeptablen Preis ist offenbar das, was viele Kunden wollen.

Ambientelicht, Massagesitze, Parfümierung der Innenraumluft - manche Hersteller bieten Extras an, bei denen Marketingabteilungen viel Aufwand betreiben müssen, um ihren Sinn plausibel zu machen. Skoda geht anders vor: Die tschechische VW-Tochtermarke bestückt ihre Modelle zum Beispiel mit einem herausnehmbaren Mülleimerchen in der Türablage, einem Gummischlitz, der das Smartphone fixiert, einer Warnwesten-Halterung unterm Fahrersitz, einem Eiskratzer im Tankdeckel oder einer Taschenlampe im Kofferraum. Lauter Dinge, bei denen der Nutzen unmittelbar einleuchtet, und dieser Pragmatismus kommt offenbar gut an.

Foto: Niko Jedicke

Seit einigen Monaten erstreckt er sich auf den Antrieb. Die Grundidee ist nicht neu, glücklicherweise ist sie nun auch bei Skoda verfügbar. Es handelt sich um den 1,5-Liter-Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung und ACT. Das Kürzel steht für aktives Zylindermanagement: Sobald vom Gaspedal weniger Motorleistung abgerufen wird, oder während längerer Bergabfahrten oder Bremsphasen, schließt das Steuergerät die Ventile der Zylinder zwei und drei und unterbricht deren Kraftstoffeinspritzung.

Aus dem Vierzylinder wird also ein Zweizylinder, was laut Skoda den Spritverbrauch im Schnitt um einen halben Liter pro 100 Kilometer bedeutet, und im Falle des Octavia Combi den Durchschnittsverbrauch auf 5,0 Liter drückt. Immer wenn die Motorsteuerung zwei Zylinder ausknipst, wird der Fahrer per Cockpitanzeige darüber informiert. Tritt man stärker aufs Gaspedal, sind sofort wieder alle vier Zylinder in Aktion und entwickeln bis zu 150 PS Leistung.

150 PS sind schon zu viel - sehr oft jedenfalls

Gäbe es keinen Hinweis im Cockpit, man würde von diesem Wechselspiel nichts mitbekommen. Aufgrund der Anzeige jedoch fällt auf, wie oft eigentlich ein halber Motor zum normalen Vorwärtskommen ausreicht. Es ist eine Art Schulung in praktischer Bescheidenheit. Wer die annimmt, ist für Pkw-Motoren mit mehr als 150 PS Leistung wohl für immer verloren.

Nicht nur der 1,5-Liter-Benziner ist neu im Octavia, das ganze Auto - die 1996 eingeführte Baureihe wird mittlerweile in dritter Generation produziert - wurde erst kürzlich runderneuert. Die Frontpartie erhielt ein zusätzliches Scheinwerferpaar, am Heck gibt es einen neuen Stoßfänger sowie LED-Leuchten. Im Auto wurden ein paar schickere Oberflächen spendiert, neue Bedienknöpfe für die Klimaanlage, und es sind Infotainmentsysteme verfügbar, die eine Online-Anbindung ermöglichen.

Das große Plus: Platz

Das alles jedoch sind Kleinigkeiten verglichen mit dem großen Plus des Autos, das nach wie vor besteht: Der Octavia ist so etwas wie der geräumigere Golf. Oder in diesem Fall korrekter: Der Octavia Combi ist eine Art einladenderer Golf Variant, und billiger ist er noch dazu - um knapp 2000 Euro bei vergleichbarer Motorisierung. Auf allen Plätzen im Skoda Octavia sitzt man luftig und bequem; nur wer sehr groß gewachsen ist, eckt an.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Octavia Combi - mit unserem 360-Grad-Foto:

Bei der Ladekapazität - das Kofferraumvolumen reicht von 610 bis 1740 Liter, je nach Position der Rücksitzlehnen - spielt der Octavia Combi eher in der Liga von BMW 5er Touring (570 bis 1700 Liter) oder Mercedes E-Klasse T-Modell (640 bis 1820 Liter) als in der des VW Golf Variant (605 bis 1620 Liter).

Die innere Größe, die der Skoda Octavia bietet, ist umgekehrt proportional zu Ausstrahlung, die der Wagen verbreitet. In Kombikreisen gehört das Auto eher in die Kategorie "Ach-ja-den-gibt's-ja-auch-noch". Andererseits zeigt die Beliebtheit des Wagens (in Deutschland wurden im vergangenen Jahr knapp 60.000 Exemplare neu zugelassen, 95 Prozent davon waren Kombimodelle), dass offenbar viele Kunden auf Status pfeifen, wenn Preis, Platzangebot und praktischer Nutzen passen.

Apropos praktischer Nutzen: Sogar bei Skoda, dem Fels des Pragmatismus in der Brandung automobiler Überflüssigkeiten, gibt es erste Anzeichen von Schickimicki. Ambientelicht in den Türdekorleisten etwa, das sich in zehn Farben einstellen lässt - allerdings nur in der Topvariante "Laurin & Klement". Immerhin heckten die Skoda-Entwickler auch einen neuartigen Flaschenhalter in der Mittelkonsole aus, der Flaschen so fixiert, dass sich der Drehverschluss einhändig öffnen lässt.

Praktischer geht es nicht.

Hersteller: Skoda
Typ: Octavia Combi 1.5 TSI
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.495 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 8,4 s
Höchstgeschw.: 218 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 115 g/km
Kofferraum: 610 Liter
umgebaut: 1.740 Liter
Preis: 26.930 EUR
insgesamt 160 Beiträge
ralfwagner199 03.05.2018
1. Ach ja, der 5-Liter-Verbrauch.
Den schafft wohl mur der permanent Bergabfahrer. In ungeahnter kollegialer Einigkeit verarschen uns und das Kraftfahrtbundesamt alle Hersteller. Seit nunmehr fast 16 Jahren fahre ich Hybrid in verschiedenen Modellen mit dem Kopf [...]
Den schafft wohl mur der permanent Bergabfahrer. In ungeahnter kollegialer Einigkeit verarschen uns und das Kraftfahrtbundesamt alle Hersteller. Seit nunmehr fast 16 Jahren fahre ich Hybrid in verschiedenen Modellen mit dem Kopf und nicht mit dem Fuß. Geschafft habe ich versprochene Verbrauchswerte nur mit sehr viel Glück, permanenten Rückenwind zum Beispiel.
oilenspiegel 03.05.2018
2. Der ist einfach nur schön
Und das ist der Grund für seinen Erfolg: Es gibt keinen attraktiveren Kombi als den Oktavia. Da stimmt einfach alles, vom Kühlergrill über die Seitenlinie bis zu den Heckleuchten.
Und das ist der Grund für seinen Erfolg: Es gibt keinen attraktiveren Kombi als den Oktavia. Da stimmt einfach alles, vom Kühlergrill über die Seitenlinie bis zu den Heckleuchten.
observerlbg 03.05.2018
3. Ja, langweilig, und?
Ich fuhr schon vier Octavia Kombi. Mit verschiedenen Motoren und Ausstattungen. Prakmatismus ist hier Programm. Was wollte ich mehr. Meiner Liebsten zuliebe fahre ich jetzt die verkürzte, weniger praktische Alternative: Golf! Und [...]
Ich fuhr schon vier Octavia Kombi. Mit verschiedenen Motoren und Ausstattungen. Prakmatismus ist hier Programm. Was wollte ich mehr. Meiner Liebsten zuliebe fahre ich jetzt die verkürzte, weniger praktische Alternative: Golf! Und den hätte ich nie zum "normalen" Preis gekauft. Man, was könnte Skoda an Octavias verkaufen, wenn er als Kompaktwagen daher käme. Der Rapid, eher Polobasis kann da leider nicht ganz mithalten. Leider setzt Skoda gerade auch immer mehr auf SUVs, schade.
jufo 03.05.2018
4. Den Motor gibt es doch schon lange
Warum wird das Auto hier vorgestellt? Wegen des Facelifts mit Flaschenhalter? Den Motor gibt es seit Jahren und die Verbrauchsreduzierung soll im Alltag nicht so toll sein wie auf dem Prüfstand. Dafür ist die Technik ziemlich [...]
Warum wird das Auto hier vorgestellt? Wegen des Facelifts mit Flaschenhalter? Den Motor gibt es seit Jahren und die Verbrauchsreduzierung soll im Alltag nicht so toll sein wie auf dem Prüfstand. Dafür ist die Technik ziemlich komplex. Also ob ich den nehmen würde weiß ich nicht.
toll_er 03.05.2018
5. Brot- und Butter-Auto
Seit 2010 fahre ich einen Octavia Combi. Als Re-Import einige tausend Euro günstiger als hier und nochmals einige tausend Euro günstiger als ein Golf-Combi. 1,6 L, 105 PS, Diesel. Mittlerweile 250000 km. Ohne Probleme. Das erste [...]
Seit 2010 fahre ich einen Octavia Combi. Als Re-Import einige tausend Euro günstiger als hier und nochmals einige tausend Euro günstiger als ein Golf-Combi. 1,6 L, 105 PS, Diesel. Mittlerweile 250000 km. Ohne Probleme. Das erste Auto seit 1972, das einfach nur zuverlässig ist. Der Restwert ist bei der km-Leistung mittlerweile egal. In einem Jahr bekomme ich für den auch nicht viel weniger als jetzt. Bezahlt hat der sich allemal gemacht, auch wegen des Verbrauchs. Über alle 250000 km ein ungelogenes weil auch nachweisbares Mittel von 5,1 l Diesel. Im Stadtverkehr handlich und übersichtlich, auf der Autobahn geht er, wenn erforderlich, ab wie Schmitds-Katze. Der nächste wird (leider) ein Benziner sein. Im kommenden Jahr steht eben wieder ein Octavia Combi an, und zwar mit diesem 150 PS Motor mit Zylinderabschaltung. An die 5,1 L werde ich real nicht herankommen, aber der Motor scheint, wie überhaupt der Octavia, ein Ding der Vernunft zu sein. Und die Verarbeitung bei meinem 2010er ist richtig gut. Über Platzangebot und Fahrverhalten haben schon viele geredet. Mit dem Geld, dass ich bei einem Re-Import sparen werde, können wir zu zweit 3 Wochen entspannt in die Karibik fliegen.
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