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Auto

Autogramm Volvo XC40

Der hat 'ne Fahne

Kompakte SUV sind derzeit das Erfolgsmodell der Autoindustrie. Nun hat auch Volvo einen Bestseller im Programm. Der XC40 ist ein untypischer Vertreter der Marke - weshalb er Flagge zeigt.

Volvo
Von
Donnerstag, 30.11.2017   04:53 Uhr

Der erste Eindruck: ein Eisklotz beim Sonnenbaden.

Das sagt der Hersteller: Bei der Vorstellung des XC40 wiederholt Volvo-Sprecher Olaf Meidt, was eh schon jeder weiß: Kein anderes Segment wachse so stark wie das der kleinen SUVs. Mit dem XC40 verknüpfen die Schweden deswegen die Hoffnung, den Absatz von aktuell gut 600.000 verkauften Autos pro Jahr auf demnächst rund 800.000 Autos zu steigern.

Die Volvo-Entwickler erlagen bei der Konzeption des neuen Autos nicht der Versuchung, einfach die Erfolgsmodelle XC90 oder XC60 einzudampfen. "Unser kleinstes Modell hat einen ganz eigenen Charakter erhalten", beteuert Meidt. Zudem stehe der XC40 auch auf einer völlig neuen Plattform. Die wurde zusammen mit dem chinesischen Mutterkonzern Geely entwickelt und trägt in China auch die Modelle der Schwestermarke Lynk.

Foto: Volvo

Das ist uns aufgefallen: Typisch Volvo und doch ganz anders - in der Ausstattungsvariante R-Design gilt das auch für den Innenraum des XC40. Während die schwedische Marke sonst auf eine lichte, coole Atmosphäre mit strenger Geometrie und hellen Farben achtet, geht es im kleinsten der drei Volvo-SUVs ziemlich düster, stellenweise bunt und ein wenig gedrungen zu. Um das digitale Cockpit herum gibt es die typischen senkrecht stehenden Lüfterdüsen, in der Mitte den hochkant angebrachten Navi-Bildschirm, aber eben auch hohl gefräste Zierkonsolen in Schwarz und Chrom und einen ziemlich hohen Mitteltunnel. An der C-Säule wurde ein Teil der Seitenscheiben dem Design geopfert, was den Höhlencharakter verstärkt.

Überhaupt ist das Ambiente weniger fein und vornehm als im XC90. Geschliffenes Kristallglas auf dem Getriebe-Wählhebel sucht man vergebens, und anstatt mit einem unkonventionellen Drehwürfel als Startschalter lässt man den XC40 per Druckknopf neben dem Lenkrad an. Doch in Summe macht der XC40 dennoch einen ziemlich noblen Eindruck und passt gut ans obere Ende der kompakten Geländewagen. Das gilt auch fürs Platzangebot, das für die Passagiere in beiden Reihen ordentlich und unter der per Sensorsteuerung elektrisch aufschwingenden Heckklappe zumindest durchschnittlich ist (Ladevolumen 460 bis 1336 Liter).

Das Fahrgefühl lässt sich als gemütlich beschreiben. Der XC40 ist sehr viel lässiger abgestimmt als Audi, BMW & Co. Zwar sitzt man im XC40 engagierter hinterm Steuer als in den großen Volvo-SUVs, doch selbst das Top-Modell mit 247 PS Leistung fühlt sich vergleichsweise träge an, wenn man es über eine kurvige Landstraße treibt.

Volvo zielt mit dem XC40 vor allem auf Audi Q2, BMW X1 und Mercedes GLA, doch bei der Entwicklung haben die Schweden offenbar auch zu einer Marke geschaut, die sie sonst eher nicht auf dem Zettel haben: Skoda. Denn der XC40 steckt voller smarter Details, die den Alltag leichter machen sollen. Das gilt vor allem für die Ablagen: So hat der Volvo zum Beispiel die größten Türtaschen im Konkurrenzumfeld, weil die Entwickler einfach die Bassboxen ausgebaut und unters Armaturenbrett verlegt haben.

Im Cockpit gibt es versteckte Kreditkartenhalter, aus dem Handschuhfach lässt sich ein Taschenhaken ausklappen, und auf dem Mitteltunnel schluckt ein kleiner Behälter Müll. Doch das Highlight wartet weiter hinten: Der XC40 bietet nämlich nicht nur einen Kofferraumboden, den man aufstellen und als Raumteiler oder Taschenhalter nutzen kann. Das Souterrain ist darüber hinaus so geformt, dass die sperrige Gepäckraumabdeckung darunter verschwinden kann.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Volvo XC40 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Bestellen kann man den XC40 zwar schon seit der Weltpremiere im September, doch ausgeliefert wird der Wagen erst ab dem 8. März. Und dann gibt es erst einmal nur zwei besonders starke Motorvarianten, die den Preis in die Höhe treiben. Den Benziner mit 247 PS inklusive Allradantrieb und Automatikgetriebe für mindestens 46.100 Euro und den ebenfalls zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel, ebenfalls mit Allrad und Automatik, für 44.800 Euro. Wer dazu die Armada an Assistenzsystemen - vom semi-autonomen Autobahnpiloten bis zur Panoramakamera - bestellt, kauft ein Auto für weit mehr als 50.000 Euro.

Es geht auch billiger. Noch im ersten Halbjahr 2018 wird der XC40 mit Dreizylinder-Benziner, 156 PS Leistung und eher spartanischer Grundausstattung (Frontantrieb, Handschaltung) ab 31.350 Euro erhältlich sein. Im Jahr 2019 dann soll der Wagen zunächst mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-Antrieb, danach als Plug-in-Hybrid und spätestens ab 2020 als erster rein elektrischer Volvo vorfahren.

Das ist nicht die einzige Neuerung, die Volvo in dieser Baureihe ausprobiert. Der XC40 lässt sich beispielsweise auch per Smartphone öffnen, und es gibt eine spezielle App, mit der man eine Art privates Carsharing organisieren und Verwandten oder Bekannten eine temporäre Fahrberechtigung einräumen kann. Wer keine Lust hat auf Verkaufsgespräche und Preisverhandlungen, der kann den XC40 als ersten Volvo für eine Flatrate mieten. Für rund 700 Euro im Monat kann man dann zwei Jahre lang sorglos fahren, inklusive Wartung und Service. Selbst kümmern muss man sich nur noch ums Tanken.

Das werden wir nicht vergessen: Der Volvo XC40 ist in manchen Details geradezu untypisch für die schwedische Marke. Das fiel offenbar auch den Designern auf, weshalb sie einen Erinnerungszipfel an die schwedische Herkunft ersannen: Aus dem Motorraum lugt ein Gummistreifen mit der schwedischen Flagge hervor.

Hersteller: Volvo
Typ: XC40 T5
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.969 ccm
Leistung: 247 PS (182 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 6,5 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 7,2 Liter
CO2-Ausstoß: 168 g/km
Kofferraum: 460 Liter
umgebaut: 1.336 Liter
Preis: 46.100 EUR
insgesamt 43 Beiträge
desmoulins 30.11.2017
1. Innovation...
...sieht bei einem NEUEN, nominell "kleinen" Auto mit 168 g/km CO2 Ausstoss anders aus.
...sieht bei einem NEUEN, nominell "kleinen" Auto mit 168 g/km CO2 Ausstoss anders aus.
tullastrasse 30.11.2017
2. Stilvoll im Gegensatz zu den deutschen Proll-SUVs
Bin zwar kein Freund von diesen SUV`s, weil eigentlich völlig unnötig. Aber wenn, dann einen von Volvo oder Land Rover - nur diese Marken haben wirklich Stil! Man denke nur an die wirren und prolligen SUV-Coupe-Kreationen von [...]
Bin zwar kein Freund von diesen SUV`s, weil eigentlich völlig unnötig. Aber wenn, dann einen von Volvo oder Land Rover - nur diese Marken haben wirklich Stil! Man denke nur an die wirren und prolligen SUV-Coupe-Kreationen von deutschen Herstellern, wie zum Beispiel X4 / X6 und GLE. Unvorstellbar, dass sich bei diesen sinnfreien Modell-Gattungen so etwas wie Begehrlichkeit, oder gar Besitzerstolz breit macht.
fk2005 30.11.2017
3. Sinnlos...
Ich besitze einen 18 Jahre alten V70I welcher vermutlich die nächsten 15 Jahre noch locker fährt. Wenn ich mir angucke wie oft meine Kollegen Ihre Haufen in die Werkstatt bringen müssen weil irgend was abgeraucht ist und mir [...]
Ich besitze einen 18 Jahre alten V70I welcher vermutlich die nächsten 15 Jahre noch locker fährt. Wenn ich mir angucke wie oft meine Kollegen Ihre Haufen in die Werkstatt bringen müssen weil irgend was abgeraucht ist und mir erklärt wird dass die Einstiegshöhe die Rechtfertigung für noch mehr Schrott ist sage ich: die Menschheit ist dem Untergang geweiht.
transatco 30.11.2017
4. Tolle Satire!!
Zitat: "auch wenn es an manchen Extras der großen Volvo-SUVs fehlt - etwa an den Kristallglaseinlagen auf dem Wählhebel des Automatikgetriebes" Ich hatte 15 min Lachkrämpfe!! Danke Herr Grünweg!
Zitat: "auch wenn es an manchen Extras der großen Volvo-SUVs fehlt - etwa an den Kristallglaseinlagen auf dem Wählhebel des Automatikgetriebes" Ich hatte 15 min Lachkrämpfe!! Danke Herr Grünweg!
ljoel 30.11.2017
5. Normverbrauch 7,2 Liter
Das heißt dann real vermutlich um die 10 Liter und bei 180 auf der Autobahn auch mal 15. Die realen CO2-Werte dürften also inkl. Well-to-Tank bei 300 bis 450 gr/km liegen. Das ist wirklich ausgesprochen zeitgemäß in Zeiten [...]
Das heißt dann real vermutlich um die 10 Liter und bei 180 auf der Autobahn auch mal 15. Die realen CO2-Werte dürften also inkl. Well-to-Tank bei 300 bis 450 gr/km liegen. Das ist wirklich ausgesprochen zeitgemäß in Zeiten des Klimawandels und der drohenden Fahrverbote in den Innenstädten, liebe Hersteller und Kunden! Wer sich heute so ein Auto kauft und sich in 2-3 Jahren über das Fahrverbot beschwert, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
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