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Auto

Land-Rover-Fan Dag Rogge

Allrad fürs Leben

Er besitzt den ältesten zugelassenen Land Rover Deutschlands - und dazu gleich zwei befahrbare Steinbrüche. Dag Rogge liebt die britischen Geländewagen. Und er kann sogar von seiner Leidenschaft leben.

Dag Rogge
Von Fabian Hoberg
Samstag, 15.04.2017   17:19 Uhr

Trekking-Hose, Fleece-Pullover, darunter ein Multifunktionshemd. Dag Rogge mag es rustikal. Nicht nur bei seiner Kleidung, auch bei seinen Fahrzeugen. Der 54-Jährige besitzt den ältesten in Deutschland zugelassenen Land Rover Series I, Baujahr 1949. Und er betreibt zwei Steinbrüche, in denen sich Offroad-Fans austoben können. Natürlich nur mit Land-Rover-Fahrzeugen.

Seine Leidenschaft fürs britische Blech begann früh. Der Patenonkel seiner damaligen Freundin betreute mit seiner Promotionagentur britische Automarken und bot Geländetraining an. Rogge, der damals eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker machte, arbeitete dort als 18-Jähriger am Wochenende mit. Als er erstmals den Geländewagen Defender sah, war er sofort begeistert. "Das Auto war überall zu Hause, es roch nach Abenteuer. Das hat mich total fasziniert", sagt er - vor allem die robuste und zuverlässige Technik, die sich leicht reparieren ließ.

Schon ab 1983 organisierte er nebenbei am Wochenende Fahrveranstaltungen. So blieb er auch während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und seinem anschließenden Job beim Fernmeldeamt in Düsseldorf den Autos treu.

Fotostrecke

Land Rover-Fan Dag Rogge: Der Landy-Lord

Als sein Arbeitgeber umstrukturiert und ihn in den Innendienst stecken will, kündigt der gebürtige Wuppertaler. "Ich war zwar Beamter auf Lebenszeit, aber ich suchte keine Sicherheit, sondern das Abenteuer". Und als der Patenonkel seiner Bekannten 1988 die Agentur verkauft, greift er zu. "Damals habe ich die ersten Trainings alleine durchgeführt und bin dann nach und nach gewachsen", sagt er. Für die Wiedereinführung des Defenders auf dem deutschen Markt, mietete er dann einen Steinbruch. "Da kam ich auf die Idee, solche Trainings das ganze Jahr anzubieten", sagt er.

Mehr als 300 Kurse im Jahr - fast alle ausgebucht

Der zwölf Hektar - ungefähr 17 Fußballfelder - große Steinbruch in Wülfrath bei Düsseldorf wurde schon in den Siebzigerjahren stillgelegt. Zwei Jahre dauerte das Genehmigungsverfahren, um dauerhaft mit Offroad-Fahrzeugen durch den Matsch fahren zu dürfen. Rogge bekam harte Auflagen, legte Biotope für Kreuzkröten an, erweiterte die vorhandenen Fahrstraßen und baute Hindernisse aus Holz und Stein. Einige Flächenteile sperrte er ab und rekultivierte den Bereich - so siedelten sich in den vergangen Jahren wieder neue Pflanzen an.

Außerdem erlaubten ihm die Behörden, nur mit Neufahrzeugen zu fahren - damit kein Öl den Boden kontaminiert. Seitdem wühlen sich rund 7000 Teilnehmer im Jahr durch die Kuhle mit 45 Hindernissen, kriechen bei ihren Fahrertrainings mit dem Untersetzungsgetriebe den steilen Hang hinauf und mit der Motorbremse wieder hinunter.

Die eine Hälfte der Kursteilnehmer fährt privat Land Rover, die andere will nur ein wenig im Matsch spielen. "Natürlich braucht der Fahrer das Hardcore-Geländetraining nicht. Aber was er bei manchen Übungen lernt, kann er auch bei Glätte im Alltag anwenden", sagt Rogge. Die Idee scheint anzukommen: Die meisten der mehr als 300 Kurse im Jahr sind ausgebucht.

Sascha Schuermann

Abenteuerspielplatz für Geländewagen in Wülfrath

Der SUV-Trend spielt ihm die Kunden zu. "Für mich, der ich mit Geländewagen groß geworden bin, ist das schön, dass es diesen SUV-Trend gibt. Mit dem Komfort und der Vielseitigkeit wundert es mich nicht, dass die Autos beliebter werden", sagt er.

Heute beschäftigt er 45 Festangestellte und 150 Freiberufler. Neben den Fahrtrainings organisiert Rogge seit 2000 noch die Land Rover Experience Tour, Nachfolger der Camel Trophy. Zwischen 1980 und 1999 veranstaltete die Zigarettenmarke eine Art Autorallye mit Expeditionscharakter, anfangs mit Fahrzeugen von Jeep, später von Land Rover. Jedes Jahr führte die Tour durch ein anderes Land. Doch die Rallye verkam zur hippen Sportveranstaltung und einem Werbegag. Land Rover zog sich 1998 zurück, ein Jahr später wurde die Camel Trophy eingestellt.

1999 entwickelte Rogge deshalb die Land Rover Experience Tour, zuerst nach Jordanien, dann nach Island, Namibia, Mexiko und Kanada. Mittlerweile findet die Veranstaltung zum zwölften Mal statt. Zwei Jahre Vorbereitung stecken in einer Tour. Aus gut 30.000 Bewerbern werden 3600 zu den Qualifikationswochen eingeladen, daraus nehmen 60 an der Endrunde teil. Am Ende fahren dieses Jahr sechs nach Peru mit, die sich drei Wochen lang fern der Heimat durch unwegsames Gelände kämpfen. Für die Teilnehmer ist es die Reise ihres Lebens. Und für Rogge?

Rogge träumt von Neuseeland als Reiseziel

Sein Traumziel, wie könnte es für Land Rover-Fahrer anders sein, ist Afrika, vor allem Namibia. Weite, Wüste und eine tolle Tierwelt. Aber auch Südamerika begeistert ihn, mit Argentinien, Chile und Peru. "Der ganze Kontinent ist ein Traum", sagt er. Seine Liebe zur Entdeckung der Welt wächst von Jahr zu Jahr. Privat möchte er einmal nach Neuseeland und dann mit einem Auto das Land erkunden. Natürlich in einem Land Rover.

Zwar musste als erstes eigenes Auto ein Mercedes /8 als 200D herhalten, ein altes Taxi mit einer Million Kilometer auf dem Tacho. "1989 habe ich mir aber einen Discovery gekauft, das Standauto von der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Es war der erste in Deutschland zugelassene Disco", sagt er. Seitdem fährt er nur Autos der britischen Marke. "Mein Blut ist grün - so wie die Farbe des Land-Rover-Logos - ich stehe total hinter der Marke, die strahlt für mich Freiheit und eine Glaubwürdigkeit aus", sagt Rogge. Früher klang der Dieselmotor wie bei einem alten Trecker, die aktuellen Autos sind sehr komfortabel und in Zukunft fahren die Autos vielleicht elektrisch", sagt Rogge. Er ist gespannt wie er dann mit den E-Autos durchs Gelände fährt. Vielleicht ziehen wir uns dann den Strom aus Solarzellen vom Dach".

Bis es soweit ist, setzt er zwangsweise auf Verbrenner, aber auf ganz spezielle. Seinen Series I Land Rover von 1949 fand er über einen befreundeten Fotografen aus England. "Ich wollte unbedingt einen Series I, da es für mich das Ur-Auto von Land Rover ist".

Das Auto bewegt er nur selten auf Oldtimer-Rallyes, stilecht mit britischem Kennzeichen. Das Auto besitzt eine nachvollziehbare Geschichte: Im August 1949 landete es auf der Isle of Wight, 1965 wurde es erstmals verkauft und danach noch fünf weitere Male. 1984 kam der damals betagte Oldtimer für eine Restauration in ein Museum. Gut zehn Jahre und mehr als 1200 Arbeitsstunden flossen in den Neuaufbau. 2009 wird der Land Rover in den Norden Englands verkauft, wo der befreundete Fotograf das Auto für Dag Rogge entdeckte.

Der griff sofort zu und meldet dafür extra einen Wohnsitz in England an.

Verrückt? Nicht für einen, der sich 24 Stunden am Tag mit der Marke auseinandersetzt. Daneben besitzt er einen Series I von 1951 im Originalzustand und einen Series II. Zum Schrauben kommt er allerdings nur noch selten.

Im Sommer geht Rogge fremd - dann fährt er Fendt

Bis zu 200 Tage im Jahr ist er unterwegs, hat bisher über 100 Länder bereist. Neben der Organisation der Land Rover Experience Touren besitzt Rogge eine Reiseagentur für Offroad-Touren und das Experience Center in Namibia. "Ich bin halt Berufsabenteurer und habe viel Spaß daran, neue Sachen auszuprobieren und meine Kreativität auszuleben", sagt er.

Nur nicht im Sommer. Da bleibt er in Mettmann bei Düsseldorf. 2007 kaufte er sich einen alten, kleinen Bauernhof, restaurierte und bewirtschaftet ihn. Nebenbei arbeitet er als Landwirt, mäht die Wiesen, züchtet Pferde. Zur Entspannung von der ganzen Offroad-Arbeit setzt er sich hinters Lenkrad seines 240 PS starken Fendt Traktors - und presst Stroh.

insgesamt 10 Beiträge
unneberg 15.04.2017
1. Suv
... mmh, der SUV-Boom ist also eine feine Sache, von wegen Bequemlichkeit und so. Aber was denn nun eigentlich ? SUV oder Land-Rover ? Die stehen sich ja wohl diametral entgegen. Und dann laden wir unser 3,5 t-SUV mittels 1 [...]
... mmh, der SUV-Boom ist also eine feine Sache, von wegen Bequemlichkeit und so. Aber was denn nun eigentlich ? SUV oder Land-Rover ? Die stehen sich ja wohl diametral entgegen. Und dann laden wir unser 3,5 t-SUV mittels 1 qm-Solarpanel während der Fahrt auf ? Ich bin immer wieder überrascht wer so alles offenbar erfolgreiche Unternehmen führt. Viel gesunder Menschenverstand ist dazu offenkundig nicht erforderlich
outofgermany 15.04.2017
2. #1
Es steht nirgends das der Strom vom Autodach kommt, vermutlich denkt der erfolgreiche Unternehmer eher an das Dach der Garage, das sollte groß genug sein.
Es steht nirgends das der Strom vom Autodach kommt, vermutlich denkt der erfolgreiche Unternehmer eher an das Dach der Garage, das sollte groß genug sein.
medwediza 15.04.2017
3. Ihnen fehlt sogar dieser
Der gesunde Menschenverstand, meine ich. Und Sie haben noch ein zweites Problem: das mit dem Lesen und Verstehen. Der SUV-Boom ist für Rogge eine feine Sache, weil ihm dieser Kunden bringt. Viele Kunden. Steht im Bericht und [...]
Zitat von unneberg... mmh, der SUV-Boom ist also eine feine Sache, von wegen Bequemlichkeit und so. Aber was denn nun eigentlich ? SUV oder Land-Rover ? Die stehen sich ja wohl diametral entgegen. Und dann laden wir unser 3,5 t-SUV mittels 1 qm-Solarpanel während der Fahrt auf ? Ich bin immer wieder überrascht wer so alles offenbar erfolgreiche Unternehmen führt. Viel gesunder Menschenverstand ist dazu offenkundig nicht erforderlich
Der gesunde Menschenverstand, meine ich. Und Sie haben noch ein zweites Problem: das mit dem Lesen und Verstehen. Der SUV-Boom ist für Rogge eine feine Sache, weil ihm dieser Kunden bringt. Viele Kunden. Steht im Bericht und hat mit der Kindergarten-Auseinandersetzung SUV versus Geländewagen gar nichts zu tun. Vor der Bemerkung mit dem Solarpanel steht ein "vielleicht". Sie dürfen davon ausgehen, dass er als Fernmeldetechniker solche Aspekte ziemlich genau einzustufen weiß. Jedenfalls um Längen besser, als Sie einen Artikel verstehen.
spon_3055608 16.04.2017
4. am Fahren liegts nicht
Das ganze ist ja wohl eher eine Spielveranstaltung für Leute, die schon alles haben und in der neuesten Freizeitkleidung das große Abenteuer im Steinbruch suchen. Na, es ist ja sicher ganz nett, mal mit eingelegtem Overdrive [...]
Das ganze ist ja wohl eher eine Spielveranstaltung für Leute, die schon alles haben und in der neuesten Freizeitkleidung das große Abenteuer im Steinbruch suchen. Na, es ist ja sicher ganz nett, mal mit eingelegtem Overdrive einen Hang hoch hochzuwinseln. Aber in der Wirklichkeit würde ich jedem dieser Abenteurer abraten sich in Afrika außerhalb der Großstädte mit einem Auto zu bewegen. Nicht selten liegt man nämlich mehr unter dem Auto als dass man in im sitzt,- und wehe wer da nicht selber reparieren (oder besser etwas behelfsmäßig hinmurksen) kann. Wer da auf den "ADAC" wartet wartet vergeblich. Der Landrover ist sicher ein ungeheuer stabiles und wirklich geländegängiges Fahrzeug, aber auch sehr teures Auto und deshalb in Afrika unter ferner liefen... Weitaus häufiger sind japanische Geländefahrzeuge was die Ersatzteilbeschaffung erheblich erleichtert, denn nicht jeder kann Monate auf eine Lichtmaschine oder Kupplung warten.
Mr.Meeks 16.04.2017
5.
Hat die älteste zugelassene Serie als Zugpferd versagt? Die Resonanz aus der Szene auf den Artikel ist praktisch nicht existent. Sind wohl alle unter dem Auto oder auf der Straße.
Hat die älteste zugelassene Serie als Zugpferd versagt? Die Resonanz aus der Szene auf den Artikel ist praktisch nicht existent. Sind wohl alle unter dem Auto oder auf der Straße.

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