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Günstige Oldtimer - Mercedes T1 "Bremer Modell"

Der Bulli von Benz

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Mercedes Transporter T1, genannt "Bremer Modell".

Daimler
Von Haiko Prengel
Samstag, 17.06.2017   13:13 Uhr

Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Mercedes Transporter T1 "Bremer Modell"

Daimler

Mercedes-Benz T1, genannt "Bremer Modell, gebaut 1977 bis 1995

Allgemeines zum Modell: Nicht nur Volkswagen hat seinen T1, auch Daimler nannte seine kleineren Nutzfahrzeuge früher nüchtern Transporter. Weil der Wagen mit der kurzen, kantigen Schnauze in den Anfangsjahren im Werk Bremen vom Band lief (später dann in Düsseldorf), bekam er schnell den Spitznamen "Bremer" oder "Bremer Modell" verpasst. Das "Bremer Modell" prägte er über Jahrzehnte das deutsche Straßenbild wie kaum ein anderes Nutzfahrzeug: Von 1977 bis 1995 baute Daimler-Benz den Kleintransporter T1.

Der T1 mit seinem Hinterradantrieb und der selbsttragenden Karosserie war der erste Kleintransporter, den Daimler selbst entwickelte. Der Vorgänger, der Harburger Transporter mit Frontantrieb, war noch eine Entwicklung der Hanomag-Henschel-Fahrzeugwerke, die Mercedes-Benz 1970 übernahm.

Während sich der Harburger Transporter nie gegen Konkurrenten wie den VW Transporter oder Ford Transit durchsetzen konnte, wurde der T1 aus Bremen ein Bestseller: Ob Deutsche Bundespost, Feuerwehr oder Polizei - bei den Behörden wurde der "Bremer" vor 40 Jahren massenhaft geordert. Aber auch als Krankenwagen, Baustellenfahrzeug oder Kleinbus für Schülergruppen war der T1 unterwegs. Zudem wurde der Transporter bei privaten Nutzern populär: Verschiedene Caravan-Marken wie Hymer oder Westfalia bauten den Transporter zum kommoden Wohnmobil um.

Der T1 wurde in so vielen verschiedenen Versionen angeboten, dass heute selbst Kenner schnell mal den Überblick verlieren. Es gab ihn als Pritsche, Kombi, Kastenwagen, Kleinwagen und Kipper, und all dies mit verschiedenen Radständen, Fenster- und Türvarianten. Hinzu kam eine große Auswahl an Diesel- und Ottomotoren. Die Palette reichte vom lahmen Vorkammer-Diesel mit 55 PS (207D, 307D, 407D) bis zum spritzigen 105-PS-Benziner (210/310/410) in späteren Baujahren. Die erste Zahl steht übrigens immer für das zulässige Gesamtgewicht, die zweite für die PS-Anzahl (man muss nur eine 0 anhängen). Erst 1995 wurde der T1 nach fast 20 Jahren Bauzeit vom neuen Kleintransporter namens Sprinter abgelöst.

Warum ausgerechnet der? Während die alten VW-Bullis in der Oldtimer-Szene extrem gehypt werden und entsprechend teuer sind - ein T1 Samba wird mit irrwitzigen 100.000 Euro und mehr gehandelt -, sind die T-Modelle von Daimler preislich bislang auf dem Boden geblieben. Dabei bietet ein "Bremer" T1 deutlich mehr Platz als ein zeitgenössischer Bulli T3 oder T4. Und schlechter motorisiert sind die Transporter mit Stern auch nicht. Die Vier- und Fünfzylinder-Motoren aus dem "Bremer" sind kultiviert und robust, Laufleistungen von 500.000 Kilometern sind keine Seltenheit. In späteren Baujahren kamen sogar Assistenzsysteme wie Servolenkung oder ABS hinzu. Auf Wunsch konnte sogar ein wenig Komfort dazubestellt werden, etwa in Form von elektrischen Fensterhebern, einer Klimaanlage oder eines Automatik-Getriebes. Und sogar als Allradler gibt es den T1: Die Firma Iglhaut baute den "Bremer" zum geländegängigen 4x4 um.

Daimler

Quadratisch, Plastik, gut: Das Interieur des T1

"Das 'Bremer Modell' ist der nächste Renner", sagt Alexis Miszak von "Oldtimerteile Köpenick". Die Berliner haben sich auf die Restaurierung von historischen Lkw spezialisiert. Vor allem der große Transporter T2 (auch "Düdo" genannt) hat inzwischen Kultstatus, mehr und mehr entdecken Fans aber auch den kleineren T1 aus Bremen. Beliebt ist der "Bremer" vor allem bei Camping-Fans, die sich ausrangierte Krankenwagen oder Feuerwehren zum hippen und kostengünstigen Wohnmobil umbauen. Aber auch für Handwerker, die sich keinen neuen Transporter kaufen oder leasen möchten, ist Daimlers T1 eine Option.

Verfügbarkeit: Auch mehr als 20 Jahre nach Produktionsende gibt es den T1 noch in reichlicher Stückzahl, schließlich wurde der Transporter fast 20 Jahre gebaut. Die Bandbreite reicht vom geknechteten Baustellenfahrzeug bis zum gehegten Campingmobil für den Sommerurlaub, das noch nie Salz auf der Straße gesehen hat.

Besonders interessant sind Fahrzeuge aus Behördenbeständen. Ex-Feuerwehren etwa wurden immer gut gewartet und weisen meist geringe Kilometerstände auf. Häufiger Kurzstreckenbetrieb kann den Motoren aber auch deutlich mehr zugesetzt haben als gemächliche Langstreckenfahrten im Wohnmobil.

Ersatzteilversorgung: Es gibt noch ausreichend Ersatzteile, insgesamt ist die Teilesituation für einen Bestseller wie den T1 aber erstaunlich schlecht. So viel der Daimler-Konzern für den Erhalt seiner klassischen Pkw tut, so wenig engagiert er sich für seine historischen Nutzfahrzeuge. Vor allem Bleche für den "Bremer" sind nur noch schwer zu bekommen. Zwar sind Repro-Karosserieteile auf dem Zubehörmarkt erhältlich, doch deren Qualität und Passgenauigkeit lässt zu wünschen übrig. Technik-Komponenten wie Motordichtsätze oder Fahrwerkskomponenten indes sind noch problemlos zu bekommen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Kotflügel vorn: ca. 60 Euro

Satz Bremsscheiben vorn: ca. 120 Euro

Satz Bremsbeläge vorn: ca. 40 Euro

Lichtmaschine: ca. 100 Euro

Schwachstellen: Seine große Vielfalt ist gleichzeitig auch eine seiner Schwächen: Dass der T1 in derart vielen Versionen gebaut wurde, kann Hobbyschrauber schon mal überfordern. Was in einer Pritsche mit kurzem Radstand gepasst hat, muss nicht zwangsläufig auch in einem Wohnmobil oder in einer Ex-Feuerwehr passen. Es kann dauern, bis man sich einen Überblick über die verschiedenen Konstruktionen und Eigenarten der T1-Modelle verschafft hat.

Darüber hinaus kann einem Rost schnell die Freude am "Bremer" verderben. Der aufliegende Kasten ist mit dem Rahmen verschweißt, und dort breitet sich die braune Pest bevorzugt aus. "Wenn der Rahmen wie ein Blätterteig aufquillt, dann kann man den Wagen eigentlich wegschmeißen, weil dann der Aufwand für die Instandsetzung zu hoch wird", sagt Nutzfahrzeuge-Experte Miszak. Auch die Elektrik spinnt beim T1 häufiger mal, zum Glück ist in den alten Transportern meist nicht viel davon verbaut. Die Motoren indes gelten bei normaler Pflege als unverwüstlich, vor allem die Vorkammer-Diesel ohne empfindliche Turbo-Aufladung.

Preis: Für etwas mehr als 1.000 Euro kann man noch fahrbereite T1-Transporter finden, darunter wird Schrott mit massig Wartungsstau und Rost ohne Ende feilgeboten. Wer 2.000 bis 3.000 Euro investiert, erhöht bereits deutlich die Chance auf einen Bremer in ordentlichem Zustand. Wohnmobil-Umbauten von Westfalia oder Marco Polo können aber auch mal das Doppelte oder Dreifache kosten. High-End beim "Bremer" sind die Allrad-Umbauten von Iglhaut, hier liegen die Preise selten unter 20.000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

www.oldtimerteile-koepenick.de

www.busfreaks.de (Forum)

http://www.bowiexport.com (Belgischer Teile-Spezialist) Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 58 Beiträge
steffen.ganzmann 17.06.2017
1. Ne, also wirklich!
So 'ne ausgelutschte Bauarbeiterkarre als erhaltenswerten Oldtimer anzusehen, irgendwie geht das doch zu weit, finde ich ...
So 'ne ausgelutschte Bauarbeiterkarre als erhaltenswerten Oldtimer anzusehen, irgendwie geht das doch zu weit, finde ich ...
Mertrager 17.06.2017
2. Das Thema Rost
...könnte bei diesem Wagen ruhig ausführlicher behandelt werden. Es dürfte hier die "Achilles-Ferse" sein.
...könnte bei diesem Wagen ruhig ausführlicher behandelt werden. Es dürfte hier die "Achilles-Ferse" sein.
112211 17.06.2017
3. Krach pur
Naja, Oldtimer hin und her. Der Bremer gehört wahrlich nicht gerade zu den optischen Leckerbissen und auch der Fahrkomfort ist überschaubar, will sagen: eher schlecht. Der Spaßfaktor geht beim Bremer gegen Null.
Naja, Oldtimer hin und her. Der Bremer gehört wahrlich nicht gerade zu den optischen Leckerbissen und auch der Fahrkomfort ist überschaubar, will sagen: eher schlecht. Der Spaßfaktor geht beim Bremer gegen Null.
Nania 17.06.2017
4.
Denke ich mir auch. Ob der Wagen tatsächlich einen Oldtimer-Status bekommen sollte, weiß ich nicht. Charme hat er nicht, höchstens hängen für den ein oder anderen noch ein paar (Kindheits-)Erinnerungen dran.
Zitat von 112211Naja, Oldtimer hin und her. Der Bremer gehört wahrlich nicht gerade zu den optischen Leckerbissen und auch der Fahrkomfort ist überschaubar, will sagen: eher schlecht. Der Spaßfaktor geht beim Bremer gegen Null.
Denke ich mir auch. Ob der Wagen tatsächlich einen Oldtimer-Status bekommen sollte, weiß ich nicht. Charme hat er nicht, höchstens hängen für den ein oder anderen noch ein paar (Kindheits-)Erinnerungen dran.
dipl.inge83 17.06.2017
5. Baltic Sea Circle
Mit so einem Schmuckstück fährt ein Kumpel seit heute über Nebenstrassen zum Nordkap. Bin gespannt ob der Renner durch hält.
Mit so einem Schmuckstück fährt ein Kumpel seit heute über Nebenstrassen zum Nordkap. Bin gespannt ob der Renner durch hält.

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