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Dual-Ghia L 6.4

Das Ratmobil

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: das Lieblingsmodell des "Rat Pack".

Karissa Hosek/ Courtesy of RM Sotheby's
Von
Sonntag, 30.07.2017   12:06 Uhr

Auction Heroes

Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Unterm Hammer: Ein Dual-Ghia L 6.4 von 1961.

Warum mitbieten? Dieses Auto hat einen Chrysler Mopar V8-Motor, es ist ummantelt von einem Designentwurf der Carrozzeria Ghia, und veredelt wurde es von dem legendäre Kustomizer George Barris (Ja, genau der George Barris, der das Original-Batmobil und K.I.T.T. erschaffen hat). Insgesamt wurden nur 26 Exemplare des 340-PS-Wagens gefertigt. Jedes einzelne in Handarbeit.

Fotostrecke

Dual-Ghia L 6.4: Rattenscharf

Das Chassis stammte von einem Showcar von Dodge, dem Firebomb. An diesem Wagen sicherte sich Mitte der Fünfziger der US-Industriekonzern Dual die Rechte. Die Modellbezeichnung Firebomb passte ganz gut - Dual hatte sich im Zweiten Weltkrieg vor allem auf die Herstellung von Militärtransportern spezialisiert. Von den USA verschiffte das Unternehmen die Chassis zum Karosseriebauer Ghia nach Italien. Als Dual-Ghia kamen die fertigen Autos dann zurück nach Amerika - und waren dort bei Berühmtheiten begehrt.

Acht Exemplare wurden von George Barris exklusiv für das "Rat Pack", die Sing-und-Sauf-Clique um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy David Jr., getunt. Die Modifikationen beschränkten sich auf Details: Dem verchromten Kühlergrill stellte Barris beispielsweise ovale Scheinwerfer des französischen Zulieferers Cibié zur Seite.

Eines dieser leicht umgewandelten Modelle sicherte sich der Schauspieler Peter Lawford. Dessen Name ist inzwischen in Vergessenheit geraten, dabei gehörte er gleich zwei der einflussreichsten Klüngel der USA an. Lawford war nicht nur Mitglied des "Rat Pack", sondern zählte auch zum Kennedy-Clan. Seine Frau war die Schwester des damaligen US-Präsidenten JFK.

AP

Lawford (Mitte) mit Dean Martin (links) und Sammy Davis Jr.

Sein Schwager muss ihn um den Dual-Ghia beneidet haben. Das Auto ist innen quasi komplett in dunkles Leder gefasst. Nur hinter dem Holzlenkrad funkeln voll verchromt Mittelkonsole und Armaturenbrett. Dieser Silberschatz sieht so eigentümlich schön aus, dass es fast so wirkt, als wäre das Fahrzeug um ihn herum konstruiert worden. Außerdem hat der Wagen einen ganz praktischen Vorteil: Die Heckscheibe ist so großzügig verglast wie ein Wintergarten - das "Rat Pack" konnte wohl auch nach der achten Runde Old Fashioned noch unfallfrei rückwärts einparken.

Sollten Sie zu den Leuten gehören, die bei Gebrauchtwagen zuerst auf den Tachostand schielen, dann lassen Sie sich gesagt sein: Dieser Ghia hat nur rund 64.000 Kilometer auf dem Buckel. Und sollten Sie zu den Leuten gehören, die sich über den Spritbedarf eines V8-Motors aus den Sechzigerjahren echauffieren, dann lassen Sie sich gesagt sein: Verschwendung ist bei diesem Auto nicht Mangel, sondern Haltung. Die Innenseite des Kofferraumdeckels ist mit Leder ausgepolstert, verstehen Sie?

Zuschlag! Das Auktionshaus RM Sotheby's bringt den Dual-Ghia L 6.4 Mitte August in Monterey, Kalifornien, unter den Hammer. Den Erlös schätzen Experten auf 200.000 bis 500.000 Dollar. Falls Sie bis dahin schnelles Geld brauchen: In der Gaunerkomödie "Frankie und seine Spießgesellen" von 1960 finden Sie eine Anleitung zum Kasinoraub. In einer der Hauptrollen: Peter Lawford.

insgesamt 11 Beiträge
hegri 30.07.2017
1. Früher war manches besser
Was für eine unglaublich elegante Seitenlinie! Das Armaturenbrett und die Konsole sind der Zeit zumindest optisch weit voraus. 350PS sind auch heute noch ein Wort! Ein herrlicher und sehr spezieller Oldtimer.
Was für eine unglaublich elegante Seitenlinie! Das Armaturenbrett und die Konsole sind der Zeit zumindest optisch weit voraus. 350PS sind auch heute noch ein Wort! Ein herrlicher und sehr spezieller Oldtimer.
ein_Nachdenker 30.07.2017
2. wow!!!
... was für ein grandioses Design... einige italienische Automobildesigner sind/waren halt doch die größten!
... was für ein grandioses Design... einige italienische Automobildesigner sind/waren halt doch die größten!
thomas.d. 30.07.2017
3.
Wie so oft: Geschmackssache! Meiner ist das nicht, da finde ich den Glas V8 (Frua wenn ich mich nicht täusche)gelungener. Auch weil der hinten keinen Überhang von geschätzt 1 Meter hat.
Wie so oft: Geschmackssache! Meiner ist das nicht, da finde ich den Glas V8 (Frua wenn ich mich nicht täusche)gelungener. Auch weil der hinten keinen Überhang von geschätzt 1 Meter hat.
f_eu 30.07.2017
4.
Original ist er mit der Drehstrom-Lichtmaschine jedenfalls nicht mehr.
Original ist er mit der Drehstrom-Lichtmaschine jedenfalls nicht mehr.
Neandiausdemtal 30.07.2017
5.
........"träum"........
........"träum"........

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