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Auto

Mercedes-Benz 450 SEL 6.9

Fahren wie ein König

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten. SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: Spaniens Thron auf Rädern.

Catawiki
Von
Samstag, 09.09.2017   15:35 Uhr

Unterm Hammer: Ein Mercedes-Benz 450 SEL 6.9, Baujahr 1978, mit gewissen Extras.

Warum mitbieten? Sollten Sie mal in Verlegenheit geraten, eine öffentliche Parade im Auto abhalten zu müssen: Dieser Benz ist genau der richtige Wagen dafür.

Es war einmal ein König, dem dieses Auto gehörte. Die Fähnchen verraten es: es war ein spanischer. In dem SEL 6.9 nahmen Juan Carlos I. und seine Gattin Sophia bei Fahrten zu offiziellen Anlässen Platz. Genauer gesagt ließ das Paar sich dabei auch im Stehen chauffieren, um ihr Volk aus dem Wagen heraus zu grüßen. Dank eines großen Schiebedachs und genügend Beinfreiheit im Fond konnten die Monarchen aufrecht aus dem Dach herausragen.

Auction Heroes

Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Sollten Sie weder einen Thron halten noch irgendein anderes staatstragendes Amt bekleiden - kein Problem: Das Auto bietet noch weitere Vorzüge, zum Beispiel einen exotischen Motor. Der V8-Zylinder hat voluminöse 6,9 Liter Hubraum, es war das größte von Mercedes gebaute Aggregat nach dem Zweiten Weltkrieg. An der PS-Zahl lässt allerdings der Fortschritt in der Entwicklung ablesen - holte man aus den 6,9 Litern damals 286 PS, leistet die aktuell stärkste V8-Motorisierung einer S-Klasse mit 4,6 Liter Hubraum heute 455 PS.

Ein Tester der Fachzeitschrift "auto, motor und sport (ams)" bescheinigte dem Wagen bei dessen Markteinführung 1975 ein "überlegenes Leistungspotenzial und kultivierte Laufruhe" und fand auch für den Testverbrauch von 23,2 Litern Benzin auf 100 Kilometern noch lobende Worte ("Angesichts des Fahrzeuggewichts durchaus akzeptabel").

Nachteil bei diesem speziellen 450 SEL: Zu dem ursprünglichen Fahrzeuggewicht von knapp zwei Tonnen sind noch einige Pfunde dazugekommen. Der Vorteil (sollten Sie Feinde haben): Die 200 zusätzlichen Kilos sind einer Panzerung geschuldet.

Fotostrecke

Mercedes-Benz 450 SEL 6.9: Lang lebe der V8

Was den Wagen besonders macht, abgesehen von seinen royalen Vorbesitzern, ist sein Stellenwert zur damaligen Zeit. Die Mercedes-Baureihe 116 war die erste, die als S-Klasse vermarktet wurde. Seit Anfang der Siebziger verbindet der Hersteller mit diesem Modell einen Hoheitsanspruch, der dem einer Herrscherdynastie ähnelt. Zumindest in Sindelfingen sieht man in der S-Klasse bis heute die Krone der Fahrzeugschöpfung.

Beim 450 SEL, der Topversion des Flaggschiffs, brachte Mercedes zum Beispiel erstmals eine Hydropneumatik serienmäßig zum Einsatz. Die Limousine glitt damit so geschmeidig über die Straßen, wie das vor ihm nur die Sänften von Citroën konnten. Zur Grundausstattung gehörten außerdem ein Tempomat, Wischblätter an den Scheinwerfern, Zentralverriegelung sowie elektrische Fensterheber. Letztere, monierte der "ams"-Tester, "arbeiten jedoch zu langsam". Seinem Artikel über den 450 6.9 gab er trotzdem die Überschrift "Weltbestleistung".

Was Qualität und Glamour angeht, kann man mit diesem Auto also nichts falsch machen. Aber wie steht es um die politische Korrektheit?

Die Zeiten, in denen Juan Carlos I. den Mercedes als Bourbonenlimousine nutzte, waren turbulent; durch einen Putschversuch wollten spanische Militärs wieder eine Unterdrückung wie zu Zeiten der Franco-Diktatur herbeiführen. Doch der Umsturz wurde vereitelt und der König zeigte sich als Unterstützer der Demokratisierung Spaniens. Seinen Wagen kann man also guten Gewissens übernehmen - auch wenn Juan Carlos I. zum Ende seiner Regentschaft noch ein paar Skandale anhäufte.

Zuschlag! Der Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 von Juan Carlos I. wird auf der Onlineplattform Catawiki versteigert, die Auktion endet am 10. September. Erwartet wird ein Erlös von rund 51.000 Euro. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser "Auction Hero"-Folge lag das Höchstgebot bei 20.000 Euro.

insgesamt 46 Beiträge
cat69 09.09.2017
1. Aus der Zeit ohne Grüne_Innen
als man noch klaglos akzeptierte, unser Leben und Lebensstil ist nicht eine einzige Last die durch die Welt geschleppt werden muss. Schöne Zeiten.
als man noch klaglos akzeptierte, unser Leben und Lebensstil ist nicht eine einzige Last die durch die Welt geschleppt werden muss. Schöne Zeiten.
Tharsonius 09.09.2017
2. Für mich
seit 20 jahren ungeschlagen das schönste Automobil.
seit 20 jahren ungeschlagen das schönste Automobil.
Hamberliner 09.09.2017
3. Autosammler Juan Carlos
Wenn man etwas googelt findet man sehr schnell heraus, dass er viele Autos hatte und hat. Dieses hier [...]
Wenn man etwas googelt findet man sehr schnell heraus, dass er viele Autos hatte und hat. Dieses hier (https://www.ecestaticos.com/imagestatic/clipping/5e3/0b6/5e30b60efb95a60b0131777d5120235a/imagen-sin-titulo.jpg?mtime=1476109166) ist z.B. kein Mercedes, und sein allererstes (http://www.autobild.es/sites/autobild.es/public/media/image/2016/02/510453-mini-don-juan-carlos-busca-dueno.jpg) ebensowenig. Warum trennt er sich nun vom Mercedes und behält die anderen, ist er damit nicht mehr zufrieden?
lafari 09.09.2017
4.
Hach, was für ein motor. Für die ewigkeit.
Hach, was für ein motor. Für die ewigkeit.
DieHappy 09.09.2017
5.
Genau die im Artikel erwähnten 200 kg mehr, hätten evtl. vor genau 40 Jahren beim 450SEL die deutsche Geschichte ein wenig anders geschrieben.
Genau die im Artikel erwähnten 200 kg mehr, hätten evtl. vor genau 40 Jahren beim 450SEL die deutsche Geschichte ein wenig anders geschrieben.
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