18.12.2010
Autofahren im Pazifikstaat Palau
Die Inseln der Gebrauchten
Von Stefan Robert WeißenbornDie Übermacht alten Blechs hat nichts mit mangelnder Logistik zu tun. Verschifft werden müssen die Autos in jedem Fall. Das Gesetzesvorhaben, Fahrzeuge nach US-Standard zur Pflicht zu machen, hatte vor allem deshalb keine Chance, weil es die Insulaner in ihrer automobilen Existenz bedroht hätte. "Man sollte die Gegebenheiten dem Markt anpassen und keine künstlichen Vorschriften erlassen." wettert Taxifahrer Leo: "Alles andere als die alten Japaner kann sich hier keiner leisten." Daran ändert auch das im Vergleich zu den restlichen pazifischen Inselstaaten vergleichsweise hohen Pro-Kopf-Einkommen nichts.
Im Telefonbuch des 10.000-Einwohner-Städtchens finden sich vier Teilehändler, vierzehn Werkstätten und acht Gebrauchtwagenhändler. Nur zwei davon verkaufen auch Neuwagen. Im Vergleich zu den USA sind die Preise gebrauchter Autos recht hoch, was auch an dem raren Angebot an fabrikfrischer Ware liegt.
Mit eremitierten Gefährten aus Japan, die ihrer Karriere im Inselparadies harren, handelt etwa "Magic Motors" oder "h.e. Automotive". Als neuestes Fahrzeug steht dort ein Mitsubishi Pajero von 1999 für 6500 US-Dollar auf dem Hof. Zweitjüngster Gebrauchter ist ein dreizehn Jahre alter Nissan R'nessa. "5600 Dollar", sagt der Verkäufer. "Dafür hat er eine fernbedienbare Zentralverriegelung."
Nur versichert, wenn das Lenkrad links sitze
Angesichts des vergreisten Bestandes wittert US-Autoverleiher National Morgenluft. Jüngst eröffnete eine Filiale in Koror, die längst nicht nur Touristen anlockt. "Knapp die Hälfte unserer Kunden sind Einheimische", sagt Mitarbeiter Lee Roth Wilhelm. "Sie genießen das Neue und den Luxus." Der Prospekt zeigt einen Hyundai Tucson und einen Nissan Altima, beide vom Modelljahr 2010 und Linkslenker. "Bald bekommen wir einen Ford Mustang", verspricht Wilhelm. Während die Neuen der sieben Fahrzeuge zählenden Flotte unterwegs sind, parkt neben der Filiale nur ein ungewaschener Toyota Corolla älteren Baujahrs.
Verwirrung stiftet das Rechts-Links-Thema auch bei der Auto-Versicherung. Während bei National immerhin eine Haftpflichtversicherung Standard ist, meint Leo: "Eigentlich gibt es keine Autoversicherung." Man könne zwar eine abschließen, doch die zahle nur, wenn das Lenkrad links sitze. Für die meisten Autofahrer wäre eine solche Police also sinnlos. Bei "Moalan's Insurance - home of the good guys", einer Assekuranz-Vertretung nebenan, heißt es dagegen: "Die Versicherung tritt selbstverständlich auch bei Rechtslenkern ein." Das Problem sei vielmehr, dass es in Palau keine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung gebe. Von einer Gurtpflicht ganz zu schweigen.
Die Hamburger sind fertig. Fürs Foto schnallen sich die beiden Polizisten noch eben schnell an. Als der Reporter aus Deutschland die Kamera weggepackt hat, klickt es erneut, und die Gurte baumeln wieder arbeitslos neben den Schultern. Dann rollt das "Police"-SUV davon. Immerhin können die Ordnungskräfte ihren Meilen-Tacho ganz normal benutzen. Für die meisten Palauer wird das zur Rechenaufgabe. Denn die Geschwindigkeitsmesser der alten Japaner zeigen Stundenkilometer an - die US-Verkehrsschilder dagegen Meilen.

