Lade Daten...
07.05.2012
Schrift:
-
+

Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason

"Wir brauchen das 1-Liter-Auto"

SPIEGEL ONLINE

Als Schlagzeuger von Pink Floyd wurde Nick Mason berühmt. Heute sammelt der Brite Oldtimer und nimmt damit an Rennen teil. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über das Auto, von dem er sich niemals trennen würde - und verrät, was seiner Meinung nach schiefgelaufen ist in der Automobilgeschichte.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Autos besitzen Sie?

Mason: So genau lässt sich das schwer sagen. Ungefähr 40.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie den Überblick verloren?

Mason: Einige sind gerade nicht fahrbereit. An diesen Autos wird gerade gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie sich von allen trennen müssten, bis auf eines, welches würden Sie behalten?

Mason: Ganz klar, ich würde den Ferrari 250 GTO behalten, ein wunderbares Rennauto und ein guter Allrounder. Na ja, und der Wagen lässt mich recht clever dastehen, schließlich ist er besonders wertvoll.

SPIEGEL ONLINE: Und was machen Sie mit dem Wagen?

Mason: Ich fahre damit Rennen. Im vergangenen Jahr war der GTO beim Goodwood Festival of Speed. Wir haben mit den Piloten Mark Hales und dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Martin Brundle den zweiten Platz belegt. Eine Woche später hat meine Frau an einer Rallye in Italien teilgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Angst, dass der Wagen beschädigt wird?

Mason: Bei einem Wettbewerb gibt es eigentlich immer kleine Schäden. Aber Rennautos sind dazu da, um damit Rennen zu fahren.

SPIEGEL ONLINE: Und mit welchem Wagen fahren Sie am liebsten im Rennen?

Mason: Mein liebstes Rennauto ist der Maserati T61 Birdcage. Der Wagen ist großartig ausbalanciert. Wenn man sein Baujahr bedenkt war er wirklich gut geeignet für Amateurrennfahrer. Der Birdcage verzeiht im Vergleich zu anderen Rennautos aus der Zeit viel mehr Fahrfehler.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Ihre Autoleidenschaft eigentlich begonnen?

Mason: Durch meinen Vater. Er hat Filme über Autorennen gedreht. Außerdem ist er selber gefahren und hat mich oft zu den Veranstaltungen mitgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Und da haben Sie Benzin gerochen.

Mason: Genau. Und Öl.

SPIEGEL ONLINE: Welches Auto war Ihr erstes?

Mason: Ein Austin 7 aus dem Jahr 1927. Den habe ich aber schon vor einigen Jahren verkauft.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mal in einem Interview erzählt, dass sich Roger Waters den Wagen ausleihen wollte und Sie ihm das Auto nicht gegeben haben. Fragt Roger noch immer, ob er sich ein Auto von Ihnen leihen kann?

Mason: Nein, jetzt hat er selber mehrere Wagen. Und besitzt sogar einen BMW M1, den er sich gekauft hat, als das Auto auf den Markt kam.

SPIEGEL ONLINE: Nach welchen Kriterien wählen Sie ein Auto aus?

Mason: Ich muss damit ein Rennen bestreiten können.

SPIEGEL ONLINE: Kommen für Sie auch moderne Autos in Frage?

Mason: Ja, durchaus. Ich habe zum Beispiel einen Lola aus den achtziger Jahren, mit dem ich an Rennen teilnehme. Außerdem habe ich einen Ferrari 599 GTO. Ich mag die Fahrzeuge dieser Ära, aber da ist nicht so viel Leidenschaft wie bei älteren Modellen.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit Rennwagen, die heute im Einsatz sind?

Mason: Die Autos von heute sind überaus kompliziert, das ist ein Problem. Ein modernes Formel-1-Auto etwa ist extrem schwierig zu fahren. Und du brauchst eine große Crew von bestimmt 20 Leuten, die sich um die Technik kümmern. Außerdem musst du wegen der hohen Kurvengeschwindigkeiten als Fahrer extrem fit sein. Das ist nichts für mich.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma Ten Tenth verleiht Oldtimer. Müssen Sie da auch Sonderwünsche erfüllen?

Mason: Für einen Spot für VW sollten aus dem Auspuff eines Rennwagens Flammen schießen. Dafür haben wir den Abgasstrang geöffnet und eine Anlage installiert, die kontrolliert Benzin einspritzen konnte. Das haben wir während der Fahrt entzündet und der Kunde war zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben viel über alte Autos gesprochen. In Zukunft dürften sich die Fahrzeuge jedoch deutlich unterscheiden. Was halten Sie davon?

Mason: Natürlich müssen wir unseren Planeten schützen. Deshalb sind effiziente Antriebe wichtiger als alle anderen Aspekte. Die alten und schönen Autos gibt es ja trotzdem noch. In London hast du mit modernen Autos ein Problem. Sie sind für viele Straßen einfach zu breit. Deshalb müssen die Hersteller kleinere Wagen bauen.

SPIEGEL ONLINE: Was denken Sie, wenn Sie die Preistafeln an der Tankstelle sehen?

Mason: Dass wir Autos brauchen, die 300 Meilen mit einer Gallone (0,94 Liter/100 km) Benzin auskommen. Sprit wird nicht billiger, deshalb brauchen wir vor allem effizientere Motoren.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von Elektroautos?

Mason: Es ist einfacher, sparsamere Verbrennungsmotoren zu entwickeln als leistungsstärkere Batterien zu bauen. Die Akkutechnik hat sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert. Da sind mir meine Oldtimer doch lieber.

Das Interview führte Roman Büttner

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
1. Das 1-Liter-Fahrzeug
Holzroller 07.05.2012
wird aber kein "Auto" sein, wie wir es kennen. Die chemische Energie von einem Liter Sprit reicht nicht aus, um mehr als eine Neuauflage des Messerschmidt Kabinenrollers voranzutreiben. Werden wir uns mit allen [...]
wird aber kein "Auto" sein, wie wir es kennen. Die chemische Energie von einem Liter Sprit reicht nicht aus, um mehr als eine Neuauflage des Messerschmidt Kabinenrollers voranzutreiben. Werden wir uns mit allen Nachteilen abfinden? Die Sitzposition wäre hintereinander, der Gewichtsersparnis fallen elektrische Helferlein, ein komfortables Fahrwerk und wirksame Geräuschdämmung zum Opfer. Die Fahrleistungen wären äußerst bescheiden. Und vor allem die passive Sicherheit wäre auf einem Niveau, das dem ADAC wohl keinen Stern im Crashtest wert wäre.
2. Akkutechnik
JaguarCat 07.05.2012
Zitat Mason: "Die Akkutechnik hat sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert." In diesen letzten 50 Jahren hat sich die Akkutechnik von 40 Wattstunden pro Kilogramm (Blei-Akku, NiCd-Akku) auf über 200 Wattstunden [...]
Zitat Mason: "Die Akkutechnik hat sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert." In diesen letzten 50 Jahren hat sich die Akkutechnik von 40 Wattstunden pro Kilogramm (Blei-Akku, NiCd-Akku) auf über 200 Wattstunden pro Kilogramm (LiIon) hochgearbeitet. 300 Wattstunden pro Kilogramm werden in den nächsten Jahren in die Serienproduktion gehen. Möglich wird diese Steigerung durch bessere Anodenmaterialen wie Zinn oder Silizium, die mehr Lithium aufnehmen können als die gängigen Kohlenstoff-Anoden. Und auch an der Kathode tut sich was: Prototypen von Lithium-Schwefel-Akkus erreichen 1000 Wattstunden pro Kilogramm. Klar ist heute unklar, ob diese die Serienreife erlangen werden und auch sicher genug sein werden. Wenn sie es tun, dann speichert künftig ein Li-S-Akku, der kaum schwerer ist, als die Starterbatterie eines herkömmlichen Autos, genug Strom für 100 Kilometer. Jag
3. Warum nicht?
dr.u. 07.05.2012
Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann [...]
Zitat von Holzrollerwird aber kein "Auto" sein, wie wir es kennen. Die chemische Energie von einem Liter Sprit reicht nicht aus, um mehr als eine Neuauflage des Messerschmidt Kabinenrollers voranzutreiben. Werden wir uns mit allen Nachteilen abfinden? Die Sitzposition wäre hintereinander, der Gewichtsersparnis fallen elektrische Helferlein, ein komfortables Fahrwerk und wirksame Geräuschdämmung zum Opfer. Die Fahrleistungen wären äußerst bescheiden. Und vor allem die passive Sicherheit wäre auf einem Niveau, das dem ADAC wohl keinen Stern im Crashtest wert wäre.
Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW 90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen. Schon vor 10 Jahren war das technisch möglich: Ein-Liter-Auto von VW (http://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Liter-Auto_von_VW#Konzeptstudie_Studie_1L_.282002.29) Forschung und Entwicklung sind seit damals nicht stehen geblieben. Es ist nur leider so, dass im Bereich Automobilität immer noch Größe, Leistung und max. Geschwindigkeit zu den Hauptauswahlparametern gehören; in letzter Zeit sogar wieder mit steigender Tendenz. Rein Rational wäre viel mehr (sprich: viel weniger Verbrauch) möglich. Aber leider/zum Glück ist der PKW Betrieb nicht nur eine Rationale Angelegenheit... Noch ein kleines Beispiel zum Schluß: Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft. Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.
4.
franko_potente 07.05.2012
Dafür brauchen wir aber kein Tempolimit. Allein die Technik limitiert doch dann die Vmax. Aber wer will, soll doch bitte weiter dürfen :-)
Zitat von dr.u.Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW 90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen. Schon vor 10 Jahren war das technisch möglich: Ein-Liter-Auto von VW (http://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Liter-Auto_von_VW#Konzeptstudie_Studie_1L_.282002.29) Forschung und Entwicklung sind seit damals nicht stehen geblieben. Es ist nur leider so, dass im Bereich Automobilität immer noch Größe, Leistung und max. Geschwindigkeit zu den Hauptauswahlparametern gehören; in letzter Zeit sogar wieder mit steigender Tendenz. Rein Rational wäre viel mehr (sprich: viel weniger Verbrauch) möglich. Aber leider/zum Glück ist der PKW Betrieb nicht nur eine Rationale Angelegenheit... Noch ein kleines Beispiel zum Schluß: Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft. Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.
Dafür brauchen wir aber kein Tempolimit. Allein die Technik limitiert doch dann die Vmax. Aber wer will, soll doch bitte weiter dürfen :-)
5.
Holzroller 07.05.2012
Effiziente Energienutzung geht aber immer mit mehr Gewicht z.B. für Speichertechnik einher. Für elektrische Rekuperation braucht es effiziente Generatoren, die groß und schwer sind. Man könnte soweit gehen wollen, auch die [...]
Zitat von dr.u.Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW 90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen. Schon vor 10 Jahren war das technisch möglich: Ein-Liter-Auto von VW (http://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Liter-Auto_von_VW#Konzeptstudie_Studie_1L_.282002.29) Forschung und Entwicklung sind seit damals nicht stehen geblieben. Es ist nur leider so, dass im Bereich Automobilität immer noch Größe, Leistung und max. Geschwindigkeit zu den Hauptauswahlparametern gehören; in letzter Zeit sogar wieder mit steigender Tendenz. Rein Rational wäre viel mehr (sprich: viel weniger Verbrauch) möglich. Aber leider/zum Glück ist der PKW Betrieb nicht nur eine Rationale Angelegenheit... Noch ein kleines Beispiel zum Schluß: Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft. Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.
Effiziente Energienutzung geht aber immer mit mehr Gewicht z.B. für Speichertechnik einher. Für elektrische Rekuperation braucht es effiziente Generatoren, die groß und schwer sind. Man könnte soweit gehen wollen, auch die Abwärme des Antriebs nutzbar zu machen. Aber ein Blockheizkraftwerk auf Rädern ist trotzdem kein sparsames Verkehrsmittel. Weiterhin ist das 1-Liter-Auto als 1-Personen-Auto doch keine ernsthafte Option, wenn ein vollausgestatteter Golf mit 5 Litern 5 Personen nebst Gepäck sicher und komfortabel befördern kann.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Zur Person

  • Getty Images
    Nick Mason, geboren 1944, wurde bekannt als Schlagzeuger der britischen Band Pink Floyd. Schon in seit seiner Kindheit war Mason an Autos interessiert, schließlich war sein Vater ein Rennfahrer, der den Jungen oft mit zu den Veranstaltungen nahm. Anfang der siebziger Jahre hatte Nick Mason damit begonnen, alte Rennwagen zu sammeln. Heute umfasst seine Kollektion 40 Wagen, darunter Legenden wie Ferrari 250 GTO, Bugatti T35B und McLaren F1 GTR.

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema Benzingespräch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten