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14.12.2012
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Geländewagen-Tuning

Neben der Spur

Von
Mareile Mack

In der Regel legen Tuning-Werkstätten Autos tiefer. Bei der Offroad Manufaktur ist es genau umgekehrt. Dort werden Autos wie Land Rover, G-Modell oder Land Cruiser höhergelegt und fit für die Wildnis gemacht. Danach kostet der Wagen oft doppelt so viel wie vorher - doch die Kunden stört das nicht.

"Schlichte Fichte", sagt Florian Raasch, einer von zwei Geschäftsführern der Hamburger Offroad Manufaktur. Es ist seine Charakterisierung des Land Rover Defender: Seit mehr als 60 Jahren verzichtet der Hersteller der britischen Gelände-Ikone auf technischen Schnick-Schnack und setzt seit jeher auf einheitliches und vor allem schnörkelloses Design. Wenn Raasch über den Land Rover spricht, redet er sich in einen Rausch, spricht schneller und fuchtelt mit seinen Händen herum.

Wohl jeder, der sich mit ihm über sein Thema unterhält, spürt sofort die Leidenschaft, die diesen Mann mit diesem Auto verbindet. "Der Defender ist kein besonders gutes Auto - drinnen ist es laut und unbequem, man kann kaum schneller als 140 km/h fahren, und einen Elchtest würde die Karre niemals bestehen. Aber das Auto hat einfach Charakter."

Raasch muss es wissen. Der 35-Jährige ist Meister der Kfz-Mechanik und hat bei Land Rover sein Handwerk gelernt. Dort hat er auch seinen Geschäftspartner Michael Schäfers kennengelernt. Irgendwann war beiden klar: "Das können wir besser." So entstand die Idee zur Offroad Manufaktur, die die Hamburger Wirtschaftsbehörde mit einem Kleinkredit unterstützte.

Um ihren Laden bekannt zu machen, zogen sie durch die Straßen der Hansestadt und hefteten Flyer an die Windschutzscheiben aller Land Rover, die ihnen begegneten. Der Einsatz hat sich offenbar gelohnt. Michael Schäfers: "Nach einem Jahr hatten wir in der Hamburger Szene einen Namen, nach weiteren zwei Jahren waren wir in ganz Deutschland bekannt."

In ihrer Werkstatt bauen die beiden jetzt mit ihrem insgesamt 13-köpfigen Team Geländewagen nach Kundenwünschen um. Dabei beschränkt sich die Offroad Manufaktur nicht nur auf den britischen Klassiker, sondern die Mechaniker legen auch Hand an die Mercedes G-Klasse und Toyota Land Cruiser. Nach Ansicht der Hamburger sind diese drei Typen die einzigen echten Geländewagen. Aber auch ein SUV wie den BMW X5 würde nicht vom Hof gejagt - allerdings sieht man solche Modelle so gut wie nie auf dem Firmengelände.

Die Angst vor dem Wasser

Die Kernkundschaft sind Fahrer des Defenders. Fünf Autos des Modells sowie ein Toyota Land Cruiser stehen auf dem kleinen Parkplatz der Offroad Manufaktur. Von dort geht es in den Werkstattbereich. Beim Öffnen der Tür schlägt einem warme Luft mit dem typischen Ölgeruch entgegen. Überall liegen Werkzeuge und Ersatzteile herum.

Schlichte Reparaturen machen die beiden auch, aber die schönsten Aufträge sind Individualisierungsarbeiten. Zu den regelmäßigen Kunden gehören etwa Gartenbaufirmen, Landschaftvermesser und Jäger. Bei ihnen stehen neue Fahrwerke mit erhöhter Bodenfreiheit hoch im Kurs.

Die Techniker nieten auch Riffelbleche auf die Motorhaube, damit man diese begehen kann, um leichter etwa an den Dachgepäckträger zu kommen, sie installieren Geräte und möbeln den Innenraum auf. Schränke, Betten, Kochnischen oder Waschbecken - alles nur eine Frage des Geldes.

Kostenpunkt: 60.000 Euro - ohne Auto

Doch es gibt auch Defender-Fahrer, die weniger Wert auf Wildnistauglichkeit legen. Sie lassen die Sitze mit feinem Leder beziehen, ein Multimediasystem oder ein Automatikgetriebe einbauen. Doch für Schaltfaule wird der Spaß teuer: 12.500 Euro kostet das neue Räderwerk.

Billig sind die Arbeiten grundsätzlich nicht. Raasch und Schäfers zeigen zufrieden einen frisch modellierten Defender - eine Mischung aus Geländewühler und Luxuskarosse. Überall sind feine Details zu sehen: Leitern mit Edelstahltritten, Sandbleche, an den Fahrzeugflanken versteckte Staufächer und ein kommod eingerichteter Innenraum. Nach dem Preis der Veredelung gefragt, antwortet Raasch etwas kleinlaut: "Naja, so 60.000 bis 70.000 Euro kostet das schon - ohne das Fahrzeug." Immerhin hat der Komplettumbau rund zwei Wochen gedauert.

Doch warum investieren Menschen so viel Geld in ein lautes, langsames Auto, in dem es nicht mal richtig warm wird? "Du wirst auf der ganzen Welt keine zwei Land Rover Defender finden, die gleich aussehen", sagt Michael Schäfers. Außerdem seien viele Geländegänger selbst so eine Art Dokumentation. "Viele Autos sind verschrammt und haben Macken an der Karosserie. Die erste Beule tut vielleicht noch weh, aber irgendwann gehören die Dellen einfach dazu, jede erzählt eine Geschichte."

Forum

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insgesamt 23 Beiträge
1. 1964...
j.w.pepper 14.12.2012
...gab es noch keinen "Defender", und auch bei Daktari konnte sich niemand für ein solches Auto begeistern. Das Ding hieß bis 1990 schlicht und einfach "Land Rover", woran auch das Erscheinen des Range Rover [...]
...gab es noch keinen "Defender", und auch bei Daktari konnte sich niemand für ein solches Auto begeistern. Das Ding hieß bis 1990 schlicht und einfach "Land Rover", woran auch das Erscheinen des Range Rover nichts geändert hatte. Erst als das Zweitmodell "Discovery" mit Land Rover als Dachmarke auf den Markt kommen sollte, wurde die Marke "Defender" erfunden.
2. Da lob
signaturen 14.12.2012
ich mir doch meinen UAZ. Technisch auf dem Stand von 1940 und zur Not während der Fahrt reparierbar. Und 76 Oktan reichen auch.. Ach ja, im Gelände jedem Landi ebenbürtig. Wer braucht Schickimicki in einem Geländewagen?
ich mir doch meinen UAZ. Technisch auf dem Stand von 1940 und zur Not während der Fahrt reparierbar. Und 76 Oktan reichen auch.. Ach ja, im Gelände jedem Landi ebenbürtig. Wer braucht Schickimicki in einem Geländewagen?
3. In Hamburg werden die Dinger doch auch nur....
zensorsliebling 14.12.2012
zum Vorfahren im Eiscafe benutzt. Da sind sie dann noch nutzloser als jeer SUFF.
zum Vorfahren im Eiscafe benutzt. Da sind sie dann noch nutzloser als jeer SUFF.
4. Im Eiscafe?
the_rover 14.12.2012
Gibt es in HH Eiscafes, die sooo groß sind, dass echte Land Rover hineinpassen ? :-))
Zitat von zensorslieblingzum Vorfahren im Eiscafe benutzt. Da sind sie dann noch nutzloser als jeer SUFF.
Gibt es in HH Eiscafes, die sooo groß sind, dass echte Land Rover hineinpassen ? :-))
5. Informationsfrei
leierbündchen 14.12.2012
Zitat von sysopIn der Regel legen Tuning-Werkstätten Autos tiefer. Bei der Offroad-Manufaktur ist es genau umgekehrt. Dort werden Autos wie Land Rover, G-Modell oder Lancruiser höhergelegt und fit für die Wildnis gemacht. Danach kostet der Wagen oft doppelt so viel wie vorher - doch die Kunden stört das nicht. Geländewagen: Die Offroad Manufaktur baut Defender, G-Klasse um - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/gelaendewagen-die-offroad-manufaktur-baut-defender-g-klasse-um-a-869466.html)

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