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03.01.2013
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Picture Car Warehouse

Hier werden Hollywoods Autoträume wahr

Aus Los Angeles berichtet
Tom Grünweg

Ob Katastrophenfilm oder Fünfziger-Jahre-Serie: Wenn Hollywood automobile Requisiten benötigt, hilft das Picture Car Warehouse. Rund 800 Autos aller Jahrzehnte hat die ganz besondere Vermietung in Northridge auf Lager. Was es nicht gibt, wird gebaut - oft binnen weniger Stunden.

Einen Autoverleih findet man in den USA an beinahe jeder Straßenecke. Doch einen Laden wie den am Reseda Boulevard in Northridge nahe Hollywood gibt es selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kein zweites Mal. Inhaber ist der ehemalige Stuntfahrer Ted Moser; ins Geschäft kommt man hier mit Phil Fiori, dem Manager. Vermietet wird praktisch alles, was Räder hat und auf die Straße darf.

Die Kunden seines Picture Car Warehouse sind Hollywood-Produzenten jeder Couleur. Ob eine Flotte Krankenwagen, ein Dutzend coole Muscle-Cars, Oldtimer aus der Zeit der großen Depression oder futuristische Gleiter für Science-Fiction-Abenteuer - wird ein Auto für einen Werbespot, eine TV-Sendung, ein Musikvideo oder eine Kinoproduktion gebraucht, hier steht es ziemlich sicher schon bereit. Und sollte es nicht vorhanden sein, wird es beschafft - oder gebaut.

Gegründet wurde das Picture Car Warehouse, nachdem Moser für die zweite Folge des benzingetränkten Blockbusters "The Fast and the Furious" vor zehn Jahren so viele Autos auf einmal beschaffte, dass die Idee für die Anschlussverwendung auf der Hand lag. "Solange die Autos in meiner Garage stehen, kosten sie Geld, sobald sie auf der Leinwand zu sehen sind, bringen sie Geld ein", fasst Moser die Geschäftsidee zusammen. Längst brummt der Laden, und Mosers Manager Fiori hält die Drehzahl hoch.

Nachtschicht für die Auto-Flicker

Aus anfangs rund drei Dutzend getunten Sportwagen wurde bis heute eine Flotte von rund 800 Fahrzeugen, die inzwischen vier Lagerhallen im Norden von Los Angeles füllen. Die billigsten vermietet das Picture Car Warehouse für 250 Dollar pro Tag, im Schnitt rechnet Fiori aber zwischen 3000 und 5000 Dollar ab, und manchmal sind die Summen noch deutlich höher. Bei aufwendigen Produktionen mit großen Flotten und vielen Drehtagen bleiben nach seiner Auskunft schon mal ein paar hunderttausend Dollar bei der Wagenmeisterei hängen. "Bei '2 Fast 2 Furious' waren es sogar sieben Millionen Dollar", sagt Fiori stolz.

Ein beträchtlicher Teil der Summe sind sozusagen Reparationszahlungen, denn viele Modelle kommen nur noch in Einzelteilen vom Einsatz am Set zurück. Sie sind von Kugeln zersiebt, nach einem Sturz von der Klippe komplett zerbeult oder arg ramponiert, weil sie vor der Kamera von der Straße gerammt wurden, explodierten oder in Flammen aufgingen - manche sogar mehrmals.

Erst kürzlich musste das Mechanikerteam kurzfristig einen Jaguar E-Type zusammenflicken, weil dem Regisseur der Stunt mit dem fliegenden Auto beim ersten Take nicht gefiel. Fiori: "Bis die Szene im Kasten war, haben wir das Auto dreimal neu gebaut - und das jeweils in nur einer Nacht."

Auch Wracks werden gebraucht - für Katastrophenfilme

Damit dieser teure Service nicht zu oft in Anspruch genommen werden muss, bestellen die Produktionsgesellschaften von den wichtigen Autos eines Films meist gleich mehrere Exemplare. "Für manche Produktionen bauen wir ein und dasselbe Auto fünfmal", sagt Fiori. Die sehen äußerlich zwar aus wie geklont, sind aber technisch oft grundverschieden. "Wir optimieren einzelne Exemplar für Crashszenen oder Verfolgungsjagden oder bauen spezielle Stunttechnik ein." Nur ein Auto bleibt jungfräulich. "Das ist das sogenannte Hero-Car, mit dem alle Details und Innenaufnahmen gefilmt werden."

Natürlich bekommt Fiori seine Autos lieber am Stück zurück. Doch selbst mit dem Schrott kann er noch etwas anfangen. "Hier wird nichts weggeworfen ", sagt der Manager und zeigt auf ein paar ausgebrannte Blechklumpen hinten im Hof. "Warum soll man für einen Katastrophenfilm oder eine Massenkarambolage erst mühsam Gebrauchtwagen zerlegen? Wir haben auch die Wracks schon auf Lager."

Zwar hat das Picture Car Warehouse ein Inventar von 800 Autos und Zugriff auf zehnmal so viele Fahrzeuge von privaten Sammlern, die über Nacht nach Hollywood geholt werden können. Doch natürlich suchen die Filmemacher meist exakt das Auto, das gerade nicht greifbar ist. "Was wir nicht liefern können, bauen wir einfach nach", sagt Fiori. Der blaue Ford Crown Victoria auf dem Hof zum Beispiel war in der vergangenen Woche noch ein New Yorker Taxi in gelb und fährt nächste Woche als kalifornischer Streifenwagen durch San Francisco, ehe er einen Monat später vielleicht als Gangsterkutsche in Flammen aufgeht.

Wie kommt die Laserkanone in einen 49er Cadillac?

Vom Taxi zum Streifenwagen - so was machen die knapp 40 Spezialisten beim Picture Car Warehouse über Nacht. Nicht umsonst gibt es am Stammsitz in Northridge drei Lackierkabinen, zwei Dutzend Hebebühnen sowie mehrere Hallen, in denen Blaulichter, Taxischilder und allein zwei Schränke voller Kfz-Kennzeichen lagern. "Ein Griff ins Regal und ein paar Liter Lack, schon ist wieder ein Regisseur glücklich," sagt Fiori.

Manchmal sitzen die Spezialisten der Studios, die Stuntkoordinatoren und die Experten des Warehouse aber auch tagelang über Scripts und Skizzen und grübeln, wie man Autos fliegen, auf dem Dach gleiten oder mit Vollgas rückwärts fahren lassen kann; wie Laserkanonen in einen 49er Cadillac passen, wie hip ein Hippie-Mobil sein darf oder wie sich ein 40 Jahre alter Unimog in wenigen hundert Metern auf Tempo 150 beschleunigen lässt. Solche Umbauten dauern dann ein bisschen länger. Fiori: "Was sich die Jungs auch ausdenken, bislang haben wir noch alles hinbekommen."

Wer mit dem Manager über den Hof spaziert, sieht Autos aller Baujahre. Der Fuhrpark reicht vom Smart bis zum Dodge Charger, man entdeckt den gelben VW Bus aus "Little Miss Sunshine", einen Pontiac Trans Am wie ihn Knight Rider fuhr, alte Pick-ups mit runden Hauben und jede Menge Checker's. "Derzeit sind Autos aus den sechziger und siebziger Jahren besonders gefragt", berichtet Fiori, "die werden langsam knapp." Zumal für Filmproduktionen häufig ganze Flotten gebraucht werden. "Hundert Autos pro Film sind keine Seltenheit. Die Straßen müssen ja zeitgemäß gefüllt werden."

Ins Kino geht der Herr der Filmfahrzeuge übrigens schon länger nicht mehr. "Wo andere entspannen und abschalten, zerpflücke ich jede Szene und mach' mir Gedanken über die Autos. Da macht Kino keinen Spaß mehr."

Forum

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insgesamt 2 Beiträge
1.
plasmopompas 03.01.2013
Da würde ich ja gerne mal ein paar Stunden stöbern!
Zitat von sysopOb Katastrophenfilm oder Fünfziger-Jahre-Serie: Wenn Hollywood automobile Requisiten benötigt, hilft das Picture Car Warehouse. Rund 800 Autos aller Jahrzehnte hat die ganz besondere Vermietung in Northridge auf Lager. Was es nicht gibt, wird gebaut - oft binnen weniger Stunden. Besuch beim größten Auto-Filmausstatter von Hollywood - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/besuch-beim-groessten-auto-filmausstatter-von-hollywood-a-870689.html)
Da würde ich ja gerne mal ein paar Stunden stöbern!
2. haben
derhinrichs 03.01.2013
die noch ne stelle frei?
die noch ne stelle frei?

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