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15.12.2012
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Mit dem Elektroauto in Dubai

Erst aufladen, dann auffallen

Von Joachim Mehrlein
Joachim Mehrlein

Autofahren in Dubai ist vor allem eine Show. Mit exklusiven Sportwagen und edlen Luxuskarossen buhlen viele Emiratis um die Aufmerksamkeit der Passanten. Doch der heimliche Star auf Dubais Straßen ist ein deutscher Anwalt - mit einem Elektroauto.

In kaum einer Stadt wird der Reichtum so zur Schau gestellt wie in Dubai. In der Golfmetropole ist Geld geil, und sollte man dies für einen klitzekleinen Moment vergessen haben, muss man sich nur auf die Straße begeben. Dort reihen sich die teuersten Karossen aneinander, und seitdem auf die Stadt nach überstandener Finanzkrise wieder mächtig Andrang ist, tun sie dies oft im Schritttempo.

Auf der Sheikh Zayed Road, der Hauptarterie des wilden Verkehrsnetzes der Stadt, stehen die Luxusautos in Massen im Stau. Obwohl die Motoren von Maseratis, Lamborghinis und Porsches im Stop-and-go der Stoßzeit unterbeschäftigt bleiben, trösten sich deren Eigentümer damit, dass dies eine der besten Möglichkeiten ist, mit ihrem Auto anzugeben.

Allerdings kann man zwischen den glitzernden Glasfassaden der Hochhäuser, welche die zehnspurige Autobahn wie eine Schlucht umgeben, auch anders auf sich aufmerksam machen.

Wenn Michael Krämer sich auf den Weg ins Büro macht, kann er sich sicher sein, dass er einige Kinnladen zum Fallen bringen wird. In einer Region, in der der Durst des Ottomotors nicht nur mit äußerst billigem Benzin gestillt wird, sondern auch für die vielen Billionen verantwortlich ist, die als Ölgelder in die Staatskassen fließen, hat sich der deutsche Anwalt für ein Elektroauto entschieden.

Stromer auf der Straßenbühne

Damit steht er in Dubai ziemlich alleine da. Zwar sind schon eine Handvoll der batteriebetriebenen Wagen in der Stadt verkauft worden, doch schmoren diese mit Ausnahme der Krämerschen Autos zumeist in der Garage.

Und so zwängt sich der hochgewachsene Krämer morgens als Einziger in sein Elektroauto, ein italienischer Tazzari Zero, der mit einem Ferrari wenig gemeinsam hat. Trotzdem ist für ihn die Hauptstraße Dubais genauso eine Bühne wie für die Fahrer der teuren Sportschlitten.

"Jeder der neben dem Zero mit seinem Ferrari aufzutrumpfen versucht, hat keine Chance," schmunzelt Krämer. Ob auf der Sheikh Zayed Road oder in den Tiefgaragen einer der riesigen Einkaufszentren der Konsumstadt, alle Augen ruhen auf seinem kleinen, grünen Elektroauto. In Hotels, an deren Eingängen die protzigsten Autos stets zur Schau gestellt werden, reißen sich die Angestellten darum, sein Auto einparken zu dürfen.

Der Reiz des Unbekannten führt mitunter zur Situationskomik. Eines Tages wartete Krämer vergebens vor einem Hotel auf sein Auto. Als er schließlich selber danach suchen ging, fand er es von ratlosen Hotelmitarbeitern umringt, die nach dem Anschalten vergebens nach dem Motorengeräusch des lautlosen Elektroautos horchten.

Lukratives Kaufangebot

Die reichen Einheimischen Dubais reagieren oftmals in der ihnen gewohnten Manier - dem Kaufreflex. Krämer musste schon mehrere Angebote ausschlagen: "Die hätten mir das Doppelte des Kaufpreises gezahlt", sagt er.

Die kauflustigen Emiratis - wie die Bürger der Vereinigten Arabischen Emirate genannt werden - könnten allerdings auch leicht einen falschen Eindruck bekommen über die Fähigkeiten des Zeros. In den überfüllten Straßen kommen die vielen Pferdestärken der Luxusautos oft nicht zur Geltung, und Krämer überholt in der Rushhour regelmäßig Sportwagen, die ihm auf offener Straße im Nu von der Strecke blasen würden.

Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h kann der Zero im Stadtverkehr aber locker mithalten. Weit weniger praktisch ist da schon der Mangel einer Klimaanlage - in einem Land, wo das Thermometer im Sommer oft über 50 Grad anzeigt. In den heißesten Monaten verschwindet das Elektroauto deswegen auch in der Garage. Längere Strecken, wie die Fahrt ins gut 120 Kilometer entfernte Abu Dhabi, machen die Batterien nicht mit.

Die Aufmerksamkeit, die Krämers Auto auf sich zieht, begründet sich im Seltenheitswert, denn Umweltbewusstsein ist im Wüstenstaat kaum vorhanden. Autos sind in der konservativen Gesellschaft nach wie vor eines der wenigen Mittel, Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Potential für Elektroautos

Eventuell könnte sich die Zahl der auf den Straßen herumfahrenden Elektroautos demnächst aber vervielfachen. Krämer schwärmt seit einiger Zeit vom Fisker Karma, einem neuen Hybridauto, das dem schneidigsten Luxusrenner Konkurrenz macht. Der Wagen wird demnächst in den VAE in den Handel gebracht, und die ersten Bestellungen sind schon eingegangen. Der Deutsche geht davon aus, dass sich noch einige Abnehmer finden werden.

Mit grünem Denken hat das Ganze allerdings wenig zu tun. Die VAE sind nach dem Nachbarland Katar pro Kopf der größte Produzent von CO2-Emissionen, und dies, obwohl ein Großteil der Bevölkerung aus armen Gastarbeitern besteht.

Zwar gibt es sowohl in Dubai als auch Abu Dhabi erste Bemühungen, durch effizientere Bauweisen Energie zu sparen und einen kleinen Anteil des Elektrizitätskonsums durch Solaranlagen zu decken. Doch von einem wahren Wandel ist das Land noch weit entfernt, und die verwöhnten Emiratis werden vom Staat selten zum Verzicht aufgefordert. Nach dem Arabischen Frühling, der die morbiden Regime in Ägypten, Libyen und Tunesien wegfegte, sind die autokratischen Scheichs unwilliger denn je, den Unmut des Volkes zu riskieren.

Trotzdem ist Krämer optimistisch, seinen Enthusiasmus für erneuerbare Energien bald auch auf der Straße ausleben zu können. Denn in Dubai tüftelt die Regierung gerade an einem Einspeisetarif für alternative Energien, so dass Pläne für einen riesigen Solarpark außerhalb der Stadt Realität werden können.

Die neuen Regularien würden es dem Anwalt ermöglichen, eine Genehmigung für eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach zu erhalten. Dann würde sein persönlicher Traum in Erfüllung gehen: das grüne Elektroauto auch mit grünem Strom zu speisen. In einer Region, in dem Öl traditionell als das Lebensblut des Fortschritts gilt, gleicht dies einer kleinen Revolution.

Forum

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insgesamt 27 Beiträge
1. sorry,
sir.viver 15.12.2012
aber ein E-Auto in Dubai ist Schachsinn....
aber ein E-Auto in Dubai ist Schachsinn....
2.
carlo02 15.12.2012
Elektroautos haben keine Zukunft, wenn die Batterieleistung nich auf mindestens 400 km erhöht wird.
Elektroautos haben keine Zukunft, wenn die Batterieleistung nich auf mindestens 400 km erhöht wird.
3. optional
carlo02 15.12.2012
Es heißt "vervielfachen" und nicht "verfielfachen".
Es heißt "vervielfachen" und nicht "verfielfachen".
4. E-Auto in Dubai...Find ich gut..
ericcs 15.12.2012
Einige Elektroautos haben schon längst die Reichweite von 400km und mehr..Ich sage nur Tesla S, Opel Ampera, Volt, Fisker, ..leider haben die meisten Leute keine Ahnung vom Thema Elektroauto...Einfach mal eins fahren und danach [...]
Einige Elektroautos haben schon längst die Reichweite von 400km und mehr..Ich sage nur Tesla S, Opel Ampera, Volt, Fisker, ..leider haben die meisten Leute keine Ahnung vom Thema Elektroauto...Einfach mal eins fahren und danach sich ne Meinung bilden...
5. Argumente?
DerMarktschreier 15.12.2012
Aus dem Artikel geht hervor, dass (wie in den meisten Großstädten so auch) in Dubai die Straßen meist überfüllt sind. Und für kurze Strecken in der Stadt sind Elektroautos hervorragend geeignet! Die meisten Menschen fahren [...]
Zitat von sir.viveraber ein E-Auto in Dubai ist Schachsinn....
Aus dem Artikel geht hervor, dass (wie in den meisten Großstädten so auch) in Dubai die Straßen meist überfüllt sind. Und für kurze Strecken in der Stadt sind Elektroautos hervorragend geeignet! Die meisten Menschen fahren täglich deutlich weniger als 100 km, und wenn sie mal größere Strecken zurück legen müssen, können sie sich auch ein Langstreckenauto mieten. Übrigens, @carlo02, mit dem neuen Tesla-Modell besteht die Möglichkeit, mehr als 400km zu fahren. Und die Technik wird sich nach und nach auch in günstigeren Autos wiederfinden.

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Welche Typen von Elektroautos gibt es?

Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera

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