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03.01.2013
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Hacker-Attacken auf Autos

Abstürzende Neuwagen

Von Heiko Haupt
BMW

Das vernetzte Fahrzeug ist ein Mega-Trend. Die Verknüpfung von Autos mit dem Internet verspricht mehr Bedienkomfort. Doch die neue Technologie birgt Risiken: Eingriffe von außen sind möglich - auch in die Steuerelektronik.

Mehr als Fahren musste ein Auto in der Vergangenheit nicht können. Damit ist längst Schluss: War das Auto einst ein in sich geschlossenes System, wird es immer mehr zu einer Kommunikationszentrale ausgebaut. Das Fahrzeug der nahen Zukunft soll dauerhaft mit dem Internet verbunden sein. Über integrierte Infotainmentsysteme sind schon seit längerem Smartphone-Apps während der Fahrt zugänglich, und im Dienste der Unfall- und Stauvermeidung sollen Autos untereinander vernetzt werden.

Was die Hersteller planen oder schon anbieten, stößt jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die neue Kommunikationsfähigkeit des Automobils birgt Risiken.

Ferngesteuerte Vollbremsung

Die Szenarien, die Kritiker in diesem Zusammenhang ausmalen, wirken noch wie Zukunftsmusik, sind jedoch bei weitem nicht so unwahrscheinlich, wie sie sich zunächst anhören. Ein Beispiel ist der feindliche Eingriff in die Fahrassistenzsysteme - so dass im Extremfall der Abstandswarner bei Tempo 200 eine ungewollte Vollbremsung auslöst. Oder dass sich Autodiebe so weit Zugang zu den Systemen verschaffen, dass sie ein Auto quasi ferngesteuert entwenden können.

Wie findig Kriminelle mittlerweile im Umgang mit neuen Techniken sind, hat gerade das Thema Fahrzeugdiebstahl in den vergangenen Jahren gezeigt. So sanken ab Mitte der neunziger Jahre die Diebstahlraten rasant, da elektronische Wegfahrsperren zunächst als unüberwindbar galten. Im Jahr 2009 kehrte der Trend sich um. In der Zwischenzeit hatten die Autodiebe nämlich das Brecheisen beiseite gelegt und sich zu Elektronikspezialisten entwickelt. Nun ist es fast schon ein alter Hut, dass fernbediente Zentralverriegelungen mit elektronischen Signalen überlistet oder schlüssellose Zugangssysteme ausgetrickst werden.

Eingriff in alle Systeme

Kriminaltechniker Manfred Göth ist Spezialist für das Thema Autodiebstahl. Er kennt die üblichen Tricks der Diebe - und findet geknackte Zündschlösser noch vergleichsweise harmlos: Göth berichtet etwa von Versuchen in den USA, die zeigten, wie Außenstehende sich über das Infotainmentsystem ins Auto einhackten und schließlich sogar die Brems- und Spurhalteassistenten des Fahrzeugs im Griff hatten.

"Man konnte in alles eingreifen", fasst Göth zusammen. Problematisch sind seiner Meinung nach jedoch nicht nur wirklich erfolgte Eingriffe, sondern allein die Tatsache, dass sie möglich sind. "Dann könnte bei einem Unfall jemand sagen, dass er nicht die Schuld hat, sondern dass die Bremsen elektronisch manipuliert wurden." Das Gegenteil müsse dann erstmal nachgewiesen werden.

Android als neue Gefahr

Eine andere mögliche Gefahr liegt in den Plänen der Autohersteller, das Smartphone mit dem Infotainmentsystem des Fahrzeugs enger zu verknüpfen. Zum Beispiel sollen künftig Anlagen in vielen Autos auf dem Smartphone-Betriebssystem Android aufbauen. Antiviren-Spezialist Kaspersky warnte in diesem Zusammenhang bereits vor sogenannten Querinfektionen, sollten Auto und Smartphone das gleiche Betriebssystem nutzen.

Denn ist das Handy von einem Virus befallen, besteht die Gefahr nicht ausschließlich darin, dass dieser gezielt das Auto manipuliert. Stattdessen könnte es schon fatale Folgen haben, wenn die schädliche Software die Autoelektronik ausspioniert und dabei Störungen der Fahrassistenzsysteme verursacht.

Continental gehört zu den Automobilzulieferern, die an einem solchen Infotainmentsystem auf Basis von Android arbeiten. Als Vorteil dieser Lösung wird aufgeführt, dass sich das System nachträglich jederzeit mit neuen Apps und Diensten erweitern lässt. Gleichzeitig entstehen dadurch genau jene Gefahren, vor denen Kritiker warnen.

Kein Zurück

Bei Continental glaubt man, die Probleme im Griff zu haben. Laut Unternehmenssprecher Enno Pflug kümmern sich IT-Sicherheitsexperten darum, dass Risiken ausgeschlossen werden können. Außerdem betrachtet er die böswilligen Manipulationen als theoretische Gefahren, da der Zugriff auf fahrrelevante Elektronikbausteine nicht so leicht möglich sei.

Wer sich von solchen Beteuerungen nicht überzeugen lässt, dem bleibt in Zukunft wohl nur eins übrig: der vollständige Verzicht auf Assistenz- und webbasierte Infotainmentsysteme. Das könnte nach Ansicht von Enno Pflug aber immer schwieriger werden. Denn eine Abkehr vom jetzigen Trend hält er für ausgeschlossen: "In zehn Jahren kommt kein Auto mehr ohne Vernetzung auf die Straße."

Forum

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insgesamt 164 Beiträge
1. Sicherheit mit Internet ?
level 03.01.2013
Zitat: "Die Verknüpfung von Autos mit dem Internet verspricht mehr Sicherheit und Bedienkomfort" Zitat Ende – ich glaube, es hackt! Wer von Sicherheit im Internet träumt, gehört in eine Gummizelle.
Zitat: "Die Verknüpfung von Autos mit dem Internet verspricht mehr Sicherheit und Bedienkomfort" Zitat Ende – ich glaube, es hackt! Wer von Sicherheit im Internet träumt, gehört in eine Gummizelle.
2. In zehn Jahren
willi2007 03.01.2013
wird sich sowieso die Mehrheit der Menschen kein Auto mehr leisten können oder für das Autofahren zu alt und gebrechlich sein. Der Arbeitsmarkt mit seinen prekären Arbeitsverhältnissen, Millionen von Hartz IV - Beziehern und [...]
wird sich sowieso die Mehrheit der Menschen kein Auto mehr leisten können oder für das Autofahren zu alt und gebrechlich sein. Der Arbeitsmarkt mit seinen prekären Arbeitsverhältnissen, Millionen von Hartz IV - Beziehern und Bezieher kläglicher Renten werden ihr gesamtes Geld dafür aufwenden müssen, den Strom zu bezahlen. Damit sie wenigstens sich noch im Fernsehen anschauen können, wie die Welt einige Kilometer außerhalb der eigenen Wohnung denn so aussieht. Denn auch eine Fahrkarte für ÖPNV werden sich diese Menschen nicht mehr leisten können. Deswegen können sich die Autoingenieure ihren elektronischen Quatsch dahin schieben, wo sie hingehört. Sie sollten ihre geistigen Kapazitäten besser besser zu signifikanten Reduzierung des Treibstoffverbrauchs einsetzen. Hier gibt es noch genug zu tun.
3. Heilix Blechle,
alotusian 03.01.2013
ne Vollbremsung bei 200 ist gefaehrlich, aber die Mehrzahl heutiger Autos, die locker schneller sind, sind das nicht? Go get a thought and learn to drive.
ne Vollbremsung bei 200 ist gefaehrlich, aber die Mehrzahl heutiger Autos, die locker schneller sind, sind das nicht? Go get a thought and learn to drive.
4. aber! Die Werkstätten
Luna-lucia 03.01.2013
werde sich freuen! Ihre "Meister" können endlich Fehler selbst in die Autos einspielen, und so zu kräftigen Gewinnen kommen. Nichts ist unmöglich! Den alles Tatsächlich IST möglich!
Zitat von sysopBMWDas vernetzte Fahrzeug ist ein Mega-Trend. Die Verknüpfung von Autos mit dem Internet verspricht mehr Sicherheit und Bedienkomfort. Die neue Technologie birgt zugleich Risiken: Eingriffe von außen sind möglich - auch in die Steuerelektronik. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/viren-und-hacker-gefahr-fuer-das-auto-a-872453.html
werde sich freuen! Ihre "Meister" können endlich Fehler selbst in die Autos einspielen, und so zu kräftigen Gewinnen kommen. Nichts ist unmöglich! Den alles Tatsächlich IST möglich!
5. Megatrend
sansiro222 03.01.2013
soll nun wieder das vernetzte Fahrzeug sein? Für welche Spinner denn? Erst vor kurzem sprachen sich in einem Spon-Blogg die weitaus meisten der zahlreichen Foristen für ein einfaches, bezahlbares Auto aus, ohne diesen [...]
soll nun wieder das vernetzte Fahrzeug sein? Für welche Spinner denn? Erst vor kurzem sprachen sich in einem Spon-Blogg die weitaus meisten der zahlreichen Foristen für ein einfaches, bezahlbares Auto aus, ohne diesen elektronischen Komplizismus, der sie an die Nadel teurer Reparaturwerkstätten bringt, sobald auch nur eine Glühbirne ausgewechselt werden muss. Das ist der Megatrend. Die Wunschtrends irgendwelcher Wirtschaftsspinner gehen an den Bedürfnissen der meisten weit vorbei, ein Grund, warum die Wirtschaft nicht laufen kann.

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