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23.01.2013
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Tuning-Blog "Stance Works"

Tieferlegen auf hohem Niveau

Von
stanceworks.com

Aufgemotzte Autos sind was für Prolls. So das Klischee. Ein Blog sagt diesem Vorurteil den Kampf an: Die Betreiber präsentieren stilsicher gepimpte Autos, fotografieren sie wie Supermodels für ein Hochglanzmagazin - und beweisen so, dass Tuning durchaus schick sein kann.

Tiefergelegte Autos haben ein Imageproblem. Sie sind ein Erkennungsmerkmal für Geschmacksverirrung. Tatsächlich sehen getunte Fahrzeuge oft unfreiwillig komisch aus. Dass es aber auch anders geht, beweist das Blog "Stance Works": Die dort gezeigten Autos sind zwar tiefergelegt, aber nichts für Prolls - sondern eher was für Kenner und Romantiker.

Das hat zwei Gründe: Zum einen sehen die Aufnahmen der Fahrzeuge aus, als ob sie aus einem Hochglanzmagazin stammen. Die meisten Kulissen würden auch für das Fotoshooting eines Modelabels taugen - nur, dass davor Autos in Szene gesetzt werden wie ein VW Jetta aus den achtziger Jahren, der so tief liegt, dass keine Cola-Flasche mehr darunter durchrollen kann.

Der zweite Grund für die außergewöhnliche Qualität des Blogs ist die stilsichere Auswahl der Autos. Sie reicht von Mercedes-Limousinen aus den Sechzigern über moderne Sportwagen von Porsche bis hin zu Pick-up-Trucks und Käfern. Allen Fahrzeugen ist gemein, dass sie getunt sind. Und dass sie den Ansprüchen von Mike Burroughs genügen.

Auf Schönheitsideale wird gepfiffen

"Ich kann das nicht an bestimmten Details festmachen", sagt der Gründer von "Stance Works", "das Auto muss einfach das Bedürfnis in mir auslösen, die ganze Welt an seinem Anblick teilhaben zu lassen." Am Jetta gefiel dem 23-Jährigen neben den Vestatec-Felgen vor allem die Geschichte hinter dem Auto. Der Besitzer hatte den Wagen bereits tiefergelegt gekauft und dann selbst noch mal umgebaut, von der Luftfederung bis zum Armaturenbrett. Schließlich hat er auch noch einen hölzernen Knauf mit dem Wappen der Stadt Wolfsburg auf den Schalthebel geschraubt. "Er hat aus dem Auto etwas Persönliches geschaffen", sagt der junge Amerikaner. "Eine eigene Komposition."

Der biedere Jetta hat - so sieht es Burroughs, an Präsenz gewonnen und vermittelt Selbstbewusstsein. Für beides steht der Begriff Stance. "Stance Works" kann im Sinne von "Alles Mögliche" verstanden werden, bedeutet gleichzeitig aber auch "Schaffenswerk" oder "Werksarbeit".

Der breite Spielraum bei der Namensdeutung der Seite gefällt Burroughs: "Jeder kann die Begriffe für sich selbst interpretieren. Das passt zu unserer Vorstellung, dass es mehr als bloß ein Idealbild davon gibt, wie ein schönes Auto auszusehen hat."

Die Klamotten zum Auto

Burroughs gründete "Stance Works" 2009. Dass er ausgerechnet ein Blog betreibt, das aufgemotzte Autos kürt, liegt an seiner eigenen Leidenschaft für diese Fahrzeuge. Vor einigen Jahren legte er sich einen 5er BMW zu und bastelte viel daran herum. "Ich war sehr stolz auf den Wagen und stellte Fotos davon in ein Auto-Forum im Internet. Aber dort musste ich mich vor den anderen Mitgliedern für die Umbauten ständig rechtfertigen."

Also gründete er sein eigenes Online-Portal. "Dies ist eine Zuflucht für alle, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, wie ihr Auto auszusehen hat", mit diesen Worten begrüßt er die Leser auf "Stance Works". Seine Botschaft: Ein Auto kann tief sinken und gleichzeitig an Charme gewinnen. Die Beweise für stilvolles Tuning findet er meistens im Internet. Mittlerweile hat er daraus sogar einen Beruf gemacht.

"'Stance Works' ist mein Vollzeitjob", sagt der 23-Jährige. Laut seinen Angaben schauen pro Monat drei Millionen Menschen auf der Internetseite vorbei. Allein auf Facebook zählt "Stance Works" mehr als 200.000 Fans. Der hohe Bekanntheitsgrad macht sich bezahlt: Dutzende Firmen schalten Werbung auf der Seite. Als weitere Einnahmequelle dient eine Modekollektion, für die Burroughs Geschäftspartner Andrew Ritter zuständig ist. Die Klamotten und Accessoires werden über die Webseite vertrieben.

200.000 Fans auf Facebook

Für Burroughs und Ritter ist die Zurschaustellung tiefergelegter Autos aber mehr als ein Broterwerb. "Low is a Lifestyle", proklamieren sie auf "Stance Works". Viele ihrer Leser sind der gleichen Ansicht und schicken Fotos von ihren Autos - mit der Bitte, man möge doch darüber berichten. Aber da kommen wieder die hohen Ansprüche von Burroughs ins Spiel.

"Meistens sind das hübsche Exemplare", sagt er diplomatisch. Aber nur selten ist er wirklich so hingerissen, dass er auf das Angebot eingeht. Im Forum kann jedes Community-Mitglied Bilder seines Autos zeigen - auf die Startseite schaffen es aber nur die besten Eigenkompositionen. Ein bisschen elitär muss man schließlich sein, um dem Auto-Tuning die Würde zurück zu geben.

Von der Geschmackssicherheit seines Kompagnons Andrew Ritter war Mike Burroughs von Anfang an überzeugt. Die beiden lernten sich über das Internetforum kennen, in das Burroughs die Fotos seines eigenen Wagens stellte und damit eine Menge kontroverser Kommentare erntete. Andrew Ritter gehörte damals zu den Leuten, die das Auto toll fanden.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
1. Geschmackssicher?
ChrisQa 23.01.2013
Also, der 'Hai' ist in meinen Augen völlig verbastelt, damit kann man vielleicht 14-jährige Jungs beeindrucken, aber mit Geschmack hat das schon nichts mehr zu tun. Einige andere Fahrzeuge in der Photostrecke sind aber dagegen [...]
Also, der 'Hai' ist in meinen Augen völlig verbastelt, damit kann man vielleicht 14-jährige Jungs beeindrucken, aber mit Geschmack hat das schon nichts mehr zu tun. Einige andere Fahrzeuge in der Photostrecke sind aber dagegen Beispiele eines durchaus gelungenen Tunings, da die Proportionen des Fahrzeugs dadurch mehr hervorgehoben wurden. Bei manch anderen Fahrzeugen wäre man dagegen froh gewesen, wenn sie in verständigere Hände gekommen wären.
2. Plemplem
leierbündchen 23.01.2013
Ein Auto, dass durch so extremes Tieferlegen seiner Funktion beraubt wird und darüber hinaus kaputt aussieht, ist in etwa so geschmackvoll wie wenn man sich sein Bein amputieren und durch ein Holzbein ersetzen würde. [...]
Ein Auto, dass durch so extremes Tieferlegen seiner Funktion beraubt wird und darüber hinaus kaputt aussieht, ist in etwa so geschmackvoll wie wenn man sich sein Bein amputieren und durch ein Holzbein ersetzen würde. "Tuning" als Begriff bedeutet feinabstimmen und nicht verhunzen. Diese Leute haben keine Spur von technischem Verständnis.
3. der bugatti im bild 14..
spargel_tarzan 23.01.2013
der rest ist ein fall für kiesow. aber über geschmack läßt sich eben vortrefflich streiten...
Zitat von sysopstanceworks.comAufgemotzte Autos sind was für Prolls. Soweit das Klischee. Ein Blog sagt diesem Vorurteil den Kampf an: Die Betreiber präsentieren stilsicher gepimpte Autos, fotografieren sie wie Supermodels für ein Hochglanzmagazin - und beweisen so, dass Tuning durchaus schick sein kann. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/das-blog-stance-works-zeigt-tiefergelegte-autos-a-878757.html
der rest ist ein fall für kiesow. aber über geschmack läßt sich eben vortrefflich streiten...
4. Techniker Brille absetzen
nochStudent 23.01.2013
Bei solchen Autos sollte man ganz klar die Vernunft beiseite lassen und Technikerbrille absetzen. Hier geht es um Kunst. Expressionistische Werke haben auch nichts gemein mit der Realität bzw. verzerren diese stark [...]
Zitat von leierbündchenEin Auto, dass durch so extremes Tieferlegen seiner Funktion beraubt wird und darüber hinaus kaputt aussieht, ist in etwa so geschmackvoll wie wenn man sich sein Bein amputieren und durch ein Holzbein ersetzen würde. "Tuning" als Begriff bedeutet feinabstimmen und nicht verhunzen. Diese Leute haben keine Spur von technischem Verständnis.
Bei solchen Autos sollte man ganz klar die Vernunft beiseite lassen und Technikerbrille absetzen. Hier geht es um Kunst. Expressionistische Werke haben auch nichts gemein mit der Realität bzw. verzerren diese stark künstlerisch.....
5. Grauenhaft, was man aus ehemals
provocator 23.01.2013
schönen klassischen Autos machen kann. Die gezeigten tiefergelegten Fahrzeuge sehen einfach nur völlig beknackt aus...mal ganz abgesehen davon, daß sie so gut wie keinen praktischen Nutzen mehr haben dürften.
schönen klassischen Autos machen kann. Die gezeigten tiefergelegten Fahrzeuge sehen einfach nur völlig beknackt aus...mal ganz abgesehen davon, daß sie so gut wie keinen praktischen Nutzen mehr haben dürften.

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