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Fahrtenbuch

Auto-Blog "Fahrtenbuch"

Wer noch auf die Straße guckt, werfe das erste Handy

imago/Jochen Tack

Abgelenkter Autofahrer (Symbolbild)

Von Jens Tanz
Sonntag, 03.12.2017   07:59 Uhr

Das Auto ist zur Kommunikationszentrale geworden, hinterm Steuer kann man lesen, tippen, wischen, posten. Fahren? Ist nur noch Nebensache.

Man ist auch im Auto mobil. Ich zum Beispiel nutze die Zeit am Steuer meines Wagens hocheffizient mit dem Beantworten vieler völlig verbindlicher Mitteilungen, reagiere binnen Sekunden auf Mails und WhatsApp-Nachrichten, erfahre parallel von meinen Followern auf Twitter, dass es noch Restkarten für Helene Fischer in Bamberg gibt, tausche mit meinen 1500 persönlichen guten Freunden auf Facebook Katzenbilder, erhalte Jobangebote aus Österreich und weiß dank Instagram genau, wo wer gerade was zu Mittag isst.

Was vor mir auf der Straße passiert, kriege ich dadurch leider oft nicht mit.

Hat da an der Ampel jemand hinter mir gehupt? Ja, sorry, es ist Grün - konnte ich nicht gleich sehen, ich musste auf meinem Smartphone mit Google Maps die Staulage checken. Schlimm, diese verstopften Straßen - wie soll man sich bei dem vielen Verkehr auf sein Telefon konzentrieren und nebenbei noch all die Informationen verarbeiten, die einem auf dem Display im Auto angeboten werden?

Der Laptop rutschte vom Beifahrersitz

Letztens fiel mir auf der Landstraße auf, dass ich dringend einen dritten Arm brauche, damit ich beim Autofahren vernünftig kommunizieren kann und gleichzeitig schalten und lenken. Automatik wäre ein Ansatz. Während ich darüber nachdachte, bremste der Wagen vor mir plötzlich bis zum Stillstand - gut, dass ich zwischendurch mal kurz nach vorn auf die Straße geschaut habe. Blöderweise kippte mir mein Kaffee auf die Hose und der Laptop rutschte vom Beifahrersitz.

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Dann klingelte auch noch mein Handy, ein Freund fragte mich, ob ich nicht Lust auf was Analoges hätte: ein bisschen an seinem Buick schrauben, dabei ein Bierchen trinken und plaudern. Das Gespräch musste ich aber sofort abbrechen, ich war nämlich auf mein Handydisplay angewiesen, das mir als Navi diente. Dem Freund sagte ich, er solle mich heute Abend noch mal anrufen, lieber aber morgen, da sei ich auf der Autobahn und hätte Zeit. Tschüs!

Dann fischte ich den Laptop aus dem Fußraum, um ihn wieder auf den Sitz zu legen, tupfte den Kaffeefleck auf der Hose trocken und klemmte mein Smartphone zwischen Kopf und Schulter, weil ich einen Gang höher schalten musste.

Natürlich ist diese Geschichte zugespitzt - beim Autofahren gebe ich mir Mühe, der Versuchung nach sinnlosem Hantieren zu widerstehen. Aber, ganz ehrlich: Leider gelingt das nicht immer. Und Sie? Sie haben sich wirklich kein bisschen wiedererkannt in den Schilderungen? Wer frei von Ablenkung ist, werfe das erste Handy!

insgesamt 127 Beiträge
schwachewade 03.12.2017
1. vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs
zumindest aber billigend in Kauf genommen. Die Strafen für dieses sich bewusst ablenken lassen sind wesentlich zu gering. Die verharmlosende Darstellung mit dem Unterton "ist ja nicht so schlimm" erfordert heftigen [...]
zumindest aber billigend in Kauf genommen. Die Strafen für dieses sich bewusst ablenken lassen sind wesentlich zu gering. Die verharmlosende Darstellung mit dem Unterton "ist ja nicht so schlimm" erfordert heftigen Widerspruch. Nein, dieser Artikel ist so was von daneben. Durch das geschilderte Verhalten wird täglich Leid verursacht.
Susi Sorglos 03.12.2017
2.
"der Versuchung nach sinnlosem Hantieren zu wiederstehen." Mir scheint der Herr ist aus der verlorenen Generation der Leute, denen es schwer fällt, Texte mit mehr als 130 Zeichen zu lesen und das mühselige Pinseln [...]
"der Versuchung nach sinnlosem Hantieren zu wiederstehen." Mir scheint der Herr ist aus der verlorenen Generation der Leute, denen es schwer fällt, Texte mit mehr als 130 Zeichen zu lesen und das mühselige Pinseln von Druckbuchstaben Handschrift nennen.....
tropout 03.12.2017
3.
Eigentlich dürfte beim Stand der heutigen technischen Möglichkeiten, ohne Freisprecheinrichtung, das Mobile bei der Fahrt nicht mehr funktionieren. Außerdem müsste die Vernetzung mit den neuen Automodellen schneller, einfacher [...]
Eigentlich dürfte beim Stand der heutigen technischen Möglichkeiten, ohne Freisprecheinrichtung, das Mobile bei der Fahrt nicht mehr funktionieren. Außerdem müsste die Vernetzung mit den neuen Automodellen schneller, einfacher und einheitlicher gehen.
marthaimschnee 03.12.2017
4.
Achtung: Handy kommt geflogen! Und nicht so ein ultraleichtes, superdünnes Stück Apfelschrott, sondern ein fetter, schwerer Motorola-Knochen aus der Erdzeitalter des 56k-Modems. Ja, mein Smartphone ist beim Autofahren in der [...]
Achtung: Handy kommt geflogen! Und nicht so ein ultraleichtes, superdünnes Stück Apfelschrott, sondern ein fetter, schwerer Motorola-Knochen aus der Erdzeitalter des 56k-Modems. Ja, mein Smartphone ist beim Autofahren in der Hosentasche, meist sogar im "Laß mich in Ruhe"-Modus. Aber ich kann den Autor gut verstehen. Ich fahr 25000km im Jahr, überwiegend Arbeitsweg, hab also reichhaltigen Einblick ins Verkehrsgeschehen. Gefühlt ist da jeder zweite Verkehrsteilnehmer mehr mit seiner digitalen Exhibitionismus beschäftigt, als mit der Straße. Laut irgendeiner Studie gehen bereits 10% der Unfälle auf Kosten solcher Ablenkung (halte ich für stark untertrieben). Da braucht man sich keine Gedanken mehr über Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Reduzierung der Todesopfer zu machen, wenn diese einfach auf andere Arten umsteigen, sich für den Darwin Award zu bewerben. Wann kommen sie denn endlich, die (voll)autonomen Fahrzeuge, die dieses Problem tatsächlich lösen würden?
weissahai 03.12.2017
5.
Beim Lesen solcher Artikel merke ich, das ich so langsam alt werde...warum ? Ich fahre gerne Auto, ich blinke, ich nutze wenn es sein muß meine Freisprechanlage. Vorallem aber bin ich technisch zwar auf dem neuesten Stand, aber [...]
Beim Lesen solcher Artikel merke ich, das ich so langsam alt werde...warum ? Ich fahre gerne Auto, ich blinke, ich nutze wenn es sein muß meine Freisprechanlage. Vorallem aber bin ich technisch zwar auf dem neuesten Stand, aber nicht abhängig davon bzw. ist mir vieles anderes wichtiger, als ständig auf mein Smartphone zu starren...

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