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Auto

Günstige Oldtimer - der Citroën CX

Auf den fuhr Schimanski ab

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Citroëns CX, geliebter Wagen eines großen TV-Kommissars.

Citroen
Von Haiko Prengel
Samstag, 14.04.2018   11:34 Uhr

Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Citroën CX

Citroen

CX 20 TRE

Allgemeines zum Modell: Im Jahr 1974 kommt der Citroën CX auf den Markt. In Frankreich wird die Präsentation wie ein Staatsakt gefeiert. Die ersten 28 Exemplare dürfen auserwählte Journalisten von Lappland bis nach Paris probefahren. Tatsächlich kommen fast alle Autos in der Hauptstadt an und dürfen symbolträchtig auf die Prachtstraße Champs-Élysées einfahren. Nur ein CX schafft es nicht ans Ziel, er wird noch am Polarkreis von einem Citroën-Mitarbeiter zu Schrott gefahren.

Die Einführung des Nachfolgers der legendären DS-Modellreihe war etwas holprig. Schon 1967 begann bei Citroën das "Projekt L", um einen würdigen Nachfolger des Top-Modells DS zu konstruieren. Die Sänfte mit ihrer berühmten Luftfederung (Hydropneumatik) ist bis heute eine Legende.

Doch die Pläne gerieten ins Stocken, auch weil Citroën mal wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Und so dauerte es fast bis zur Mitte der Siebzigerjahre, bis der Hersteller endlich den CX präsentierte. Das neue Auto der oberen Mittelklasse war eher ein Kompromiss: zwar besser und komfortabler als der weiter unten angesiedelte GS, aber auch nicht so luxuriös wie die DS. Die Göttin wurde noch ein Jahr weitergebaut.

Der Name CX war Programm. So wird auf Französisch der Cw-Wert genannt, der die Windschlüpfigkeit eines Autos bemisst. Der CX kam für damalige Verhältnisse auf sensationell gute Cw-Werte, was den Spritverbrauch deutlich senkte. Wegen der Ölkrise entschied man sich dann noch zu einem weiteren Schnitt: Auch wenn die DS-Kundschaft jahrelang große Sechszylindermotoren verlangt hatte, beließ man es beim CX bei vergleichsweise sparsamen Vierzylindern. Der zwei Liter große Basismotor hatte anfangs nicht einmal eine Einspritzanlage, sondern bloß einen einfachen Registervergaser.

Citroen

Der CX war windschnittig und vergleichsweise sparsam im Verbrauch

Trotzdem war der CX eindeutig das modernere und letztlich auch bessere Auto - besonders in puncto Sicherheit. Während Unfälle mit der DS meist mit Schwerverletzten endeten, zeichnete sich die Karosserie des CX durch intelligent gewählte Schweißpunkte aus, sodass die Knautschzone bei einem Aufprall enorm viel Energie absorbierte. In den Türen sorgte ein Aufprallschutz aus Pressspann dafür, dass bei einer Kollision weicher Schaumstoff aus den Verkleidungen platzte.

Highlight war aber der Komfort, die von der DS bekannte Hydropneumatik gab es auch beim CX serienmäßig. Schon die Limousine war ein stattliches Schiff. Familien, aber auch Handwerker wählten gerne den CX Break, die geräumige Kombi-Version.

Außerdem legte Citroën bei Motorenauswahl und Ausstattungsvielfalt praktisch jedes Jahr neu nach. Die Vergaser-Vierzylinder wurden bald ausrangiert und eine Einspritzanlage Standard. Außerdem gab es ein ständiges Aufrüsten bei der Leistung, das 1984 im 25 GTi Turbo mit 168 PS gipfelte. Damit kam der CX auf 222 Stundenkilometer, was eine empörte politische Debatte in Frankreich auslöste. Letztlich blieb der Turbo aber im Programm, und Citroën freute sich: "Den Verkaufszahlen hat der Eklat um den Turbo sicherlich nicht geschadet", sagt Julius Goldmann vom deutschen Citroën CX Club e.V.

Citroen

Innenraum des CX 20

Bei den Komfortextras war eine Klimaanlage von Anfang an erhältlich, elektrische Fensterheber ab 1977 serienmäßig - ein Feature, für das Mercedes-Käufer noch bis in die Neunzigerjahre extra bezahlen mussten. Auch sonst blieben praktisch keine Wünsche offen: Schiebedach, Ledersitze, Dämmpaket für noch weniger Außengeräusche - gegen Zuzahlung konnten sich CX-Käufer ihr Auto zur Nobelkarosse aufrüsten. Den Absatz förderten zusätzlich die "Leader"-Sondereditionen. Diese Modelle waren mit allerlei Extras aufgepimpte Basisvarianten, erkennbar an entsprechenden Emblemen an der Fahrzeugseite.

Und so wurde der CX letztlich doch noch ein Erfolgsmodell. Die Kundschaft reichte bis zu Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing, der sich viele Jahre lang in einem verlängerten CX Prestige mit mehr Beinfreiheit im Fonds chauffieren ließ. Prominentester CX-Fahrer ist für viele aber wohl Horst Schimanski alias Götz George. Der etwas prollige "Tatort"-Kommissar aus dem Ruhrpott fuhr lange Jahre einen vergleichsweise extravaganten Citroën CX als Dienstwagen. Der Wagen erinnerte Schimanski an eine Geliebte und CX-Fahrerin, die in einer Folge in seinen Armen stirbt.

Warum ausgerechnet der? Die DS mag die noch elegantere Sänfte sein, aber mit einem CX GTi oder gar Turbo kann man auch mal schnell fahren. Und die fantastische Luftfederung hat der Nachfolger ja auch an Bord. Auch heute, über ein Vierteljahrhundert nach Produktionsende, sei der Fahrkomfort "unvergleichlich", schwärmt Goldmann, der selbst mehrere CX besitzt. Das Beste aber ist, dass die kleine Diva bis heute alltagstauglich ist und gar nicht so viel zickt wie viele denken. Früher mögen manche Kfz-Mechaniker mit der Hydropneumatik überfordert gewesen sein - "aber heute ist das kein großes Geheimnis mehr, ist ja alles mechanisch."

Verfügbarkeit: Gut erhaltene Citroën CX gibt es noch in ausreichender Anzahl, immerhin wurde der Klassiker fast 1,2 Millionen Mal gebaut. Lohnend kann ein Blick nach Frankreich sowie in die Niederlande sein. In Holland ist die Citroën-Fangemeinde besonders groß, entsprechend gut ist die Vernetzung und Teileversorgung. In Deutschland trifft man heute am häufigsten auf den 2.5 GTi und den 2.5 GTi Turbo. Der in den Achtzigerjahren eingeführte kleine Euro-Motor (zusammen mit Renault entwickelt) war schon seinerzeit unbeliebt und gilt mit seinen 106 PS auch als relativ schmalbrüstig. Citroën CX mit der Euro-Maschine sind deshalb heute auch bei Sammlern unpopulär und gelten als "keine echten Citroën".

Ersatzteilversorgung: Die Ersatzeillage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Spezialisten wie die CX Basis bei Karlsruhe haben alte Lagerbestände aufgekauft und fertigen sogar Teile nach. Manche CX-Fahrer beklagen die hohen Preise, im Vergleich zu den Klassikabteilungen bei VW oder Mercedes-Benz sind die Teile für den CX aber noch vergleichsweise günstig. Praktisch alle TÜV-relevanten Komponenten sind problemlos erhältlich, schwieriger wird es nur bei speziellen Teilen wie einer Schiebedach-Dichtung.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Satz Bremsbeläge vorne: ca. 30 Euro

Satz Bremsscheiben vorne: ca. 140 Euro (Markenartikel, No-Name-Produkt deutlich günstiger)

Lichtmaschine: ca. 80 Euro

Kotflügel vorn: gebraucht ca. 50 Euro

Schwachstellen: Zu Beginn der Serie war Rost das größte Problem beim CX. Die Antikorrosionsmaßnahmen von Citroën waren ab Werk ziemlich schlecht, auch die Nachbesserungen im Kölner Werk für Autos für den deutschen Markt erwiesen sich als unzureichend. Die braune Pest befiel unter anderem Heckklappe, Türunterkanten, Längsträger und die inneren Kotflügel hinten - bei einer Kofferraumbegutachtung erkennbar an durchgefaulten Blechen im Bereich der Hecklichter. Zum Ende der ersten Serie wurde die Rostvorsorge ab Werk dann deutlich besser, dazu gehörte dann auch eine nachhaltige Hohlraumkonservierung. Modelle mit viel Elektronik an Bord können im Alter Zicken machen, etwa durch Kabelbrüche durch Motorhitze oder korrodierte Kontakte. Die Motoren indes gelten als robust, auch weil man bei Citroën auf Altbewährtes setzte. Nur der GTi Turbo zeigt sich empfindlich und braucht spezielle Pflege, ihn sollte man mit einem extra schmierfähigen, teilsynthetischen Öl fahren.

Preis: Für circa 2.500 Euro gibt es schon fahrbereite CX mit ein paar Monaten TÜV. Gute Fahrzeuge ohne Wartungsstau kosten etwa 4.000 Euro, ein GTi mit guter Ausstattung auch mehr. Fünfstellige Beträge braucht man bloß ausgeben, wenn man ein toprestauriertes Auto möchte, dann sollte es aber auch ein Prestige mit Leder und anderen hochwertigen Extras sein.

Anlaufstellen im Internet:

Citroën CX Club Deutschland Forum Andre Citroën Club

Ersatzteilespezialist

insgesamt 50 Beiträge
slaritbartfass 14.04.2018
1. Schönes Auto mit ganz vielen Problemen
Das war wirklich ein sehr schönes, superbequemes und schnelles Schiff :-) Meine CX Tubo GTI verabschiedete sich leider schon 1994 mit ca 180000 km und einem Knall ( Motorschaden ). Unglaublich das es noch fahrtüchtige CX gibt - [...]
Das war wirklich ein sehr schönes, superbequemes und schnelles Schiff :-) Meine CX Tubo GTI verabschiedete sich leider schon 1994 mit ca 180000 km und einem Knall ( Motorschaden ). Unglaublich das es noch fahrtüchtige CX gibt - der Rost war schon damals fast nicht in den Griff zu bekommen, ständig war irgendwas defekt und selbst Kleinigkeiten waren nur sehr aufwändig zu reparieren. Selbst die Batterie kann nur mit Spezialwerkzeug getauscht werden - erinnere das die "gelben Engel" mir da mal nicht weiterhelfen konnten und den CX deswegen in eine Werkstatt schleppen mussten. So schön und bequem er war - so ein Auto würde ich mir nie wieder antun.
spon_5047963 14.04.2018
2. CX 1977-1982 -nie mehr wieder
CX hatte ich 1977 bis 1982. U.a. grosse Elektrik Probleme am Kabelbaum.Eines Tages fallen beide Fensterhebemororen gleichzeitig aus. Eine Nachschau zeigt anstelle Rostschutz zwei grosse 'X' auf der Innenseite der Türen (Da hatte [...]
CX hatte ich 1977 bis 1982. U.a. grosse Elektrik Probleme am Kabelbaum.Eines Tages fallen beide Fensterhebemororen gleichzeitig aus. Eine Nachschau zeigt anstelle Rostschutz zwei grosse 'X' auf der Innenseite der Türen (Da hatte wohl jemand gestreikt).Grosse Rostprobleme rundum mit Löchern in den Türen. Fahreigenschaften: dank der Hydraulik ist es eine Schaukel, sehr unsicher bei hoher Geschwindigkeit und Bremsvorgängen. Am Bordstein aufpassen: wenn der Zündschlüssel gezogen wird und die Tür schon geöffnet wurde sackt der CX runter und setzt möglicherweise mit der Tür auf dem Bordstein auf. Nach 5 Jahren verkaufe ich den CX für 500 DM. Hat meine Meinung zu Citroen nachhaltig geprägt.
ph.latundan 14.04.2018
3.
ich habe als fan 2 dieser rostkisten gefahren. leider ......... rost ueberall, schlechte verarb eitung, hohe reparaturkosen. nicht zu empfehlemn.
ich habe als fan 2 dieser rostkisten gefahren. leider ......... rost ueberall, schlechte verarb eitung, hohe reparaturkosen. nicht zu empfehlemn.
charlybird 14.04.2018
4. Ein Traumauto,
hatte drei Stück davon, komfortabel und sicher zu fahren, akzeptabler Verbrauch, kaum Ausfälle und Reparaturen, und bei Regen oder winterlichem Wetter, tolle Spurtreue durch langen Radstand und Frontantrieb. Man könnte fast [...]
hatte drei Stück davon, komfortabel und sicher zu fahren, akzeptabler Verbrauch, kaum Ausfälle und Reparaturen, und bei Regen oder winterlichem Wetter, tolle Spurtreue durch langen Radstand und Frontantrieb. Man könnte fast wieder schwach werden, aber mein oller Saab tut's noch hervorragend.
RASCH 14.04.2018
5. Leiden ohne Ende
Neue Klimaanlage, 4 mal fensterheber, 3 mal Scheibenwischer Motor, Kupplung, Getriebe, Turbolader - das ist nur das Gröbste. Aber kein Citroë CX, sondern Mercedes!
Neue Klimaanlage, 4 mal fensterheber, 3 mal Scheibenwischer Motor, Kupplung, Getriebe, Turbolader - das ist nur das Gröbste. Aber kein Citroë CX, sondern Mercedes!

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