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Mobilität

E-Bike Neuheiten

Rückenwind für alle

Früher zeichneten sich Pedelecs besonders durch einen tiefen Einstieg aus. Das passte zur älteren Zielgruppe. Mittlerweile ist die E-Mobilität selbst bei Rennrädern angekommen - dank neuer Motorentechnik.

Roland Baege / pd-f
Von Hans Dorsch
Montag, 08.10.2018   07:38 Uhr

Es gab eine Zeit, die liegt nur wenige Jahre zurück, da hatten Bike-Liebhaber Angst vor der Boschifizierung des Fahrrads: Einfallslose Modelle, die sich hauptsächlich durch den pummeligen Mittelmotor des Zulieferers mit seinem auffälligen, aber wenig hübsch gestalteten, Akku definierten.

Dazu ist es nicht gekommen. Zum Glück haben viele Hersteller der Versuchung widerstanden, den vermeintlich einfachsten Weg zu gehen. Mit Unterstützung neuer und alter Motorenhersteller gibt es nun ein wunderbar weites Feld der individuellen Elektromobilität. Dabei hat jedes Motorkonzept eine Daseinsberechtigung und keine Fahrzeuggattung wird von der Elektrifizierung ausgenommen. Fünf aktuelle E-Bikes zeigen, dass die Entwicklung immer noch nicht abgeschlossen ist. Übrigens - Bosch ist als Lieferant von E-Antrieben noch dabei.

Roland Baege / pd-f

E-Fahrräder für jeden Einsatz

E-Bikes für die City - das Winora Saya und Desiknio Pinion Urban

Wer von A nach B will, fragt nicht, ob der Motor vorne, hinten oder in der Mitte sitzt, sondern, wie man am besten durch die City kommt. Danach sollte sich das Motorkonzept richten. Auch das Gewicht von Akku und Motor schlagen für kürzere Strecken nicht so ins Gewicht, der Fahrkomfort ist wichtiger - wie beim Winora Saya.

Dicke Reifen federn schlechte Straßen ab und der tiefe Durchstieg macht Auf- und Absteigen bequem und sicher. Da passt der Mittelmotor am Tretlager gut dazu, denn der unterstützt direkt dort, wo die Kraft des Fahrers wirkt. Viele E-Bike-Neulinge kommen mit dieser Technik am schnellsten zurecht. Hinter dem Sattelrohr ist Platz für einen großen Akku, der sich einfach abnehmen und zum Aufladen mit ins Haus nehmen lässt.

Das knapp 15 Kilo leichte Desiknio Pinion Urban ist bis ins kleinste Detail auf Fahrfreude ausgelegt: Der steife Alu-Rahmen überträgt die Muskelkraft direkt an das Sechs-Gang-Pinion-Getriebe im Tretlager, von dort geht sie über einen Zahnriemen ans Hinterrad. Dort gibt der kaum sichtbare Motor von ebikemotion lautlos noch mal Kraft dazu. Für ausreichend Dämpfung sorgen Carbongabel und zeitgemäß breite Reifen. Und der Akku? Der hat mit 250 Wh (7 Ah) nur halb so viel Kapazität wie die bekannten Bosch-Klötze - wiegt dafür auch nur die Hälfte und versteckt sich komplett im Rahmen.

Fotostrecke

E-Bike Neuheiten: Die Massenmotorisierung

E-Falträder - das Brompton Electric

Der britische Hersteller Brompton ist bei Falträdern mittlerweile eine Legende. Nach jahrelangen Gerüchten ist der Klassiker jetzt mit Elektroantrieb zu haben. Dafür, dass der Antrieb mit dem Formel-1-Rennstall Williams entwickelt wurde, ist das sichtbare Ergebnis ein wenig enttäuschend: Ein Motor im Vorderrad. Den gibt's beim Discounter auch. Aber das ist eben nicht alles. Brompton ist wahrscheinlich der Fahrradhersteller mit der größten Fertigungstiefe. Nicht einmal die Schaltung wird zugekauft, nur eigene Entwicklungen genügen den speziellen Anforderungen. Und so sind Motor, Sensoren und Akkus speziell für Brompton-Ansprüche entwickelt. Das Ergebnis: Das Rad faltet genau wie das Original und fährt wie das Original, nur eben mit beinahe unsichtbarer Hilfe. Es lässt sich fast so einfach tragen, denn den Akku packten die Formel-1-Entwickler in eine kleine Tasche, die sich schnell abnehmen und über die Schulter hängen lässt. Drei Kilo wiegt sie und hat auch noch Platz für Kleinkram.

r-m.de / pd-f

Fahrrad mit Kofferraum - wie der Hersteller das Lastenrad bewirbt

E-Lastenräder - Der Multicharger von Riese und Müller

Am meisten von der Elektrifizierung hat wohl das Lastenrad profitiert. So ein Motor nimmt schwerem Gepäck den Schrecken. Neben den Cargo Bikes mit der Ladefläche vorne ist 2018 ein Typ Rad wieder aufgetaucht, der schon fast vergessen war. Das Longtail-Bike: ein "normales" Fahrrad mit extralangem Hinterbau und verlängertem Gepäckträger. Der Urtyp ist einfach und robust aufgebaut und wird in Ostafrika viel genutzt, um Waren und Personen zu transportieren - als Bodaboda-Fahrradtaxi.

Das ist in Deutschland vom Gesetz her nicht erlaubt. Riese und Müller bringt das Fahrradtaxi als kürzeres "Midtail" auf deutsche Straßen, bei dem mit Haltegriff und Fußstützen versehenen Modell können Erwachsene bis 60 Kilo oder zwei Kinder im Kindersitz ganz legal mitfahren. Der Multicharger ist ein bisschen kürzer, dafür wendiger als das Original. Und die Farbgebung in Mattschwarz/Orange passt zur Schwerlastnutzung. Mit dem Motor von Bosch und bis zu 1000 Wh Akkuspeicher wird das Rad zum echten Arbeitsgerät.

E-Mountainbike - das Cujo Neo 130 1 von Cannondale

Im sportlichen Einsatz profitiert wahrscheinlich das Mountainbike am meisten von der Elektrounterstützung. Touristiker in Bergregionen sehen das E-MTB schon als Retter für die Zeit nach dem Skitourismus. Dafür brauchen sie nicht einmal Seilbahnen, sondern nur Ladestationen. Zwar reizt viele Mountainbiker auch der Aufstieg, aber die meisten fahren doch lieber den Berg runter. Und bei der Abfahrt durch den Wald stören ein paar Kilo Übergewicht durch Motor und Akku nicht - wenn sie am richtigen Ort sind. Damit die Federung richtig anspricht, müssen ungefederte Massen reduziert werden. Ein Nabenmotor wäre deshalb ungünstig, ein Mittelmotor bringt den Schwerpunkt in die Mitte des Rades und nach unten. Auch der Akku rutscht tief ins Rahmenunterrohr. Das Cujo Neo 130 1 von Cannondale liegt satt auf dem Trail und beim Springen ruhig in der Luft. Beim Antrieb hat Bosch ordentlich Konkurrenz aus dem Fahrradlager bekommen. Der Shimano-Steps-Motor ist nicht nur klein und leicht, er hat auch eine bemerkenswert sensible Softwaresteuerung. Mit der stürmt man bei leichtem Druck aufs Pedal nicht ruckartig am Steilhang los, bekommt aber die volle Kraft, wenn man sie braucht.

E-Rennrad - das Cannondale Synapse Neo

Beim Rennrad ist der E-Bike-Vorteil nicht sofort nachvollziehbar, ist man doch meist oberhalb der Pedelec-Geschwindigkeitsgrenze von 25 km/h unterwegs, bei denen die Motoren von Gesetz wegen abregeln. Dennoch werden bei Radrennen Räder auf versteckte E-Unterstützung überprüft und Hobbyradler zeigen ihre Motoren mittlerweile offen. Der Antrieb wird zum Gleichmacher für die Tour, wenn Anfänger und Wiedereinsteiger zusammen fahren wollen oder zum Reichweitenverlängerer auf bergigen Strecken. Er hilft dem (Wieder-)Einsteiger und motiviert den Profi. Man kann sich ein Spiel daraus machen, immer schneller zu sein als der Motor. Der Nebeneffekt: Das spart Energie.

Cannondale war bei E-Bikes relativ spät dran. Aber das Warten hat sich gelohnt, denn im Cannondale Synapse Neo steckt der neue Bosch Active Line Plus Mittelmotor mit 250W Leistung. Der Motor ist auf hohe Trittfrequenzen ausgelegt und bietet durch das neue Getriebe keinen Widerstand beim Schnellfahren. Mit bequemer Sitzposition und 32 Millimeter Reifen sortiert der Hersteller das Rad in die Kategorie "Endurance Race" und verspricht Ganztageskomfort für lange Ausfahrten. Cannondale verwendet Aluminium statt Carbon als Rahmenmaterial, das macht das Rad erschwinglich. Bei 3300 Euro geht's los.

E-Liegerad - Modelle von HP Velotechnik

Ein Sportgerät für Kenner ist das Liegerad, genauer, das Liegedreirad. Der Anbieter HP Velotechnik ist flexibel beim Motor. Für Komfortliebhaber gibt's den Mittelmotor - in diesem Fall ganz vorne montiert - kombiniert mit der Automatik. Für Sportler empfiehlt der Hersteller aber den Heckmotor: Der ist praktisch unhörbar, lässt sich mit Dreifach-Kettenschaltung kombinieren und sorgt durch den niedrigen Schwerpunkt für echtes Gokart-Feeling. Was beim Mountainbike nicht erwünscht ist, ist beim Dreirad ein echter Vorteil: Das Gewicht des Motors auf dem Antriebsrad. Das dreht dadurch auch an steilen, rutschigen Anstiegen nicht durch. Weniger sportlich, aber sehr praktisch und nur mit Heckmotor möglich: ein Rückwärtsgang zum Rangieren.

insgesamt 94 Beiträge
travelflo 08.10.2018
1. Fahrräder sind wie Schuhe..
...es gibt nicht das eine, das überall passt. Ich habe eine Pedelec zum spassigen Pendeln in der Stadt, ein Rennrad für den Sport im Umland, einen ganz leichten Sommer-Stahlerenner für die Stadt zum überall mit hinnehmen, und [...]
...es gibt nicht das eine, das überall passt. Ich habe eine Pedelec zum spassigen Pendeln in der Stadt, ein Rennrad für den Sport im Umland, einen ganz leichten Sommer-Stahlerenner für die Stadt zum überall mit hinnehmen, und eine "Stadtschlampe" für den Bahnhof, die dort auch mal ein paar Tage stehen kann und immer noch da ist, wenn man wieder kommt. Ab und zu nutze ich Bikesharing. Achja, ein Auto habe ich, ist aber eigentlich überflüssig, vor allem in der Stadt :)
zoon.politicon 08.10.2018
2. Fragwürdiger Trend
Elektrifizierung von Fahrrädern, ein Trend, der mir eine Gänsehaut macht: in Grunde sind das Elektro-motorisierte Mofas bzw. Mopeds mit all den Risiken, die nun mal Zweiräder im Verkehr haben: Knautschzone ist das Nasenbein, [...]
Elektrifizierung von Fahrrädern, ein Trend, der mir eine Gänsehaut macht: in Grunde sind das Elektro-motorisierte Mofas bzw. Mopeds mit all den Risiken, die nun mal Zweiräder im Verkehr haben: Knautschzone ist das Nasenbein, Schlüsselbeinbruche sind noch die harmlosere Sturzfolge. Vor allem die älteren "Einsteiger" in Elektromobilität sind gefährdet, beherrschen solche "Maschinchen" nicht (Neulich hat mich so ein Elektro-Opa beim Waldlauf fast überfahren). Im "Sport"-Bereich wird dasjenige von den elektrischen Reitern vermieden, was den Nutzen des Ausdauersports für die Gesundheit ausmacht, nämlich ein effektives Training des Herz-Kreislauf- Systems und der (Ausdauer-)Muskulatur mit gut belegten enormen Effekten bei der Vorbeugung der häufigsten Todesursachen (Herz-Kreislau-Erkrankungen). Im alpinen Bereich wirdf die Natur "erobert" und dabei ganz nebenbei zerstört, wenn unsere Spaß-Gesellschaft alpine Steige runterrast, in die letzten Gebiete von Rückzug, Stille einfällt. Und dahinter steht eine Industrie, die satte Gewinne einfährt sowie ein Heer von "Instruktoren", die den ehemaligen, jetzt Schnee-losen Ski-Orten das Vermarkten ihrer Rest-Natur erleichtern.
peter.hanstein 08.10.2018
3. Geos E-Bike
Es fehlt das GEOS Gravel (www.geos.de): es wurde auf Anhieb mit dem Eurobike Gold Award prämiert. Der Akku ist in zwei Einheiten geteilt, so dass relativ viele Zellen in ein schlankes Rahmendesign integriert werden können. Der [...]
Es fehlt das GEOS Gravel (www.geos.de): es wurde auf Anhieb mit dem Eurobike Gold Award prämiert. Der Akku ist in zwei Einheiten geteilt, so dass relativ viele Zellen in ein schlankes Rahmendesign integriert werden können. Der Rahmen besteht aus Stahl mit einer Beschichtung aus chemisch Nickel, wodurch die Oberfläche sehr korrosionsbeständig und kratzfest ist. Dicken Reifen sorgen für einen angenehmen Fahrtkomfort.
joka_110 08.10.2018
4. Naja ...
So ganz viel Ahnung von den E-bikes oder wie auch immer man sie nennen mag scheinen sie mir aber nicht zu haben. Denn im Gegensatz zu den Mofas oder Mopeds muss man bei den Fahrrädern eben noch treten. Insofern ist das schon [...]
Zitat von zoon.politiconElektrifizierung von Fahrrädern, ein Trend, der mir eine Gänsehaut macht: in Grunde sind das Elektro-motorisierte Mofas bzw. Mopeds mit all den Risiken, die nun mal Zweiräder im Verkehr haben: Knautschzone ist das Nasenbein, Schlüsselbeinbruche sind noch die harmlosere Sturzfolge. Vor allem die älteren "Einsteiger" in Elektromobilität sind gefährdet, beherrschen solche "Maschinchen" nicht (Neulich hat mich so ein Elektro-Opa beim Waldlauf fast überfahren). Im "Sport"-Bereich wird dasjenige von den elektrischen Reitern vermieden, was den Nutzen des Ausdauersports für die Gesundheit ausmacht, nämlich ein effektives Training des Herz-Kreislauf- Systems und der (Ausdauer-)Muskulatur mit gut belegten enormen Effekten bei der Vorbeugung der häufigsten Todesursachen (Herz-Kreislau-Erkrankungen). Im alpinen Bereich wirdf die Natur "erobert" und dabei ganz nebenbei zerstört, wenn unsere Spaß-Gesellschaft alpine Steige runterrast, in die letzten Gebiete von Rückzug, Stille einfällt. Und dahinter steht eine Industrie, die satte Gewinne einfährt sowie ein Heer von "Instruktoren", die den ehemaligen, jetzt Schnee-losen Ski-Orten das Vermarkten ihrer Rest-Natur erleichtern.
So ganz viel Ahnung von den E-bikes oder wie auch immer man sie nennen mag scheinen sie mir aber nicht zu haben. Denn im Gegensatz zu den Mofas oder Mopeds muss man bei den Fahrrädern eben noch treten. Insofern ist das schon mal besser für das Herz- Kreislaufsystem als im Auto zu sitzen, oder eben auf dem Mofa oder Roller. Was die MTBs betrifft so ist der Fussabdruck von Fahrrädern in der Bergwelt sicher nachhaltig kleiner als von den alpinen Skifahrern aber sicherlich muss man da aufpassen, das es nicht zu schlimm wird. Für die ältere Generation werden sich eh die ohnehin schon ausgebauten Wege anbieten die auch von Wanderern oder Läufern genutzt werden. Allerdings sich da Kollisionen wie von ihnen beschrieben sicherlich ein Problem. Insgesamt finde ich es dennoch besser wenn die Leute sich bewegen und im Zweifel das Auto stehen lassen. Allerdings finde ich es schon befremdlich, dass der Autor des Artikels wohl ein Cannondale seiner Wahl hinzu bekommen hat wenn man sich die Repräsentation dieser Marke her ansieht. Sie sins erst spät dazugestossen und im MTB Segment auch sicher nicht das non plus Ultra, zudem sie noch den vielgescholtenen Bosch motor haben.
barlog 08.10.2018
5.
Elektrifizierung von Fahrrädern, ein Trend, den ich begrüße. Hoffentlich steigen dadurch noch mehr Menschen vom Auto auf so ein Gerät um und tragen auf diese schöne Weise dazu bei, daß ich im Auto nicht mehr so lange im Stau [...]
Elektrifizierung von Fahrrädern, ein Trend, den ich begrüße. Hoffentlich steigen dadurch noch mehr Menschen vom Auto auf so ein Gerät um und tragen auf diese schöne Weise dazu bei, daß ich im Auto nicht mehr so lange im Stau stehen muss.
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