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Auto

E-Bike für große Menschen

Kleines Riesenrad

Ein kleines Rad für große Menschen? Das Pedelec i:SY DriveE XXL soll für Fahrer bis 2,10 Meter Größe das Leben erleichtern. Tom Hoops, Nachwuchs-Basketballspieler, hat es ausprobiert.

Foto: Achim Multhaupt
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Donnerstag, 23.11.2017   12:33 Uhr

Tom Hoops zieht die rechte Augenbraue hoch. Vor ihm steht ein Fahrrad, das laut Hersteller besonders für große Menschen geeignet sein soll. "Es ist kein gewöhnliches Fahrrad", sagt der 19-Jährige höflich. Doch sein Mienenspiel verrät, dass es ihm komisch vorkommt, ein 20-Zoll-Zwergenrad zu besteigen.

Hoops ist der ideale Tester für das i:SYXXL mit E-Motor. Mit 1,92 Metern ist der junge Mann überdurchschnittlich groß, als Nachwuchs-Basketballer einer Oberliga-Mannschaft überdurchschnittlich talentiert. Er soll nun herausfinden, ob es sich beim Rad für Riesen um geschicktes Marketing handelt oder es der Zielgruppe echte Vorteile verschafft.

Hoops fährt los, er drückt den Knopf für die elektrische Unterstützung am Lenker und wählt von den verschiedenen Fahrmodi (Eco bis Turbo) die Sport-Einstellung. Was sonst? "Hui", ruft er. Für ihn ist es das erste Mal, dass er ein E-Fahrrad fährt. Im Gesicht macht sich ein Lächeln breit. Es dauert nur wenige Sekunden, bis er eine Hand vom Lenker löst und mit seinem mitgebrachten Basketball dribbelt. Die Handlichkeit des Fahrrads? Spätestens damit wäre sie wohl bewiesen. "Das Fahrgefühl ist extrem sicher", schwärmt er.

Fotostrecke

E-Bike i:SY DriveE XXL: Dieses Rad hat keinen Korb verdient

Hoops legt einen Korb nach dem nächsten

Ein regnerischer Tag im November, aufgrund des schlechten Wetters finden die Fotoaufnahmen in der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg statt. Wie Fußballstadien hierzulande trägt auch sie den Namen ihres derzeitigen Sponsors. Normalerweise trainiert Hamburgs Zweitliga-Basketballmannschaft in dem Mehrzweckgebäude, Hoops leistet bei den "Hamburg Towers" seinen Freiwilligen Dienst. Irgendwann will er selbst in der Bundesliga spielen. Fahrradfahren als Training kann da nicht schaden.

Hoops legt einen Korb nach dem nächsten - vom Fahrradsattel aus. Seine Sitzposition beschreibt er als "ausgesprochen angenehm, besser als bei meinem Mountainbike", erklärt er. Sein Fahrrad, ein Erbstück von Mama, nutzte er als Schüler, um täglich zum Unterricht zu fahren. Nach dem Abi kommt es nun seltener zum Einsatz. "Ich sitze aufrechter", stellt er fest. Die Geometrie des 20-Zoll-Fahrrads wurde extra für die Bedürfnisse großer und schwerer Fahrer angepasst. Sitz- und Oberrohr wurden deutlich verlängert, auch das Steuerrohr streckte i:SY um 30 Millimeter im Vergleich zum Standardmodell. "Sattel und Lenker kann ich bei meinem Fahrrad auch nicht so hoch stellen", sagt Hoops. Das Aufsteigen fiele ihm besonders leicht. "Der Einstieg ist ja fast schon U-förmig".

Achim Multhaupt

Stufenlose Gangschaltung - Der Berg steht für eine kleine Übersetzung

Vorsichtig dreht er am rechten Griff der NuVinci N380 Nabenschaltung, die mit einem Riemenantrieb kombiniert wurde. Geräuschfrei und stufenlos legt er so die Gänge ein. "Das ist ja cool", ruft er und zeigt auf die Anzeige der Schaltung. Ein Berg erscheint hinter der Plastikscheibe, die Übersetzung ist nun gering und ideal, um Steigungen zu bezwingen. Zeigt sie eine Ebene, ist die Übersetzung hoch. Bis 25 km/h wird das i:SY elektrisch unterstützt, danach regelt es ab. "Ab 29 km/h fühlt sich der Widerstand so groß an als würde das Rad fast schon bremsen", sagt Hoops.

Wirtschaftlich ist es interessant, ein Fahrrad für Große zu bauen. "i:SY ist da eher spät dran", sagt Branchenkenner Gunnar Fehlau, der den Pressedienst Fahrrad betreibt. Marken wie Velotraum, Utopia oder Kalkhoff hätten diese Lücke schon viel früher erkannt. Vor drei Jahren lag die Durchschnittsgröße bei Männern in Deutschland nach einer Studie des Imperial College in London bei 1,80 Metern - Tendenz steigend. Noch 1914 waren Männer im Schnitt nur 1,67 groß. Zwar macht i:SY offiziell keine Angaben, ab welcher Größe das XXL geeignet ist, doch für Männer und Frauen bis zu 1,90 Meter reicht in den meisten Fällen das Standard-Kompaktmodell. Für die fast buchstäblich wachsende Zielgruppe käme dann das XXL in Frage. Schade nur, dass mit der XXL-Ausführung auch der Preis in die Höhe gegangen ist. Das vergleichbare Kompaktmodell kostet 300 Euro weniger als das ab 3799 Euro teure XXL.

Größerer Durchmesser der Rohre

Woran das liegt? Unter anderem auch an den Veränderungen, die am Rahmen vorgenommen werden mussten, so Nora Rolfsmeier, zuständig für das i:SY-Marketing. Denn mit mehr Körperlänge geht meist auch ein größeres Gewicht einher. Das XXL ist für Menschen bis 140 Kilo ausgelegt, die dann noch einmal 15 Kilo Gepäck mitnehmen dürfen. Dafür wurde der Durchmesser des Hauptrohrs von 50 Millimeter auf 60 Millimeter gesteigert. Ein echter Packesel, der sich mit wenigen Modifizierungen sicher irgendwann einmal zum Lastenrad umbauen ließe.

Achim Multhaupt

Hauptrohr mit größerem Durchmesser als beim Standard-Modell

"Das Fahrrad scheint mir durchdacht", analysiert Regina Marunde, Ergonomieberaterin aus Berlin, die sich die Geometrie des i:SY XXL auf dem Papier angesehen hat. Dass das i:SY kleine Räder hat, spiele für eine gesunde Haltung keine Rolle, sagt sie. Entscheidend seien die größeren Verstellmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Kompakträdern. So gebe das XXL großen Menschen die Möglichkeit, auch ein City-Rad zu fahren und dessen Vorteile zu nutzen - beispielsweise die leichtere Mitnahme in der Bahn.

Trotzdem sieht die Sportlerin Grenzen des Konzepts. Wer schmerzfrei sitzen möchte, muss generell auf den Oberkörper-Oberarm-Winkel achten. Dieser sollte 90 bis 80 Grad betragen. Wird dieser zu eng, entstehen schnell Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich oder auch an den Lendenwirbeln, sagt sie. Das könne bei einem Kompaktrad wie dem i:SY konzeptbedingt schneller der Fall sein als bei Fahrrädern mit einer normalen Rahmengeometrie.

Auch Hoops spürt nach einer ausgiebigeren Testfahrt leichten Druck - aber nur am Po. Der Sattel scheint ihm für Ausflüge etwas unbequem.

Ob er sich das Fahrrad kaufen würde? "Das Rad ist toll", resümiert Hoops, es habe eigentlich keinen Korb verdient. Am Ende winkt er dennoch ab. "Die elektronische Unterstützung ist schön, aber als Sportler bin ich Fan davon, mich zu verausgaben".

insgesamt 19 Beiträge
gruebi01 23.11.2017
1. Warum nicht ein Test mit einem wirklich langen Menschen?
1,92 m mag statistisch über dem Durchschnitt liegen, aber wenn die Entwickler das Rad schon für max. 2,10 m auslegen, hätte man ruhig einen Tester mit über 2 m nehmen können. 1,92m funktioniert eigentlich auf den meisten [...]
1,92 m mag statistisch über dem Durchschnitt liegen, aber wenn die Entwickler das Rad schon für max. 2,10 m auslegen, hätte man ruhig einen Tester mit über 2 m nehmen können. 1,92m funktioniert eigentlich auf den meisten vernünftigen Rädern, da braucht es keine Spezialräder.
googlemeier 23.11.2017
2. Xx?
1. Ihr Proband könnte sich nach ihrem Artikel bei seiner Größe eigentlich auch ein Standardfahrrad kaufen. 2. Warum ein so kleines Fahrrad mit einer unwirklich langen Sattelstütze? Ist es ein Klapprad? Nö. 3. Warum einen [...]
1. Ihr Proband könnte sich nach ihrem Artikel bei seiner Größe eigentlich auch ein Standardfahrrad kaufen. 2. Warum ein so kleines Fahrrad mit einer unwirklich langen Sattelstütze? Ist es ein Klapprad? Nö. 3. Warum einen Leistungssportler mit einem Pedelec herumfahren lassen? Noch dazu in der Halle und dabei Körbe schmeissen, um das Handling zu beurteilen? 4. Wenn sie schon Fahrräder für große Menschen beschreiben, dann wenigstens die Marken erwähnen, die sich darauf spezialisiert haben. Ich (Größe 197 cm) habe lange nach meinen idealen Rädern suchen müssen. Bei den Standardherstellern war da auf jeden Fall niggs zu finden.
benuron 23.11.2017
3. play some hoops
Auch wenn der Nachname für einen Basketballer wirklich mehr als passend ist, gehört er mit 1,92m in Deutschland doch eher zu den kürzeren. In Amerika könnte er dagegen mit der Größe und dem Nachnamen durchaus Chancen bei [...]
Auch wenn der Nachname für einen Basketballer wirklich mehr als passend ist, gehört er mit 1,92m in Deutschland doch eher zu den kürzeren. In Amerika könnte er dagegen mit der Größe und dem Nachnamen durchaus Chancen bei einem aufstrebenden College haben. Allerdings: ein Fahrrad für "große Menschen" von einem 1,92-Krümel testen zu lassen ist einfach doof.
ansv 23.11.2017
4.
Mein Mann misst 1,93 und ist mit seinem Mountainbike-Pedelec mehr 23"-Rädern total zufrieden. Und mit 1,93 hat er auch keine Größe, die im täglichen Leben irgendwie auffällig wäre.
Mein Mann misst 1,93 und ist mit seinem Mountainbike-Pedelec mehr 23"-Rädern total zufrieden. Und mit 1,93 hat er auch keine Größe, die im täglichen Leben irgendwie auffällig wäre.
Haarfoen 23.11.2017
5.
Danke für die Präsentation, ich werde dieses Bike selbst mal abchecken. Bin selbst 2.01 m groß und Fahrräder sind seit meiner Jugend so ein Dauerproblem. Entweder eine sau- teure Spezialanfertigung (die ich mir nie leisten [...]
Danke für die Präsentation, ich werde dieses Bike selbst mal abchecken. Bin selbst 2.01 m groß und Fahrräder sind seit meiner Jugend so ein Dauerproblem. Entweder eine sau- teure Spezialanfertigung (die ich mir nie leisten konnte) oder ein Kompromiss mit Gebastel. Dabei wiege ich lediglich 87 kg. Auch die XXL- Bikes der genannten Hersteller können nicht wirklich überzeugen und sind in der Regel für Kollegen bis 1.95 m ausgelegt. Meistens ist der Abstand zwischen Lenker und Sattel nicht ausreichend und man muss sich was basteln. Das vorgestellte Modell könnte für die City ganz interessant sein. Prima der Gepäckständer vorne, der hinten sieht auch ganz solide aus. Mich hätte es interessiert, den Basketballer mal einen Vormittag durch die City radeln zu lassen ...

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