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einestages

Sexsymbole der Neunziger

Pop und Porno

Sharon Stone und Cindy Crawford, Mark Wahlberg und Leonardo DiCaprio: Die Neunziger waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich, genau wie ihre Sexsymbole. Die erotischsten Stars dieser Zeit - und was aus ihnen wurde.

ddp images
Von
Dienstag, 11.11.2014   14:21 Uhr

Die Autorin Catherine Tramell sitzt im kühlblauen Licht des Verhörraums. Sie trägt die Haare streng zurückgegelt, dazu ein Kleid, eng und sehr kurz, das ihre Beine endlos wirken lässt. Drei Polizisten stellen ihr Fragen, doch sie lächelt nur kalt und überlegen, während sie an ihrer Zigarette zieht. Dann passiert es: Langsam überschlägt sie die Beine mit ihren Highheels. Für eine Sekunde enthüllt die Kamera, dass Tramell nichts unter ihrem Kleid trägt. Den Cops rinnt Schweiß über die Stirn. Genau wie vielen "Basic Instinct"-Zuschauern, die in den Neunzigerjahren endlose Versuche unternahmen, um den Videorekorder zu Hause genau im entscheidenden Moment zu stoppen.

Der Thriller von 1992 um die erotomanische und männermordende Schriftstellerin führte direkt ins kalte Herz der Neunziger. Sharon Stone stieg mit ihrer Skandalrolle augenblicklich zur Femme Fatale des Jahrzehnts auf und zeigte, dass eine neue Art von Sexsymbol die Schönheitsideale der Dekade bestimmen sollte - vom unterkühlten "Basic Instinct"-Star bis zu schillernden Schönheiten wie Cindy Crawford, Naomi Campbell und Linda Evangelista.

Der Fotograf Peter Lindbergh war es, der sich diese damals noch weitgehend unbekannten Models vor die Linse holte und sie zu Stars machte. Im Januar 1990 zierten Campbell, Evangelista, Crawford, Christy Turlington und Tatjana Patitz erstmals das Cover der britischen "Vogue". Schon wenig später sollten diese Superschönheiten das Geld wie Heu nach Hause tragen, in Musikclips von Stars wie George Michael mitspielen und selbstbewusst über Catwalks überall auf der Welt stolzieren.

Laszive Posen mit Banane

Doch die Neunziger hatten auch ein anderes Gesicht: An der Küste Kaliforniens kämpfte parallel Pamela Anderson alias C.J. Parker mit ihrer Crew von ambitionierten Sexbomben wie Carmen Electra und Erika Eleniak in "Baywatch - Die Rettungsschwimmer von Malibu" für mehr Sicherheit im Badeurlaub. In Zeitlupe rannten ihre gestählten und silikonverschönerten Körper hinter Bademeister David Haselhoff wieder und wieder über den Strand und stürzten sich ins Wasser, um Ertrinkende zu retten. Und damit die sie in den tosenden Fluten auch ausmachen konnten, trugen die Retterinnen signalrote Badeanzüge, die durch Beinausschnitte bis zum Nabel unübersehbar waren.

Anders als jene der Siebziger und Achtziger waren die Schönheitsideale der Neunziger disparat - sie reichten von androgynen Laufsteg-Elfen über die drallen TV-Bademeisterinnen Kaliforniens bis zum Heroin-Chic abgemagerter Models mit geschminkten Augenringen. Mitte der Neunzigerjahre schwankte die Welt zwischen Euphorie und Endzeitstimmung, zwischen Exzess und Entbehrung - eine Spannung, die sich auch im Aussehen der damaligen Sexsymbole widerspiegelte.

Die Fotografenlegende David LaChapelle war einer der Vorreiter dieser Zeitgeistdämmerung zwischen Pop und Porno. Er lichtete unter anderem 1995 einen blonden Jüngling namens Leonardo DiCaprio in lasziven Posen vor kaugummibunten Sets ab: Mal hielt der Jungstar, auf Früchten gebettet, neckisch eine Banane in die Höhe, mal lehnte er sich mit Cowboyhut und aufgeknüpftem Hemd lässig an eine Tanksäule, dann wieder räkelte er sich halb entblättert in knackenger Lack-und-Leder-Kluft in einem Sessel. LaChapelle inszenierte den Jungstar betont sexy - und ziemlich schwul. DiCaprio stand für einen neuen Sexappeal, der Geschlechterklischees in Frage stellt.

Warten auf den Weltuntergang

Erotik in den Neunzigern war selten plump wie die Schulmädchenreporte der Siebziger, sondern mit Irritationen, Ironie oder Philosophie garniert: "Pulp Fiction" inszenierte Uma Thurman betont künstlich mit lackschwarzen Haaren, weißer Bluse und dunkel lackierten Fingernägeln. Noch heute hängt das Filmposter in unzähligen WG-Küchen. Eiskalt und philosophisch war hingegen die Erotik von Atom Egoyans Kinofilm "Exotica". Vielleicht war dieser neue, doppelbödige Sexappeal nicht zuletzt ein Ergebnis der Geißel Aids, die die Neunziger zutiefst erschütterte.

Blass, dünn und von Aids verunsichert wankten am Ende der Neunziger Slacker-Ikonen wie Beck Hansen dem Millennium entgegen. Die schillernden Sexsymbole der Neunziger schienen vergessen, es kursierten Gerüchte, dass zur Jahrtausendwende sowieso alle Computer kollabieren würden - oder Schlimmeres.


einestages erinnert an die größten Sexsymbole der Neunzigerjahre von Brad Pitt und Kate Moss bis zu Markus Schenkenberg und Cindy Crawford - hier in der Fotostrecke.

Fotostrecke

Sexsymbole der Neunziger: Marky Mark und Malibus Bademeisterinnen

Die Katastrophe blieb aus, die Welt ging Anfang 2000 bekanntlich nicht unter. Und so konnten wir zehn Jahre später einen schwitzenden, bleichen Leonardo DiCaprio in "Shutter Island" bewundern, der mit blutunterlaufenen Augen gegen den Wahnsinn ankämpfte - oder einen spiztbärtigen, Pfeife rauchenden DiCaprio in Quentin Tarantinos "Django Unchained".

Von dem jungenhaften Charme des US-Darstellers ist nicht mehr viel zu spüren - seiner Karriere hat dies jedoch keinen Abbruch getan. 2014 feierte DiCaprio seinen 40. Geburtstag - und ist noch immer so gut im Geschäft wie 20 Jahre früher.

insgesamt 15 Beiträge
Peter Wischkowski 11.11.2014
1. Sharone Stone
Auch wenn Basic instinct sie bekannt machte, diese Ausssage dazu stimmt natürlich nicht: "Versuche, an diesen Erfolg anzuknüpfen... ...scheiterten allerdings weitgehend." Der größte Erfolg sollte noch kommen, [...]
Auch wenn Basic instinct sie bekannt machte, diese Ausssage dazu stimmt natürlich nicht: "Versuche, an diesen Erfolg anzuknüpfen... ...scheiterten allerdings weitgehend." Der größte Erfolg sollte noch kommen, Martin Scorseses grandiose Mafiaepos "Casino" Dafür gab es zu Recht 1995 den Oscar(Beste Hauptdarstellerin – Drama) und sie arbeitete mit den ganz großen z.B. Robert De Niro, auch danach 2005 mit Jim Jarmusch und Bill Murray im wundervollen "Broken Flowers", ja auch der in in Cannes gefeiert...
Horst Schmitter 11.11.2014
2.
Die Nuller waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Zehner waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Zwanziger waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Dreiziger waren schillernd, [...]
Die Nuller waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Zehner waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Zwanziger waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Die Dreiziger waren schillernd, ironisch und oft widersprüchlich. Berichtet unsere aktuelle Praktikantin Hedwig, Ursula, Gabriele, Cindy, Hedwig, Ursula, Gabriele, Cindy, Ursula...
Cheradenine Zakalwe 11.11.2014
3.
"Blass, dünn und von Aids verunsichert wankten am Ende der Neunziger Grunge- und Slacker-Ikonen wie Kurt Cobain und Beck Hansen dem Millennium entgegen." Kurt Cobain wankte Ende der Neunziger leider nicht mehr, da [...]
"Blass, dünn und von Aids verunsichert wankten am Ende der Neunziger Grunge- und Slacker-Ikonen wie Kurt Cobain und Beck Hansen dem Millennium entgegen." Kurt Cobain wankte Ende der Neunziger leider nicht mehr, da war er schon ein paar Jahre tot.
Albert Müller 11.11.2014
4. Strunzlangeweilger Artikel ...
.. strunzlangweilige Photoserie. Das passiert, wenn Der Spiegel auf Boulevard macht. Zum Gähnen! Alles zum 10. Mal aufgewärmt.
.. strunzlangweilige Photoserie. Das passiert, wenn Der Spiegel auf Boulevard macht. Zum Gähnen! Alles zum 10. Mal aufgewärmt.
Gerd Benn 11.11.2014
5.
Und kein Wort über Gillian Anderson.
Und kein Wort über Gillian Anderson.

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