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einestages

Skilegende und Modemann Bogner

Wo ein Willy ist, ist auch ein Weg

Er war Skirennfahrer, Modedesigner, Unternehmer und machte mit Filmen wie "Feuer und Eis" Extremsport populär. Heute wird Willy Bogner 75. Hier erzählt er von Traumpisten - und wie er einen frühen Walkman erfand.

ddp images/ Willy Bogner Film
Ein Interview von Florian Kinast
Montag, 23.01.2017   14:51 Uhr

Zur Person

einestages: Herr Bogner, Sie sagten einen fast philosophischen Satz bei unserem Gespräch vor fünf Jahren.

Bogner: Oha. Was denn?

einestages: "Im Alter geht das Älterwerden immer schneller." Wie schnell sind Sie in den vergangenen fünf Jahren gealtert? Rast die Zeit?

Bogner: Die Zeit ist ein Thema, das mich schon mein Leben lang begleitet. Als Skirennläufer ging es um Hundertstelsekunden. Wenn du eine ganze Sekunde verloren hast, warst du nicht Erster, sondern auf Platz 37. Im Beruf und vor allem privat in der Familie ist der Zeitrhythmus ganz anders: Mal geht eine Minute mit einem Wimpernschlag vorbei, mal dauert sie gefühlt eine Stunde.

einestages: Würden Sie die Zeit jetzt lieber verlangsamen?

Bogner: Nicht unbedingt. Ich lebe eh schon entschleunigter als früher. Im Alter wirst du gelassener und lässt dich nicht mehr so jagen. Heute leiste ich es mir schon einmal, fünf Minuten zu spät zu kommen - früher für mich undenkbar. Kurzum, es pressiert nicht mehr so.

einestages: Fürchten Sie die Zahl 75, weil es nun auf die 80 zugeht?

Bogner: Nein. Das ist nur eine Zahl. Es kommt immer drauf an, wie man sich gerade fühlt. Wenn ich in der Früh unausgeschlafen bin, komme ich mir vor wie über 80. Und wenn ich hellwach Auto fahren und mich konzentrieren muss, wie Anfang 30.

einestages: In welchem Alter fühlen Sie sich beim Skifahren?

Bogner: Zwischen 20 und 30. Je nach Abfahrt und Schneelage.

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Willy Bogner wird 75: Ein Walkman für Karajan

einestages: Trauen Sie sich noch jede Piste zu?

Bogner: Ja. Es muss aber nicht mehr die steilste und eisigste sein. Man wird entspannter. Früher musste ich überall runter, heute kann es auch eine easy rote Piste sein, mir reichen auch schon mal drei Abfahrten an einem Tag. Ich bin jetzt mehr ein Genuss-Skifahrer.

einestages: Was ist für Sie das Nonplusultra des Genusses?

Bogner: Tiefschneefahren in Kanada. Durch 30 Quadratkilometer unberührtes Gebiet fahren und tagelang seine eigenen Spuren in den Schnee zu ziehen, das ist das Höchste der Gefühle.

einestages: Fühlte es sich nach großem Genuss an, als Sie vor 40 Jahren nach dem Tod Ihres Vaters den elterlichen Betrieb übernahmen? Sie sagten einmal: "Ich wollte nie ein Klamottenmensch werden."

Bogner: So sehe ich mich auch heute nicht, als reinen Klamottenmenschen. Mir ging es schon immer viel mehr darum, ein Lebensgefühl zu transportieren, mit der Mode wie auch mit meinen Filmen. Die Schönheiten des Sports und der Natur zu zeigen. Das war ja mein Glücksfall, dass ich nach Übernahme der Firma meine Leidenschaft als Kameramann mit dem Job als Modemacher kombinieren konnte, dass wir die eigenen Kreationen mit unseren Filmen auch schön präsentieren konnten.

einestages: Auf welche Kreation sind Sie besonders stolz?

Bogner: Mehr auf eine Erfindung - eigentlich habe ich den Walkman erfunden. Einen Skianzug mit Kassettenspieler und dazu eingebautem Kopfhörer in der Haube. Das war 1974, lange vor dem Siegeszug des Sony-Walkmans. Da gibt es eine ganz lustige Geschichte: Der Nachbar unseres Hauses in St. Moritz war damals Herbert von Karajan. Ich habe ihn den Walkman-Anzug ausprobieren lassen und am Abend gefragt, welche Symphonie er sich angehört habe. Bruckner? Beethoven? "Gar nichts", erwiderte er, "seichte Unterhaltungsmusik. Bei Klassik hätte ich mich nur geärgert. Da höre ich jeden Fehler raus."

einestages: Warum haben Sie sich die Erfindung nicht patentieren lassen?

Bogner: Ging nicht, weil es nur die Kombination aus schon vorhandenen Elementen war, Skianzug plus Kopfhörer. Witzig war, dass Karajan damals mit Sony-Gründer Akio Morita unterwegs war. Ob das bei ihm zur Idee der Walkman-Entwicklung beigetragen hat? Auszuschließen ist es nicht.

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einestages: Gab es auch eine Kreation, die Ihnen im Nachhinein besonders peinlich war?

Bogner: Ganz schwer. Wir merken das bei Präsentationen unserer neuen Kollektionen, da fällt immer ein Teil raus. Kannst du nicht berechnen und nicht festnageln. Der Geschmack der Menschen ist immer anders und nicht messbar. Wichtig ist nur, dass du als Modeunternehmer mehr erfolgreiche Kollektionen entwickelst als erfolglose.

einestages: Erfolg hatten Sie als Ausstatter der Olympiamannschaft bei Winterspielen. Seit Garmisch 1936 rüstete die Firma Bogner 19-mal in Folge das deutsche Team aus, zuletzt in Sotschi 2014. Nun hat Sie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ausgebootet. Wie kam's?

Bogner: Ich fand das uns gegenüber eine sehr unfaire Behandlung. Es ist traurig, gerade wenn man so lange so engagiert und zum Besten der Mannschaft zusammengearbeitet hat. Erfahren habe ich davon etwa vor einem Dreivierteljahr.

einestages: Gab es keine Ausschreibung?

Bogner: So weit kam es leider nicht mehr. Wir haben nur die Information erhalten, dass Adidas die Ausstattung nun exklusiv macht. Sehr schade, als Unternehmen haben wir uns schließlich immer sehr um die olympische Idee gekümmert, auch in meiner Zeit als Chef der Münchner Winterspielbewerbung 2018, bis ich damals aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

einestages: München scheiterte im Anlauf für 2018, eine Bewerbung für 2022 kam wegen des Bürgerentscheids erst gar nicht zustande. Ist Olympia den Menschen nicht mehr vermittelbar?

Bogner: Mir ist immer noch ein Rätsel, warum das beide Male auf so viel Widerstand stieß. Lange stellten sich die Landwirte in Garmisch quer. Das wäre doch so eine riesige Werbung für den Ort und das Land gewesen, davon hätten alle profitiert. Ich denke, es ist auch ein Medienproblem. Negative Geschichten in Sachen Olympia verkaufen sich besser als positive.

einestages: Nun ja, die jahrzehntelange Korruption im IOC, systematisches Staatsdoping wie im Fall Russland, das Kuschen von IOC-Boss Thomas Bach vor seinem Freund Putin - soll man das verschweigen?

Bogner: Natürlich nicht. Es gibt aber eben auch so viele positive und schöne Storys, nur sind die vielleicht zu normal, um darüber zu berichten.

einestages: Die vielen positiven Geschichten, die auch geschrieben werden, ändern nichts am massiven Imageproblem Olympischer Spiele. Was muss der Sport tun, um wieder sauberer zu werden?

Bogner: Ich bin ganz klar für kompromisslos lange Sperren bei Doping. Für den Athleten, aber auch für die Leute dahinter, Trainer, Funktionäre. Allerdings hat es Beschiss seit den alten Griechen gegeben. Die Frage war immer schon: Wer wird erwischt und wer nicht?

einestages: Auch zu Ihrer aktiven Zeit, als Sie 1960 und 1964 an Winterspielen teilnahmen?

Bogner: Heile Welt war nie.

einestages: 2016 haben Sie die Firmenleitung an Ex-Ralph-Lauren-Chef Alexander Wirth abgegeben. Wie ist nun Ihre Rolle im Haus?

Bogner: Meine Frau und ich wollen uns immer mehr zurückziehen, wieder mehr Zeit haben. Wir bleiben aber Eigentümer.

einestages: Im letzten Geschäftsjahr ging der Gewinn zurück. Woran lag's?

Bogner: Der ganze Markt ist im Umbruch. Immer mehr geht übers Internet, da müssen auch wir uns den neuen Gewohnheiten der Kunden anpassen. Schwankungen sind in unserem Business völlig normal. Wichtig ist dann, die Ursachen schnell zu beheben. Was mir Mut macht: Die Kostensenkungen und Umstrukturierungen greifen, wir sind auf einem guten Kurs.

einestages: Sie verordneten Ihrem Unternehmen eine "Schlankheitskur", das klingt nach Stellenabbau.

Filmausschnitt "Feuer, Eis & Dynamit": Das Downhill-Rennen

Bogner: So etwas ist nie lustig, aber auch solche Phasen hatten wir immer wieder. Das ist, als wenn man sich zu wenig bewegt, darum zu viel Speck ansetzt und nicht mehr schnell genug ist. Da muss dann auch wieder was runter. Ich bin mir sicher, wir werden bald wieder in der Erfolgsspur sein.

einestages: Verraten Sie uns, wie Sie Ihren Geburtstag feiern?

Bogner: Keine Ahnung, das habe ich meiner Frau überlassen. Die wird sich schon eine Überraschung ausgedacht haben.

einestages: Und welche Wünsche haben Sie mit 75?

Bogner: Fit zu bleiben, dass ich mich weiter bewegen kann und Spaß am Skifahren habe. Kurzum: Gesundheit. In der Preisklasse, in der ich mich in dem Alter bewege, ist das das Wichtigste.

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