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einestages

Falklandkrieg

Triumph der Eisernen Lady

Ein paar Felsen, Schafe, Pinguine - vor 35 Jahren besetzte Argentinien die Falklandinseln. Das britische Imperium schlug mit aller Härte zurück.

AP
Von
Freitag, 31.03.2017   13:32 Uhr

Am 1. April 1982 wurde klar: Die "Argies" kommen. Eine Invasionsflotte nahm Kurs auf die Falklandinseln. Über Funk alarmierte das britische Kriegsministerium die Garnison, dass jederzeit argentinische Feindtruppen auf Falkland Ost und West landen könnten, den 13.000 Kilometer vom Mutterland entfernten Inseln im Südatlantik, kleiner als Schleswig-Holstein.

In der Kaserne sprach Garnisonskommandeur Mike Norman zu seinen Soldaten. Sie sollten bis zur diplomatischen Lösung des Konflikts kämpfen - oder bis sie überwältigt würden. Ein Himmelfahrtskommando. Denn die Falkland-Garnison aus nur 68 Marines war in der Mannschaftsstärke den anrückenden Argentiniern 20:1 unterlegen, ähnlich bei der Feuerkraft. Dennoch bezogen die Soldaten an strategisch wichtigen Punkten Stellung, die meisten Männer vor der Hauptstadt Port Stanley.

Dort ließ Gouverneur Rex Hunt die britische Flagge nicht - wie üblich - bei Sonnenuntergang einholen. Fast die ganze Nacht übte er, eine geliehene 9-mm-Automatikpistole zu laden und zu spannen. Am Morgen des 2. April erfuhr Hunt um 3.30 Uhr, dass US-Präsident Ronald Reagan per Anruf versucht hatte, Argentiniens Präsidenten General Galtieri zum Verzicht auf die Invasion zu überreden. Zu spät. Eine Stunde später setzten Hubschrauber die ersten 120 Soldaten einer argentinischen Spezialeinheit ab, zugleich kamen ein Flugzeugträger, vier Zerstörer und vier Landungsfahrzeuge an.

Mann gegen Mann, wie im Ersten Weltkrieg

Binnen weniger Stunden überrollten die Argentinier das Gebiet um Port Stanley. Die britischen Soldaten ergaben sich um 9.25 Uhr. Den Union Jack vor dem Gouverneurssitz ersetzte nun die weiß-blaue argentinische Fahne, der Gouverneur musste die Falklandinseln verlassen - Hunt war überzeugt, dass er wiederkommen würde.

Die britischen Soldaten wurden als Kriegsgefangene interniert. Major Norman war stolz, dass er keinen Mann verloren hatte. Seine Marines hatten fünf Feinde getötet, 17 verwundet, ein gepanzertes Fahrzeug abgeschossen. "Wir sind zwar nicht als Erste durchs Ziel gegangen", prahlte Norman, "aber wir haben unsere Leute über die Distanz gebracht."

Fotostrecke

Falklandinseln: Der anachronistische Krieg im Südatlantik

Die Landung der Argentinier bedeutete keineswegs das Ende des Konflikts. Es war der Auftakt zu einem 74-Tage-Krieg, den man sich kaum hatte vorstellen können. Im ausgehenden 20. Jahrhundert gab es zunehmend Bürgerkriege in zerfallenden Dritte-Welt-Staaten, Kämpfe zwischen verfeindeten Ethnien sowie asymmetrische Kriege mit Terror und Selbstmordattentaten gegen Hightech-Armeen.

Die Seeschlachten und Landeunternehmen um die Falklands wirkten wie aus der Zeit gefallen. Bei der Rückeroberung sollte es noch zu Schützengrabenkämpfen wie im Ersten Weltkrieg kommen.

Der Putsch-General wurde entmachtet

Zum "bizarren, hirnlosen Streit zwischen nostalgischem Imperialismus und nostalgischem Faschismus" (so der britische Autor Julian Barnes) kam es, weil er zwei Staatschefs ins Konzept passte. Militärherrscher Leopoldo Galtieri wollte mit der "Heimholung" der Islas Malvinas vor Argentiniens Küste von innenpolitischen Problemen ablenken. Aus ähnlichem Kalkül entschied Margaret Thatcher, wegen der fernen Inseln in den Krieg zu ziehen. Siege an der Heimatfront - die suchten beide, der Putsch-General wie die britische Premierministerin.

Nur vorübergehend ging Galtieris Rechnung auf. Im Siegestaumel nach der Invasion vergaßen viele Argentinier ihre Wirtschaftsmisere und die grausame Verfolgung von Oppositionellen. Statt als Faschisten nahmen sie die Militärs in Buenos Aires plötzlich als antikolonialistische Kämpfer wahr. Die Guerilla-Gruppe der Montoneros schlugen der verhassten Junta einen Waffenstillstand vor, auch Castros Kuba und Perus linker Präsident Alan Garcia boten Hilfe an.

Nachdem aber die Briten die Falklands am 14. Juni zurückeroberten, wurde Galtieri sang- und klanglos entmachtet. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Menschenrechtsverletzungen und Missmanagements während des Falklandkriegs zu zwölf Jahren Haft.

Foto: SPIEGEL TV

Falkland-Siegerin Margaret Thatcher wurde als "Eiserne Lady" weltberühmt. Sie war wegen ihrer Steuerhilfen für die Begüterten und sozialen Einschnitte bei vielen Briten verhasst, als sie 1982 nach fast dreijähriger Amtszeit Argentinien den Krieg erklärte. Im Jahr darauf verdreifachte sie bei der Wiederwahl die Mehrheit der Unterhaussitze ihrer Konservativen Partei - trotz drei Millionen Arbeitslosen, hoher Zinsen und zahlreicher Firmenpleiten. "Für Großbritannien", schrieb das "Wall Street Journal", "bedeutet der Falkland-Sieg nicht nur die Rückgewinnung der Inseln, sondern auch des internationalen Ansehens und des Selbstrespekts."

Tatsächlich waren die Falklandinseln immer ein Symbol britischer Macht. Der Unterhalt des fernen Außenpostens kostete viel, die Erlöse durch Schafzucht und Fischfang waren winzig. 1833 hatte die damalige Weltmacht die Inseln besetzt und die wenigen argentinischen Siedler vertrieben. Im Umfeld des Flottenstützpunktes versenkten britische Schiffe im Ersten Weltkrieg ein kaiserliches Geschwader unter Admiral Graf Spee. Eine Granate des deutschen Kreuzers "Leipzig" an der Gouverneursresidenz erinnerte über viele Jahre an die Falklandschlacht vom 8. Dezember 1914.

Verhandlungen? Nicht mit Thatcher

Seit den Sechzigerjahren unterstützte die Uno lateinamerikanische Bemühungen, die Falklands zu dekolonisieren. London lehnte Gespräche ab; die knapp 3000 Inselbewohner hatten per Volksentscheid fast geschlossen für den Verbleib bei Großbritannien gestimmt. Dennoch gab es - wie 2013 veröffentlichte Dokumente belegen - selbst in Thatchers Regierung Verfechter einer Verhandlungslösung. Vier Tage nach der argentinischen Landung schlug Thatchers Stabschef David Wolfson vor, die Inseln aufzugeben. Wer nicht unter argentinischer Oberhoheit leben wollte, sollte mit 100.000 Dollar pro Familie und Aufenthaltsgarantien für Großbritannien, Australien oder Neuseeland entschädigt werden.

Doch Thatcher hörte auf die no surrender group - totaler Krieg gegen die Argies. In internationalen Gewässern versenkte ein U-Boot am 2. Mai den argentinischen Kreuzer "General Belgrano". Zwei Tage später trafen argentinische Raketen den britischen Zerstörer "Sheffield".

Angesichts der Eskalation wollte Uno-Generalsekretär Pérez de Cuéllar Zeit gewinnen: Als die Argentinier am 11. Mai ihre Forderung nach sofortiger Oberhoheit über die Inseln fallen ließen, forderte er die Briten zum Waffenstillstand auf; sie sollten eine Uno-Übergangsverwaltung mit argentinischen und britischen Vertretern akzeptieren.

Ein Überbleibsel des Imperialismus

London war nicht interessiert und stellte die Invasionsflotte zur Rückeroberung zusammen: zwei Flugzeugträger, 42 Kriegs- und 22 Versorgungsschiffen, 62 zivile Schiffe, darunter der zum Truppentransporter umgemodelte Luxuskreuzer "Queen Elisabeth II". Am 21. Mai landeten 3000 britische Soldaten an mehreren Stellen.

Mit ihnen kamen 28 Reporter und mussten ihre Berichte sieben Zensoren vorlegen. Die nahmen Streichungen vor, änderten auch schon mal "Fehlschlag" in "Erfolg" und machten aus einem irrtümlichen Schusswechsel unter Briten ein "siegreiches Feuergefecht".

Die Offensive lief weitgehend wie geplant. Denn den mittlerweile 13.000 auf den Inseln stationierten argentinischen Soldaten haperte es an Ausbildung wie Bewaffnung. Sie hatten keine Winterkleidung; ihre Versorgung klappte nicht. Eine Falklandfarmerin erzählte von drei frierenden Argentiniern, die nach Essen fragten und Hühnerfutter mitnahmen, als sie hörten, dass die Vorräte aufgebraucht waren. Am 14. Juni nahmen die Briten die in Puerto Argentino umbenannte Hauptstadt Port Stanley ein - und abends am 21 Uhr ergaben sich die Argentinier.

Im Zwölf-Wochen-Waffengang fielen 649 argentinische und 255 britische Soldaten; als einzige Zivilopfer starben drei Frauen im Artillerie-Beschuss. Durch den anachronistischen Krieg vor 35 Jahren behielten die Briten ihre Falklandinseln, ein Überbleibsel des Imperialismus. Dagegen hatte sie Kolonialperlen wie Indien und die afrikanische Goldküste (heute Ghana) längst kampflos aufgegeben.

Immerhin: Nach Galtieris schmachvollem Abgang in Argentinien kippten die Militärdiktaturen in Brasilien, Chile, Uruguay. Und die von Kuba unterstützte Revolutionäre Befreiungsbewegung von El Salvador schickte Margaret Thatcher Blumen, dazu diese Botschaft: "Sie haben bewirkt, was wir nicht schaffen konnten. Seit der Entsendung ihrer Falklands-Invasionstruppen wurden 266 argentinische Militärberater aus Mittelamerika zurückgezogen. Wir danken Ihnen."

insgesamt 45 Beiträge
Rene Peters 31.03.2017
1. Affenschande!
Ja ja, ... die Margarete! Hat sie diesen "anachronistischen Krieg" nur geführt, um die nächsten Wahlen zu gewinnen! Ohne ihn hätte sie die sicherlich verloren, … Gibraltar aber auch! Keine Sorge, die Briten werden [...]
Ja ja, ... die Margarete! Hat sie diesen "anachronistischen Krieg" nur geführt, um die nächsten Wahlen zu gewinnen! Ohne ihn hätte sie die sicherlich verloren, … Gibraltar aber auch! Keine Sorge, die Briten werden auch dort irgendwann verschwinden, aber erst, wenn diese dreisten Affen den Felsen dort endgültig geräumt haben. Besonders dieser freche, dicke, der mir die Fototasche geklaut hat.
Stephan Altrogge 31.03.2017
2. Recherche?
Was ist denn ein"4-b" Jet? Wikipedia ist dein Freund: Argentinien Argentinien flog die A-4P/Q von 1965 bis 1999 und seitdem die A-4AR. 1982 wurden die argentinischen Skyhawks im Falklandkrieg eingesetzt. Dabei [...]
Was ist denn ein"4-b" Jet? Wikipedia ist dein Freund: Argentinien Argentinien flog die A-4P/Q von 1965 bis 1999 und seitdem die A-4AR. 1982 wurden die argentinischen Skyhawks im Falklandkrieg eingesetzt. Dabei gingen 19 A-4P und 3 A-4Q verloren. Ihrerseits versenkten die A-4P/Q den Zerstörer HMS Coventry (D118), die Fregatten HMS Antelope (F170) und HMS Ardent (F184) und das Landungsschiff RFA Sir Galahad (L3005). Die letzten A-4AR sollen noch bis 2018 betrieben werden[1]. So wird ein Schuh draus. Die Raketen waren übrigens französische Exocet. Ein wirklich internationaler Krieg: Südamerikaner versenken mit nordamerikanischen Flugzeugen und französischen Raketen englische Schiffe. Wäre ein interessanter Aspekt für den Artikel gewesen, aber ist ja eh alles anachronistisch.
Werner Meise 31.03.2017
3.
Die Lehre jenes Krieges ist, daß die NATO einen nicht schützt, wenn der Kriegsgegner auch NATo-Mitglied ist. Dann hängt alles davon ab, wen die USA mehr mögen.
Die Lehre jenes Krieges ist, daß die NATO einen nicht schützt, wenn der Kriegsgegner auch NATo-Mitglied ist. Dann hängt alles davon ab, wen die USA mehr mögen.
Georg Ritter 31.03.2017
4. Zusammengefassung
Zusammengefasst: Die charakterlich verrottete, faschistische, folternde Elite eines kaputten Landes schickt arme Teufel von Soldaten (die sie später im Stich lässt, denn kaum ein argentin. Offizier gerät in [...]
Zusammengefasst: Die charakterlich verrottete, faschistische, folternde Elite eines kaputten Landes schickt arme Teufel von Soldaten (die sie später im Stich lässt, denn kaum ein argentin. Offizier gerät in Kriegsgefangenschaft) in einen Krieg, um vor dem eigenen dummen Volk großartig dazustehen. Es sollen Inseln erobert werden, deren Bewohner mit den Invasoren nichts zu tun haben wollen - wie übrigens auch das Volk des Invasorenstaates in der Regel nichts mit seinen Oberen zu tun haben will. Der Invasorenarmee wird von ihren Offizieren, an denen nur das Maul groß ist, erzählt, die Verteidiger seien weit weg und unfähig. Die Verteidiger kommen dahergedampft, die Invasorenoffiziere fliehen mutig mit ihren Helikoptern, die frierenden Soldaten werden gefangengenommen und heimgeschickt, und der Invasorenchef wird gestürzt. Wie immer in Kriegen werden die Falschen erschossen (alle Folteroffiziere überleben leider), und wie immer richten einige weiterhin Unheil an: Das Invasorenland ist noch immer kaputt, und weiterhin quäken dort einige der großartigen Politiker aggressiv in der Gegend rum, statt ihr Land in Ordnung zu bringen.
Christian van Neuves 31.03.2017
5. Kosten
Was die Kosten des Krieges für das Königreich anbelangt - laut Thatcher vor dem Parlament waren das 1,2 Milliarden Dollar, anderweitig findet man £2.8 Milliarden - da hätte man jedem Falkländer eine Million in welcher [...]
Was die Kosten des Krieges für das Königreich anbelangt - laut Thatcher vor dem Parlament waren das 1,2 Milliarden Dollar, anderweitig findet man £2.8 Milliarden - da hätte man jedem Falkländer eine Million in welcher Währung auch immer, in die Hand drücken und auf das Blutvergießen verzichten können. Eine Million war damals noch ein äußerst ansehnlicher Batzen Geld. Was die Versenkung der General Belgrano mit ihren über 300 Toten anbelangt, dar:über kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein. Das Schiff war außerhalb der Kriegszone und nahm nicht aktiv an den Feindseligkeiten teil.

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