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einestages

Fußballer als Schauspieler

Kicker? Kino? Katastrophe!

Für seinen Auftritt in "King Arthur" erntete David Beckham nur Spott. Neymar und Cantona, Beckenbauer, Breitner und Vogts - schon viele kickende Kollegen machten Filmausflüge. Meist ging das schief.

AP/ Warner Bros.
Von und
Mittwoch, 17.05.2017   14:07 Uhr

Ehrfürchtig hält die Menge den Atem an, als Artus auf den Stein zuschreitet. Der massive Fels, schwarz wie die Nacht, hält noch immer die Klinge des mythischen Schwertes Excalibur gefangen. Jenes Schwert, das schon Hunderte der stärksten Kämpfer des Landes aus dem Stein ziehen wollten - und scheiterten. Jenes Schwert, das sich laut Weissagung nur vom rechtmäßigen König der Briten bewegen lässt.

Nun hat man Artus hierhergeführt, einen Jungen von der Straße. Trotzig sieht er sich um. Was soll er hier?

"Auf meinem Knie herumhoppeln!", quäkt eine nasale Stimme aus dem Off, "was glaubst du denn? Hände an den Griff, du dumme Nuss!" Es ist "Trigger", ein von tiefen Narben gezeichneter Soldat des Diktators Vortigern, das heißt... nein: Es ist der millionenschwere Fußball-Megastar David Beckham! Nur mit ein paar geschminkten Narben und einer albernen, krummen Plastiknase im Gesicht.

An drei Fußballweltmeisterschaften hat Beckham im Zuge seiner Profikarriere teilgenommen. 19 wichtige Pokale gewonnen. 111 Tore in der Premier League und Champions League geschossen, bevor er seine Karriere 2013 austrudeln ließ. Er war Kapitän der englischen Nationalmannschaft, zweimal fast Weltfußballer des Jahres, trug viele Tätowierungen und wechselnde Frisuren spazieren. Immer hatte er die Haare schön und wurde zur internationalen Werbeikone. Doch mit seinem jüngsten Auftritt in Guy Ritchies Film "King Arthur: Legend of the Sword", einer Neuauflage der Artus-Sage, konnte er eigentlich nur verlieren.

"Gib dem Kaninchen eine Möhre extra"

"Das ist die schlechteste Schauspielerei, die ich je gesehen habe", zitierte die "Daily Mail" einen erbosten Zuschauer. Viele fällten ein ähnlich verheerendes Urteil: So schimpfte der "Telegraph", Beckham "sabotiere" mit seinem Auftritt regelrecht diese Schlüsselszene und zeige dabei "in etwa genug dramatische Bandbreite, um den Stein zu spielen, in dem das Schwert steckt". Das britische Filmmagazin "Empire" urteilte gar, "King Arthur" werde unter anderem durch diesen "peinlichen Cameo-Starauftritt für die Ewigkeit ruiniert".

Fußballer in Filmen - kann denn das überhaupt gutgehen? Neu ist diese Frage nicht. Schon 1999 brachte etwa Berti Vogts' Auftritt in der "Tatort"-Episode "Habgier" Kritiker zum Ächzen. Wie versteinert stand der ehemalige deutsche Nationalspieler und -trainer vor der Kamera und kraulte dabei ein Karnickel, das sich weniger vor dem Rampenlicht zu scheuen schien als er. Sein vollkommen emotionslos vorgetragener Text wurde legendär: "Gib dem Kaninchen eine Möhre extra. Es hat uns das Leben gerettet." Die Szene hingegen war kaum noch zu retten.

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Kicker im Kino: "Ich bin kein Held. Ich bin nur ein Fußballspieler"

Vermutlich war Vogts nur seinem eigenen Rat gefolgt - hatte er doch 1995 erklärt: "Fußballer müssen endlich wieder kapieren, dass Qualität von Qual kommt."

Um die Schmerzen der nicht ganz so fußballaffinen Zuschauer in Grenzen zu halten, begrenzten umsichtige Regisseure die Auftritte ihrer Kicker-Gaststars oft auf ein Minimum an Schauspiel. So muss etwa FC-Barcelona-Stürmer Neymar bei seinem Cameo in "xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" an der Seite von Samuel L. Jackson nur kurz grimmig gucken - und darf dann tun, was er am besten kann: kicken. Nämlich einen Serviettenhalter an den Kopf eines Räubers.

Der trug wahrscheinlich ähnliche Kopfschmerzen davon wie die Zuschauer, die 1967 über Sepp Maiers Gastauftritt in der Militärklamotte "Wenn Ludwig ins Manöver zieht" staunten. Oder über Carlo Ancelottis Auftritt in Terence Hills Prügel-Klamauk "Keiner haut wie Don Camillo" von 1983. Oder über Paul Breitner 1976 als "Sergeant Stark" in der Westernkomödie mit dem großartigen Titel "Potato Fritz".

Entscheidend ist auf'm Platz

Quer durch die Jahrzehnte haben Regisseure immer wieder Fußballspieler rekrutiert, auch wenn deren schauspielerisches Können eher durchwachsen war. Immerhin sicherte allein ihre Prominenz eine gewisse Aufmerksamkeit für den Film.

Klar, ganz fair ist es nicht, sich über diese Leinwandausflüge lustig zu machen. Am Ende gilt schließlich: Fußballer müssen nicht im Film spielen können - entscheidend ist auf'm Platz.

David Beckham wurde übrigens am Ende doch noch eine Begabung für beides zugesprochen. Regisseur Guy Ritchie selbst verteidigte ihn für seinen umstrittenen Auftritt in "King Arthur" vor den Kritikern: Beckham sei ein "sehr talentierter" Schauspieler.

Ob dem Fußballer denn nun eine große Leinwandkarriere bevorstehe? Dazu wollte der Regisseur sich dann doch lieber nicht äußern.

insgesamt 17 Beiträge
Rainer Schuetz 17.05.2017
1. Vinnie Jones , Eric Cantona = gut
Gute schauspielerische Leistungen mit hoher Fangemeinschaft ! Die Filme haben wahrscheinlich keine Preise in Cannes gewonnen aber den hat der "Big Lebowski" auch nicht Und für Ingmar Bergmann Fans gibt es andere [...]
Gute schauspielerische Leistungen mit hoher Fangemeinschaft ! Die Filme haben wahrscheinlich keine Preise in Cannes gewonnen aber den hat der "Big Lebowski" auch nicht Und für Ingmar Bergmann Fans gibt es andere Zuschauer
Patrick Kühnel 17.05.2017
2. nicht ueber einen Kamm scheren
Breitner fand ich gar nicht so schlecht in Potato Fritz, auch wenn mir der Film als furchtbar langweilig in Erinnerung ist.
Breitner fand ich gar nicht so schlecht in Potato Fritz, auch wenn mir der Film als furchtbar langweilig in Erinnerung ist.
Markus Staudt 17.05.2017
3. Hm....
Ich habe die Szene jetzt mehrfach gesehen und auch auf mehreren Seiten den Veriss von Beckham gelesen. Ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Es gibt echte "Filmstars" wie Schwarzenegger, die wesentlich [...]
Ich habe die Szene jetzt mehrfach gesehen und auch auf mehreren Seiten den Veriss von Beckham gelesen. Ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Es gibt echte "Filmstars" wie Schwarzenegger, die wesentlich schlechter spielen... Im Ernst, ich finde das etwas konstruiert, was dem armen David da angetan wird.
Emma Maier 17.05.2017
4. Wurden da nicht ein paar vergessen?
Z. B. Katsche Schwarzenbeck in "Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt"? War zwar nur eine Nebenrolle, aber immerhin. Außerdem hat Sepp Maier ein paar Mal im Fernsehen den Karl Valetin gegeben. Live auf der Bühne stand er [...]
Z. B. Katsche Schwarzenbeck in "Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt"? War zwar nur eine Nebenrolle, aber immerhin. Außerdem hat Sepp Maier ein paar Mal im Fernsehen den Karl Valetin gegeben. Live auf der Bühne stand er damit auch.
Ralf Böpple 17.05.2017
5.
Kann mich noch an Jean-Marie Pfaff erinnern, wie er einmal einen Fußball nicht hielt, der in seine Richtung gekickt wurde und durch eine Scheibe flog. Ganz großes Kino! Müsste einer von den Supernasen-Filmen gewesen sein... [...]
Kann mich noch an Jean-Marie Pfaff erinnern, wie er einmal einen Fußball nicht hielt, der in seine Richtung gekickt wurde und durch eine Scheibe flog. Ganz großes Kino! Müsste einer von den Supernasen-Filmen gewesen sein... Was Beckham angeht, so ist ganz offensichtlich, dass sich da einige an ihm abarbeiten und eine billige Schlagzeile suchen. Er ist nicht besser oder schlechter als andere kleine Nebenrollen...

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