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einestages

Rundfunk in Afrika

Kalter Krieg per Kurzwelle

Der Kampf der Systeme tobte auch im Äther: Ost und West buhlten mit aufwendigen Radiosendungen um Sympathien in Afrika. Noch heute sind einige Programme dort teilweise die wichtigste Informationsquelle - einige kommen aus Deutschland.

picture alliance/DPA
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Sonntag, 06.08.2017   14:03 Uhr

Wenn die Bundesliga-Saison am 18. August beginnt, werden afrikanische Reporter in zwei Studios der Deutschen Welle in Bonn ein ausgewähltes Spiel am Bildschirm verfolgen. In den Sprachen Hausa und Kisuaheli werden sie das Match schildern; die Hausa-Reportage werden etliche Tausend Menschen in Nordnigeria und benachbarten Ländern hören. Fußball live per Radio! Das Bundesliga-Spiel am Samstag zählt zu den beliebtesten Sendungen im Hausa-Dienst der Deutschen Welle (DW).

Der vom Bund finanzierte öffentlich-rechtliche Sender übermittelt im digitalen Zeitalter zwar Berichte und Unterhaltung aus Deutschland vorwiegend via Fernsehen und Internet. Aber in Teilen Afrikas ohne TV- und UKW-Empfang müssen die Leute immer noch ihr Radio anschalten, wenn sie sich über das Weltgeschehen und Ereignisse in ihrer Region informieren wollen. Das sogenannte Dampfradio mit Meterbändern für Kurzwellen existiert immer noch.

"Im Hausa-Kernland gibt es kaum ein Dorf oder Stadtviertel, in dem unser Programm nicht bekannt ist", berichtet Thomas Mösch. Der DW-Hausa-Chef reist regelmäßig aus Bonn ins Sendezielgebiet. "Für viele Menschen dort", so Mösch, "gilt eine Nachricht erst dann als glaubwürdig, wenn darüber neben den eigenen Medien auch die Hausa-Programme der britischen BBC, der Voice of America und der Deutschen Welle berichtet haben." Den einheimischen Sendern misstrauen viele, denn die verbreiten eher Regierungspropaganda als objektive Berichte.

Das Radio löste die Trommeln ab

Der Hausa-Dienst der Deutschen Welle ging 1963 zum ersten Mal auf Sendung und strahlt heute täglich zweieinhalb Programmstunden nach Afrika. Die derzeit elfköpfige Redaktion freut sich über Zuschriften von Hörern. Seit 2006 können die sich zeitgleich zum Programm äußern, zunächst über SMS und neuerdings vor allem auf Facebook. "Die DW ist eine wunderbare Radio-Station", schrieb ein gewisser Buba Infantry im Juni auf Facebook, "sie bringt dir die aktuellen Nachrichten, die du brauchst." Und ein Ibrahim Ahmad wünschte den Mitarbeitern, "möge der allmächtige Allah euch segnen".

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Radio Afrika: "Großartigstes Tam-Tam"

Tatsächlich ist das Hausa-Programm der Deutschen Welle ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Denn der Kampf zwischen Ost und West um die Köpfe der Afrikaner wurde einst auch im Äther ausgefochten. Vor 50 Jahren konnten vier Fünftel der Bevölkerung des Kontinents noch nicht lesen und schreiben. Aber Umfragen in afrikanischen Städten ergaben, dass dort über 80 Prozent der Bewohner regelmäßig Radio hörten.

"Wir lieben den Rundfunk, weil er für uns die getrommelte Botschaft und den öffentlichen Ausrufer ablöst", schrieb damals der Autor und Musiker Francis Bebey. Der prominente Kameruner nannte das Radio "Afrikas großartigstes Tam-Tam". Afrikas Regierungen nutzen dieses Tam-Tam seit der Unabhängigkeit als ihre Stimme. Bis heute kontrollieren fast überall die Informationsministerien den Rundfunk; Oppositionelle werden nicht an die Mikrofone gelassen.

Die Macht ist mit der Herrschaft über die Radiowellen verbunden; deshalb besetzen Putschisten stets zuerst das Funkhaus. Während des Kalten Krieges drängten sich auch die Auslandsdienste der rivalisierenden kapitalistischen und kommunistischen Staaten auf den afrikanischen Kurzwellen-Meterbändern. Die kommunistischen Länder drangen mit extrem starken Sendern in den afrikanischen Äther vor; westliche Staaten verfügten über Relaisstationen vor Ort - die Voice of America im westafrikanischen Liberia, die Deutsche Welle im zentralafrikanischen Ruanda.

Radio Moskau sendete in zwölf afrikanischen Sprachen

Das Äther-Gefecht um Schwarzafrika tobte in Englisch, Französisch und in zahlreichen einheimischen Sprachen. Die "Stimme Amerikas" sendete täglich 19 Stunden; Radio Moskau war 21 Stunden lang in nicht weniger als zwölf afrikanischen Sprachen dabei; der DDR-Auslandsdienst "Radio Berlin International" und die damals in Köln ansässige "Deutsche Welle" wetteiferten mit je gut zwölf Programmstunden am Tag um Hörer in Afrika. Unter ihnen: vor allem Studenten und junge Angestellte.

Sie schalteten die ausländischen Stationen ein, um Kontakt zur außerafrikanischen Welt zu bekommen. Die lockte über Musik- und Nachrichtensendungen hinaus mit Quizwettbewerben, bei denen T-Shirts, Schallplatten und Fotoapparate zu gewinnen waren. 1965 berichtete die nigerianische "Daily Times" in Wort und Bild, dass ein Mitarbeiter der Deutschen Welle dem 21-jährigen Hörer Sammy E. Oni bei einem Empfang in der deutschen Botschaft ein Transistorradio überbracht habe. Die begehrtesten Gewinne in Rate- und Essaywettbewerben waren Reisen in das Land des Senders.

Mit gutem Erfolg ermutigten die Rundfunkstationen ihre fernen Hörer, Clubs zu gründen. 1969 gab es in Afrika südlich der Sahara 174 Hörerclubs der Deutschen Welle mit etwa 6600 Mitgliedern. Nicht selten war der Clubvorsitzende der einzige, der ein Radio besaß. "Am Samstag werde ich ein Gründungsmitglied, Miss Bernadette Amuneke, heiraten", schrieb ein Clubchef aus Ghana an die Deutsche Welle, "wir haben uns im Hörerclub kennengelernt, der immer eine vereinende Kraft war."

Bundesliga-Quiz im Hausa-Programm

Heute ist die vereinende Kraft zwischen Menschen und Kontinenten das Internet. Die Bedeutung der Rundfunksendungen über Kurzwelle ging dramatisch zurück, Satelliten eröffneten neue technische Möglichkeiten. Die Deutsche Welle und die anderen Auslandssender stellten von Radio- auf TV-Programme um. Hörfunkdienste wurden überall gekürzt oder eingestellt. Mit dem Ende des Kalten Krieges endete auch die große Invasion Afrikas via Kurzwellen-Radio.

Überlebende Dienste, wie der Hausa-Service der DW, suchen Partnerschaften mit einheimischen Sendern. Als sogenannte Rebroadcaster nehmen sie die auf normalen Radios oft nur schwierig zu empfangenden Kurzwellen-Programme aus Deutschland auf und senden sie dann über UKW-Frequenzen. Als Gegenleistung bildet die DW afrikanische Rundfunkleute aus. Der Hausa-Dienst hat jedes Jahr vier Praktikanten aus dem Zielgebiet für sechs Monate in der Redaktion in Bonn.

Redaktionsleiter Mösch führte denn auch auf seiner letzten Reise nach Nord-Nigeria Gespräche mit Kandidaten für die Praktika. Bei einem Partnersender in der Stadt Bauchi überreichte er einem Hörer den Preis für den Gewinn eines DW-Bundesliga-Quiz: ein Trikot von Bayern München.

insgesamt 8 Beiträge
Tedel Kessner 06.08.2017
1. Nostalgisch...
... da bekommt man doch Lust, selbst mal wieder auf KW reinzuhören. Entsprechende Empfänger sind allerdings in der Tat rar geworden. Wird wohl leider über kurz oder lang aussterben genau wie analoges Radio im Allgemeinen.
... da bekommt man doch Lust, selbst mal wieder auf KW reinzuhören. Entsprechende Empfänger sind allerdings in der Tat rar geworden. Wird wohl leider über kurz oder lang aussterben genau wie analoges Radio im Allgemeinen.
Fred Meier 06.08.2017
2. Das Dampfradio auf Kurzwelle, immer mehr vergessen! Internet/Sat....
... sind ja so bequem, doch in sehr vielen Fällen ist die KW. die einfachste&leiseste Möglichkeit, auch andere Stimmen als die von den Regierenden gewünschten in eine Region zu bringen. Internet ist [...]
... sind ja so bequem, doch in sehr vielen Fällen ist die KW. die einfachste&leiseste Möglichkeit, auch andere Stimmen als die von den Regierenden gewünschten in eine Region zu bringen. Internet ist abschalt-&zensierbar. Sat braucht eine auffällige Schüssel, mit einem Kurzwellenradio, handgroß mit Batterie&Ohrhörer ist es möglich auch dann noch Informationen zu hören wenn alles andere unterdrückt wird. . Das sollte gerade HEUTE niemand vergessen & die dazu nötige Infrastruktur aufrechterhalten. Afrika ist nur ein Bereich! Da ist u.a. der Preis, die Infrastruktur entscheidend! Die "Bestätigungsfunktion" von BBC,DW usw. wird ja im Artikel genannt, doch z.B. die Türkei, der Nahe-Osten sind mMn. auch prädestinierte Zonen für diese Art der Information. . Es ist mMn. besser & effektiver 1.000 KW-Radios in solche Region zu liefern als 100 Gewehre:-(( . Verspielt die Werkzeuge&das "Ansehen" z.b. der DW nicht! Wir brauchen das dringend.
Detlev Vreisleben 06.08.2017
3. KW hören im Internet mittels SDR (Software Defined Radio)
Heute ist es möglich, KW im Internet zu hören. Es gibt SDR (Software Defined Radio) z.B. bei der Uni Twente: http://websdr.ewi.utwente.nl:8901/
Heute ist es möglich, KW im Internet zu hören. Es gibt SDR (Software Defined Radio) z.B. bei der Uni Twente: http://websdr.ewi.utwente.nl:8901/
Martin Hannover 06.08.2017
4. Die liebe Kurzwelle
1991 hab ich als Jugendlicher einen Kurzwellenemfänger von meinen Eltern bekommen- ein ausgemustertes BW- Gerät. War echt unglaublich was ich damals so zu hören bekam, auf Radio China gab es auch Nachrichten in deutscher [...]
1991 hab ich als Jugendlicher einen Kurzwellenemfänger von meinen Eltern bekommen- ein ausgemustertes BW- Gerät. War echt unglaublich was ich damals so zu hören bekam, auf Radio China gab es auch Nachrichten in deutscher Sprache, damals war der Kuwait- Krieg aktuell und Radio China hat - im Vergleich zu ARD und ZDF- von einem ganz anderen Geschehen erzählt, heute ist mir klar geworden, dass nicht nur die Chinesen Märchen erzähler sind...
mario voigt 06.08.2017
5. Ja nee ...
Man muß auf Kurzwelle zurückgreifen um die Nachrichten zu hören, kann aber gleichzeitig per Facebook mit dem Sender kommunizieren.
Man muß auf Kurzwelle zurückgreifen um die Nachrichten zu hören, kann aber gleichzeitig per Facebook mit dem Sender kommunizieren.

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