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Elvis-Industrie

Der König ist tot, es lebe das Geschäft

Elvis Presley war schon zu Lebzeiten Millionen wert - niemand verstand das besser als sein Manager Colonel Tom Parker. Die Gewinne mit dem King of Rock'n'Roll sprudeln 40 Jahre nach seinem Tod noch immer.

Getty Images
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Mittwoch, 16.08.2017   11:23 Uhr

Der mächtige Vorbau mit den vier weißen Säulen erinnert Besucher sofort an Graceland. Doch hier öffnen sich nicht die heiligen Hallen von Elvis Presley, sondern der Hotelkomplex "The Guest House at Graceland" - schräg gegenüber von Elvis' Villa, 20 Seiten und 450 Zimmer, rund 150 Dollar pro Nacht. Das Design der Suiten stammt von Priscilla Presley, 72, orientiert an Elvis' Geschmack. "Ihn schienen sehr exklusive, sehr farbige Räume anzuziehen", sagte sie dem Magazin "People".

Das edle Gästehaus im Retro-Chic wurde 2016 eröffnet und ist der jüngste Coup von Elvis Presley Enterprises (EPE), die sich um das Erbe des Superstars kümmert. Es ist gut gebucht, vor allem jetzt: Seit dem 12. August 2017 läuft die jährliche "Elvis Week", bei der Fans in Scharen nach Memphis pilgern.

Elvis Presley starb am 16. August 1977 im Badezimmer seiner Villa. 40 Jahre danach hofft EPE auf die bestbesuchte Elvis Week mit 50.000 bis 70.000 Besuchern, die während der neuntägigen Veranstaltung gut 15 Millionen Dollar ausgeben sollen. Größte Besuchergruppe: Frauen zwischen 28 und 35 Jahren.

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Elvis-Industrie: Schecks, Ertrag und Rock'n'Roll

Abgesehen von Elvis' Musik erklärt Mathias Häussler, Historiker an der Universität Cambridge, die Faszination vor allem mit der "unglaubliche Zahl an Bildern und Ideen, die wir heute noch sofort mit Elvis assoziieren - von Haartollen und Hüftschwüngen über Hawaiihemden bis zu Jumpsuits und Hochzeiten in Las Vegas".

Diese Markenidentität sei teils dem exzentrischen Stil zu verdanken: "Elvis lief so rum, dass man ihn nie verwechseln konnte", so Häussler. "Er hat Trends gesetzt, nie imitiert. Das gilt auch für seine Musik, insbesondere in den Fünfzigerjahren." Zum anderen Teil geht Elvis' Branding auf Colonel Tom Parker zurück - seinen cleveren und rücksichtslosen Manager.

Kalkulierte Romanzen

Der wanderte als Andreas "Dries" Cornelius van Kuijk in den Zwanzigerjahren illegal aus den Niederlanden in die USA ein. Er änderte seinen Namen in "Tom Parker", nahm Gelegenheitsjobs im Zirkus an, diente in der Army und legte sich danach den Spitznamen Colonel zu. Der junge Elvis hatte 1954 seine erste Single "That's All Right, Mama" aufgenommen, Parker nahm ihn 1955 unter Vertrag. Binnen eines Jahres waren beide Millionäre.

Parker verstand es wie kein anderer, die neue Jugendkultur für seine Zwecke zu nutzen. "Man nimmt die Kunst und verwandelt sie in Kommastellen", beschreibt der frühere Dire-Straits-Manager Ed Bicknell das Talent des Colonels.

Parker setzte Maßstäbe im Musikmanagement - und lebte gut davon: Satte 50 Prozent von Elvis' Einkünften kassierte er. Mit Geschäftssinn und knallharten Verhandlungen erschloss er ständig neue Einnahmequellen. Und setzte als Erster auf Diversifizierung: Warum sollte Elvis nur Musik machen, wenn er mit seinen Songs auch in Filmen auftreten konnte? Schon 1956 spielte Elvis seine erste Rolle in "Love Me Tender".


Elvis in Deutschland: Seltene Aufnahmen vom King of Rock'n'Roll

Foto: REUTERS

Angebot und Nachfrage behielt Parker stets im Blick. Als Elvis 1958 während seines Armeedienstes in Deutschland stationiert wurde, nutzte sein Manager die Abwesenheit, um den Konsumdrang der Fans anzuheizen: Zuvor aufgenommene Singles kamen im Vier-Monats-Rhythmus raus, Fotos von Elvis in Uniform gab es nur gegen Bezahlung.

Stories über Romanzen mit deutschen Mädchen hielten den King in den Schlagzeilen, ohne dass er einen Finger rühren musste. Gleichzeitig spielte Parker die Filmstudios Paramount und Universal so gegeneinander aus, dass Elvis noch vor Ende seiner Militärzeit Verträge mit beiden in der Tasche hatte. 1959 war ihm für das Folgejahr bereits ein Einkommen von über einer halben Million Dollar sicher.

Die Kasse klingelt auch posthum

Mit großem Geschick trieb Parker Elvis' Gagen in den Sechzigerjahren weiter hoch. Bald zahlte ihm MGM pro Film 500.000 Dollar. Bis 1969 entstanden 31 Filme, viele von eher mäßiger Qualität.

1968 arrangierte Parker eine TV-Show, die als Comeback-Special in die Musikgeschichte einging: Im schwarzen Lederanzug und mit rauem Sex-Appeal röhrte Elvis nach jahrelanger Bühnenabstinenz ins Mikro. Parker handelte sein Dauer-Engagement in Las Vegas aus, das Elvis 125.000 Dollar pro Woche eintrug.

Ab 1969 spielte Elvis abwechselnd zwei bis drei Shows pro Tag in Las Vegas oder ging auf Tour. Die Konzerte waren ausverkauft, Fans kreischten bei jedem Hüftschwung, zu "Love Me Tender" küsste er sich durchs weibliche Publikum.

Selbst als Elvis Presley am 16. August 1977 überraschend im Alter von 42 Jahren starb, hielt der Colonel nur kurz inne - um gleich mit den Geschäften fortzufahren: Zwei Tage später überredete er den trauernden Vater Vernon, mit ihm den gleichen Vertrag abzuschließen wie sein Sohn.

Nach Vernons Tod 1979 ging das Erbe auf Elvis' minderjährige Tochter Lisa Marie über; seine Ex-Frau Priscilla trat als ihr Vormund auf. Eine Buchprüfung ergab, dass Parker die Rechte an vielen Songs für eine Einmalzahlung an die Plattenfirma RCA verkauft hatte. Künftige Gewinne daraus gingen dem Nachlass so verloren. Und der Erlös aus Fanartikeln reichte kaum, um die Geschäfte in Graceland am Laufen zu halten.

Zugleich forderte die US-Steuerbehörde eine Steuernachzahlung von 15 Millionen Dollar. Nur zwei Jahre nach dem Tod Presleys drohte der Bankrott. Ein Gericht entschied, dass der Vertrag mit Parker aufgelöst werden sollte.

Priscilla Presley übernahm die Leitung der 1954 gegründeten Elvis Presley Enterprises und öffnete

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Elvis Presley: Der einsame Tod des King of Rock 'n' Roll

1981 Graceland, um aus den Eintrittsgeldern die Steuerschulden begleichen zu können. Tabu blieb nur die obere Etage mit Elvis' Schlafzimmer und dem Bad, in dem er starb. In der Shoppingmall gegenüber werden nur noch von der EPE lizensierte Devotionalien vertrieben. Jedes Souvenir, jedes Graceland-Ticket füllt die Nachlasskasse.

100 Millionen Dollar zum 25. Geburtstag

Als Lisa Marie 1993 im Alter von 25 Jahren ihr Erbe antrat, hatte ihre Mutter das Presley-Vermögen von fünf Millionen im Todesjahr auf über 100 Millionen Dollar vermehrt. Dazu trugen Jubiläums-Ausgaben seiner Aufnahmen bei, ebenso die Events, die seit 1978 jährlich zu Elvis' Geburtstag am 8. Januar und am Todestag stattfinden - von Auktionen persönlicher Gegenstände über Imitatoren-Wettbewerbe bis zur Kerzenandacht.

Um neue Märkte zu erschließen, holte Lisa Marie 2004 Robert F. X. Sillerman ins Boot: Für 114 Millionen Dollar kaufte er 85 Prozent der Anteile an Elvis Presley Enterprises. Sillerman galt als findiger Investor und hatte sich mit lukrativen Beteiligungen etwa an der TV-Castingshow "American Idol" einen Namen gemacht.

Auch bei Elvis dachte er groß - und verspekulierte sich: 2007 kaufte er ein sieben Hektar großes Gelände am Strip in Las Vegas, um für 475 Millionen Dollar ein Elvis-Resort zu bauen. Doch die Immobilienkrise traf die Wüstenstadt besonders hart, Sillermans Plan scheiterte.

Seine EPE-Anteile übernahm 2013 für eine unbekannte Summe die Firma Authentic Brands, die auch die Markenrechte an Marilyn Monroe und Muhammad Ali besitzt. Neben dem "Guest House" ließ das Unternehmen die Ausstellungsfläche "Elvis Presley's Memphis" auf dem Graceland-Gelände errichten und zeigt dort zum Beispiel Jumpsuits und Goldene Schallplatten.

"Vielleicht fasziniert uns Elvis heute noch so, weil er wie kaum ein anderer den amerikanischen Traum verkörpert", sagt Historiker Häussler. "Elvis kam aus ärmsten Verhältnissen, überwand fast spielerisch alle Grenzen und Hindernisse des konservativen Amerikas der Fünfzigerjahre, wurde gefeierter Filmstar, Idol von Millionen, hauste prunkvoll in seinem eigenen Palast 'Graceland' - und starb dennoch einsam und unglücklich". Der King sei "quasi das personifizierte Amerika".

Colonel Tom Parker beschrieb das Phänomen zehn Jahre nach Elvis' Tod mit einer einfacheren Formel: "Ich habe die Promotion gemacht, er hat die Show auf der Bühne geliefert, und die Fans haben es möglich gemacht."

insgesamt 4 Beiträge
Olaf Schiege 17.08.2017
1. Ein sehr guter Sänger
ein außergewöhnlicher Entertainer, aber King of Rock´n´Roll ist und bleibt Chuck Berry!
ein außergewöhnlicher Entertainer, aber King of Rock´n´Roll ist und bleibt Chuck Berry!
Norbert Meyer 19.08.2017
2. Warum...
hat dieser durchschnittliche Sänger so einen Nachhall? War nie meine Musik.
hat dieser durchschnittliche Sänger so einen Nachhall? War nie meine Musik.
lydia fredhelm 20.08.2017
3. Einmalig!
Wer Elvis Presley kennt und sich mit seinen Leben beschäftigt hat würde ihn sicherlich nicht als "durchschnittlichen Sänger" bezeichnen (@Norbert Meyer). Elvis war alles andere als durchschnittlich. Gegrade wegen [...]
Wer Elvis Presley kennt und sich mit seinen Leben beschäftigt hat würde ihn sicherlich nicht als "durchschnittlichen Sänger" bezeichnen (@Norbert Meyer). Elvis war alles andere als durchschnittlich. Gegrade wegen seiner vielfältigkeit ist Elvis der einzige Musiker der in allem fünf "Hall of Fame of Music" vertreten ist, der fast alle Recorde in der Musikwelt bis heute inne hält, der laut Geschichtsbücher ein neues Zeitalter eröffnet hat (Jugendbewegung, Grenzen zwischen Weiße und Schwarze durchbrochen). Viele Musiker, Künstler (auch heute noch) nennen Elvis als ihr großes Vorbild. Elvis war außerdem ein größer "stimmer"-Gönner der enorme Spenden an über 34 Hilfsorganisationen vertrielt hat und jeden Menschen geholfen hat, wenn einer in Not war. Nach über 40 Jahren Fan-sein entdecke ich noch immer neues über Elvis und, und ,und.....Das alles es sicherlich alles andere als durchschnitt.
Robert Squatter 21.08.2017
4. Elvis
bleibt für immer der KING OF ROCK N ROLL!
bleibt für immer der KING OF ROCK N ROLL!

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